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Spielkultur | Special | 4Sceners

20.02.06, 21:05 Uhr, Bobic

Wenn in heutigen Szenedemos kunstvolle Objekte passend zur Musik über den Bildschirm gleiten, würde man gerne wissen, woher die Macher ihre Ideen beziehen. Oskar Fischinger, einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Avantgardefilms der 20er Jahre, könnte ein mögliches Vorbild sein.

Oskar Fischinger gilt als Visionär des modernen, abstrakten Films. Der am 22. Juni des Jahres 1900 in Gelnhausen bei
Szenen aus "Komposition in Blau", Fischingers Meisterwerk von 1935.
Frankfurt geborene Künstler und Filmemacher war mit seinen Ideen und Projekten der damaligen Zeit weit voraus, erlangte jedoch, wie so viele andere unterschätze Künstler, erst nach seinem Tod die nötige Anerkennung.

Knipsender Knirps
Als Sohn zweier Geschäftstüchtiger Eltern - sie besaßen sowohl eine Gastwirtschaft, als auch eine Drogerie - kam er schon früh mit der Welt der Fotografie in Berührung. Zur damaligen Zeit wurden Foto-Filme noch in der Drogerie entwickelt, was seine Leidenschaft für kunstvolle Schnappschüsse erklärt. Trotzdem wollte er nicht in die Fußstapfen seiner Eltern treten, sondern begann zuerst mit einer Lehre zum Orgelbauer, die er jedoch nicht abschloss. Erst als er 1916 nach Frankfurt zog und eine Ausbildung zum Technischen Zeichner anfing, nahm sein Schicksal den vorherbestimmten Lauf. Er schloss sein Lehrjahre mit einem Studium zum Ingenieur ab, weshalb er sich von vielen anderen bekannten Filmemacher unterscheidet. Denn in erster Linie ist Fischinger Techniker. Und diese Tatsache zieht sich wie ein roter Faden durch seine filmischen Werke und späteren Entwicklungen.

Als die Bilder laufen lernten
Für seine Zelluloidprojekte verwendete der gelernte Maschinenbautechniker meist geometrische Figuren und verschiedenste Farbspielereien. Realisiert hat er die, für die damalige Zeit, imposanten Effektorgien mithilfe von bunten Wachsobjekten, die mittels einer von ihm entwickelten Schneidemaschine geteilt wurden. Die daraus entstandenen neuen Oberflächenformen wurden als Einzelbilder fotografiert und letztendlich zu einem kunstvollen Film zusammengefügt. Diese Werke hatten durch die abenteuerlich anmutende Form- und Farbgebung eine wahrlich psychedelische Ausstrahlung. Ein weiteres Indiz dafür, dass Fischinger mit seiner Arbeit um Jahrzehnte voraus war. Denn in der Medienwelt tauchten solch meditative und psychedelische Einflüsse erst ab Mitte der Sechziger Jahre auf.

Oskar Fischinger, Filmemacher und Vorreiter der Demoszene!

Bei seinen Film "Seelische Konstruktionen" griff er auf eine andere Technik zurück. Auf einer von unten beleuchteten Milchglasscheibe brachte er Figuren aus Kaolin, einem Gemisch aus Ton und Wachs, auf. Diese filmte er senkrecht von oben ab, weshalb sie wie schwarze Silhouetten wirkten. Das fertige Werk erinnerte deshalb an einen Scherenschnittfilm.

Klangvolle Szenen
Die Musik nahm schon immer einen wichtigen Platz in Fischingers Leben ein. Somit verwundert es nicht, dass es sein größtes Anliegen war, den Ton synchron zu den gezeigten Elementen ablaufen zu lassen. Wir kennen diese Perfektion nicht nur aus der Welt des Werbefernsehens, sondern vor allem durch die zahlreichen Szenedemos. Deshalb schuf er von 1928 bis 1932 einige Studien, bei denen er den Rhythmus der Klänge in seinen typischen ausgefallenen Stil umsetzte. Zu dieser Zeit war der Tonfilm noch nicht erfunden, weshalb er andere Wege finden musste, um die Musik synchron zum gezeigten Bild ablaufen zu lassen. Aus diesem Grund unterteilte er eine Schallplatte in verschiedene Segmente, die zusammen eine Taktlänge ergaben. Zusammen mit der Drehgeschwindigkeit der Platte konnte er bis auf den Bruchteil einer Sekunde genau berechnen, wie lange ein solcher Takt dauert. Nun nahm er die Anzahl der Einzelbilder, die pro Sekunde gezeigt werden mussten und konnte somit jede Szene passend zur Musik gestalten. Das Problem war gelöst. Die Zuschauer waren verblüfft wie harmonisch die Bildfolgen von dazu passender Musik begleitet wurden.

