Dragon Age: Inquisition - Test, Rollenspiel, Xbox 360, PC, PlayStation 3, PlayStation 4, Xbox One

 

Test: Dragon Age: Inquisition (Rollenspiel)

von Jörg Luibl



Entwickler:
Publisher: Electronic Arts
Release:
20.11.2014
20.11.2014
20.11.2014
20.11.2014
20.11.2014
Erhältlich: Digital (Origin), Einzelhandel
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Dialoge und Lokalisierung

Was sehr schnell auffällt: Obwohl die wichtigen Dialoge gut inszeniert werden, obwohl man nachfragen und unterschiedlich in Gesprächen reagieren darf, kann sich BioWare gegenüber Mass Effect 3 nicht steigern, was Mimik, Gestik sowie die Qualität der Texte selbst angeht – im Gegenteil. Es ist zwar lobenswert, dass dieses Spiel angesichts der Fülle an Dialogen konsequent lokalisiert wurde. Und vor allem die wichtigen Charaktere wie der Zwerg Varric können sich, wie immer mit Ausnahmen, auch auf Deutsch hören lassen. Es gibt zudem stimmungsvolle Szenen, in denen sie emotional überzeugen und viel zur Atmosphäre beitragen. Zwar ist das nie lippensynchron, aber zumindest wirkt es noch natürlich.

In den Ladephasen kann man sich durch Tipps wühlen.
In den Ladephasen kann man sich durch Tipps wühlen.
Aber erreichte BioWare in früheren Abenteuern fast schon ein intimes Kammerspiel-Niveau, wirkt das Schauspiel hier des Öfteren steril und das Gesagte austauschbar. Man wird den Qualitätsverlust spätestens bei den Nebenrollen bemerken, die teilweise stoisch ihre Texte aufsagen - ein frühes Beispiel dafür ist die Quartiermeisterin in Haven, viele andere folgen. Manche Dialoge in Nebenquests sind zudem schlecht geschrieben: Eine Ex-Ehefrau sucht mitten in der Wüste den Ehering, den sie in eine Spinnenhöhle geschmissen hat – oder so ähnlich. Solche Szenen könnten man in jedem Hack’n Slay verschmerzen, aber hier wirken sie unglaubwürdig und deplatziert.

Es kommt auch dazu, dass Händler oder andere Leute während eines Gesprächs fehlerhafte Bewegungen zeigen, wenn sie sich z.B. im Nichts anlehnen oder stützen. Auch die eigenen Gefährten flitzen teilweise wie irre durch Dialogszenen

Die schönen Landschaften werden von der Frostbite-3-Engine inszeniert.
Die schönen Landschaften werden von der Frostbite-3-Engine inszeniert.
oder trippeln einen Meter über dem Boden mit einem Moonwalk in der Luft. Trotz besserer Technik gibt es also nicht nur hinsichtlich des Drehbuchs, sondern auch der Darstellung einige Rückschritte gegenüber den Standards, die BioWare selbst über Jahre gesetzt hat. All das ist natürlich der neuen Masse an Figuren geschuldet.

Beziehungen und Storypause

Und man kann sich daran gewöhnen, weil die eigenen Party-Mitglieder bzw. die neun potenziellen Gefährten in den relevanten Situationen besser animiert werden und sich zumindest teilweise ernsthaft, witzig oder verschroben unterhalten – vielleicht inklusive etwas zu viel Klamauk. Hinzu kommt erneut der Aufbau von Beziehungen, wenn man sich wirklich mit ihnen beschäftigt, also auch ihre persönlichen Quests verfolgt. Dann sind auch erotische Techtelmechtel möglich. BioWare bleibt sich also in diesem Bereich der Interaktion treu, denn das Interesse an den Begleitern wird belohnt. Jedesmal, wenn man etwas tut oder sagt, was einem Gefährten gefällt oder missfällt, leuchten kurz einer bis drei Plus- oder Minuspunkte auf. Allerdings kann man nirgends nachsehen, wie der emotionale Status quo gerade ist. Das muss man anhand des Verhaltens feststellen – und das ist gut so.

