Dragon Age: Inquisition - Test, Rollenspiel, Xbox 360, PC, PlayStation 3, PlayStation 4, Xbox One

 

Test: Dragon Age: Inquisition (Rollenspiel)

von Jörg Luibl



Entwickler:
Publisher: Electronic Arts
Release:
20.11.2014
20.11.2014
20.11.2014
20.11.2014
20.11.2014
Erhältlich: Digital (Origin), Einzelhandel
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Einbruch, Diebstahl, Waffen ziehen? Alles egal…

Zum anderen reagieren die Bewohner auf nichts. Egal ob man seine Waffen vor wichtigen Persönlichkeiten oder Wachen zieht, magische Detonationen in der Menge auslöst oder einfach Häuser betritt und dort alles mitgehen lässt - es gibt im Jahr 2014 keinerlei Reaktion darauf. Selbst wenn Leute einem im Dialog skeptisch bis feindselig begegnen, kann man die Kiste neben ihnen sofort plündern! Sollte es in den letzten zehn Jahren Fortschritte im Figurenverhalten gegeben haben, wird man sie nicht in diesem Dragon Age: Inquisition finden. Und das ist wirklich ein Armutszeugnis, denn da hinkte BioWare traditionell hinterher und hätte zumindest rudimentäre Reaktionen einbauen können. Dass das alles glaubwürdiger geht, auch in offener Welt, hat übrigens auch Skyrim bewiesen - da gab es ebenfalls einige Inkonsequenzen, aber die Welt dort wirkte viel länger wie ein epischer Schauplatz.

Die Begleiter mischen sich zu selten in die Aktionen des Helden ein.
Die Begleiter mischen sich zu selten in die Aktionen des Helden ein.
Und was sieht man in der Wildnis und den Siedlungen? Zwar bildet BioWare den Alltag der Leute besser ab als im Vorgänger: Man kann viele aktive Gruppen oder Leute bei der Arbeit beobachten. Hinzu kommt, dass dort Gespräche geführt oder Gerüchte besprochen werden, so dass ein Lager oder eine Siedlung auf den ersten Blick durchaus lebendig wirkt. Aber man kann kaum jemanden ansprechen und vieles wirkt auf den zweiten Blick oberflächlich und statisch: Man muss nur mal in ein Gasthaus gehen, in dem eine Frau wie ein Roboter eine Laute spielt, während niemand auch nur einen Blick auf den Fremden richtet, der entweder die Welt vernichten wollte oder jetzt retten soll. Ich komme also in diese Situation als Herold der Inquisition und Elf hinein, aber es ändert sich nichts an den Tischen. Hier hätte es zumindest ein Tuscheln oder Ähnliches geben müssen! Die Frau mit der Laute wird dann auch nochmal nach Val Royeaux kopiert. Man erreicht hier einfach nicht das authentische Treiben einer Kleinstadt wie z.B. in Flotsam aus The Witcher 2. Was für ein atmosphärischer Unterschied!

In der Sammelschleife von Assassin's Creed

Zu schnell wird aus der Spielwelt ein Spielplatz.
Zu schnell wird aus der Spielwelt ein Spielplatz.
Ja, es gibt marodierende Magier, Templer oder Banditen in der Landschaft – aber teilweise ein paar Meter neben unbeteiligten Personen. Man trifft zwar zig kleine Entscheidungen und kann den Leuten im Alltag helfen. Aber man vermisst diesen angenehmen Schauer der Vorahnung oder des Mysteriösen, der zumindest andeuten würde, dass sich tatsächlich etwas Bedrohliches zusammen braut. Auch das pulsierende Mal an der eigenen Hand wird ja nicht genutzt, um Spannung innerhalb der Gruppe oder der Biografie des Charakters aufzubauen. Nach dem hitzigen Einstieg mit der ach so schlimmen Bedrohung, wird man in einen nahezu gewöhnlichen Alltag entlassen, schließt die Risse irgendwann nebenbei und verliert sich quasi in einem schier endlosen, wunderschön designten Fantasy-Park voller Krimskrams.

