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Counterstrike.de | Berichte | Ein Pfarrer denkt quer - Counterstrike.de hakt nach

27.08.07, 15:57 Uhr, Joerg

Gestern wurde der Artikel "Gewalt muss sein" von Thomas Hartmann veröffentlicht. Auf Anfrage stellte er sich den Fragen von Counterstrike.de

 

Nicht immer muss eine Diskussion in Hysterie ausarten und wohltuend erfrischend ist es, wenn sich jemand mit Sachkenntnis und Objektivität zu dem Thema äussert.

Der Pfarrer und Buchautor Thomas Hartmann setzt in der, bisher von beiden Seiten recht hitzig geführten Diskussion, auf Toleranz und Sachlichkeit. Von sich Reden machte er in der Sendung "Recht brisant" auf 3Sat, dem Artikel auf Heise.de (wir berichteten) und mit seinen Büchern. 

Sein Buch zum Thema: "Schluss mit dem Gewalt-Tabu! Warum Kinder ballern und sich prügeln müssen" erscheint am 3. Oktober.

 

Counterstrike.de: Ein Pfarrer der sich in der Jugendarbeit engagiert oder ein Pfarrer welcher ein Buch schreibt, sind nicht ungewöhnlich. Aber wie kommt ein Pfarrer zu dem Thema Computerspiele? Spielen Sie selbst?

Ich finde in der Tat, dass man sich zu diesem derzeit heftig umstrittenen Thema nur kompetent äußern kann, wenn man selbst Erfahrungen mit diesem Medium gesammelt hat. Ich kenne Computerspiele aller Art seit vielen Jahren, zunächst in Spielhallen, am C64, Atari-Konsolen usw. Richtig "eingestiegen" bin ich dann 1996 mit meinem ersten Mac, einem Performa 5200. Dort waren Myst I und das Weltraumabenteuer Daedalus Encounter im Paket enthalten, nebst einigen kleineren Games. Mir hat das sofort Spaß gemacht, auch wenn Myst eine extrem harte Nuss war (ich geb´s zu, ich habe mir irgendwann ein Lösungsbuch gekauft, online war das damals noch nicht so leicht verfügbar). Ich habe auch Shooter ausprobiert, weil mich deren grafische Welten faszinierten, am Mac war die Marathon-Trilogie von Bungie das, was auf dem PC Doom war (das allerdings dann auch für den Mac erschien). Genial finde ich immer noch Deus Ex I, weil man dort in einer unfassbar komplexen und glaubwürdigen Welt vielfältige Möglichkeiten hat, auch ohne virtuelle Leichen zum Ziel zu kommen. Diesem Game widme ich in meinem Buch einen eigenen, längeren Abschnitt. Speziell für mein Buch habe ich mich auch, teils in Demos, mit aktuelleren Shootern wie Doom 3, Prey, Halflife 2, Quake 4 oder F.E.A.R. befasst (ich besitze auch einen PC ...). Recht brutal, in der Tat, und nichts für Minderjährige, auch wenn ich solche so genannten Killerspiele nicht für Amokläufe oder den angeblichen Anstieg der Jugendgewalt verantwortlich mache, der so nicht existiert, wie ich ebenfalls in meinem Buch aufzeige. Wie ich dazu komme, mich mit diesem Thema überhaupt zu beschäftigen? Ich habe mich schon immer für virtuelle Welten interessiert, angefangen bei packenden SciFi-Romanen (hier besonders William Gibson oder Neal Stephenson), Comics, Kinofilmen und eben Computerspielen. Auch die Bibel stellt in mancher Hinsicht eine virtuelle Welt dar - mit ihren fantastischen Schilderungen des Paradieses, des himmlischen Jerusalems und überirdischer Wesen zum Beispiel. Was nicht heißt, dass der Glaube daran für mich "leer" wäre. es geht aber auch um die Wahrnehmung solcher Welten als virtueller Repräsentation in unserem Bewusstsein. Auch Glaubensinhalte sind immer an unsere neuronale Wahrnehmung gebunden und insofern erst einmal "virtuell".

 

Counterstrike.de: Welche Rolle spielen Computerspiele in der Freizeitgestaltung Ihrer Familie?

