The Stanley Parable: Ultra Deluxe - Test, Adventure, PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox Series X

 

Test: The Stanley Parable: Ultra Deluxe (Adventure)

von Michael Herde



The Stanley Parable: Ultra Deluxe: Ein erzählerischer Meilenstein
Ein erzählerischer Meilenstein
Entwickler:
Publisher: Galactic Cafe
Release:
17.10.2013
27.04.2022
27.04.2022
27.04.2022
27.04.2022
Erhältlich: Digital (Steam)
Spielinfo Bilder Videos
Seit knapp 16 Jahren teste ich Videospiele, seit mehr als 35 Jahren spiele ich sie. So etwas wie The Stanley Parable: Ultra Deluxe habe ich noch nicht erlebt! Inhaltlich geht es um die Geschichte eines Mannes namens Stanley. Schon wieder, denn eigentlich war sie schon 2013 mit The Stanley Parable für PC auserzählt. Oder doch nicht? Für den überfälligen und mehrmals verschobenen Konsolen-Rundumschlag The Stanley Parable: Ultra Deluxe (der auch für PC erscheint) haben Autor Davey Wreden und das deutsche Indie-Studio Crows Crows Crows neue Inhalte erschaffen. Ob das Spiel heute noch so begeistert wie damals und ob sich die Neuerungen für Kenner des Originals lohnen, verrät unser Test.


Geschichte der Geschichten

Das Erzählen erdachter Geschichten ist eine der ältesten Kommunikationsformen der Menschheit. Erzählt wird nicht erst mit Erfindung des Films oder des Buchdrucks, schließlich dürften sich seit jeher fiktive Elemente in die Erlebnisberichte von Männern geschlichen haben, wenn sie von der Jagd heimkehrten. Auch gespielt wird schon sehr lange: Das erste Brettspiel namens Senet datieren Historiker auf rund 3.200 vor Christus.

Der trostlose Büromitarbeiter verrichtet in seinem trostlos eingerichteten Büro Nr. 427 trostlose Büroarbeiten.
Der trostlose Büromitarbeiter verrichtet in seinem trostlos eingerichteten Büro Nr. 427 trostlose Büroarbeiten.
Im vergleichsweise jungen Medium Videospiel war die Entwicklung des Geschichtenerzählens lange abhängig vom technisch Machbaren durch Darstellbarkeit und Speicherplatz. Obwohl beide Aspekte längst keine Rolle mehr spielen, bewegen sich Videospiel-Storys oft immer noch bestenfalls auf dem Niveau mittelmäßiger Filme. Das mag daran liegen, dass die Geschichte gegenüber der Interaktivität in aller Regel die zweite Geige spielt. Oder um das bekannte Zitat des id-Gründers John Carmack ins Gedächtnis zu rufen: "Die Geschichte im Videospiel ist wie die Geschichte im Pornofilm: Man erwartet, dass es eine gibt, sie ist aber nicht wichtig." Andersrum: Wo die Story im Mittelpunkt steht, leidet das Spielerische. So sind die Abenteuer aus David Cages Studio Quantic Dream (Detroit: Become Human, Heavy Rain) kaum mehr als interaktive Filme, in denen der Spieler Entscheidungen über den weiteren Verlauf der Handlung trifft.

Genau hier setzt Davey Wreden 2011 an und entwickelt mit der Source-Engine eine Mod, die sich zwei Jahre später zu einem eigenständigen Spiel mausert und neun Jahre später endlich für alle gängigen Konsolen und PC erscheint.

Ein ungewöhnlicher Tag im Büro

So beginnt jeder neue Durchgang von The Stanley Parable: Ultra Deluxe – Protagonist Stanley beschließt, sein Büro zu verlassen und seine verschwundenen Kolleginnen und Kollegen zu suchen.
So beginnt jeder neue Durchgang von The Stanley Parable: Ultra Deluxe – Protagonist Stanley beschließt, sein Büro zu verlassen und seine verschwundenen Kolleginnen und Kollegen zu suchen.
The Stanley Parable: Ultra Deluxe erzählt die Geschichte des Büroarbeiters Stanley, dessen einzige Aufgabe es ist, in seinem Büro Nummer 427 am Computer die Tasten zu drücken, die der Bildschirm vorgibt. Als Stanley bemerkt, dass er alleine im Gebäude ist, begibt er sich auf die Suche nach seinen Kolleginnen und Kollegen. Wie er das bemerkt? Ein Erzähler aus dem Off sagt uns, dass es eben so ist. Als artig konditionierte Befehlsempfänger, die wir Videospieler oftmals sind ("Drücke X, um Respekt zu zollen!"), gehorchen wir der charismatischen Stimme und folgen den Worten des Erzählers in der Ego-Perspektive durch den verlassen anmutenden Bürokomplex. Bereits nach wenigen Minuten erreichen wir mit Stanley so das Ende des Spiels.

