Spielkultur: Die Spielewelt im Jahr 2000 - Special

 

Special: Spielkultur (Sonstiges)

von Matthias Schmid



Sonstiges
Entwickler: 4Players
Publisher: 4Players
Release:
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Rechner & Konsole

Im Jahr 2000 daddelten flotte PC-Besitzer auf einem Intel Pentium III mit einer Taktrate von gut 1,0 GHz oder vielleicht der ersten Celeron-Generation, dazu verrichtete vermutlich eine GeForce 256 oder schon GeForce 2 (Veröffentlichung im April 2000) ihre Arbeit. 2000 markiert auch das Ende der Firma 3dfx Interactive, deren Voodoo-Chips und -Karten in den Anfangsjahren der 3D-Beschleuniger sinnbildlich für glatte Kanten und flotte Polygongrafik gestanden hatten - nach dem Release der Voodoo 5 wurden im Dezember 2000 alle Patente von Nvidia aufgekauft; im selben Jahr führte ATI übrigens den Namen Radeon für seine Grafikkarten ein. Windows 98 lief auf den meisten Rechnern und eindrucksvolle 3D-Spiele wie Deus Ex, Soldier of Fortune oder No One Lives Forever begnügten sich im Notfall mit 64 MB Arbeitsspeicher. Und mit 400 bis 800 MB auf der Festplatte - klingt lustig, war aber so.

Deus Ex: Das Action-Rollenspiel aus der Ego-Perspektive hat viele Spielerkarrieren nachhaltig geprägt.
Deus Ex: Das Action-Rollenspiel aus der Ego-Perspektive hat viele Spielerkarrieren geprägt.
Im Konsolenbereich wurden alternde Maschinen wie die erste Playstation oder das Nintendo 64 noch mit reichlich hochkarätiger Software versorgt: Gran Turismo 2 zum Beispiel erschien hierzulande im Januar und legte die Messlatte in puncto Anzahl der Lizenzautos mal eben um zwei Stufen höher; auch Final Fantasy 9 oder Tony Hawk's Pro Skater 2 sorgten auf Sonys 32-Bit-Konsole für Höchstwertungen. Auf dem N64 gab es das erwähnte zweite 3D-Zelda und mit Banjo-Tooie ein dickes Hüpf-Abenteuer made in England; dazu z.B. Mario Tennis oder Turok 3. Die stärkste Konsole mit den innovativsten Titeln und der besten Grafik war jedoch ohne Wenn und Aber der/die/das Dreamcast: Segas 128-Bitter stand 2000 noch voll im Saft, wenngleich der Release der Playstation 2 (Japan: März, Europa: November) einen großen Schatten voraus warf. Die PS2 mochte zum großen Gewinner und zur bis heute zahlenmäßig am besten verkauften Konsole avancieren - doch anno 2000 enttäuschte das Start-Line-Up, inklusive reichlich Kantenflimmern wie z.B. in Ridge Racer 5. Zeitgleich protzen Sega GT oder Tokyo Highway Challenge 2 auf Dreamcast mit dickem Fuhrpark und feiner modellierten Schlitten.


Kabel-Controller & Module

Was man heute gerne vergisst: Anno 2000 wurde natürlich kabelgebunden gedaddelt - auf PC vielleicht noch mit dem guten alten Gravis Gamepad (Pro) oder mit Microsofts SideWinder Gamepad Pro. Konsoleros hatten DualShock 1 oder 2 in Händen, ärgerten sich über die klapprigen Schultertasten und das zu hohe Steuerkreuz des Dreamcast-Pads oder suchten verzweifelt ihre dritte Hand - denn dafür war ja offensichtlich der N64-Controller gemacht. Es gab Memory Cards zum Speichern der Spielstände und Rumble Paks für Rütteleffekte; auf Dreamcast hatte die Speicherkarte (VMU) sogar ein kleines Display, auf dem man mobil Minispiele zocken konnte - zumindest so lange bis man zum wiederholten Mal die VMU nach dem Ausschalten im Controller vergessen und das Ding wieder mal die Knopfzelle leergesaugt hatte. Spiele wurden auf CD-ROMs (Playstation und PC) oder GD-ROMs (Dreamcast) ausgeliefert oder in ein N64- bzw. GBA-Modul gepresst - so richtig mit Hülle (je nach System aus Plastik oder Karton) und mehrsprachiger Anleitung. Special oder Limited Editions waren damals bestenfalls eine Ausnahmeerscheinung. Auf PC (und auch auf PSone) waren Raubkopien ein Dauerthema, im Konsolenbereich gab es Cheat-Module, gemoddete Hardware und Regionalcodes. Und mit der PS2 natürlich die erste Konsole, die auch Film-DVDs abspielen konnte - ein nicht zu unterschätzendes Verkaufsargument.

