Im Gegenzug brachte das neue Studio Toby Gard als Berater zurück, damit es trotz aller Neuerungen der Persönlichkeit seiner Heldin treu bleiben würde. Stärker als je zuvor spielten dabei ihre Vergangenheit und ganz besonders ihre Eltern eine Rolle, wenn Lara versucht herauszufinden, weshalb ihre Mutter einst verschwand – ein Handlungsstrang, der sich bis ins übernächste Abenteuer, also Underworld, ziehen würde, wo mit Natla gar eine alte Bekannte auftaucht und sich als Mörderin von Laras Vater zu erkennen gibt.
Schöner altern
Bevor es dazu kam, nahm sich Crystal Dynamics allerdings Zeit für einen Rückblick der besonderen Art und veröffentlichte ein großartiges Remake des ersten Tomb Raider. Denn Anniversary war eine Neuauflage, die den Geist des ersten und für viele besten Teils mit moderner Technik und einer tollen Spielbarkeit vereinte. Das in Legends vorgestellte Konzept wurde dafür nur behutsam erweitert, sodass Lara u.a. mithilfe des Greifhakens an Wänden entlang lief, fing den Geist des Originals aber perfekt ein und ließ viele ikonische Schauplätze und Momente wiederaufleben.
Das moderne Finale
Und dann, bzw. nach Underworld, gönnte sich Frau Croft erst einmal fünf Jahre Pause. Sie tankte Kraft für ihren zweiten Reboot und ein Spiel, das schlicht
Tomb Raider heißt. Crystal Dynamics hatte nämlich früh erkannt, dass nach der geplanten Trilogie erneut ein frischer Ansatz her müsste, und schon nach Legend damit begonnen diesen zu gestalten. Was dabei herauskam? Eine Mischung aus dem klassischen Erkunden sowie Shooter-Action der Marke
Uncharted, einer modernen Erzählweise sowie einer ordentlichen Prise Survival-Hype.
Das Remake gehört bis heute zu den besten Teilen der Serie und spielt sich auch nach aktuellen Maßstäben noch gut.
Die bekannten Geschichten wurden dabei über Bord geworfen: Das neue Abenteuer zeigte, wie Lara als junge Frau überhaupt dazu kam, Grabräuberin zu werden – auch wenn sie überraschend wenige Gräber oder ähnliche Stätten durchkämmte und viel zu schnell von einer zaghaften Gestrandeten zur forschen Killermaschine wurde.
Sie turnte weniger akrobatisch, wirkte physisch präsenter und löste physikbasierte Rätsel, indem sie etwa brennbare Gegenstände anzündete. An Lagerfeuern baute sie aus gesammelten Ressourcen bessere Ausrüstung, wertete mit Erfahrungspunkten ihre Fähigkeiten auf und brach anschließend in relativ weitläufige Areale auf, um mit neuen Werkzeugen zuvor unerreichbare Wege zu entdecken. Obwohl die Schießereien zudem in den Vordergrund rückten, konnte sie Gefechte sogar umgehen, während sich Bleihungrige in teambasierten Mehrspieler-Gefechten austoben durften. Dieses Tomb Raider war kein modernisiertes Spiel wie Legend. Es war ein von Grund auf neues Erlebnis, das mit vielen Traditionen brach. Und der bislang erfolgreichste Teil der Serie.
Die Reise geht weiter
Den größten Erfolg feierte Lara mit ihrem erzählerisch ersten Ausflug auf die Insel Yamatai.
Mit
Rise of the Tomb Raider bzw.
Shadow of the Tomb Raider folgten daher zwei Fortsetzungen, die das Prinzip nur behutsam veränderten. Das Erkunden alter Gräber gewann wieder an Bedeutung und Lara wandelte erneut in den Fußspuren ihres Vaters. Sie war zunächst in Syrien sowie Russland unterwegs, bevor es sie zuletzt nach Südamerika verschlug, wo sie ähnlich geschickt um Gegner herum schlich, wie man es aus der Stealth-Action kennt. Kein Wunder: Entstand Shadow doch bei Eidos Montreal, wo man ein paar der Erfahrungen einbringen konnte, die man mit
Deus Ex und
Thief gesammelt hatte.
Doch damit endete Laras Reise vorerst und es derzeit in den Sternen, wann der britische Superstar zurückkehrt. Zwar arbeitet Crystal Dynamics längst an einer Fortsetzung - um die wird es im Jahr des 25-jährigen Jubiläums aber laut
offizieller Aussage noch ruhig bleiben. Immerhin: Das kommende Abenteuer soll die aktuelle Trilogie dann nicht nur inhaltlich, sondern auch spielerisch mit den früheren Abenteuern von Core Design verbinden. Ah, Venedig!