Symphonic Legends - Special, Events, PC, Xbox 360, PlayStation 3, Nintendo Wii, PlayStation 2, Nintendo GameCube, Spielkultur, Sony PSP, Nintendo DS

 

Special: Symphonic Legends (Events)

von Benjamin Schmädig



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Was ist passiert?

Wir hörten ein lebendiges, verspieltes Stück, das die Quirligkeit vieler Nintendo-Helden auf den Punkt bringt. Aber als sich der Dirigent zu unseren Rängen umdreht - »Mehr Tempi?« - meint auch Jonne: Ja, man könnte die »Fanfare for the Common 8-bit Hero« noch einen Zacken flotter spielen. Gesagt, getan. Im folgenden Anlauf legt das Orchester einen Zahn zu - mit dieser Geschwindigkeit sind Dirigent und Komponist zufrieden. Ich frage Jonne, ob er jetzt noch Variationen am Stück vornehmen könne. Und tatsächlich: Kleine Änderungen sind grundsätzlich immer möglich. Aber die Zeit der Musiker ist nicht nur begrenzt, sondern auch teuer. Also hebt sich der finnische Komponist seine Anmerkungen für eine spätere Pause auf, hört den Proben sehr aufmerksam zu und wird immer wieder kurz auf die Bühne gebeten. Dann spurtet er geduldig hinunter, erklärt den Musikern seine Noten - gelegentlich bringen Dirigent oder Musiker sogar eigene
Immer wieder sprintet der Komponist auf die Bühne, um die Fragen der Musiker ausführlich zu beantworten.
Vorschläge an, die prompt umgesetzt werden. Doch warum war der Finne nach dem ersten Durchlauf dann so erleichtert, wenn es noch so viel Bedarf zur Verbesserung gab? Nun, er hatte zum ersten Mal gehört, dass seine künstlerische Vision in der Realität tatsächlich aufgeht.

Winfried Fechner hingegen... Es ist die letzte Spielzeit, die er als Manager betreut - soll dies etwa Teil seines Vermächtnisses sein? So dramatisch ist es freilich nicht. Allerdings ist längst noch nicht alles Gold, was auf Trompeten glänzt. Noch spielen die einzelnen Instrumente nicht so zusammen, dass sie sich gegenseitig den Ball zuspielen. Noch verschmelzen viele Noten miteinander, anstatt sich wie die Sekundenzähler eines Uhrwerks miteinander zu »unterhalten«. Eckehard Stier weiß das natürlich. Denn als Dirigent ist es seine Aufgabe, die einzelnen Elemente so aufeinander abzustimmen, dass sie eine Einheit ergeben. Und so lässt er die verschiedenen Instrumentengruppen einzelne Motive so lange wiederholen, bis sie den richtigen Ton treffen. Gezielt gibt er ihnen dabei Anweisungen, wenn sie zu schnell oder zu leise spielen und meist setzen die erfahrenen Profis seine Hinweise schon beim nächsten Anspielen in die Tat um.

Magische Momente

Zwei Stunden lang nähert sich das große Orchester mit kleinen Schritten dem Ziel. Zweimal muss sich Stier während der Proben Ruhe erbitten. Es sind keine Maschinen, die hier musizieren - Disziplin ist trotzdem wichtig. Jonne und Thomas sind jedenfalls mit der Wahl ihres Dirigenten zufrieden - so präzise und bestimmt leiten nur wenige ein großes renommiertes Orchester. Denn auch wenn »Rundfunk« in Zeitalter des Livestreams nach »Staubschicht« klingt - dieses Orchester hat einen hervorragenden Ruf! Aber wie Thomas mit einem Schmunzeln in Fechners Richtung erklärt: »Wenn Jonnes Stücke das erste Mal gespielt werden, klingen sie selten richtig gut.« Erst zum Ende der Proben würden die finnischen Kompositionen ihre Wirkung entfalten. Denn die Stärke des Finnen sind technische Finessen, die selbst geübten Konzertmusikern die eine oder Schweißperle auf die Stirn treiben. Auf jeden Fall verlangte er der erfahrenen Truppe viel Geduld ab, bevor sie seinen Titel im Griff hatte. »Es sind ja immer Menschen. Zwei-, vielleicht dreimal erwischen sie diesen magischen Moment, in dem einfach alles sitzt.«
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Arrangement und der Orchestrierung?

Arrangieren meint das Umarbeiten bereits vorhandener Kompositionen für einen bestimmten Klangkörper, also z.B. ein Orchester. Dabei werden neue Versatzstücke, etwa Übergänge oder Einleitungen, hinzugefügt. Im Fall der Symphonic-Konzerte schreibt der Arrangeur Jonne Valtonen deshalb u.a. die für 8-Bit-Systeme komponierte Musik für das WDR Rundfunkorchester um und verbindet dabei die bekannten Themen durch neue Übergänge.

