Starker Jahrgang
Ich könnte, fein säuberlich sortiert nach Genre, gefühlt ewig so weitermachen: PS-Profis erlebten das beste Raser-Jahr des Dreamcast - mit dem arcadigen Gute-Laune-Overkill
Crazy Taxi und Bizarre Creations
Metropolis Street Racer, einem vortrefflichen Rennspiel samt innovativem Kudos-Belohnungssystem. Prügelspieler kreuzten im hervorragenden
Street Fighter 3: Third Strike die Handkanten und kloppten sich in
Dead or Alive 2 erstmals spektakulär von einer Arena-Ebene zur nächsten. Im Sport strahlte ein ungewöhnliches Subgenre am hellsten: Die Tatsache, dass
FIFA 2000 nicht die Brillanz von
FIFA 98 und 99 erreichte (und wegen EAs Boykott der Sega-Konsole natürlich nicht auf Dreamcast erschien) war angesichts der Aufschlagwucht von
Virtua Tennis zu verschmerzen. Warum Segas Filzballschlacht gar so formidabel war, habe ich an
anderer Stelle (PUR-exklusiv) bereits erörtert…
Metropolis Street Racer, kurz MSR, war der Vorläufer der Project-Gotham-Racing-Reihe.
Wir streifen noch schnell Will Wrights Zeitvertreib mit Meilenstein-Charakter (
Die Sims), der Nicht-Spieler in PC-Süchtige verwandelte, und das Strategie-Genre: Hier betrat mit
Shogun: Total War ein Meilenstein dieser Spielegattung die PC-Bühne, der sich zu einer äußerst langlebigen Serie entwickeln sollte - und der im Jahr 2000 große Namen (
Age of Empires 2: The Conquerors,
Command & Conquer: Alarmstufe Rot 2) und andere, teils innovative Genre-Schmuckstücke (
Ground Control, Giants: Citizen Kabuto) überflügelte. Lediglich
Sacrifice, von Jörg damals mit 93 Spielspaßpunkten geadelt, konnte mithalten. Ich schließe meinen Rundgang durch das Games-Museum des Jahres mit dem Action-Adventure: Mit Hitman: Agent 47 machte sich IO Interactive, ein bis dato unbekanntes dänisches Entwicklerstudio, einen Namen - der Herr mit dem Strichcode auf dem Hinterkopf fügt dem Schleich-Genre eine hochinteressante Note hinzu. Nintendo programmierte auf der technischen Basis seines Überspiels Ocarina of Time ein zweites N64-Zelda: Majora's Mask war spielerisch ausgefeilt und mit seiner klugen Zeit-Mechanik selbiger um Jahre voraus - Links düsteres Abenteuer verschreckte manchen Fan, war in puncto Dungeon- und Spieldesign aber ein echtes Juwel.
Gruseln, Sprayen, Leben
Das Intro von Shenmue: In damals ungeahnter Grafikpracht muss Ryo Hazuki Abschied von seinem Vator Iwao nehmen.
Drei weitere Genre-Delikatessen mit Dreamcast-Exklusivität hab’ ich noch:
Resident Evil - Code: Veronica ließ Playstation-Spieler neidisch ins Sega-Lager schi
elen und Jet Set Radio kreuzte Trendsport-Action mit einer offenen Spielwelt und trat mit seinem coolen Look den Cel-Shading-Trend los. Und dann war da noch dieses kleine, japanische Spiel namens Shenmue. Yu Suzukis Magnum Opus, das als Virtua-Fighter-Rollenspiel für die Vorgängerkonsole Saturn seinen Anfang nahm und zum wohl teuersten Spiel seiner Zeit avancierte, war nicht nur technisch wegweisend, sondern in seiner Einzigartigkeit kaum in Genre-Abgrenzungen fassbar: Vom Meister selbst als F.R.E.E. (full-reactive-eyes-entertainment) umrissen, war der Titel eine komplett unverbrauchte Neu-Interpretation des virtuellen Abenteuers - mit glaubhaften, geerdeten Protagonisten, einer bisher nicht gekannten Entschleunigung, spielbaren Alltagshandlungen und fetzigen Schlägereien. Shenmue erreichte aufgrund der bescheidenen Dreamcast-Basis bei weitem nicht so viele Zocker wie ein Resident Evil oder Metal Gear Solid wenige Jahre zuvor, seine Wirkung auf diejenigen, die es erlebten - Spieler wie Spielemacher - sollte jedoch nicht unterschätzt werden.