         
 
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Kommentare zum Thema
Max_Headroom
[B]@Durandal:[/B] [QUOTE][B]Und in Zeiten von HD-WMV und was weiss ich nicht noch alles, braucht die gute Frau doch keine angst um Qualitätsverluste haben, zumal das Material schon so alt ist, und von Haus aus eine nicht so gute Qualität haben dürfte.[/B][/QUOTE] Naja, wenn man sich einige Videos aus dem Netz ansieht, die aus Platzgründen in ein 600 kB Flash-Filmchen bzw. RealMovie gepackt wurden, dann kann ich die Tochter sehr gut verstehen. Nicht alles sieht aus wie von DVD gezogen (^,-). Und ich denke, 4-Sceners würde das Video gerne auch Leuten zur verfügung stellen, die nicht \"mal eben\" ein 850 MB Video in 1600x1200 ziehen würden, sonder auch mit 320x240 und 5fps Trailern zufrieden wären. Und davor hat wohl die Tochter \"angst\". Naja, scha(n)de eigentlich, denn dadurch verwehrt man ein nicht ganz unerheblicher Teil der Neugierigen den Blick auf etwas, was womöglich *die* Inspirationsquelle schlechthin sein könnte. Und wer weiss ?! Vielleicht findet sich der eine oder andere Zugucker, der gerne die Videos digital restaurieren würde ?! Oder noch besser... per Software nachbilden ... Ein \"Emulator\" möglicherweise (^,-) [QUOTE][B]Oskar Fischinger, Filmemacher und Vorreiter der Demoszene![/B][/QUOTE] Denn um die Wahrheit zu sagen... ich habe den Namen hier zum allererstem Male gehört! Das ist eine relativ kühne Behauptung, das dieser Mann die Vorreiterrolle in der Szene hatte. Der Stil mag zwar viele Übereinstimmungen besitzen, doch hat man einen Demodesigner auch gefragt, ob er sich an Oskar orientiert hat ? Oder hat er einfach nur gesagt, er hat sich an Demo XXX, Design YYY bzw. Idee ZZZ gehalten ?! Intros, in dem z.Bsp. quadratische Elemente vor einem einfarbigem Hintergrund und einem Textscreen sich zur Chipmusik drehen, mir kommen gerade die Melon-Dezign Intros am Amiga in den Sinn, sehe ich als eigenständigen \"Pixelated\" Stil an, der sich an die rangezoomten 8-Bit Sprites orientiert. Das geometrische Figuren wie eine Pyramide, Quader und Kreis vor verschiedenen Lichtquellen rumtanzen, kann sich auch aus der Malerei und seinen Übungen dazu entwickelt haben. Das berühmte Bild der Vase und den mit Obst gefülltem Korb auf dem Tisch kennen ja wohl viele Demodesigner. Deshalb wage ich zu bezweifeln, ob dieser Künstler wahrlich als Vorreiter der Demoszene betitelbar ist. Seine Werke verblüffen möglicherweise mit den Ähnlichkeiten zu einigen Demos, aber mich würde interessieren, welche Demodesigner wirklich von Osakr Fischinger gehört und ihn studiert haben. Die meisten Intros die ich kenne entstanden in einem komplett anderem Umfeld und haben ihr Design nämlich anderen Umständen zu verdanken. -=MAX HEADROOM=- - Der Virus der Gesellschaft
Durandal
Schade, hätte das video gern gesehen! Und in Zeiten von HD-WMV und was weiss ich nicht noch alles, braucht die gute Frau doch keine angst um Qualitätsverluste haben, zumal das Material schon so alt ist, und von Haus aus eine nicht so gute Qualität haben dürfte.
4S-Bobic
Die Filme sind leider nicht frei. Seine Tochter erlaubt es niemandem, seine Filme zu verbreiten, bzw. hat Angst davor, dass die Qualität als AVI-Datei leiden könnte. Ich habe alles versucht um zumindest Komposition in Blau hier online stellen zu dürfen, aber leider wurde es mir nicht erlaubt.
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