Dragon Age: Inquisition - Test, Rollenspiel, Xbox 360, PC, PlayStation 3, PlayStation 4, Xbox One

 

Test: Dragon Age: Inquisition (Rollenspiel)

von Jörg Luibl



Entwickler:
Publisher: Electronic Arts
Release:
20.11.2014
20.11.2014
20.11.2014
20.11.2014
20.11.2014
Erhältlich: Digital (Origin), Einzelhandel
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Leerlauf im Angesicht des Weltuntergangs

Warum nutzt man die dämonisch wabernde Hand nicht für Einflüsterungen oder dramatische Zwischenfälle? Warum baut man nicht so etwas wie die dunkle Seite der Macht auf? All diese Chancen für mehr Spannung lässt man liegen. Noch etwas ist komplett ernüchternd für Rollenspiele der Marke BioWare: Die Hauptstory, für die man bei voller Konzentration auf das Wesentliche an die 30 bis 40 Stunden benötigt, schläft nach dem recht überhasteten Einstieg ein – und zwar für viele, viele Stunden. In dieser langen Zeit versinken die wichtigen Gefährten trotz ihrer stetig eingestreuten Kommentare irgendwann als kaum interessante Mitläufer; besteigt man ein Pferd, verschwinden sie sogar wortwörtlich. Dann vermisst man sie kaum, weil sie sich einfach zu wenig einmischen und viel im Klamauk palavern. Die pulsierende Hand? Egal. Die Party? Egal.

Eine Bresche am Himmel: Wie kann man diese dämonische Bedrohung bekämpfen?
Eine Bresche am Himmel: Wie kann man diese dämonische Bedrohung bekämpfen?
Sobald man erstmal als Anführer installiert ist und die Hinterlande erforscht, passiert erzählerisch oder zwischenmenschlich nichts Relevantes. Also nichts, was für Dramatik, Konflikte oder Emotionen sorgen würde. Erst mit dem Erreichen der Hauptstadt von Orlais wird die Story rund um den Konflikt zwischen Magiern, Templern und Inquisition endlich wieder fortgeführt. Aber auf was für einem Niveau! Das Drehbuch ist stellenweise plump. Da reichen ein paar Zwischensequenzen für einen Aufruhr nicht aus, wenn man ihn nicht in der Welt selbst spürt - hallo BioWare, ihr wolltet offene Welt, also zeigt es! Val Royeaux sieht zwar auf den ersten Blick malerisch aus, aber wirkt mit seinem französischen Adelsflair wie ein steriler Fremdkörper. Im Vergleich zu einem Assassin’s Creed ist das in den Gassen auch Statik pur, was das Verhalten der Leute betrifft. Ich dachte, wir sind Next-Gen? Auch in anderen Regionen ist die Darstellung der Bevölkerung, die vielleicht unter Schock stehen, panisch reagieren oder zumindest nach der Flucht im Elend hausen müsste, viel zu sauber. Obwohl man in Quests für Nahrung, Kleidung, Waffen & Co sorgen muss, wird das in der Spielwelt zwar auf der einen Seite viel besser abgebildet als noch in Dragon Age 2, aber einfach nicht glaubwürdig genug für das Jahr 2014.

Machtvakuum in landschaftlicher Idylle

Zwerg Varric kann als Schurke u.a. mit seiner Armbrust helfen.
Zwerg Varric kann als Schurke u.a. mit seiner Armbrust helfen. Ihr könnt für jeden Charakter genau einstellen, was er wann machen soll.
Dabei ist die politische Ausgangslage rein erzählerisch brisant: Weil das Oberhaupt der Kirche samt all seiner potenziellen Nachfolger getötet wurde, ist ja weltweite Unruhe sowie ein Machtvakuum entstanden. Die Völker misstrauen sich, Dämonen sorgen für Angst und Schrecken, Gruppen radikalisieren sich und ziehen aggressiv umher. Wer hat jetzt das Sagen? Die charismatische Anführerin ruft kurzerhand die Inquisition aus, will ein Heer sammeln und die Urheber des Attentats ausfindig machen. Und dann wird man in diese tolle Welt entlassen, zwischen deren Gipfeln, Wüsten und Sümpfen irgendwo auch sehr mächtige Drachen locken – soweit wird man dem Namen des Spiels noch gerecht.