Man kann andererseits nicht aufhören: Hier ist noch ein Areal, das so viele Symbole und Aufgaben zeigt - da müssen fünf Lager gefunden, dort noch Sehenswürdigkeiten entdeckt, diese Briefe überbracht, Höhlen geplündert, Scherben gefunden, Kleidung gesammelt oder eben Risse geschlossen werden. Hinter diesem Wasserfall soll laut Karte ein Geheimnis warten, dort soll man Schutztürme errichten, vorher Wölfe jagen und man braucht übrigens nur noch ein paar Kräuter hier und Zutaten da für eine Verbesserung der Waffen oder der Rüstung. Wo man was findet? Auf der Karte wird meist alles sofort markiert, dann mit dem Zielmarker aktiviert und los geht es per Kompass in diese Richtung, während man als das banditische Kroppzeug in nahezu voll automatischer Kampfroutine nebenbei weghaut.

Kommentare

Solon25 schrieb am
Some Guy hat geschrieben: ?30.12.2020 10:16 Die Begeisterung ist dann im Laufe der Zeit aber schnell verflogen und man hat sich wie in einem Ubisoft-Spiel gefühlt, wo man 100 Stunden mit langweiligem Sammelmist verbringen kann.
Das schlimme daran ist, hat man sich dran gemacht sowas abzuarbeiten, ging die Quest nicht aus dem Log. Für jemanden der sein Questbuch gerne leer macht ein Unding.
Some Guy schrieb am
der_geraet hat geschrieben: ?30.12.2020 00:48 Ich frage mich nur welcher normale Mensch eigentlich Zeit haben soll für so ein Monstrum..
Du bist keiner? :D
Ging mir ähnlich mit dem Titel. Am Anfang fand ich sogar die Open World extrem beeindruckend, weil man sie wirklich merkbar beeinflussen kann. Dass ich irgendwelche hohlen MMO-Aufgaben mache und dann beim nächsten Besuch auf einmal dort tatsächlich eine Kolonie anfängt, sich aufzubauen und NPCs auf mich reagieren habe ich so bisher in keinem Spiel erlebt. Dadurch hat sich ein Gefühl entwickelt, dass es eben nicht nur dumme Quests sind sondern man tatsächlich sein Imperium ausbaut. Die Begeisterung ist dann im Laufe der Zeit aber schnell verflogen und man hat sich wie in einem Ubisoft-Spiel gefühlt, wo man 100 Stunden mit langweiligem Sammelmist verbringen kann. Die Story war anfangs sau episch, als dann das scheinbare Intro vorbei war war da aber auch schnell die Luft raus. Am Ende des Tages hat sich der Titel dann wieder durch die alten Bioware-Stärken gefangen, die da aber schon so langsam angefangen haben zu bröckeln. Lust das nochmal zu spielen habe ich bisher auch nicht so wirklich verspürt. War aber trotzdem "ganz nett" ;).
der_geraet schrieb am
Nachdem Inquisition jahrelang unangetastet auf der Festplatte meiner Xbox schlummerte, habe ich mich endlich durchgegrindet.
Habe das Spiel mit allen DLC?s auf Maximallevel 27 beendet, mein Spielstand zeigt eine Netto-Spielzeit von 102 Stunden an.
Trotz konfuser und eher uninteressanter Story, sowie dem repetitiven abklappern von Sammelaufgaben und dem allgemeinen MMO-grind-gameplay (ist eigentlich kein Rollenspiel) hat mich irgendwas bei der Stange gehalten. Mir hat es sehr gut gefallen.
Ich frage mich nur welcher normale Mensch eigentlich Zeit haben soll für so ein Monstrum..
Nuracus schrieb am
Generell will ich mich an der RPG-ja-nein-Debatte gar nicht mehr groß beteiligen, im Endeffekt ist es doch eh Wurst. Ist ein Spiel jetzt schlechter/besser, weils ein Adventure/RPG/Action-Adventure ist?
