Dragon Age: Inquisition - Test, Rollenspiel, Xbox 360, PC, PlayStation 3, PlayStation 4, Xbox One

 

Test: Dragon Age: Inquisition (Rollenspiel)

von Jörg Luibl



Entwickler:
Publisher: Electronic Arts
Release:
20.11.2014
20.11.2014
20.11.2014
20.11.2014
20.11.2014
Erhältlich: Digital (Origin), Einzelhandel
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Erkundungsreize und Geheimnisecho

Hinsichtlich der Erkundungsreize war in diesem Rollenspiel so viel mehr möglich. Wie erfährt man etwas über die Welt? In zig Dialogen kann man sich Informationen besorgen - das ist und bleibt eine Stärke. Aber man hört irgendwann nicht mehr hin, denn das ist nicht notwendig. Man sammelt fast automatisch zig Hintergründe in Form von Notizen, die oftmals wahllos verstreut herum liegen. Oder anders: Man bemerkt zu oft, dass sie gar keinen Bezug zu den Bewohnern oder der Situation in der Spielwelt selbst haben – man gelangt nur ganz selten in situative Milieus mit Eigenleben, sondern grast meist Questziele ab. Es ist ja lobenswert, dass es so unheimlich vieles zu lesen gibt, aber wie wird das auch präsentiert? Nicht in Form von schönem Papier, vergilbten Pergamenten oder edlen Büchern mit alter Schrift, sondern in sterilen Textboxen im modernen Font. All das wird dann auch vorbildlich archiviert, aber man wird so kaum zum Stöbern animiert. Dabei gibt es vermutlich zig tausende Textzeilen, die ganze Romane füllen würden. Die Nachwelt wird sich allerdings kaum an eine Zeile aus diesem Dragon Age erinnern.

Die Spielwet ist nicht total offen: Es gibt größere Regionen mit Übergängen.
Die Spielwet ist nicht total offen: Es gibt größere Regionen mit Übergängen.
Was ist mit den Geheimnissen in der Spielwelt? Was ist, wenn man in einer Quest etwas ausfindig machen soll? Grausam, ganz grausam! Ich werde nicht zum freien Entdecken animiert. Ich werde zum Abgrasen an Aussichtspunkten konditioniert: Dort suche wie in einem Wimmelbildspiel magische Scherben in der Landschaft über ein Teleskop nach dem Motto 0/6 bis 6/6, die sich erst nach der Markierung (!) materialisieren, damit ich sie danach einsammle, um z.B. in einer entfernten Oase wiederum eine Tür in einem Dungeon zu öffnen. Der Anspruch? Für Kinder. Der Bezug? Egal!

Noch schlimmer ist die Schatzsuche: Ich werde wie ein U-Boot per Echolot fremdgesteuert. Das muss man sich so vorstellen: Sobald ich irgendwo etwas

In den Sturmlanden weht nordischer Wind - inklusive Drachen am Himmel.
In den Sturmlanden weht nordischer Wind - inklusive Drachen am Himmel.
finden soll, wird zunächst der Bereich grob lila auf der Karte eingefärbt. Dann latsche ich hin und in der Nähe des Ziels blinkt dann erst einmal das Kartensymbol golden auf. Das heißt, ich soll jetzt L3 drücken, damit auch noch die Richtung des Ziels angezeigt wird. Und jetzt festhalten: Wenn ich dann wie ein Idiot ganz nah heran geführt wurde, muss ich tatsächlich nochmal L3 drücken, damit sich z.B. die gesuchte Notiz wie von Geisterhand auf dem Tisch materialisiert (!). Sprich: Selbst wenn ich ohne dieses unheimlich dämliche Signal auskommen will und dieselbe Stelle finde, kann ich da nix untersuchen bzw. aufnehmen. Das ist wirklich das Dämlichste, was BioWare je entwickelt hat! Leute, da ist eine zünftige Schnitzeljagd in der Realität spannender – da muss man nach dem letzten Pfeil wenigstens noch aktiv suchen.

