The Legend of Zelda: Breath of the Wild - Test, Action-Adventure, Nintendo Wii U, Nintendo Switch

 

Test: The Legend of Zelda: Breath of the Wild (Action-Adventure)

von Jörg Luibl



Publisher: Nintendo
Release:
03.03.2017
03.03.2017
Erhältlich: Einzelhandel
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Alte und neue Zöpfe

Ich verfluche zuerst meine blöde Ungeduld, dann diese viel zu schnelle Abnutzung der Waffen. Man hat nicht mehr das eine Schwert, den einen Bumerang oder Bogen, sondern verbraucht dutzende der 183 (!) Äxte, Hämmer, Speere, Bögen & Co. Zwar gibt es auch welche, die länger halten, aber dieser Überschuss an fragilen Totmachern wirkt wie ein Fremdkörper, weil er ganz einfach den Spielfluss hemmt und zu ständigem Ausrüstungsmanagement zwingt. Mitten im Kampf muss man jedenfalls mit dem Zerbrechen einer Klinge rechnen und sollte immer so viele wie möglich als Ersatz dabei haben. Man kann sie weder verkaufen noch wie in Nioh oder Dark Souls modifizieren; lange Zeit gibt es auch keinen Schmied und selbst der repariert nur ganz wenige ausgewählte Waffen.

Auf Wasserflächen kann man Eisblöcke entstehen lassen. So schafft man Hindernisse gegen Pfeile, hebt vielleicht Dinge aus der Tiefe oder baut sich eine Plattform zum Klettern.
Auf Wasserflächen kann man Eisblöcke entstehen lassen. So schafft man Hindernisse gegen Pfeile, hebt vielleicht Dinge aus der Tiefe oder baut sich eine Plattform zum Klettern.
Aber The Legend of Zelda: Breath of the Wild zieht mich immer wieder magisch an, gerade weil es aufgrund seiner vielen Wechselwirkungen auf frische Art fordernd sein kann. Man zähmt hier kein Wildpferd auf einen Knopfdruck, sondern muss sich an die scheuen Tiere leise heranpirschen, dann aufsitzen und, je nachdem ob es sich um einen einfachen Schimmel oder einen stolzen Rappen handelt, entweder ein paar Mal oder öfter kleine Reaktionstests bestehen, um es zu zähmen. Danach muss man die Zuneigung des Pferdes gewinnen und kann es je nach Charakter nicht wie einen Roboter präzise steuern und sofort maximales Tempo machen, sonst wird man abgeworfen. Lässt man es zu weit weg alleine, kommt es nach einem Pfiff nicht einfach angetrottet. Klingt alles banal, ist aber in der Summe sehr befriedigend.

Anspruch im Kleinen

Weil es auch im Kleinen so anspruchsvoll sein kann, gewinnt das Spielerlebnis im Ganzen letztlich an Größe. Ich bin in keinem anderen Zelda so oft in den ersten Stunden gestorben wie in diesem, weil sich Wetter, Temperatur und
Schon sehr früh kann Link mit seinen Kräften experimentieren und sich z.B. über den Magnetismus eine Brücke bauen.
Schon sehr früh kann Link mit seinen Kräften experimentieren und sich z.B. über den Magnetismus eine Brücke bauen.
Ausdauer so stark auswirken: Link kann in alpinen Regionen langsam an der Kälte und in der Wüste an der Hitze sterben. Er kann beim einfachen Schwimmen in einem See ertrinken oder beim Klettern abstürzen, wenn er nicht mehr genug Ausdauer hat. Er muss wieder manuell das richtige Timing für den Absprung finden. Er kann sich selbst oder seine Ausrüstung verbrutzeln, denn Feuer brennt hier auf Holz, brät Fleisch durch und breitet sich in der Fläche aus - ist das nicht wunderbar?

