Edna & Harvey: The Breakout - Anniversary Edition - Test, Adventure, PlayStation 4, Nintendo Switch, Xbox One

 

Test: Edna & Harvey: The Breakout - Anniversary Edition (Adventure)

von Jan Wöbbeking



Release:
2019
2019
04.12.2019
17.06.2020
17.06.2020
17.06.2020
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Raus aus der Zelle!

Bevor ich derart schamlos durch das Haus randalieren kann, muss ich aber erst einmal der Enge der schneeweißen Gummizelle entfliehen. Bereits dort komme ich mit ausdauerndem Einsatz der provisorischen Werkzeuge ans Ziel. Der genervte Wärter Stiesel verrät mir, dass der rettende Lüftungsschacht natürlich nicht direkt zu erreichen ist, sondern hinter den Polstern liegt. Hinter den ausgesprochen weichen Polstern. Nun ist es meine Aufgabe, den natürlichen Feind der quadratischen Wandkissen in der Zelle zu entdecken. Die ersten Rätsel fallen angenehm einfach und logisch aus - mit ein wenig Nachdenken und Probieren erarbeite ich mir schnell den Weg von einem Raum in den nächsten. Habe ich nach einigen Stunden den Zugang zu den meisten Räumen erschlossen, wird es allerdings kniffliger.

Dort treffe ich auf allerlei grenzgeniale Charaktere. Jeder von ihnen ist ein echtes Original und hat seine ganz eigene, liebenswerte Neurose. Hoti und Moti halten sich trotz unterschiedlicher Hautfarbe für siamesische Zwillinge und tragen daher den gleichen Pullover. Der mit norddeutschem Dialekt und einer gehörigen Portion Ordnungsliebe ausgestattete Kontrolleur sorgt dafür, dass nur Personen mit einem vorschriftsmäßigen Kleiderbügel-Ticket den Wäschelift als Transportmittel missbrauchen dürfen. Habe ich ihn überlistet, treffe ich auf Herrn Mantel, der sich für einen Gehrock hält und in einem Regenschirm durch den Wäschelift reist.

Droggelbecher!

Wo geht
Wo geht's lang?
Am unterhaltsamsten ist trotz seines geringen Wortschatzes ein anderer Insasse: der getreue Wächter des Aufenthaltsraum-Königs. Er artikuliert sich schlicht und einfach durch das unterschiedlich betonte Wiederholen seines eigenen Namens: Droggelbecher! Ich könnte noch seitenweise über die genial-verrückten Figuren und ihre Geschichten schreiben, doch am besten lernt ihr sie allesamt persönlich kennen. Sogar Entwickler „Poki“ taucht höchstpersönlich auf, und zwar in der trauten Runde einer Therapiegruppe für Spielentwickler, die ihre Sitzung rein zufällig in Ednas Anstalt abhält. "30.000 Zeilen allein im ersten Akt - was habe ich mir nur dabei gedacht?" erzählt eine vor Verzweiflung zitternde Stimme, während die Stirn des Edna-Schöpfers auf die Tischplatte knallt.

Die Hand der genervten, Verständnis heuchelnden Therapeutin bewegt sich bei ihren Kommentaren skurril im Kreis. Jede der trashig gezeichneten Figuren hat sie - diese drei Animationsphasen, in denen sich ihr Mund, das komplette Gesicht oder eben irgendetwas anderes bewegt. Und obwohl es nur drei Variationen eines einzigen Bildes sind, wirkt jede davon angemessen albern. Als alter Hase fühlt man sich sofort an Klassiker wie Monkey Island und Maniac Mansion erinnert, die ganz unverhohlen als Vorbild dienten. Auf der Packung des PC-Originals stand schließlich noch der augenzwinkernde Werbe-Sloagan „Von den Leuten, die Monkey Island gut finden!".

Ich höre Stimmen...

Ein Blick auf das Verben-Auswahlrad und die kleine Inventarleiste rechts unten. Natürlich darf man auf Knopfdruck auch das komplette Inventar öffnen, um allerlei Dinge miteinander zu kombionieren oder mit Ketchup vollzuschmieren.
Ein Blick auf das Verben-Auswahlrad und die kleine Inventarleiste rechts unten. Natürlich darf man auf Knopfdruck auch das komplette Inventar öffnen, um allerlei Dinge miteinander zu kombinieren oder mit Ketchup vollzuschmieren.
Im Verlauf des Abenteuers treffe ich auf einige mysteriöse Figuren: Kann mir der düstere Schlüsselmeister, der wie Hannibal Lecter hinter Sicherheitsglas lauert, wirklich zur Freiheit verhelfen? Und in welchem Zusammenhang steht Ednas Aufenthalt in der Klappse mit dem bösen Anstaltsleiter Dr. Marcel und ihrem Vater? Um Licht ins Dunkel ihrer Amnesie zu bringen, unternimmt Edna an bestimmten Stellen des Abenteuers eine Gedankenreise in ihre Kindheit, im Fachjargon des Spiels "Tempomorphen" genannt. In diesen Szenen schlüpfe ich abwechselnd in die Rollen der jungen Edna und ihrem Hasen Harvey. Der flauschige Pyromane kann Objekte aus seiner Umgebung allein nicht an sich nehmen oder benutzen, sondern lediglich in eine Themenleiste am unteren Rand ziehen.