Ich persönlich spiele am liebsten Adventures, wie Blade Runner, Fahrenheit, oder auch die Tomb-Raider-Serie, also gern mit etwas Action dabei. Unsere vier Kinder spielen primär an Macs, die Jungen sind von Lego Star Wars oder Warcraft 3 begeistert, die Mädchen begnügen sich meistens mit Pac-Man-Klonen oder Flash-Games im Internet. Meine Frau hat außer gelegentlichen Pac-Man-Runden keinen inneren Zugang zu dem Genre.

 

Counterstrike.de: Wie sind Ihre Erfahrungen mit Jugendlichen? Ist der computerspielende Jugendliche die Regel oder eher die Ausnahme?

Ich kenne zumindest unter den Jungen kaum Jugendliche, die nicht spielen. Es ist nur eine Frage, welche Games und in welchem Umfang sie das tun. Bei Befragungen unter meinen Konfirmanden (12-14 Jahre) habe ich festgestellt, dass manche auch Shooter ab 16 Jahre oder ohne Altersfreigabe spielen, was ich nicht unproblematisch finde, denn was immer man von den USK-Einstufungen hält, ich denke schon, dass das Team dort einen verantwortungsvollen und reflektierten Job macht. Eltern sollten darauf achten, dass ihre Kids auch altersgemäße Games spielen. Aber darin liegt ja ein entscheidendes Problem, dass viele Erziehungsberechtigte nur über wenig Medienkompetenz verfügen, es sei denn, sie spielen selbst. Immerhin sollen ja die "Silver Gamer" auf dem Vormarsch sein. Das ist wohl insbesondere die Generation, zu der ich auch gehöre, die schon irgendwie mit den ersten Computerspielen groß wurde. Allerdings, einen Zusammenhang derart, dass Jugendliche, die Shooter spielen, besonders brutal oder gewaltbereit wären, habe ich in meinem Erfahrungsumkreis nicht feststellen können. Und alle einschlägigen Untersuchungen belegen das ebenfalls nicht, sofern man aus Korrelationen nicht einseitig Kausalverhältnisse konstruiert ...

 

Counterstrike.de: Wo sehen Sie in Computerspielen die Grenze zwischen normaler spielerischer Gewalt und einem sadistischen Gewaltexzess, wie er von Verbotsbefürwortern gerne angeführt wird?

Sadistische Spiele darf es ja im Prinzip nicht geben. Die Verherrlichung von Gewalt oder deren Verharmlosung bzw. deren Verbreitung durch Medien wie Computerspiele steht in Deutschland bekanntlich unter Strafe. Spiele wie Hitman, Manhunt (das es ja hier zu Lande offiziell nicht gibt) oder früher Kingpin (indiziert) sowie die sadistischen Attacken gegen Frauen in Duke Nukem 3D schaden dem Ansehen aller Befürworter von auch actionreichen bis gewalthaltigen Computerspielen enorm. Auch Anweisungen, dass man für das Foltern von virtuellen Gegnern Extra-Punkte erhält, finde ich widerlich. Freilich, Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat stimme ich zu: Erwachsene haben auch ein Recht auf "Schund" und Geschmacklosigkeiten - im Rahmen der geltenden rechtlichen Bestimmungen. Betrachtet man die Kulturgeschichte insgesamt, von der Bibel über das Mittelalter (Dante, Hieronymus Bosch, auch Shakespeare etwa) oder aktuelle Thriller wie "Der siebte Tod", dann sieht man, wie "beliebt" aus welchen Gründen auch immer gewalthaltige bis sadistische Darstellungen auch außerhalb moderner Computerspiele sind, von einigen Kinofilmen, etwa die Saw-Serie oder Hostel, mal ganz abgesehen. Offenbar wird damit ein "Bedürfnis" erfüllt, sich auch mit den dunkelsten Aspekten unserer Seele auf diese mediale Weise auseinanderzusetzen. Darin liegt ihr kulturelles und psychologisches Recht - aber auch die Grenze bei deren Zugänglichkeit für Nicht-Erwachsene.

 

Counterstrike.de: Glauben Sie, dass Erziehungsberechtigte mit dem Medium Computer überfordert sind?

Ein Problem der gegenwärtigen, teils hysterischen Diskussion ist sicherlich, dass sich Menschen mit dem Thema befassen, die in ihrer Generation keinerlei Erfahrung mit diesem Medium gesammelt haben und auch heute nicht dazu bereit sind. Ich glaube aber schon, dass sich jeder Erwachsene, der zu einer kompetenten Meinung über Computerspiele, Videos & Co. kommen will, das auch bewältigen kann. Indem man sich etwa differenzierter als durch tendenziöse Fernsehsendungen zum Thema informiert, unterschiedliche Darstellungen liest oder sich einmal selbst mit dem Nachwuchs an den PC setzt. Schon um herauszufinden, was die Kids und Jugendlichen denn daran so fasziniert. Das Medium Computer allgemein wird inzwischen auch von vielen Senioren beherrscht, jedenfalls so weit, dass sie damit Word-Dateien ausfüllen, im Internet surfen oder E-Mails schreiben können. Insofern sehe ich keine grundsätzliche "Überforderung" damit.

