Klasse und Masse
Für viel Variation sorgen dabei auch die bereits angerissenen vier Klassen, da sie nicht nur mit verschiedenen Waffen in den Kampf ziehen, sondern sich auch unterschiedlich schnell bewegen und über eigene Spezialfähigkeiten verfügen. Einige heilen Mitstreiter, andere werfen Öl-Fässchen, die eine kleine Fläche in Brand stecken, und wieder andere stellen massive Schilde oder spitze Barrikaden auf. Je länger man eine Klasse spielt, desto mehr Waffen und Unterklassen schaltet man dabei frei, was ausgesprochen motivierend ist, da diese tlw. sehr verschieden sind und damit zusätzliche Spielweisen eröffnen.
Was sich hingegen in keiner Weise aufs Spiel auswirkt ist das rein optische Individualisieren der Kämpfer, wobei man jeder Klasse beider Parteien anders aussehende Waffen oder Rüstungen verpasst und sogar Aussehen sowie Stimme der Kämpferinnen und Kämpfer auswählt. Weil man dafür im Gefecht verdientes Geld benötigt und für einige Gegenstände auch ein bestimmtes Level erreicht haben muss, ist das eine gelungene Belohnung für erfolgreiches Sterben und Sterben lassen.
Zusätzlich gibt es eine alternative Währung, die man für Echtgeld kaufen kann, vor deren Kauf man allerdings einen Hinweis bestätigen muss, auf dem die Entwickler kurz erklären, warum es diese Einnahmequelle gibt, und darum bitten, die rein optionale Währung nur in einer gesicherten finanziellen Situation zu kaufen. Das macht die ehemaligen Modder noch mal sympathischer als es ihr Spiel ohnehin schon tut.
Über Kreuz, aber nicht in alle Richtungen
Beim Individualisieren fällt allerdings auch auf, dass das Menü besonders auf den Konsolen seltsam unübersichtlich ist. Es ist nicht mal schlecht strukturiert, aber die Art und Weise, mit der Menüs ineinander verschachtelt sind, sowie die Tatsache, dass der jeweils gewählte Menüpunkt nicht immer sofort erkennbar ist, machen das Hantieren in den Optionen recht unhandlich. Hinzu kommt der Fehler, dass nicht alle Einstellungen gespeichert werden, weshalb ich z.B. die Bewegungsunschärfe jedes Mal aufs neue abschalten darf und auch Teile der Steuerung schon wiederholt einstellen musste.
Dass die agathischen Ritter ihren Gefangenen befreien, können sie getrost vergessen! Während das Geschehen auf den Konsolen der letzten Generation übrigens mit 30 Bildern pro Sekunde läuft, freut man sich auf PS5 und Series über die doppelte Bildrate. Grandios sieht es auf keiner Plattform aus, dafür funktioniert es auf allen Systemen praktisch problemfrei. (PS4)
Ärgerlich finde ich zudem, dass man dank Crossplay zwar mit Spielern anderer Plattformen gemeinsam in die Schlacht zieht, es aber keine plattformübergreifenden Partys gibt. Wer auf PC unterwegs ist, kommt daher nur durch Zufall mit Freunden auf PS4 oder Xbox Series im selben Match zusammen. Abgesehen davon funktioniert das Crossplay nicht zwischen PlayStation 4 und 5, obwohl alle anderen Systeme auch generationsübergreifend miteinander kommunizieren. Beides soll sich in Zukunft zwar ändern, im Moment ist das aber der Stand der Dinge.
Einbahnstraßen-Action
Alles in allem und trotz des unterhaltsamen Spektakels muss man außerdem sagen, dass Chivalry 2 auch mit all seinen Vorzügen vor allem auf Dauer eine recht monotone Angelegenheit bleibt. Das ständige aufeinander zu Rennen sowie die Handgemenge sind ja stets die gleichen. Und so sehr ich verstehe, dass man zu Release erst einmal ein schnelles Matchmaking sicherstellen will, vermisse ich die Möglichkeit nicht missionsbasierte Karten aus der Rotation zu werfen, da diese Einförmigkeit dort naturgemäß noch stärker ausgeprägt ist.
Und eine kleine Bitte gerade in diesem Zusammenhang noch zum Schluss: Gönnt uns eine kurze Pause, bevor die nächste Partie startet! Das wäre nämlich nicht nur zum Luftholen gut; man könnte dann auch mal einen Blick auf die zuletzt freigeschalteten Waffen und Unterklassen werfen, um sie gezielter einzusetzen.