Danach spricht er Edna auf eines dieser Objekte an. In einem der Flashbacks sperrt der Lehrer Edna in den Schrank, weil sich die Petze neben ihr wiederholt mit streberhaftem Schnippsen über ihre störenden Selbstgespräche beschwert hat. Harvey kommt selbst nicht an ein Dokument im Schrank heran, kann seiner eingesperrten Freundin aber vorschlagen, dieses zu lesen. Da es in dem Kabuff viel zu dunkel ist, schlüpfe ich in ihre Rolle und reiche Harvey das Schriftstück durch ein kleines Loch nach draußen. Habe ich eine Hand voll Rätsel in einer Flashback-Episode gelöst, kehre ich mit einer neu erlernten Fähigkeit zurück - z.B. die, Schrauben mit einem nicht besonders appetitlichen Trick zu lösen. In dieser Rückblende begegenete mir übrigens auch einer der Bugs, von denen es bereits früher einige gab. Klein-Edna blieb einfach in einer Ecke des Kellers hängen, was sich aber mit einem der manuellen Speicherstände schnell ausbügeln ließ.

Kommentare

Sugandhalaya schrieb am
Ich fand Edna damals richtig gut und hab mir auch Harveys neue Augen für die Xbone geholt und natürlich durfte da auch Edna für die Konsole nicht fehlen, aber mit den neuen Grafiken werde ich irgendwie nicht warm. :?
Levi  schrieb am
SpookyNooky hat geschrieben: ?
17.06.2020 17:18
(ist dieser denn in dieser Version enthalten?)
[...]
Droggelbecher!
Leider scheinbar nicht. Zumindest nicht von Anfang an. (oder ich habe es nicht gefunden)
Die neuen Zeichnungen sind cool. Aber hier und da, ist das Alte irgendwie.... Geiler.
Wenn man mit Edna zum Beispiel direkt nach Start im Lüftungsrohr sitzt, wirkt das neue "gelassen". Die alte Darstellung unterstrich etwas besser ihren 'Wahnsinn'.
Todesglubsch schrieb am
Sehe ich das richtig und die Konsolen-Retailversionen wurden gestrichen?
Auf Amazon ist es einfach "nicht erhältlich", (wie fast alle Daedalic-Spiele, seltsamerweise). Andere Stores haben es garnicht gelistet oder man findet über ne EAN-Suche nur raus, dass es nicht erhältlich ist.
Eurovideo listet den Release gar für Ende 2019.
Und Spielegrotte den Release für Ende 2020.
Oder coronabedingt produktionsschwierigkeiten?
Wulgaru schrieb am
Zusammen mit den Deponia-Spielen und der Fortsetzung ist das Spiel hier das Herzstück von Daedalic finde ich. Ein Spiel was jeder Adventure-Fan gespielt haben muss.
Ich hoffe wirklich das mal wieder was in diese Richtung kommt.
SpookyNooky schrieb am
"Wie lange hängst du schon hier, Herr Mantel?"
"Ich sage mal so... früher nannte man mich Herr Toga".

Gut geschriebener Test zu einem hervorragenden Adventure. Ich bin Edna-Fan der ersten Stunde.
Im Test werden einige Dinge nicht angesprochen, die ich dennoch erwähnenswert finde:
Der Tone Shift gegen Ende des Spiels, der
Spoiler
Show
für einen ziemlichen Bruch im Spielgefühl sorgt, denn auf einmal wird die beherzt lockere Irrenkomödie ziemlich düster, ernst und blutig.
Das teilweise unfaire Rätseldesign. Selbst Poki hat im Entwicklerkommentar (ist dieser denn in dieser Version enthalten?) eingeräumt, dass das "Resonanz-Rätsel" schlecht designt ist. Das hat nichts mehr mit "Kopfnuss" oder "knifflig" zu tun, sondern ist unlogisch.
Mir egal, Edna hat sich für immer mit ihrer Bastelschere in mein Herz geschnippelt und diese Liebe zum irren Spiel kommt in diesem Test 100 prozentig rüber.
Droggelbecher!
schrieb am

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