Im Orchester sitzen aber mehr Musiker als der Arrangeur Noten aufschreibt. Wenn er z.B. eine Melodie für Streicher vorgibt, muss der Orchestrator anschließend jedem der vielleicht 40 Streicher Noten zuzuweisen. Manchmal müssen z.B. verschiedene Instrumente im Wechsel spielen, damit sie eine schnelle Notenfolge auch umsetzen können. Ein andermal könnte der Orchestrator einige Streicher eine Oktave tiefer setzen, damit der vom Arrangeur gewünschte Klang entsteht.


Und dann passiert es tatsächlich zwei- oder dreimal: Als schließlich jeder Ton an der richtigen Stelle sitzt, wird der finnische »8-bit Hero« lebendig. Es liegt auch an der Wahl des Standorts, dass das Stück so hervorragend funktioniert. »Deutsche Orchester legen sehr viel Wert auf technische Perfektion«, beschreibt Thomas seine Erfahrungen. Nintendos Held sitzt jedenfalls - und schon verschwindet die Fanfare für das Rundfunkorchester bis zum Spielemusikkonzert wieder in der Schublade. In den folgenden Tagen werden die Tontechniker die gerade gemachten Aufzeichnungen so weiterverarbeiten, dass jede Instrumentengruppe auch außerhalb des Konzertsaals in der richtigen Lautstärke zu hören ist. Um es perfekt zu machen, mischen sie dafür verschiedene Aufnahmen zu einer möglichst einwandfreien ineinander. Auf diese Art entsteht der erste audiovisuelle Vorgeschmack auf das Nintendo-Konzert.

Das verklärte 8-Bit Piepen

Doch wie geht Jonne überhaupt an Super Mario, Zelda, Metroid und wie sie alle heißen heran, wenn er ihre Melodien neu arrangiert? Kennt er die Spiele in- und auswendig, bevor er sie musikalisch bearbeitet? Nein, das wäre selbst für einen leidenschaftlichen Spieler wie ihn zu aufwändig. »Es würde zu lange dauern, alles selbst zu spielen!«, weiß er aus Erfahrung. Und letztlich »wirkt die Musik auch aus sich selbst heraus. Natürlich hilft es, wenn man die Geschichte kennt«, sagt er und erzählt, wie er beim Komponieren ausführliche Walkthroughs laufen lässt, um sich einen Eindruck von der Handlung zu verschaffen. Aber Musik ist vor allem eins: Gefühl. »Ich versuche deshalb, die Emotionen der ursprünglichen Melodien einzufangen.«                

Kommentare

DrEDDDlokk schrieb am
Hab's grad ferig gehört, und es war der helle Wahnsinn. Vielleicht liegt es dran, dass ich nicht oft Live-Interpretationen von Videospiel-Musik höre, aber diese war definitiv meisterklassig! Schon die 8-Bit Hero Fanfare war toll, und was dann an Feuerwerk für Interpretationen abgefeuert war, liess mich für zwei Stunden durchgehend eine Gänsehaut haben - schlicht und einfach fantastisch!
Speziell die Zelda-Suite am Schluss war einfach nur der Oberburner. Kam mit den Kollegen beinahe nimmer nach im Skype, wie oft wir geschrieben haben was wir gerade staunten. :D Ganz toll übrigens auch das finale Bonusmedley, das einem endgültig eine Träne die Wange hinuntertrieb. Episch bis zum abwinken!
In diesem Sinne: Vielen, vielen, vielen lieben Dank an das WDR, Dirigent Niklas Villén und allen Interpreten für die zweieinhalb fantastische Stunden in meinem Leben! Danke auch an 4Players fürs aufmerksam machen - hätte diese tolle Klangreise sonst wohl verpasst. ;)
- D
Mephisto2687 schrieb am
Toller Beitrag!!!
Einige Highlights aus dem Konzert würden sich auch prima im 4Players-TV machen.... So hätten dann alle was davon...
Ich fände es prima. :lol:
technotica schrieb am
Und da sage einer nochmal das Spiele keine Kunst sein können :)
Kibato schrieb am
Ich hab 2 Karten, aber meine Freundin hat sich von mir getrennt, jetzt muss ich alleine gehen :cry:
Dr.Colossus schrieb am
Sehr schöner Beitrag der auch mal hinter die Kulisse von einem Orchesterbetrieb schaut.als Profimusiker in einem großen deutschen Symphonieorchester find ich das natürlich besonders gut wenn die Kollegen über den Tellerrand hinausschauen und damit neue Publikumsschichten erschliessen können. Nur so haben klassische Orchester die Chance auch noch die nächsten Jahrzehnte zu überleben. Der WDR Köln ist n klasse Orchester gibts kaum bessere in Deutschland. Genau das richtige um solch eine Musik zu präsentieren.
schrieb am