Nicht falsch verstehen: Das ist trotz angezeigter Temperaturen, wechselndem Wetter und zig Nahrungsoptionen keine Überlebenssimulation, denn man muss hier nicht regelmäßig essen, trinken oder schlafen. Und mit etwas Geduld sowie Vorbereitung ist auch dieses Abenteuer ein sehr komfortables. Es gibt zwar nur einen Schwierigkeitsgrad, aber hier wird man lange nicht so schwitzen wie in Dark Souls oder Nioh, denn man kann jederzeit, egal ob im Kampf oder beim Klettern, bequem pausieren, um seine Herzen über Mahlzeiten aufzufüllen oder sie sogar weit über das Maximum zu steigern - alleine das sorgt bei gefülltem Rucksack eigentlich immer für Sicherheit. Das wirkt später,
Gege
Eine Fackel sorgt für Licht, aber spendet auch Wärme in kälteren Regionen.
wenn man die Rezepte kennt, sogar fast wie ein Cheat. Hier hat es Nintendo mit den starken Nahrungseffekten übertrieben. Das hätte man durch einen optional höheren Schwierigkeitsgrad für Profis verhindern können!

Dieser oben beschriebene Kampf ist jedoch ein gutes Beispiel dafür, wie schwierig und anders sich dieses neue Abenteuer in seinen besten Momenten anfühlen kann.  Link kann nur mit entsprechender Kleidung, Nahrung oder Fackel dem Frost widerstehen, kann nicht endlos spurten und findet nicht wie sonst üblich irgendwo Herzen, sondern muss seine Lebensenergie über einen Apfel oder ein Steak stärken. So entsteht zumindest im Ansatz ein anspruchsvolles Wildnisflair, eine Art von Arcade-Survival, von der ein Far Cry Primal oder Horizon Zero Dawn viel weiter entfernt sind.

Kommentare

yopparai schrieb am
MrLetiso hat geschrieben: ?24.04.2019 10:21 Das Waffenverschleißsystem hat mich sehr lange einen Bogen um Zelda machen lassen - aber ganz ehrlich, Dein Beitrag hier hat mir wirklich geholfen. Habe zwar erst 30+ Stunden in das Spiel gesenkt, aber ich genieße im Moment wirklich jede einzelne Minute dieses Zelda Spiels.
Danke für den Beitrag!
Ich bin mir zwar durchaus bewusst, dass man das ganze Thema auch anders betrachten kann, aber es freut mich, wenn ich in diesem Fall helfen konnte. :)
MrLetiso schrieb am
yopparai hat geschrieben: ?22.12.2017 10:58Man soll sich das, was man zum Überleben braucht aus der Welt besorgen und die Waffen sind in Zelda kein Werkzeug, sondern eine weitere Ressource. Wenn man sie auf die Art betrachtet, ist das eigentlich ganz erträglich.
Das Waffenverschleißsystem hat mich sehr lange einen Bogen um Zelda machen lassen - aber ganz ehrlich, Dein Beitrag hier hat mir wirklich geholfen. Habe zwar erst 30+ Stunden in das Spiel gesenkt, aber ich genieße im Moment wirklich jede einzelne Minute dieses Zelda Spiels.
Danke für den Beitrag!
Ryan2k6 schrieb am
Chibiterasu hat geschrieben: ?22.12.2017 11:57 Es gibt ein paar die man wieder reparieren lassen kann. Ist aber irgendwie teuer und so wahnsinnig gut sind die Waffen jetzt auch nicht.
Die anderen Top-Waffen kommen von speziellen Gegnern, die zu Beginn unschaffbar scheinen und erst später dann gut gelegt werden können. Somit kann man sich dort immer wieder Nachschub besorgen.
Danke!
Chibiterasu schrieb am
Es gibt ein paar die man wieder reparieren lassen kann. Ist aber irgendwie teuer und so wahnsinnig gut sind die Waffen jetzt auch nicht.
Die anderen Top-Waffen kommen von speziellen Gegnern, die zu Beginn unschaffbar scheinen und erst später dann gut gelegt werden können. Somit kann man sich dort immer wieder Nachschub besorgen.
Ryan2k6 schrieb am
Gibt es denn irgendwelche "epic" Waffen, die dann besonders gut sind, aber man eigentlich nie nutzt weil sie sonst kaputtgehen? Oder gibt es solche Einzigartigen Waffen gar nicht, eben wegen dieser Spieldweise?
schrieb am