Klingt langweilig? Dabei führt genau dieser Gehorsam zum offiziellen und positivsten Ende des Spiels. Interessant wird The Stanley Parable allerdings erst, wenn wir alte Gewohnheiten hinter uns lassen. Auf unserer Erkundungstour gelangen wir bald in einen Raum mit zwei Türen. Der Erzähler lässt uns wissen, dass Stanley durch die linke geht. Aber was mag geschehen, wenn wir unseren Gehorsam verweigern, vom vorgegeben Pfad abweichen und frech durch die rechte Pforte treten? Immerhin haben wir es mit einem Videospiel zu tun, können tun, was wir wollen und sind doch zu freien Entscheidungen fähig. Oder etwa nicht?

Stanley will nicht gehorchen

Zu verlockend: Der unscheinbare linke Pfad verheißt einen Fluchtweg. Doch ob Ihr wirklich richtig geht, seht Ihr, wenn Euch das Licht ausgeht.
Der unscheinbare linke Pfad verheißt einen Fluchtweg. Doch ob Ihr wirklich richtig geht, seht Ihr, wenn Euch das Licht ausgeht.
Statt Euch weiter mit Exkursen zu langweilen, kommen wir auf den Punkt: The Stanley Parable bezieht seinen wesentlichen Reiz aus unserer und damit aus Stanleys Widerspenstigkeit. Denn wann immer wir eben nicht das tun, was die allgegenwärtige Stimme diktiert, wird der Walking-Simulator erst richtig interessant und vor allem: urkomisch. Sichtlich irritiert beschwert sich der Erzähler über Stanleys Versuche, seine Geschichte zu sabotieren. Wer statt nur reflexartig zu ballern in Videospielen auch gerne mal sein Handeln reflektiert und verkopfte philosophische Überlegungen anstellt, sollte an The Stanley Parable: Ultra Deluxe seine helle Freude haben.

Kommentare

Khorneblume schrieb am
Kajetan hat geschrieben: ?Heute 15:30 Andersherum. Du selbst wirst hier gespielt.
Irgendwann war ich bockig und habe gar nicht mehr getan. Und wurde nach einigen Minuten der Inaktivität auch dafür dumm angepflaumt. Herrlich! :mrgreen:
Das Spiel hört praktisch nie auf zu geben. :)
Kajetan schrieb am
Imperator Palpatine hat geschrieben: ?14.05.2022 10:39 Ich habe das Spiel bei seinem damaligen erscheinen aus Zeitgründen nicht gekauft und muss dem Tester dafür danken dass er mein Interesse wieder erweckt hat. Gekauft wurde es jetzt und bei der Rückkehr an den Heimatrechner werde ich dieses Kleinod spielen.
Andersherum. Du selbst wirst hier gespielt.
Irgendwann war ich bockig und habe gar nicht mehr getan. Und wurde nach einigen Minuten der Inaktivität auch dafür dumm angepflaumt. Herrlich! :mrgreen:
nawarI schrieb am
Black Stone hat geschrieben: ?14.05.2022 10:27
Levi  hat geschrieben: ?13.05.2022 22:34
diggaloo hat geschrieben: ?13.05.2022 22:16 Bin ich der Einzige, den mehrere Enden in Videospielen stören? Ich würde viel lieber das eine Ende sehen, was von den Entwicklern vorgesehen war und ich möchte eine geschlossene Geschichte ohne Wenn und Aber am Ende.
Grundsätzlich ja. Aber das hier ist anders.... Ganz anders.
Dto. Ich bin eigentlich auch ein Kandidat, der sich das (subjektiv) interessanteste Ende erspielt und den Rest 'YouTube't. Aber hier ist der Weg das Ziel. Die Enden sind quasi Wurmlöcher in einem endlosen Labyrinth, die dich eigentlich nur auf eine neue Reise schicken wollen/sollten und da (fast?) jede Durchlauf gefühlt nur zwischen 5 und 15 Minuten dauert, ist diese Schleife eher rogue-like (nur ohne sterben). Klingt komisch, ist aber so.
Ich hätte gesagt dies hier ist wie Skyrim, wenn nach jeder Mission, nach jedem Dungeon oder je am Kartenrand immer der Abspann käme. Aber in geil. Wenn du einmal nur nach Norden läufst, kommst du auch ans Ende der Karte, aber dann hast du den Süden, Osten, Westen, Nordosten und Südsüdwesten und vieles in der Mitte halt nicht gesehen.
Bei Stanley ist jeder Durchlauf quasi ein kleiner Teil der Karte, die erst nach und nach ein sehr seltsames Ganzes ergibt.
Es ist schon was besonderes und Gedankengänge wie "Spiel einmal durchspielen", "Film einmal angucken" oder "Buch einmal durchlesen" greifen hier halt nicht. Und eben das macht finde ich den Reiz aus und das macht es so faszinierend.
str.scrm schrieb am
ist absolut sowas von gar nicht mein Genre, aber das habe ich mir bei Firewatch auch gedacht...
Alter... was ein wunderschönes, emotionales Stück Seelenheil das doch war :Hüpf:
ich behalte das hier mal im Hinterkopf wenn ich wieder eine Pause von AA(A) brauche :Blauesauge:
und danke an die neue Redaktion für die Kommunikation innerhalb der Kommentarsektion... tion tion... guten Abend 8)
schrieb am