Edna & Harvey: The Breakout - Anniversary Edition - Test, Adventure, PlayStation 4, Nintendo Switch, Xbox One

 

Test: Edna & Harvey: The Breakout - Anniversary Edition (Adventure)

von Jan Wöbbeking



Edna & Harvey: The Breakout - Anniversary Edition (Adventure) von Daedalic Entertainment
Verspäteter Ausbruch aus dem PC
Release:
2019
2019
04.12.2019
17.06.2020
17.06.2020
17.06.2020
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Geschlagene zwölf Jahre nach Daedalics Überraschungshit "Edna bricht aus" greift der Wahnsinn endlich auch auf die Konsolen über. Vorhang auf für eines der albernsten Spiele aller Zeiten, welches 2008 von uns zum Adventure des Jahres gekürt wurde - und das hoffentlich ein paar zeitgemäße Änderungen bei Bildformat, Steuerung & Co. erfahren hat.


Neu! Neu! Neu!

Auf Steam ist die Neuauflage bereits seit Dezember erhältlich, jetzt sind endlich auch PS4, Xbox One und Switch an der Reihe. Neu ist natürlich die Anpassung auf das neuartige Bildformat 16:9. Zumal neuerdings sowieso alles und jeder ein wenig anders aussieht - mit frischen, höher aufgelösten Zeichnungen, die den absichtlich trashigen Originalen nachempfunden wurden. Schade, dass dem Zeitgeist entsprechend alles ein wenig braver wirkt. Ednas fettige Strähnen sind weniger strähnig, ihre Quanten weniger quantig. Sogar ihr jüngeres Ich aus der Vergangenheit ist weniger krumm und schief angezogen - fast schon adrett statt punkig. Kurzum: Die Kulisse transportiert einen Deut weniger Unbehagen in der "Irrenanstalt" des nicht sonderlich humanen Dr. Marcel, aus der es zu entfliehen gilt. Kein dramatischer Unterschied für Neulinge, aber als Kenner des Originals habe ich oft lieber zur Original-Grafik umgeschaltet, was zum Glück jederzeit im Pause-Menü erledigen lässt.

Neben der deutschen Vertonung wurden eine alternative englische Fassung sowie einige Erfolge aus der späteren iOS-Umsetzung übernommen. Außerdem musste natürlich die komplette Verben-Steuerung und das Inventar fürs Gamepad umgebaut werden. Eine Touchscreen-Steuerung für die Switch hat sich Daedalic schon wieder gespart. Hurra! Stattdessen muss ich mich diesmal mit ziemlich umständlichen Menüs und Icon-Anordnungen herumschlagen, die sich über diverse Knopfkombinationen öffnen lassen. Ganz so hakelig wie in alten Konsolen-Umsetzungen von Neunziger-Jahre-Adventures wird es hier zwar nicht, zumal es eine Schnellwahlleiste für Gegenstände aus dem Inventar gibt. Trotzdem dauert es länger als nötig, bis alle Kommandos in Fleisch und Blut übergehen.

Fast wie früher

Die neuen Zeichnungen wurden offenbar nicht immer perfekt an die alten Animationen angepasst.
Die neuen Zeichnungen wurden offenbar nicht immer perfekt auf die alten Animationen abgestimmt. Auch das langsame Herumlaufen per Stick wirkt oft seltsam, weil sich manche eigentlich offene Bereiche nicht erreichen lassen.
Inhaltlich hat sich zum Glück nichts am experimentellen Adventure geändert, in dem ich mich mit so gut wie jedem Gegenstand unterhalten, alles bekritzeln oder mit anderen Dingen und Personen benutzen kann. Ein freier Geist in einer eingesperrten Edna! Und in ihrem treuen Stoffhasen Harvey natürlich, der immer wieder versucht, sie enthusiastisch zu Brandschatzung, Suizid oder anderen, nicht besonders nachhaltigen Lösungswegen anzustacheln. Auch die aktuellen Umsetzungen für Switch, PS4 und Xbox One balancieren äußerst elegant auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn. Wirklich jeder Charakter im Debüt-Adventure von Jan Müller-Michaelis hat ernsthafte psychische Probleme. Kein Wunder: Ich schlüpfe in den weißen Kittel von Edna, die mit Gedächtnisverlust in einer kuscheligen Gummizelle aufwacht. Meine Aufgabe ist natürlich, dem Wahnsinn der Anstalt zu entkommen.

"Hallo Tür, wie geht es dir heute?" - "Bestens, ich empfinde eine perfide Freude daran, dir den Weg zu versperren." - "Ich hasse dich, Tür!". So oder so ähnlich klingt eine der ersten Unterhaltungen, die ich in Edna bricht aus zu hören bekomme. Moment mal - ein Gespräch mit einer Tür? Ja, es hat schon gewisse Vorteile, sich nicht ganz zu Unrecht in einer Irrenanstalt aufzuhalten. Dazu gehört im Fall von Edna die Fähigkeit, mit ihrem Stoffhasen Harvey und sämtlichen Gegenständen ein Schwätzchen halten zu können. Fragt mich nicht, wann oder wie um alles in der Welt diese ganzen Dialogzeilen zu Papier gebracht und aufgenommen wurden. Sie sorgen aber dafür, dass weder Edna noch ich in den ersten Spielstunden die Einsamkeit fürchten muss.