Kommentare

Mauga schrieb am
Ein sehr schön geschriebener Artikel. Hab mich direkt wieder wie 19 gefühlt :D Danke!
573f4n schrieb am
2000 war ein gutes Jahr. Lieblingspiel eindeutig No one lives forever. Irgendwie waren Spiele damals noch Spiele. Die heutigen Titel nehmen sich meist viel zu ernst und sind viel zu optimiert in dem Sinne dass man gar nichts mehr selber ausprobiert. Entweder sind die Gelände und Möglichkeiten eh streng abgesteckt (sog. Schlauchlevel) oder man hat "Open World" und "Möglichkeiten" arbeitet aber doch nur endlose lange Questlisten und vorgegebene Herausforderungen ab um Erfahrungspunkt zu sammeln um zu leveln und natürlich Loot suchen um zu "craften", weil jede Form von eigener Kreativität fast schon bestraft wird. Im besten Fall zerbricht nur ein einzelnes Quest, im schlechtesten Fall ist ein zu-Ende-spielen ganz unmöglich. Der größte Witz ist dann noch wenn es nur einen Savegame-Slot gibt wo der Spielfortschritt gespeichert wird. In Dead Island ist mir damals 20 Stunden Spielfortschritt verloren gegangen, weil ich wohl irgendwie nicht "richtig" gespielt habe, also irgendwas gemacht habe was nicht sein sollte.
5ka5 schrieb am
master-2006 hat geschrieben: ?16.08.2020 17:33 Hach waren das noch Zeiten. Da kommt man direkt wieder ins Schwärmen (und Papa Roach will nicht mehr aus dem Ohr :D)
Meine persönlichen Highlights aus den 2000ern waren allerdings ganz andere (auch wenn ich sie zugegebenermaßen erst 2001? gespielt habe).
Damals, als mein Vater sich einen brandneuen Win XP (!!) PC gekauft hat und es als Gratis-Beilage nicht nur ein, sondern direkt zwei Spiele gab, namentlich Midtown Madness 2 und Crimson Skies. Was habe ich diese Spiele geliebt und bis zum Erbrechen gespielt :D
Oh man, ja!!! Meine Mutter hatte damals einen neuen PC für uns mitsamt Windows XP (und damit den beiden Gratis-Titeln) gekauft. Während mich Crimson Skies nie wirklich packen konnte bzw ich nie richtig reinkam, war Midtown Madness 2 damals absolut mind-blowing für uns. Ich weiß noch, wie ich das anfangs spielte, meine ganze Familie zusah und wir gelacht und gestaunt haben angesichts der Stunts und Unfälle, die die arcardige Physik erlaubte.
Good Times. :D
master-2006 schrieb am
Hach waren das noch Zeiten. Da kommt man direkt wieder ins Schwärmen (und Papa Roach will nicht mehr aus dem Ohr :D)
Meine persönlichen Highlights aus den 2000ern waren allerdings ganz andere (auch wenn ich sie zugegebenermaßen erst 2001? gespielt habe).
Damals, als mein Vater sich einen brandneuen Win XP (!!) PC gekauft hat und es als Gratis-Beilage nicht nur ein, sondern direkt zwei Spiele gab, namentlich Midtown Madness 2 und Crimson Skies. Was habe ich diese Spiele geliebt und bis zum Erbrechen gespielt :D
Zurück aus der Schule, Mittagessen runtergewürgt und mit Hundeaugen gebettelt ob man an den PC durfte :lol:
Bis dahin gab es für mich am ollen PC eigentlich nur Anno 1602, das hoch und runter lief, und bis heute (als mein erstes PC-Spiel überhaupt) einen festen Platz in meinem Herzen hat.
Aber diese beiden Spiele waren einfach eine Wucht, von der Grafik ganz zu schweigen die beim ersten Start für eine runtergeklappte Kinnlade gesorgt hat :)
Da war es auch egal, dass die Steuerung mit Tastatur bei beiden ein absoluter Krampf war :D
Khorneblume schrieb am
ICHI- hat geschrieben: ?15.08.2020 18:05
Valentin K. hat geschrieben: ?14.08.2020 21:34
Darf man fragen was genau an Vagrant Story so gut gewesen ist ? Habs nämlich so ca alle 5 Jahre versucht anzufangen und bin nur einmal aus dem ersten Kellerdungeon rausgekommen weil ichs zu zäh fand. Und die Story selbst hat zumindest am Anfang sehr generisch gewirkt. Weiß aber das es damals sehr sehr gute Wertungen bekommen hat, was eben auch der Grund für 3 Versuche war, aber konnte aus trotz 3 maligen anzockens eben nie nachvollziehen. Code Veronica dafür ha bic hauch geliebt :)
VS hat für mich eine ähnliche Spielweise wie die Dark Souls Reihe.
Also Standard Gegner die man nicht so ohne Weiteres Besiegen kann und eine echte herausforderung
dastellen und die eigentlichen Bosse erfordern viel Taktik und können einen schon mal mit Leichtigkeit platt
machen. Das Kampfsystem ist sehr genial wie ich finde.
Dazu eine Düstere , dichte Atmosphäre und interessante Charaktere.
Wenn man das mit Emulator spielt könnte die Grafik sogar noch als aktuelles Indie Spiel durchgehen.

Der Anfang ist mehr so eine Art Tutorial und wird dann immer besser.
kann allerdings nicht sagen ob du es besser finden wirst wenn du etwas länger spielst.
Story ist auf jeden fall gut.
VS war vom Schwierigkeitsgrad her halt ne Hausnummer. Würde das auch als mein bestes PS Spiel 2000 bezeichnen. Man musste das Spielsystem schon verstehen. Wenn man die falschen Schwächen / Resistenzen auf einer Waffe geskillt hat, konnte man schon sehr schnell baden gehen. Das Leveldesign war einfach großartig. Atmosphäre einmalig für damals. Der Vergleich mit Dark Souls ist da absolut passend, auch wenn Dark Souls vom Spielgefühl her nochmal anders ist. Gerockt hat bei VS in jedem Fall der Soundtrack und das Artdesign. Dazu gab es wirklich tonnenweise Bosse.
Für DC würde ich 2000 Crazy Taxi und Grandia 2 nominieren. Das erstere war so ein Spaßbolzen! Grandia einfach nur Meisterhaft.
Und fürs N64 natürlich Perfect Dark. Das aber nur...
schrieb am