Sammeln von Sehenswürdigkeiten

Es gibt so viel Masse, aber so wenig Klasse: Entdecker werden zwar unheimlich viele Gebiete mit zig Quests

Jede Klasse kann in mehreren Kampftalent-Bäumen entwickelt werden.
Jede Klasse kann in mehreren Kampftalent-Bäumen entwickelt werden.
freischalten, die einen an die 80 Stunden plus X beschäftigen. Es gibt riesige Höhlen und labyrinthische Schluchten, in denen man fast wie in einem Action-Adventure unterwegs ist, um den richtigen Weg zu finden. Aber abseits all des Sammelbaren passiert wenig wirklich Überraschendes innerhalb der Landschaft oder der Räume. Wo sind plötzliche Eingriffe der Regie über kleine Situationen, die man beobachtet oder die mal vor den eigenen Augen eskalieren? All das, was es z.B. in Skyrim so häufig innerhalb der Spielwelt an Eigenleben gab, ist nur in Ansätzen vorhanden – so entsteht eine fast schon altmodische Statik.

Und falls es etwas gibt, fühlt sich das immer an wie für kleine Kinder konzipiert, die man bloß nicht überfordern will: Zum Beispiel das Aufdecken von Schatzhöhlen über das Nachmalen von Sternzeichen. Da findet man diese astrologischen Apparate und muss – immerhin in einem Strich - das Bild nachzeichnen, das einem unten rechts natürlich angezeigt wird. Warum ist das alles so blöde einfach? Warum muss ich nicht wenigstens erstmal etwas über den Sternenhimmel und seine Zeichen in Erfahrung bringen, bevor mir die Blaupause dafür angezeigt wird? Nein, ich starte schon wieder eines dieser unsäglichen Minispiele. Und wenn ich das an mehreren Apparaten gemeistert habe, materialisiert sich tatsächlich irgendwo eine geheime Höhle auf der Karte. Blöd nur, wenn ich die bereits kenne, sogar schon gesäubert habe und sich dort einfach nochmal ein Schatz materialisiert. Ja, solche Momente der späten Belohnung am gleichen Ort gab es auch in Skyrim, wenn sich eine Quest rückwirkend darauf bezog. Aber hier wird mir ein einzigartiger astrologischer Fund suggeriert, wenn sich die blauen Strahlen aus unterschiedlicher Richtung irgendwo treffen – und dann werde ich so gewöhnlich dafür belohnt. Warum öffnet sich da nicht ein einzigartiger Dungeon? Das wäre cool!

