Sehr hilfreich ist auch die Y-Taste als Schnellsprung zu Ereignissen: Wenn man an der Flanke attackiert wird, braucht man nicht erst umständlich mit dem Stick dorthin scrollen. Leider funktioniert das nicht immer perfekt und manchmal wird dabei der Nebel des Krieges ignoriert - sprich: Obwohl Feind noch nicht in Sicht ist, springt man hin und weiß, wo er steht. Aber das passiert nur in Ausnahmefällen und ist kein schwerer Kritikpunkt. Ansonsten hilft der rechte Stick bei Kameradrehung und Zoom.
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| In den vier neuen Online-Modi geht es auch um das Halten und Erobern großer Burganlagen. |
Geht man rein ins Getümmel, sieht man allerdings grobe Schatten mit Blockkastencharakter, die einer Xbox 360 nicht würdig sind - hier hätte man grafisch mehr bieten müssen. Auch Feinheiten wie Fußspuren auf dem Boden vermisst man, so dass die Kulisse trotz ihrer wunderbaren Kreaturen und Zauber insgesamt nicht dieses Wow-Gefühl entfachen kann. Außerdem gibt es selbst ohne große Truppenmasse plötzliche Verlangsamungen - alles stockt für einen Moment. Insgesamt ist das Spiel technisch alles andere als am Limit.
Voll belegte Steuerung
Man kann seine Verbände über einen Klick sowohl einzeln als auch über die Schultertaste im Ganzen auswählen - dann wird à la STRG-A alles vom Krieger bis zum Reiter blau markiert. Schön ist, dass man über eine Wischfunktion die Lassomethode der Maus sehr gut simuliert: Einfach A gedrückt halten und ein Pinsel erscheint - gute Idee. Damit lassen sich gezielt gemischte Verbände markieren. Überhaupt hat EA das Gamepad sehr durchdacht belegt: Über den Bumper lassen sich z.B. einzelne Truppentypen wie Bogenschützen, Kavallerie etc. aktivieren. Selbst an die Gruppensortierung hat man gedacht: Man kann Verbände markieren und mit einem Lesezeichen versehen, damit man sie später über das Digikreuz schneller findet.
Selbst die taktischen Details hat man nicht vergessen: Hält man die Schultertaste gedrückt, werden Kampfverhalten wie aggressiv und defensiv, Spezialmanöver wie der Schildwall oder Zauber wie Erdbeben & Co elegant eingeblendet. So weit, so gut: EA bietet Konsolenspielern damit dieselbe Komplexität wie PC-Spielern und beweist, dass man in Echtzeit auch mit dem Gamepad herrschen kann.
Hektische Kampfmanöver
Aber: Im Kampf wird es schnell hektisch, wenn man einzelne Einheiten markieren, die zusätzlichen Befehle erteilen oder in die Feinheiten abtauchen will - mit der Maus kann man Fehlklicks in Grenzen halten, hier häufen sie sich einfach aufgrund der vielen Knopfkombinationen und der etwas unsauberen Wege zum Ziel. Auch bei der Auswahl der Gruppen über das Digikreuz kann man sich schnell verzetteln, wenn man zu viel Druck ausübt - kein Vergleich zum präzisen Tastatursprung auf dem PC.
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| Egal ob Feuerpfeile oder Erdbebenzauber: Kreaturen, Effekte und Kulisse überzeugen auf der Xbox 360 - auch, wenn die Grafik insgesamt nicht begeistert. |
So dauert es im Vergleich noch zu lange, bis eine Befehlskette aus dem Kopf aufs Schlachtfeld kommt. Auch die intuitive Formierung der Truppen über das Halten und Ziehen der Maus ist zwar hier über das Gedrückthalten der A-Taste möglich, aber viel zu sensibel: Man hat kaum eine Chance, die Truppen wie auf dem PC in die Tiefe zu staffeln. Trotzdem kann das Spiel gut unterhalten. Nur konzentriert man sich - noch mehr als auf dem PC- auf die wesentlichen und komfortablen Manöver wie: Alles markieren, Gegner angreifen, danach noch ein Zauber, fertig!
Motivation im Netz
Nach den beiden Kampagnen oder Gefechten gegen Computergegner sorgt Xbox Live noch mal für einen zusätzlichen Motivationsschub, ohne den das Spiel auf ein befriedigendes Niveau gerutscht wäre: Hier liefert EA nicht nur einen weitestgehend flüssigen Ablauf, sondern auch eine üppige Auswahl an Matchmöglichkeiten. Man kann mit bis zu vier Spielern einen schnellen Kampf austragen, ein Privatspiel einrichten und auf Wunsch in den Ranglisten mitmischen - inklusive aller Statistiken.
Hinzu kommen exklusiv für die Xbox 360 vier neue Online-Modi mit knapp 40 Karten vom Auenland über die Totensümpfe bis nach Mordor. Das ist gegenüber der mageren Deathmatchkost auf dem PC ein großer Vorteil. Im "König des Hügels" kämpft ihr z.B. um eine Festung oder ein Leuchtfeuer. Und siehe da: Hier gibt es auch endlich bemannbare Mauern, auf die ihr eure Bogenschützen manövrieren könnt. Und siehe nochmal da: Hier können einfache Pikeniere keine Mauern mehr einreißen, sondern nur Katapulte & Co! Zwar nur auf den vorgegebenen und nicht den manuell baubaren Festungen, aber immerhin. Das sind deutliche Fortschritte, die den Spielspaß anheben und die ich gerne am PC gesehen hätte. In meinem Favoriten "Besetzen & Halten" geht es darum, spezielle Punkte auf Zeit zu verteidigen - also mal 15 Minuten mehrere Geländepositionen sichern. Das macht kurzweilig Spaß und fordert geschicktes Einheitenmanagement. In "Rohstoffsammler" gewinnt der fleißigste Ernter und in "Held gegen Held" darf man sich mit vier mächtigen Helden auf den Weg ins Feindesland machen, um alle Burgen und Heroen des Gegners zu zerstören. Dieser Modus lässt aber alle taktischen Truppenbewegungen außen vor und konzentriert sich lediglich auf mächtige Spezialfähigkeiten.