Lost Dimension - Test, Taktik & Strategie, PlayStation 3, PS Vita

 

Test: Lost Dimension (Taktik & Strategie)

von Benjamin Schmädig



Entwickler:
Publisher: NIS America
Release:
30.10.2017
28.08.2015
28.08.2015
Spielinfo Bilder Videos
Einen Sho bekannten Verräter könnte ich also tatenlos sterben lassen, um seinem Ruf zu schaden. Nach mehreren Gefechten ist es mir so gelungen, einen allgemein beliebten Verräter kurz vor der Wahl doch zum unbeliebtesten Mitstreiter zu machen. Das schadet zwar der Dynamik der Gefechte, hat sich aber wie ein Erfolg angefühlt.Und immerhin muss ich im Gegenzug darauf achten, dass ein wichtiger Kämpfer nicht zu Boden geht: Tote können zwar wiederbelebt werden, drücken die Bewertung des Charakters aber enorm!

Wie Sho einen Verräter übrigens ausfindig macht? Nach jedem Gefecht (nur eine sechs Mann starke Auswahl zieht in jeden Kampf) hört er die Stimmen derjenigen, die daran beteiligt waren. Weil ich sehe, wie viele verdächtige Stimmen er nach jedem Kampf hört, kann ich bald schlussfolgern, wer als Verräter überhaupt in Frage kommt – in einem Minispiel läuft Sho dann Stimmen hinterher und entdeckt so, ob der dazugehörige Begleiter aufrichtig ist oder nicht. Ja, das ist furchtbar langweilig.

Wechselspiel

Es hilft der Rundentaktik auch nicht, dass ich die Zusammenstellung der aktiven Gruppe ständig ändern muss. Nichts gegen Abwechslung, doch in diesem Genre mag ich gerade den Aufbau eines „perfekten“ Teams. Abgesehen davon steckt in dem Taktieren allerdings die größte Stärke des Spiels, denn die sehr verschiedenen Begabungen der Helden
In den Gefechten zählt cleveres Stellungsspiel.
In den Gefechten zählt cleveres Stellungsspiel.
machen jeden von ihnen einzigartig. Nur eine beherrscht etwa eine Art Feuermagie. Manche spezialisieren sich auf den Fernkampf, andere schlagen nur im Nahkampf zu, schwächen Gegner oder können ihre Fähigkeiten mit denen eines Begleiters kombinieren.

Ich habe nicht zuletzt die Möglichkeit, einen Zug an eine andere Figur weiterzureichen. Ein Schütze könnte sich also in Reichweite eines Feindes begeben und den Staffelstab an einen Nahkämpfer reichen, damit der den Gegner mit Hilfe seines Partners attackiert. Sollte ein Kämpfer seine Begabungen zu häufig nutzen, verliert er außerdem seinen "Verstand": Ohne Rücksicht auf Freund und Feind greift er dann einige Runden lang alles und jeden an, während seine Wunden geheilt werden. Geschickt eingesetzt kann das gegen starke Feinde ein wichtiges taktisches Mittel sein.

Wer mit wem?

Überhaupt muss ich den Raum geschickt nutzen, denn im Rücken Getroffene erleiden größeren Schaden und die Helden greifen gemeinsam an: Attackiert ihr befreundeter Kamerad einen Gegner in ihrer Schlagreichweite, dann schlagen sie automatisch mit zu. Nur so sind größere Feinde überhaupt besiegbar – richtiges Stellungsspiel richtet bis zu sechsfachen Schaden an.

Lohnenswert ist zwischen den Gefechten deshalb der Aufbau von Freundschaften. Umso bedauerlicher, dass der Ausbau einer Beziehung so funktioniert: Die ersten beiden Unterhaltungen, die Sho zwischen zwei Gefechten führt,
Bis auf wenige Ausnahmen wie explosive Fässer, ist die spröde Umgebung fast ausschließlich Fassade.
Bis auf wenige Ausnahmen, wie explosive Fässer, ist die Umgebung fast ausschließlich Fassade.
verbessern sein Verhältnis mit der entsprechenden Figur. Mehr steckt nicht dahinter. Schade auch, dass alle Kämpfer an sechs vorgegebenen Positionen aufgestellt werden müssen.

Echte Experten

Die Charaktere können schließlich zusätzliche Begabungen erlernen und ihre vorhandenen mehrfach  erhöhen, so dass etliche Entwicklungen möglich sind. Mit besseren Waffen, verschiedenen Rüstungen und dem Verstärken von maximal zwei ihrer Eigenschaften spezialisiere ich die Figuren weiter. Ich kann ihnen sogar die Begabungen ausgeschiedener Verräter verleihen. Ärgerlich nur, dass deren Verlust dadurch eine noch unbedeutendere Rolle spielt als ohnehin schon.

Und apropos unbedeutend: Dass die kleinen Level-Rechtecke jedes Stockwerks stets aus den gleichen Versatzstücken bestehen, in denen vielleicht nur eine Hand voll verschiedener Gegner hausen, macht das Taktieren ausgenommen spröde. Ähnlich wie in Valkyria Chronicles oder Code Name: S.T.E.A.M. bewege ich die Helden zwar frei dorthin, wo es ihre Reichweite erlaubt – Deckung oder ähnliche Finessen bietet Lost Dimension allerdings nicht.

Kommentare

Todesglubsch schrieb am
Ist wohl wieder eines dieser Spiele, wo man sich nicht auf irgendwelche Wertungen verlassen kann. Hier gibts dies, drüben gibts dafür ne 80er-Wertung und am Ende bin ich verwirrt.
Viel interessanter für mich ist aber, wieso das Spiel Ende letzten Monats erscheinen sollte, Amazon aber erst Ende diesen Monats liefern kann. Ist hier ein NIS-Laster abgesoffen?
schrieb am