Es gibt neun Nicht-Spieler-Charaktere, die sich der Gruppe anschließen können.
Es gibt neun Nicht-Spieler-Charaktere, die sich der Gruppe anschließen können.
Allerdings man muss in seiner Rolle nicht nur im Einstieg, sondern permanent Dämpfer hinnehmen, die der Identifikation schaden: Zwar reagieren einige Figuren unterschiedlich auf das Geschlecht sowie Volk des Helden (bis hin zu offenen Ablehnung von Zwergen oder Qunari), aber das wird manchmal total inkonsequent inszeniert. In einer Zwischensequenz kreischt eine Stadtbewohnerin in Val Royeaux, weil sie den dämonischen Elfen sieht, aber in den Spielszenen reagiert beim Spazieren niemand – das wirkt komplett statisch. In solchen Momenten zerreißt für mich der Faden, an dem meine Faszination als Rollenspieler hängt. Dazu gehört auch, dass man selbst nicht mehr so schauspielen kann wie in früheren BioWare-Abenteuern. Man kann seine Rolle also kaum moralisch oder charakterlich interpretieren: Zwar darf man Hilfe oder Aufträge ablehnen und auch mal schroff antworten, so dass die Begleiter düpiert werden, aber wer einen richtigen Schweinehund mit bösen oder komplett egoistischen Absichten spielen will, kommt nicht nur im Einstieg, sondern auch später nicht auf seine Kosten.

