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Spielkultur | Special | 4Sceners

11.02.15, 22:17 Uhr, Bobic

Ember von Kubbi, das Chiptune-Album des Jahres?

Am 5. Februar 2015 erschien Ember, das neue Album des norwegischen Gameboy- und Computermusikers Kubbi. Selten zuvor habe ich ein Release eines Chiptune-Künstlers so herbeigesehnt. Kann Kubbi meine Erwartungen erfüllen? Kann er die Messlatte nach seinem 2012er Album Circuithead noch einmal höher legen? Begleitet mich auf meiner Reise in das faszinierende Klanguniversum eines absoluten Ausnahmekünstlers.

Die erste Liebe vergisst man nie. Dieses wohlige Kribbeln im Bauch, diese Beschwingtheit mit der man plötzlich durchs Leben schreitet. Viel sensibler sind die Sinne eingestellt, das Wahrnehmungsempfinden ein anderes. Man sieht und spürt viel mehr als zuvor im alltäglichen Leben. Als ich im Dezember 2012 zum ersten Mal das Album Circuithead, des mir bis dato völlig unbekannten Musikers Kubbi hörte, flogen sie wieder, die Schmetterlinge. Dabei hatte ich von dem jungen Soundtüftler zuvor nie etwas gehört.

Eine Zeitreise
Damals hatte ich mir auf Bandcamp irgendein Album eines Chiptune-Musikers heruntergeladen, an welches ich mich inzwischen nicht mehr erinnern kann. Auf der Download-Seite werden immer ein paar Hörtipps anderer Musiker angezeigt. Genau dort sah ich das relativ unspektakuläre Cover von Kubbis Circuithead zum ersten Mal – und klickte mich gleich zum Download weiter. „Gib dem Ding eine Chance!“, hatte ich zu mir gesagt, denn dank „Pay what you want“-Methode (sprich: „für lau“) kann man ruhig einmal reinschnuppern.

Ein paar Stunden später war ich schließlich um ein paar Euronen ärmer. Gut investiertes Geld für Circuithead, denn dieses Album hat mich so richtig weggeblasen. Vom ersten Track an hatte mich Vegard Kummen, Kubbis bürgerlicher Name, mit seinen gefühlvollen Melodien, den faszinierenden Arrangements mit Beeps, Bleeps und elektronischen Klängen, auf seine Seite gezogen. Es war ein Klick ins absolute Hörglück und für mich das beste Netlabel-/Chiptune-Album, welches ich im Jahr 2012 gehört hatte.

Vielleicht ist es jetzt nachvollziehbar, warum ich den 5. Februar 2015 so sehnsüchtig herbeisehnte. Immerhin hatte ich kurz zuvor erfahren, dass dies der Tag der Erstveröffentlichung von Kubbis neuem Album Ember ist, dem ersten Full-Length-Album seit Circuithead. Dazwischen war er nur mit Single-Releases und Stücken für diverse Chiptune-Sampler in Erscheinung getreten, darunter die beliebte Chiptune = WIN-Reihe.


Bildquelle: Kubbi

Erhöhte Temperatur
Doch wollen wir endlich über Ember sprechen. Aus insgesamt neuen Stücken besteht dieses Album, das sowohl als Digitaler Download in gewohnter Zahl-was-du-willst-Manier bereit steht, ebenso aber als echte Audio-CD mit schickem Cover-Artwork erhältlich ist. Ab 10 US-Dollar ist letztere zu erwerben.

Bereits im Vorfeld hatte Kubbi „Restoration“ auf seiner Website und über Soundcloud veröffentlicht, einen Schnupper-Track, der die Glut in mir sofort wieder entfachte. Restoration weist alle Vorzüge auf, die einen echten „Kubbi“ ausmachen. Ruhige, sphärische Klänge bauen sich langsam zu einem komplexen Klanggerüst auf. Piepsige Töne formen einen melodiösen Körper drumherum den die Ohren begierig aufsaugen. Der dermaßen stimmungsvoll transportiert wird, dass sowohl Herz als auch Magen sich in einer puren Wohlfühloase befinden. Die Schmetterlinge fliegen wieder. Schon nach wenigen Sekunden ist mir klar geworden, dass hier etwas wirklich Großes herangereift ist.

Restoration ist das erste Ausrufezeichen, welches Vegard Kummen setzt und zugleich ein Beleg dafür, dass er sein melodisches Gespür noch einmal verfeinert hat. Deutlich ist die Weiterentwicklung zu spüren, die er in den zwei Jahren seit Circuithead genommen hat. Satter, aufwändiger, noch perfekter klingen die neuen Stücke. Bei Restoration werden das 8-bit Klangkorsett und die dazugehörige elektronischen Sequenzen um Passagen mit Streichern erweitert. Genau zum richtigen Zeitpunkt setzten diese ein, nachdem man zuvor zwei Minuten lang die  Gefühlsskala in Richtung Spitze erklimmen durfte. Doch währt die atmosphärische Verschnaufpause nur kurz. Mächtiger und eindringlicher als zuvor kehren die herrlichen Bleeps zurück, dieses Mal mit Unterstützung von E-Gitarren-Riffs, die sich hervorragend ins Gesamtkunstwerk einfügen. Jetzt entfaltet dieses Stück seine komplette Macht, deren klanglicher Schönheit man endgültig erliegt.