Kommentare

Solon25 schrieb am
Some Guy hat geschrieben: ?30.12.2020 10:16 Die Begeisterung ist dann im Laufe der Zeit aber schnell verflogen und man hat sich wie in einem Ubisoft-Spiel gefühlt, wo man 100 Stunden mit langweiligem Sammelmist verbringen kann.
Das schlimme daran ist, hat man sich dran gemacht sowas abzuarbeiten, ging die Quest nicht aus dem Log. Für jemanden der sein Questbuch gerne leer macht ein Unding.
Some Guy schrieb am
der_geraet hat geschrieben: ?30.12.2020 00:48 Ich frage mich nur welcher normale Mensch eigentlich Zeit haben soll für so ein Monstrum..
Du bist keiner? :D
Ging mir ähnlich mit dem Titel. Am Anfang fand ich sogar die Open World extrem beeindruckend, weil man sie wirklich merkbar beeinflussen kann. Dass ich irgendwelche hohlen MMO-Aufgaben mache und dann beim nächsten Besuch auf einmal dort tatsächlich eine Kolonie anfängt, sich aufzubauen und NPCs auf mich reagieren habe ich so bisher in keinem Spiel erlebt. Dadurch hat sich ein Gefühl entwickelt, dass es eben nicht nur dumme Quests sind sondern man tatsächlich sein Imperium ausbaut. Die Begeisterung ist dann im Laufe der Zeit aber schnell verflogen und man hat sich wie in einem Ubisoft-Spiel gefühlt, wo man 100 Stunden mit langweiligem Sammelmist verbringen kann. Die Story war anfangs sau episch, als dann das scheinbare Intro vorbei war war da aber auch schnell die Luft raus. Am Ende des Tages hat sich der Titel dann wieder durch die alten Bioware-Stärken gefangen, die da aber schon so langsam angefangen haben zu bröckeln. Lust das nochmal zu spielen habe ich bisher auch nicht so wirklich verspürt. War aber trotzdem "ganz nett" ;).
der_geraet schrieb am
Nachdem Inquisition jahrelang unangetastet auf der Festplatte meiner Xbox schlummerte, habe ich mich endlich durchgegrindet.
Habe das Spiel mit allen DLC?s auf Maximallevel 27 beendet, mein Spielstand zeigt eine Netto-Spielzeit von 102 Stunden an.
Trotz konfuser und eher uninteressanter Story, sowie dem repetitiven abklappern von Sammelaufgaben und dem allgemeinen MMO-grind-gameplay (ist eigentlich kein Rollenspiel) hat mich irgendwas bei der Stange gehalten. Mir hat es sehr gut gefallen.
Ich frage mich nur welcher normale Mensch eigentlich Zeit haben soll für so ein Monstrum..
Nuracus schrieb am
Generell will ich mich an der RPG-ja-nein-Debatte gar nicht mehr groß beteiligen, im Endeffekt ist es doch eh Wurst. Ist ein Spiel jetzt schlechter/besser, weils ein Adventure/RPG/Action-Adventure ist?
Dazu kommt, dass eh jeder RPG anders definiert. Schlägt man Definition von RPG nach, findet man gern Formulierungen wie "in der Regel", "für gewöhnlich", "meistens". Für den einen gehört zwingend dazu, dass man Charakterwerte/Skills steigern kann, für den nächsten ist es wichtig, dass man eine Rolle spielt - dann wiederum, wo fängt "eine Rolle spielen" an, spielt man bei Super Mario nicht auch schon die Rolle des italienischen Klempners?
Keine Ahnung, warum Witcher jetzt kein RPG sein soll. Es hat halt keinen Charaktergenerator - andererseits hat Gothic das auch nicht, und da zweifelt auch keiner dran, dass das ein RPG ist.
Die Hauptstory ist nun wirklich fantastisch, ja. Ich rede jetzt nicht von Originalität oder so, sondern keine Frage - die Art und Weise, wie Charaktere eingebunden werden, die kleinen überraschenden Wendungen, die Entwicklungen der Charaktere.
Ich bin immer noch unglaublich schwer begeistert von dem kompletten Strang um den Blutigen Baron. Selten hat ein Spiel mir so gut vor Augen geführt, dass nicht alles schwarz und weiß ist. Selten hat ein Spiel es so gut geschafft, ähnlich wie bei Game of Thrones, meine Einstellung zu einer Figur komplett auf links zu krempeln.
Fühlt sich die Welt leer an? Kann ich irgendwie nicht sagen. Es gibt richtig viel zu tun, von klitzekleinen Events bis hin zu langgezogenen Nebenquests. Hier und da läuft ein Kaufmann von Dorf zu Dorf, da ploppt plötzlich eine Quest auf, obwohl man nicht damit gerechnet hat. Vor dem Sonnenuntergang fliegt ein Draconide herum, um den man sich kümmern kann. Was fehlt? Mehr zu entdecken? Mehr Sammelquests? Ach, wenn ich nur sehe, wie viele Fragezeichen die Karte von Skellige noch auf dem Wasser hat.
Die große Stärke ist aber, dass ungeheuer viele dieser kleinen bis großen Aufgaben eine tolle...
Jordes schrieb am
Nuracus hat geschrieben: ?15.06.2020 18:47 Objektiv ist das ein Beschäftigungstherapiesimulator.
Es fühlt sich an wie Akten abarbeiten. Abheften. Dokumente fürs Archiv aufbereiten. Hinterher das restliche Geschirr spülen, weil die Spülmaschine schon voll ist, aber es ist langes Wochenende und wenn mans nicht macht, dann schimmelt der Mist und Montag gibts keinen Kaffee.
Vergleiche Witcher 3 - ernsthaft, ich seh ein neues Gebiet, ich decke durch Karten oder Anschlagbretter Dutzende neue Fragezeichen auf der Map auf und denk mir bei jedem: "Meine Fresse, da wird wieder ne geile Story hinter stecken" (und dann ist es auch meistens so. Und sei es nur ein dusseliger kleiner Brief, der einen Charakter beschreibt, der hundert mal besser ist als jedes Partymitglied von Scheiß Inquisition)
Ehrlich gesagt hatte Witcher 3 zwar eine starke Hauptstory aber die Welt ansonsten fühlte sich sehr leer an und allgemein war es für mich vom Gefühl her eher ein Adventure als ein RPG. Aber keine Frage es war gut. Dennoch weit überhyped. Ist Skyrim denn jetzt schlecht? Beinhaltet schließlich auch viel Beschäftigungstherapie. Es gibt unterschiedliche Arten von RPG´s und das ist auch ganz gut so. Manche mögen halt eine breite Palette andere nur eine Art. Und dennoch sammelt auch der Hexer Ressourcen.
schrieb am