Kommentare

Solon25 schrieb am
Some Guy hat geschrieben: ?30.12.2020 10:16 Die Begeisterung ist dann im Laufe der Zeit aber schnell verflogen und man hat sich wie in einem Ubisoft-Spiel gefühlt, wo man 100 Stunden mit langweiligem Sammelmist verbringen kann.
Das schlimme daran ist, hat man sich dran gemacht sowas abzuarbeiten, ging die Quest nicht aus dem Log. Für jemanden der sein Questbuch gerne leer macht ein Unding.
Some Guy schrieb am
der_geraet hat geschrieben: ?30.12.2020 00:48 Ich frage mich nur welcher normale Mensch eigentlich Zeit haben soll für so ein Monstrum..
Du bist keiner? :D
Ging mir ähnlich mit dem Titel. Am Anfang fand ich sogar die Open World extrem beeindruckend, weil man sie wirklich merkbar beeinflussen kann. Dass ich irgendwelche hohlen MMO-Aufgaben mache und dann beim nächsten Besuch auf einmal dort tatsächlich eine Kolonie anfängt, sich aufzubauen und NPCs auf mich reagieren habe ich so bisher in keinem Spiel erlebt. Dadurch hat sich ein Gefühl entwickelt, dass es eben nicht nur dumme Quests sind sondern man tatsächlich sein Imperium ausbaut. Die Begeisterung ist dann im Laufe der Zeit aber schnell verflogen und man hat sich wie in einem Ubisoft-Spiel gefühlt, wo man 100 Stunden mit langweiligem Sammelmist verbringen kann. Die Story war anfangs sau episch, als dann das scheinbare Intro vorbei war war da aber auch schnell die Luft raus. Am Ende des Tages hat sich der Titel dann wieder durch die alten Bioware-Stärken gefangen, die da aber schon so langsam angefangen haben zu bröckeln. Lust das nochmal zu spielen habe ich bisher auch nicht so wirklich verspürt. War aber trotzdem "ganz nett" ;).
der_geraet schrieb am
Nachdem Inquisition jahrelang unangetastet auf der Festplatte meiner Xbox schlummerte, habe ich mich endlich durchgegrindet.
Habe das Spiel mit allen DLC?s auf Maximallevel 27 beendet, mein Spielstand zeigt eine Netto-Spielzeit von 102 Stunden an.
Trotz konfuser und eher uninteressanter Story, sowie dem repetitiven abklappern von Sammelaufgaben und dem allgemeinen MMO-grind-gameplay (ist eigentlich kein Rollenspiel) hat mich irgendwas bei der Stange gehalten. Mir hat es sehr gut gefallen.
Ich frage mich nur welcher normale Mensch eigentlich Zeit haben soll für so ein Monstrum..
Nuracus schrieb am
Generell will ich mich an der RPG-ja-nein-Debatte gar nicht mehr groß beteiligen, im Endeffekt ist es doch eh Wurst. Ist ein Spiel jetzt schlechter/besser, weils ein Adventure/RPG/Action-Adventure ist?
Dazu kommt, dass eh jeder RPG anders definiert. Schlägt man Definition von RPG nach, findet man gern Formulierungen wie "in der Regel", "für gewöhnlich", "meistens". Für den einen gehört zwingend dazu, dass man Charakterwerte/Skills steigern kann, für den nächsten ist es wichtig, dass man eine Rolle spielt - dann wiederum, wo fängt "eine Rolle spielen" an, spielt man bei Super Mario nicht auch schon die Rolle des italienischen Klempners?
Keine Ahnung, warum Witcher jetzt kein RPG sein soll. Es hat halt keinen Charaktergenerator - andererseits hat Gothic das auch nicht, und da zweifelt auch keiner dran, dass das ein RPG ist.
Die Hauptstory ist nun wirklich fantastisch, ja. Ich rede jetzt nicht von Originalität oder so, sondern keine Frage - die Art und Weise, wie Charaktere eingebunden werden, die kleinen überraschenden Wendungen, die Entwicklungen der Charaktere.
Ich bin immer noch unglaublich schwer begeistert von dem kompletten Strang um den Blutigen Baron. Selten hat ein Spiel mir so gut vor Augen geführt, dass nicht alles schwarz und weiß ist. Selten hat ein Spiel es so gut geschafft, ähnlich wie bei Game of Thrones, meine Einstellung zu einer Figur komplett auf links zu krempeln.
Fühlt sich die Welt leer an? Kann ich irgendwie nicht sagen. Es gibt richtig viel zu tun, von klitzekleinen Events bis hin zu langgezogenen Nebenquests. Hier und da läuft ein Kaufmann von Dorf zu Dorf, da ploppt plötzlich eine Quest auf, obwohl man nicht damit gerechnet hat. Vor dem Sonnenuntergang fliegt ein Draconide herum, um den man sich kümmern kann. Was fehlt? Mehr zu entdecken? Mehr Sammelquests? Ach, wenn ich nur sehe, wie viele Fragezeichen die Karte von Skellige noch auf dem Wasser hat.
Die große Stärke ist aber, dass ungeheuer viele dieser kleinen bis großen Aufgaben eine tolle...
Jordes schrieb am
Nuracus hat geschrieben: ?15.06.2020 18:47 Objektiv ist das ein Beschäftigungstherapiesimulator.
Es fühlt sich an wie Akten abarbeiten. Abheften. Dokumente fürs Archiv aufbereiten. Hinterher das restliche Geschirr spülen, weil die Spülmaschine schon voll ist, aber es ist langes Wochenende und wenn mans nicht macht, dann schimmelt der Mist und Montag gibts keinen Kaffee.
Vergleiche Witcher 3 - ernsthaft, ich seh ein neues Gebiet, ich decke durch Karten oder Anschlagbretter Dutzende neue Fragezeichen auf der Map auf und denk mir bei jedem: "Meine Fresse, da wird wieder ne geile Story hinter stecken" (und dann ist es auch meistens so. Und sei es nur ein dusseliger kleiner Brief, der einen Charakter beschreibt, der hundert mal besser ist als jedes Partymitglied von Scheiß Inquisition)
Ehrlich gesagt hatte Witcher 3 zwar eine starke Hauptstory aber die Welt ansonsten fühlte sich sehr leer an und allgemein war es für mich vom Gefühl her eher ein Adventure als ein RPG. Aber keine Frage es war gut. Dennoch weit überhyped. Ist Skyrim denn jetzt schlecht? Beinhaltet schließlich auch viel Beschäftigungstherapie. Es gibt unterschiedliche Arten von RPG´s und das ist auch ganz gut so. Manche mögen halt eine breite Palette andere nur eine Art. Und dennoch sammelt auch der Hexer Ressourcen.
schrieb am