Und die Kulisse ist beeindruckend: Schon die erste mitteleuropäisch anmutende Region, das so genannte

Die Karte zeigt alle möglichen Ziele, Quests und Sehenswürdigkeiten an - manchmal schon, bevor man die Gegend erforscht hat.
Die Karte zeigt alle möglichen Ziele, Quests und Sehenswürdigkeiten an - manchmal schon, bevor man die Gegend erforscht hat.
Hinterland, ist größer als beide Vorgänger zusammen. Man kann später in zig dieser weiten Areale losziehen, die ein breites landschaftliches Spektrum von bewaldet bis bergig, von vulkanisch, sandig bis sumpfig abdecken. Dank der Frostbite-3-Engine sieht das alles verdammt ansehnlich aus, zumal man auch springen und klettern kann, um auch mal höher gelegene Plateaus zu erreichen – auch wenn Letzteres recht schwach animiert wird.

Es entsteht fast schon ein Action-Adventure-Gefühl, wenn man an Steilhängen wandert und der Magier eine zerbrochene Brücke über eine Schlucht repariert. Es gibt schmale Pässe und Wasserfälle, Seen und Höhlen, es entstehen stimmungsvolle Momente, die von rotgoldener Idylle bis bin zu trostloser Düsternis reichen. Innerhalb dieser Regionen wuseln hier und da Tiere wie Widder, Schweine oder Eichhörnchen ähnliche Nager herum. Im Hintergrund locken dunkle Türme oder mächtige Statuen. Aber BioWare macht einen Fehler. Fast alles wird zu früh angezeigt, katalogisiert oder verzeichnet. Man fühlt sich wie auf einer malerischen Sightseeing-Tour mit GPS und Wikipedia-Dauerberieselung. Spätestens hier fühlt man sich dann wie in einem Online-Rollenspiel à la Guild Wars 2.

