Blizzard Entertainment: Wie Blizzard seinen Glanz verliert - Special

 

Special: Blizzard Entertainment (Unternehmen)

von Marcel Kleffmann



Blizzard Entertainment: Wie Blizzard seinen Glanz verlor
Wie Blizzard seinen Glanz verliert
Unternehmen
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Blizzard Entertainment hat in den vergangenen Jahren vorwiegend mit kontroversen Geschichten, Kündigungswellen und verunglückten Spiele-Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht. WarCraft 3: Reforged, Diablo Immortal, Blitzchung und Stellenabbau trotz Rekordgewinn, um nur einige zu nennen. Wie konnte es dazu kommen? Wir blicken zurück auf die letzten Jahre, die Fehlentwicklungen und den wachsenden Einfluss von Activision.



Es war einmal ...

Diablo, WarCraft, StarCraft und auch The Lost Vikings. Blizzard Entertainment hat Ende der 90er-Jahre und Anfang 2000 mächtig gute und beliebte Spiele entwickelt, die dem Studio weltweit Anerkennung und einen sehr guten Ruf bescherten. Aber obwohl StarCraft, Diablo 2 und WarCraft 3 allesamt Millionenseller waren und sich auf dem PC schnell treue Fangemeinden bildeten, brachte erst World of WarCraft 2004/2005 den richtig großen Stein ins Rollen, der auch finanziell für einen Höhenflug sondergleichen sorgte - zu Lich-King-Rekordzeiten (2008) zählte man zwölf Mio. zahlende Abonnenten. Die Blizzard-Spiele waren zu der Zeit absolute Ausnahmeprodukte, auch wenn angekündigte Titel wie WarCraft Adventures oder StarCraft: Ghost eingestampft wurden.

In den letzten Jahren bröckelte jedoch der lang erarbeitete Ruf, trotz etwaiger Highlights wie StarCraft 2 oder Overwatch. So stieß Blizzard den eigenen Hardcore-Fans mit der Vorstellung von Diablo Immortal vor den Kopf und die Veröffentlichung von WarCraft 3: Reforged war eine unfertige Frechheit. Während viele andere Fettnäpfchen nicht ausgelassen wurden, kehrten immer mehr langjährige und namhafte Mitarbeiter dem Unternehmen den Rücken. In diesem Bericht soll es weniger um die unbestreitbaren frühen Erfolge von Blizzard Entertainment gehen, sondern um die spürbaren Veränderungen in den letzten Jahren, die auf den wachsenden Einfluss von Activision Blizzard zurückzuführen sind - und natürlich auf das leidige Thema: Geld.

Wie Blizzard zu Activision kam

Mit Blizzard Entertainment verbindet man eigentlich bekannte Marken, langjährigen Spiele-Support und auch gute Spiele.
Mit Blizzard Entertainment verbindet man eigentlich bekannte Marken, langjährigen Spiele-Support und auch "gute" Spiele.

Doch der Reihe nach. Anfang 2000 gehörte Blizzard Entertainment zum Publisher Vivendi (Universal) Games, der sich später in einer Dauerkrise befand, aber u.a. dank Blizzard am Leben gehalten wurde. 2007 und 2008 suchte der Activision-Chef Robert "Bobby" Kotick nach einem starken MMO als Zugpferd für das eigene Unternehmen und da fiel sein Blick auf das schwächelnde Unternehmen von Vivendi Games. Allerdings kannte deren Führungsetage den Wert von World of WarCraft - und somit kam es nicht zu einer Übernahme, sondern zu einer Fusion. Im neuen Konzern, der Activision Blizzard getauft wurde, um von der Stärke der Marke Blizzard zu profitieren, war Vivendi der Mehrheitseigner und damit tonangebend. Eine kleine Randnotiz: Für Bobby Kotick war ein weiteres Detail bestimmt sehr interessant, denn Mike Morhaime als Präsident von Blizzard Entertainment hatte bereits Geschäftsbeziehungen nach China aufgebaut.

Nach der Fusion schien sich erstmal wenig verändert zu haben und nach außen hin wirkte es fast so, als hätte Blizzard freie Hand - obgleich das Echtgeld-Auktionshaus bei Diablo 3 sowie der Ausbau von StarCraft 2 zu einer Trilogie schon einen Beigeschmack hatten.

Im Juli 2012 wollte Vivendi dann Activision Blizzard verkaufen, um an Liquidität zu kommen. Interessenten waren damals wohl Microsoft, Tencent und Time Warner. Der Verkauf kam aber nicht zustande. Am 25. Juli 2013 kam es dann zum "Buyout" von Vivendi. Vivendi verkaufte den Großteil seiner Activision-Blizzard-Anteile an Bobby Kotick (Activision CEO) und Brian Kelly. Nach Abschluss des Deals war Vivendi nicht mehr die Muttergesellschaft von Activision Blizzard. Das Unternehmen wurde von Vivendi unabhängig. Kotick blieb Präsident und CEO, Brian Kelly übernahm den Vorsitz. Vivendi stieg bis Ende 2016 komplett aus.