 

Counterstrike.de: Was halten Sie von den derzeit in Deutschland geltenden Jugendschutzbestimmungen im Bezug auf Computerspiele?

Wie schon gesagt, ich halte es für richtig, sich im Prinzip an die Empfehlungen der USK zu halten und deren Kriterien auch in der Diskussion mit Jugendlichen über für sie "geeignete" Spiele heranzuziehen. Bekanntlich haben wir in Deutschland ohnehin einen schon sehr restriktiven Jugendschutz, etwa im Vergleich zu den USA oder dem europäischen "PEGI". Ich meine, damit sind wir gut bedient, es muss dann aber auch konsequenter umgesetzt werden. Unter 18-jährigen sollten keine Spiele ohne Altersfreigabe verkauft oder zugänglich gemacht werden. Natürlich ziehen sich viele dann auch indizierte Games aus dem Netz. Daher ist es wiederum primär eine Aufgabe der Eltern und Pädagogen, sich Medienkompetenz anzueignen, um mit diesem Thema kenntnisreich umgehen zu können, und sich mit ihren Kindern oder Schülern auf dieser Ebene überhaupt ernsthaft auseinander zu setzen, Interesse zu zeigen und ins Gespräch zu kommen. Verbote ersetzen eben keine Erziehung, das war schon immer so.

 

Counterstrike.de: Öffentlich rechtliche, also staatlich geförderte Sendungen wie Panorama (NDR) oder Frontal21 (ZDF) drückten in der Vergangenheit den Computerspieler in die Ecke des Nazis, Vergewaltigers oder des unheilbar Süchtigen. Proteste und Beschwerden über offensichtliche Unwahrheiten wurden ignoriert und abgeschmettert. Viele unserer Leser fühlen sich zunehmend hilflos der Medienwillkür ausgeliefert. Wie lautet Ihr Rat?

Hier hilft außer den bekannten und öffentlich gemachten Protestschreiben, zum Teil ja auch über Gamersites, nur die offene Diskussion. Der Vorschlag des Wiesbadener Kriminologen Prof. Egg, der kürzlich mit dem hessischen Innenminister Volker Bouffier und mir zu dem Thema "Killerspiele" (3SAT, "Recht brisant" am 5. August 2007) befragt wurde, könnte da weiterhelfen. Er fordert einen "systemübergreifenden runden Tisch, an dem alle Gruppen mitwirken". Dabei lassen sich viele Vorurteile und Missverständnisse ausräumen, natürlich nur, wenn man offen und guten Willens ist. Dass Prof. Pfeiffer, der in den öffentlich-rechtlichen Medien so eine Art Deutungshoheit zum Thema "Killerspiele" errungen hat, sich auf der Games Convention einem offenen Dialog mit Vince Desi gestellt hat, finde ich von ihm mutig und werte ich als gutes Zeichen. Ich unterstütze übrigens auch seinen Ruf nach Ganztagsschulen mit dem Ziel, dort "Lust aufs Leben" zu wecken. Das wird allerdings nur gelingen, wenn auch ein durchdachtes pädagogisches Konzept dafür vorliegt. Denn eine Verwahrungsanstalt für Kinder und Jugendliche, um sie von ihren angeblich so schädlichen Freizeitbeschäftigungen abzuhalten, brauchen wir nicht. Leider könnte dies genau daran scheitern: am Streit um das passende Konzept, der in den politischen Mühlen wieder einmal ausufern und am Ende ohne Ergebnis verpuffen könnte, sowie am Geld, das dafür nötig sein würde. Verbote kosten eben nichts. Aber sie führen auch keinen Schritt weiter. Deshalb plädiere ich trotz aller Skepsis dafür, Ideen wie runde Tische und Ganztagsschulen in der Diskussion energisch weiter zu verfolgen.

 

Wir danken Herrn Pfarrer Thomas Hartmann für die schnelle und ausführliche Beantwortung unserer Fragen.

          
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