Kommentare

Solon25 schrieb am
Some Guy hat geschrieben: ?30.12.2020 10:16 Die Begeisterung ist dann im Laufe der Zeit aber schnell verflogen und man hat sich wie in einem Ubisoft-Spiel gefühlt, wo man 100 Stunden mit langweiligem Sammelmist verbringen kann.
Das schlimme daran ist, hat man sich dran gemacht sowas abzuarbeiten, ging die Quest nicht aus dem Log. Für jemanden der sein Questbuch gerne leer macht ein Unding.
Some Guy schrieb am
der_geraet hat geschrieben: ?30.12.2020 00:48 Ich frage mich nur welcher normale Mensch eigentlich Zeit haben soll für so ein Monstrum..
Du bist keiner? :D
Ging mir ähnlich mit dem Titel. Am Anfang fand ich sogar die Open World extrem beeindruckend, weil man sie wirklich merkbar beeinflussen kann. Dass ich irgendwelche hohlen MMO-Aufgaben mache und dann beim nächsten Besuch auf einmal dort tatsächlich eine Kolonie anfängt, sich aufzubauen und NPCs auf mich reagieren habe ich so bisher in keinem Spiel erlebt. Dadurch hat sich ein Gefühl entwickelt, dass es eben nicht nur dumme Quests sind sondern man tatsächlich sein Imperium ausbaut. Die Begeisterung ist dann im Laufe der Zeit aber schnell verflogen und man hat sich wie in einem Ubisoft-Spiel gefühlt, wo man 100 Stunden mit langweiligem Sammelmist verbringen kann. Die Story war anfangs sau episch, als dann das scheinbare Intro vorbei war war da aber auch schnell die Luft raus. Am Ende des Tages hat sich der Titel dann wieder durch die alten Bioware-Stärken gefangen, die da aber schon so langsam angefangen haben zu bröckeln. Lust das nochmal zu spielen habe ich bisher auch nicht so wirklich verspürt. War aber trotzdem "ganz nett" ;).
der_geraet schrieb am
Nachdem Inquisition jahrelang unangetastet auf der Festplatte meiner Xbox schlummerte, habe ich mich endlich durchgegrindet.
Habe das Spiel mit allen DLC?s auf Maximallevel 27 beendet, mein Spielstand zeigt eine Netto-Spielzeit von 102 Stunden an.
Trotz konfuser und eher uninteressanter Story, sowie dem repetitiven abklappern von Sammelaufgaben und dem allgemeinen MMO-grind-gameplay (ist eigentlich kein Rollenspiel) hat mich irgendwas bei der Stange gehalten. Mir hat es sehr gut gefallen.
Ich frage mich nur welcher normale Mensch eigentlich Zeit haben soll für so ein Monstrum..
Nuracus schrieb am
Generell will ich mich an der RPG-ja-nein-Debatte gar nicht mehr groß beteiligen, im Endeffekt ist es doch eh Wurst. Ist ein Spiel jetzt schlechter/besser, weils ein Adventure/RPG/Action-Adventure ist?
Dazu kommt, dass eh jeder RPG anders definiert. Schlägt man Definition von RPG nach, findet man gern Formulierungen wie "in der Regel", "für gewöhnlich", "meistens". Für den einen gehört zwingend dazu, dass man Charakterwerte/Skills steigern kann, für den nächsten ist es wichtig, dass man eine Rolle spielt - dann wiederum, wo fängt "eine Rolle spielen" an, spielt man bei Super Mario nicht auch schon die Rolle des italienischen Klempners?
Keine Ahnung, warum Witcher jetzt kein RPG sein soll. Es hat halt keinen Charaktergenerator - andererseits hat Gothic das auch nicht, und da zweifelt auch keiner dran, dass das ein RPG ist.
Die Hauptstory ist nun wirklich fantastisch, ja. Ich rede jetzt nicht von Originalität oder so, sondern keine Frage - die Art und Weise, wie Charaktere eingebunden werden, die kleinen überraschenden Wendungen, die Entwicklungen der Charaktere.
Ich bin immer noch unglaublich schwer begeistert von dem kompletten Strang um den Blutigen Baron. Selten hat ein Spiel mir so gut vor Augen geführt, dass nicht alles schwarz und weiß ist. Selten hat ein Spiel es so gut geschafft, ähnlich wie bei Game of Thrones, meine Einstellung zu einer Figur komplett auf links zu krempeln.
Fühlt sich die Welt leer an? Kann ich irgendwie nicht sagen. Es gibt richtig viel zu tun, von klitzekleinen Events bis hin zu langgezogenen Nebenquests. Hier und da läuft ein Kaufmann von Dorf zu Dorf, da ploppt plötzlich eine Quest auf, obwohl man nicht damit gerechnet hat. Vor dem Sonnenuntergang fliegt ein Draconide herum, um den man sich kümmern kann. Was fehlt? Mehr zu entdecken? Mehr Sammelquests? Ach, wenn ich nur sehe, wie viele Fragezeichen die Karte von Skellige noch auf dem Wasser hat.
Die große Stärke ist aber, dass ungeheuer viele dieser kleinen bis großen Aufgaben eine tolle...
Jordes schrieb am
Nuracus hat geschrieben: ?15.06.2020 18:47 Objektiv ist das ein Beschäftigungstherapiesimulator.
Es fühlt sich an wie Akten abarbeiten. Abheften. Dokumente fürs Archiv aufbereiten. Hinterher das restliche Geschirr spülen, weil die Spülmaschine schon voll ist, aber es ist langes Wochenende und wenn mans nicht macht, dann schimmelt der Mist und Montag gibts keinen Kaffee.
Vergleiche Witcher 3 - ernsthaft, ich seh ein neues Gebiet, ich decke durch Karten oder Anschlagbretter Dutzende neue Fragezeichen auf der Map auf und denk mir bei jedem: "Meine Fresse, da wird wieder ne geile Story hinter stecken" (und dann ist es auch meistens so. Und sei es nur ein dusseliger kleiner Brief, der einen Charakter beschreibt, der hundert mal besser ist als jedes Partymitglied von Scheiß Inquisition)
Ehrlich gesagt hatte Witcher 3 zwar eine starke Hauptstory aber die Welt ansonsten fühlte sich sehr leer an und allgemein war es für mich vom Gefühl her eher ein Adventure als ein RPG. Aber keine Frage es war gut. Dennoch weit überhyped. Ist Skyrim denn jetzt schlecht? Beinhaltet schließlich auch viel Beschäftigungstherapie. Es gibt unterschiedliche Arten von RPG´s und das ist auch ganz gut so. Manche mögen halt eine breite Palette andere nur eine Art. Und dennoch sammelt auch der Hexer Ressourcen.
schrieb am