Kuschelrock

Überhaupt spielt die Gitarre auf Ember eine wichtige Rolle und wird zum prägenden Instrument neben dem Gameboy. Während bei „Pathfinder“, Opener des neuen Albums, noch kein Saitenspiel zu hören ist, sondern viel mehr die Klänge einer Steel Drum das musikalische Spektrum erweitern, schlägt das titelgebende zweite Stück stellenweise wieder richtig das Plektron an. Dabei wirkt das Gitarrenspiel aber niemals aufdringlich, sondern setzt genau die richtigen Akzente um die fantastische Melodie noch weiter zu stärken. Echten Hard-Rock darf und kann man nicht erwarten. Kubbi ist ein Schmuse-Musiker. Seine Sprache ist die Melodie, die gekonnte Aneinanderreihung atmosphärischer Tonfolgen. Der Chiptune-Charakter ist immer präsent. Gitarre und Schlagzeug machen daraus nur ein satteres Hörerlebnis.


Bildquelle: Kubbi

Seine härteste Stufe erreicht Kubbi bereits mit dem dritten Lied. In „Firelight“ rockt er deutlich schneller und härter als zuvor, sowie in den darauffolgenden Stücken. Das wirkt erfrischend, aber dennoch vertraut, denn natürlich ist sein Gameboy nach wie vor der Lead-Sänger, dem ein jeder an den Lippen hängt.

Ein kleines Stück vom angesagten Dubstep-Geschredder ist hingegen in „Cascade“ zu finden. Hier geht der „Refrain“, was in diesem Fall die melodische Hauptlinie ist, mehr in Richtung 8bit-Klang als bei den anderen Liedern. Auch hier steckt wieder ein echter Ohrwurm drin, nur dass er dieses Mal mit WubWub-Passagen angereichert wurde. „Compass“ und das überragende „Overworld“ verzichten auf Experimente. Kubbi macht dort genau das, wofür er bekannt ist: Er bastelt aus seinen Sounds Stücke, die vor Harmonie, Begeisterung und Liebe nur so sprühen. Es sind Klanggebilde die fesseln und nicht mehr loslassen.

Nach dem schon aus dem MAGFest = Win Sampler bekannten „The Cairn“, sowie dem vorab veröffentlichtem „Restoration“, setzt „Formed by Glaciers“ den atmosphärischen Schlusspunkt. Es ist der ruhigste Song auf Ember. Bekannte Melodien werden hier nochmals genutzt um anders instrumentiert neue Einblicke zu schaffen. Getragen von den Klängen eines Pianos und dem anmutigen Klang von Erin McQuistens Stimme baut sich langsam, aber stetig ein gewaltiges Inferno auf. Eine wahre Symphonie, die kurz, aber heftig, den perfekten Ausklang für Ember bietet.

Fazit

Groß waren die Fußstapfen des Vorgängeralbums Circuithead. Ember steigt locker darüber hinweg. Ich darf ruhigen Gewissens von einem modernen Chiptune-Album sprechen, das aufgrund der herrlichen Melodien und Atmosphäre schon jetzt als Meilenstein angesehen werden darf. Ja sogar angesehen werden muss!

Wenn man Kubbi einen Vorwurf machen könnte, dann müsste man vielleicht die mangelnde Abwechslung bei seinen Stücken ansprechen. Sie klingen allesamt recht ähnlich, brechen nur selten in andere Stilrichtungen aus, transportieren immer ruhige, wunderschöne Melodien erst zart, dann stärker instrumentiert in die Gehörgänge der Zuhörer. Doch Kubbi macht hier nichts falsch. Er zieht einfach sein Ding konsequent durch, spielt seine Stärken, die in der berauschenden Klangfolge und dem Mix aus Gameboy-Bleeps und elektronischer Computermusik liegen gekonnt aus und packt in Ember die geballte Kraft musikalischer Glückseligkeit. Damit berührt er die Herzen. Meines auf jeden Fall!

Track-Liste:
1. Pathfinder
2. Ember
3. Firelight
4. Cascade
5. Compass
6. Overworld
7. The Cairn
8. Restoration
9. Formed by Glaciers

Ember @ Bandcamp
Kubbi Website

Persönliche Favoriten: Ember, Overworld, Restoration


 
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