Quellen: Forbes (Unternehmensfusion); Businesswire und Reuters (Vivendi will Activision Blizzard verkaufen); Engadget und Spiegel (Vivendi-Buyout)

Als Vivendi noch an Bord war (bis 2013)


Bei der BlizzCon (hier 2014) feiert sich das Unternehmen selbst - und vor allem seine (zahlenden) Fans. Noch im Jahr 2009 behauptete Blizzard, dass die Kosten für die Veranstaltung so groß wären, dass die BlizzCon eigentlich ein Verlustgeschäft sei. Aber der direkte Draht zu der Community war der damaligen Unternehmensleitung entspechend wichtig.
Bei der BlizzCon (hier 2014) feiert sich das Unternehmen selbst - und vor allem seine (zahlenden) Fans. Noch im Jahr 2009 behauptete Blizzard, dass die Kosten für die Veranstaltung so groß wären, dass die BlizzCon eigentlich ein Verlustgeschäft sei. Aber der direkte Draht zu der Community war der damaligen Unternehmensleitung entspechend wichtig.

Als Vivendi noch mit in der Führungsspitze saß, wurden mal bessere, mal schlechtere Erweiterungen für World of WarCraft, die StarCraft-2-Trilogie und Diablo 3 veröffentlicht - Letzteres machte mehr durch Server-Probleme, ein vergeigtes Itemsystem und das unsägliche Echtgeld-Auktionshaus auf sich aufmerksam. Erst nach vielen Updates und der Erweiterung Diablo 3: Reaper of Souls zeigte das Spiel seine Stärken. 2014 überraschte Blizzard mit Hearthstone - einem digitalen Sammelkartenspiel mit eingebautem Zufallsfaktor auf Free-to-play-Basis, das von einem kleinen Team realisiert wurde und sich schnell zur Cashcow mauserte. Zahlreiche Kartensets und Erweiterungen, auch für Solo-Spieler, folgten - sowie Umsetzungen für Smartphones und Tablets, mit denen sich ein neuer und allem Anschein nach viel größerer Markt öffnete. 2015 ging mit Heroes of the Storm eine MOBA auf Free-to-play-Basis (zu spät) an den Start, zog aber gegen die etablierten Platzhirsche League of Legends und Dota 2 den Kürzeren, obwohl das Spiel mit teils kreativen Ideen auf den Schlachtfeldern aufwartete, aber bei der Charakter-Entwicklung oberflächlich blieb.

Und obgleich World of WarCraft weiterhin "gut" lief, breitete Activision irgendwann den Mantel des Schweigens über die Abozahlen aus und nannte nur noch die abstrakte Größe der "monatlich aktiven Spieler" in Blizzard-Titeln.

Titan: Die Suche nach dem nächsten großen Ding

Aber hinter den Kulissen lief längst nicht alles wie geschmiert. Titan, das "nächste große Ding" nach World of WarCraft, wollte einfach nicht zünden. Seit 2008 war es in Entwicklung und 2010 sollen mehr als 100 Mitarbeiter an dem Online-Projekt gesessen haben, das als Mischung aus Die Sims, Left 4 Dead und Team Fortress 2 beschrieben wurde. Tagsüber sollte der Spieler-Charakter ein normaler Mensch und nachts ein Superheld sein. Nach mehreren Jahren wurde das Projekt dann eingestellt. Das Scheitern des Projekts trotz versammelter und erfolgsverwöhnter Kompetenz im Hause hinterließ laut mehreren Mitarbeitern gegenüber Kotaku viel Verunsicherung und Selbstzweifel im Team - auch Jahre später nagte das Titan-Desaster noch an dem Selbstbewusstsein vieler Entwickler.

Die Scherben von Titan kehrte letztlich ein Team um Jeff Kaplan auf und strickte daraus den Multiplayer-Shooter Overwatch, der 2016 mit einem Paukenschlag erschien. Im Geschäftsbericht hieß es damals, dass Overwatch nach weniger als einem Jahr zu einer Milliarden-Dollar-Marke angewachsen wäre - mit mehr als 30 Millionen Spielern. Zugleich wurden die eSports-Ambitionen mit der Overwatch League in einem übergroßen Maßstab ausgebaut.

Während Overwatch im Gespräch war, wurden laut Kotaku die Pläne für eine zweite Diablo-3-Erweiterung auf Eis gelegt und ein neuer Diablo-Teil als Dark-Souls-Variante aus der Verfolgerperspektive in Angriff genommen. Das Diablo-Projekt wurde aber ebenso eingestellt wie ein Shooter im StarCraft-Universum nach Battlefield-Muster.