Dazu kommt, dass eh jeder RPG anders definiert. Schlägt man Definition von RPG nach, findet man gern Formulierungen wie "in der Regel", "für gewöhnlich", "meistens". Für den einen gehört zwingend dazu, dass man Charakterwerte/Skills steigern kann, für den nächsten ist es wichtig, dass man eine Rolle spielt - dann wiederum, wo fängt "eine Rolle spielen" an, spielt man bei Super Mario nicht auch schon die Rolle des italienischen Klempners?
Keine Ahnung, warum Witcher jetzt kein RPG sein soll. Es hat halt keinen Charaktergenerator - andererseits hat Gothic das auch nicht, und da zweifelt auch keiner dran, dass das ein RPG ist.
Die Hauptstory ist nun wirklich fantastisch, ja. Ich rede jetzt nicht von Originalität oder so, sondern keine Frage - die Art und Weise, wie Charaktere eingebunden werden, die kleinen überraschenden Wendungen, die Entwicklungen der Charaktere.
Ich bin immer noch unglaublich schwer begeistert von dem kompletten Strang um den Blutigen Baron. Selten hat ein Spiel mir so gut vor Augen geführt, dass nicht alles schwarz und weiß ist. Selten hat ein Spiel es so gut geschafft, ähnlich wie bei Game of Thrones, meine Einstellung zu einer Figur komplett auf links zu krempeln.
Fühlt sich die Welt leer an? Kann ich irgendwie nicht sagen. Es gibt richtig viel zu tun, von klitzekleinen Events bis hin zu langgezogenen Nebenquests. Hier und da läuft ein Kaufmann von Dorf zu Dorf, da ploppt plötzlich eine Quest auf, obwohl man nicht damit gerechnet hat. Vor dem Sonnenuntergang fliegt ein Draconide herum, um den man sich kümmern kann. Was fehlt? Mehr zu entdecken? Mehr Sammelquests? Ach, wenn ich nur sehe, wie viele Fragezeichen die Karte von Skellige noch auf dem Wasser hat.
Die große Stärke ist aber, dass ungeheuer viele dieser kleinen bis großen Aufgaben eine tolle...
Jordes schrieb am
Nuracus hat geschrieben: ?15.06.2020 18:47 Objektiv ist das ein Beschäftigungstherapiesimulator.
Es fühlt sich an wie Akten abarbeiten. Abheften. Dokumente fürs Archiv aufbereiten. Hinterher das restliche Geschirr spülen, weil die Spülmaschine schon voll ist, aber es ist langes Wochenende und wenn mans nicht macht, dann schimmelt der Mist und Montag gibts keinen Kaffee.
Vergleiche Witcher 3 - ernsthaft, ich seh ein neues Gebiet, ich decke durch Karten oder Anschlagbretter Dutzende neue Fragezeichen auf der Map auf und denk mir bei jedem: "Meine Fresse, da wird wieder ne geile Story hinter stecken" (und dann ist es auch meistens so. Und sei es nur ein dusseliger kleiner Brief, der einen Charakter beschreibt, der hundert mal besser ist als jedes Partymitglied von Scheiß Inquisition)
Ehrlich gesagt hatte Witcher 3 zwar eine starke Hauptstory aber die Welt ansonsten fühlte sich sehr leer an und allgemein war es für mich vom Gefühl her eher ein Adventure als ein RPG. Aber keine Frage es war gut. Dennoch weit überhyped. Ist Skyrim denn jetzt schlecht? Beinhaltet schließlich auch viel Beschäftigungstherapie. Es gibt unterschiedliche Arten von RPG´s und das ist auch ganz gut so. Manche mögen halt eine breite Palette andere nur eine Art. Und dennoch sammelt auch der Hexer Ressourcen.
schrieb am