Gesellige Gegenstände

Abgesehen von dieser Wand aus Monitoren wurde alles an 16:9 angepasst. Warum das Original 2008 noch in 4:3 erschien? Weil Poki bereits Jahre zuvor im Studium am Spielkonzept herumtüftelte!
Abgesehen von dieser Wand aus Monitoren wurde alles an 16:9 angepasst. Warum das Original anno 2008 noch in 4:3 erschien? Weil Poki bereits Jahre zuvor im Studium am Spielkonzept herumgetüftelt hatte!
Die in den Räumen verstreuten Objekte taugen nicht nur zu meiner Unterhaltung. Manche, wie das in der Abstellkammer stehende Gehirn in einem Glas, geben nicht nur ihre Lebensweisheiten an mich weiter, sondern mitunter wertvolle Tipps, mit denen ich eines der zahlreichen Rätsel löse. Kleptomanen werden hier auf Anhieb glücklich: Falls Edna ein Objekt nicht als unbrauchbar erachtet, kann sie sich die Kitteltaschen so voll stopfen, wie sie will. Und ich darf alles wild miteinander kombinieren. Ich will mein seelisches Leid mit einem Aktions-Kunstwerk ausdrücken? Kein Problem! Ich schnappe mir die Ketchup-Flasche und verpasse Sitzmöbeln und Gemälden einen expressionistischen tomatenroten Anstrich. Oder ich schneide das halbe Irrenhaus mit der Zackenschere entzwei. Unglaublich - es macht auch heute noch einen Riesenspaß, stundenlang mit dutzenden Objekten herumzuprobieren und..ähem..zu sprechen.

Kommentare

Sugandhalaya schrieb am
Ich fand Edna damals richtig gut und hab mir auch Harveys neue Augen für die Xbone geholt und natürlich durfte da auch Edna für die Konsole nicht fehlen, aber mit den neuen Grafiken werde ich irgendwie nicht warm. :?
Levi  schrieb am
SpookyNooky hat geschrieben: ?
17.06.2020 17:18
(ist dieser denn in dieser Version enthalten?)
[...]
Droggelbecher!
Leider scheinbar nicht. Zumindest nicht von Anfang an. (oder ich habe es nicht gefunden)
Die neuen Zeichnungen sind cool. Aber hier und da, ist das Alte irgendwie.... Geiler.
Wenn man mit Edna zum Beispiel direkt nach Start im Lüftungsrohr sitzt, wirkt das neue "gelassen". Die alte Darstellung unterstrich etwas besser ihren 'Wahnsinn'.
Todesglubsch schrieb am
Sehe ich das richtig und die Konsolen-Retailversionen wurden gestrichen?
Auf Amazon ist es einfach "nicht erhältlich", (wie fast alle Daedalic-Spiele, seltsamerweise). Andere Stores haben es garnicht gelistet oder man findet über ne EAN-Suche nur raus, dass es nicht erhältlich ist.
Eurovideo listet den Release gar für Ende 2019.
Und Spielegrotte den Release für Ende 2020.
Oder coronabedingt produktionsschwierigkeiten?
Wulgaru schrieb am
Zusammen mit den Deponia-Spielen und der Fortsetzung ist das Spiel hier das Herzstück von Daedalic finde ich. Ein Spiel was jeder Adventure-Fan gespielt haben muss.
Ich hoffe wirklich das mal wieder was in diese Richtung kommt.
SpookyNooky schrieb am
"Wie lange hängst du schon hier, Herr Mantel?"
"Ich sage mal so... früher nannte man mich Herr Toga".

Gut geschriebener Test zu einem hervorragenden Adventure. Ich bin Edna-Fan der ersten Stunde.
Im Test werden einige Dinge nicht angesprochen, die ich dennoch erwähnenswert finde:
Der Tone Shift gegen Ende des Spiels, der
Spoiler
Show
für einen ziemlichen Bruch im Spielgefühl sorgt, denn auf einmal wird die beherzt lockere Irrenkomödie ziemlich düster, ernst und blutig.
Das teilweise unfaire Rätseldesign. Selbst Poki hat im Entwicklerkommentar (ist dieser denn in dieser Version enthalten?) eingeräumt, dass das "Resonanz-Rätsel" schlecht designt ist. Das hat nichts mehr mit "Kopfnuss" oder "knifflig" zu tun, sondern ist unlogisch.
Mir egal, Edna hat sich für immer mit ihrer Bastelschere in mein Herz geschnippelt und diese Liebe zum irren Spiel kommt in diesem Test 100 prozentig rüber.
Droggelbecher!
schrieb am

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