Quellen: Polygon und Kotaku (Titan-Einstellung); Kotaku (D3-Erweiterung #2, StarCraft-Shooter und Diablo Dark Souls); Kotaku (Verunsicherung im Team), GameSpot (kein Gewinn mit der BlizzCon)

Kommentare

th3orist schrieb am
Seitdem Blizzard 2008 mit Activision verschmolzen ist gabs halt diesen langsamen aber stetigen Wandel der eben in all dem kulminiert was wir in den letzten paar Jahren von Blizzard bekommen haben, und das ist nicht viel generell und auch nicht so viel Gutes. Mag sein dass das für die Bilanzen tolle 12 Jahre gewesen sind seit 2008 aber der Glanz und das wofür bis dahin der Name Blizzard bei der Community stand ist einfach mal weg, komplett.
Es ist auch kein Zufall dass die Wrath of the Lich King Erweiterung die war wo es die meisten Abonnenten bei WoW gab, es war die letzte Erweiterung die noch 100% unter dem 'alten' Blizzard entstand. Die Erweiterungen und die anderen Spiele die seitdem kamen tragen alle eine andere Handschrift (Overwatch, D3 etc).
Ich selbst interessiere mich heutzutage nur noch sehr am Rande für das was aus dem Hause Blizzard kommt. Wodrauf ich mich jetzt tatsächlich nur freue ist das Remaster von D2.
c452h schrieb am
Randall Flagg hat geschrieben: ?
20.02.2021 12:14
c452h hat geschrieben: ?
20.02.2021 10:16
Bezeichnend, dass jetzt seit über 24 Stunden ein Thread im deutschen WoW-Battlenetforum steht, in dem Spieler ernsthaft meinen, es könne doch verschiedene Menschenrassen geben und diverse rechts angehauchte Typen ihre Agenda durchbringen wollen, indem sie Kritiker als linke Hetzer und Snowflakes bezeichnen und Rassismus gegen Weiße anprangern.
Mir ist schon in der Vergangenheit aufgefallen, dass da viele Rechte herumlaufen.
Die Moderation pennt mal wieder und braucht sicherlich wieder Tage, um den Thread zu sperren. Das schaffen Hobbyforen, in denen Berufstätige als Mods agieren, innerhalb von zwei Stunden.
Hast du mal einen Link zum entsprechenden Thread? Das klingt nach einer Shitshow, die ich mir gerne antun würde :)
Hier:
https://eu.forums.blizzard.com/de/wow/t ... 132960/149
Ab Beitrag 146 bis zum Ende lesen. Vorher ist es nicht so spannend.
Some Guy schrieb am
AyCaramba123 hat geschrieben: ?
21.02.2021 13:04
Blizzard könnte es auch so einfach haben, anstelle Diablo 2 und Warcraft 3 anzukündigen und Geld zu kassieren, weil man damit gute Erinnerungen assoziiert, könnte man auch einfach mal nach über 19 Jahren den Nachfolger Warcraft 4 ankündigen und das mit E-Sport-Ambitionen. Aber wahrscheinlich hat man dort kein Konzept für Skins oder Lootboxen gefunden...
Es gab auch schon länger kein Strategiespiel mehr, das wirklich Wellen geschlagen hat. Ich kann mir auch vorstellen, dass ein Warcraft 4 so etwas wieder schaffen könnte, aber Risiken will diese Firma nun scheinbar nicht mehr eingehen. Mit dem Aufkochen alter Sachen ist alles einfach zuverlässiger - Fans lieben es garantiert und Verkäufe sind sichergestellt.
AyCaramba123 schrieb am
Blizzard könnte es auch so einfach haben, anstelle Diablo 2 und Warcraft 3 anzukündigen und Geld zu kassieren, weil man damit gute Erinnerungen assoziiert, könnte man auch einfach mal nach über 19 Jahren den Nachfolger Warcraft 4 ankündigen und das mit E-Sport-Ambitionen. Aber wahrscheinlich hat man dort kein Konzept für Skins oder Lootboxen gefunden...
D_Sunshine schrieb am
Ich gestehe, ich hatte Diablo:Immortal mitlerweile aus dem Gedächtnis gestrichen und ich als letztens schaute, was ich eigentlich so alles auf meinem IPad zocken kann, dachte ich: "Hm, ein Mobile-Diablo wäre doch was..." :ugly:
Und dennoch war es dieser Abschnitt:
Was kann man von Blizzard Entertainment in den nächsten Jahren erwarten? Sehr wahrscheinlich mehr von allen Blizzard-Marken, und zwar auf mehr Plattformen.
der mich besonders betroffen gemacht hat, einfach weil es die traurige Fokussierung zeigt, die man von Bobby-Blizzard erwarten musste. Es steht nicht mehr die exzellente Software im Vordergrund, sondern zuallererst geht es um MORE!
schrieb am