Tell Me Why - Test, Adventure, Xbox One, PC

 

Test: Tell Me Why (Adventure)

von Alice Wilczynski



Publisher: Xbox Game Studios
Release:
27.08.2020
27.08.2020
Erhältlich: Digital (Xbox Store, Steam)
Erhältlich: Digital (Xbox Store, Steam)
Spielinfo Bilder Videos
Der fehlende Funke  


Zwar ist es interessant im Verlauf der drei Episoden immer mehr über die Vergangenheit der Zwillinge zu erfahren und dahinter zu kommen, welches Geheimnis Mary-Anne all die Jahre für sich behalten hat. Spielerisch konnte mich Tell me Why als jemand, der beide Spiele von Life is Strange sehr mochte, leider nicht überzeugen. Das Scannen der Erinnerungen ist langweilig und hätte genauso gut automatisch erscheinen können. Jedes Mal, wenn eine Erinnerung vorhanden ist, fängt der Controller stark und recht nervig an zu vibrieren und hört erst dann auf, wenn man die Silhouetten endlich in der Spielwelt gefunden hat. Im Vergleich dazu waren das Manipulieren der Zeit in Life is Strange und Daniels Fähigkeiten in Life is Strange 2 deutlich spannender.  

Durch das Scannen von Erinnerungen durchlebt man zahlreiche Momente aus Tyler und Alysons Kindheit.
Durch das Scannen von Erinnerungen durchlebt man zahlreiche Momente aus der Kindheit der Zwillinge.
Auch die Idee der „Stimme“, die den beiden ermöglicht telepathisch miteinander zu kommunizieren, wurde zu wenig ausgereizt. Sie fügt in Gesprächen lediglich ein paar Antwortmöglichkeiten hinzu und wirkte überflüssig. Generell hatte ich viel zu selten das Gefühl, dass meine Antworten einen wirklichen Einfluss auf das Geschehen hatten, wodurch ich gelegentlich demotiviert wurde, mich für die Gespräche zu interessieren.
Zumindest die Rätsel rund um das toll gestaltete Märchenbuch waren ein kleiner spielerischer Lichtblick, die besonders in der dritten Episode toll umgesetzt wurden. Immer wieder konnte man die zahlreichen Geschichten über Kobolde und Prinzessinnen lesen, um in ihnen Hinweise zu finden, wie man z.B. geheime Türen öffnet.  

Träge Stimmung

Technisch kann Tell me Why mit seiner Unreal Engine nur bedingt überzeugen: Die stimmungsvolle Kulisse Alaskas wurde fantastisch eingefangen, auch die Licht durchflutenden Räume und zahlreichen Details in Zimmern und Geschäften, schaffen eine tolle Atmosphäre. Anders sieht das bei der steifen Mimik der Charaktere aus, deren Augen und Münder die emotionalen Situationen oft nicht rüberbringen. Nervig ist auch die recht träge Steuerung der Charaktere auf der Xbox One, die man oft sehr schwerlich an Gegenständen vorbei bugsieren muss und auch das Anwählen von Gegenständen kann manchmal etwas unpräzise ausfallen.

Die Geschichten im "Book of Goblins" sind wundervoll gestaltet und über Rätsel mit der Spielwelt verknüpft.
Die Geschichten im "Book of Goblins" sind wundervoll gestaltet und über Rätsel mit der Spielwelt verknüpft.
Das Treffen von schweren Entscheidungen war bisher immer ein motivierendes Element der „Life is Strange“-Spiele. Leider konnte ich auch davon kaum etwas in Tell me Why finden. Zwar wird einem auch hier nach jeder Episode angezeigt, wie man sich im Vergleich zu anderen Spielern entschieden hat. Zu viele Wege sind jedoch klar vorgegeben und die Auswirkungen, ob man sich für Tylers oder Alysons Erinnerungen entscheidet, sind zu gering. 

Leider hat das Spiel es so in drei Episoden nicht geschafft, dass ich einen emotionalen Draht zu den Zwillingen bekam. Während die Rückblicke in ihre Kindheit teilweise sehr rührend waren und ich mich in diese Situationen gut hineinversetzen konnte, blieb die Darstellung der Charaktere und die Beziehung der Geschwister zu blass. Vielleicht hätte hier eine weitere Episode Sinn ergeben, in der man die beiden noch besser kennenlernt. So liegt der Fokus vor allem auf dem Aufdecken von Mary-Annes Geheimnissen, die zwar einige spannende Wendungen haben, mich aber zusammen mit dem Schicksal von Tyler und Alyson emotional nicht wirklich berühren konnten.

Kommentare

NewRaven schrieb am
Also ich bin nun durch und im Prinzip kann man an dem Titel die gleichen Dinge kritisieren, wie auch schon an LiS 2 - nur das sie hier vielleicht andere Gründe haben. Die teils weder logisch noch emotional nachvollziehbaren "Wendungen" - oft innerhalb eines einzelnen Gesprächs - um irgendwie eine Dramatik zu erzeugen, die dann aber einfach gekünstelt wirkt, die fehlende Zeit, die man der Entwicklung der Nicht-Spieler-Charaktere nicht wirklich einräumt (wenn das auch hier eher der geringen Episoden-Anzahl geschuldet sein dürfte, während es bei LiS 2 wohl eher Absicht war um das Flucht-/Roadtrip-Feeling zu stärken), die vielen Versuche, etwas als "eine große Sache" zu verkaufen, nur um sie dann in einer Nichtigkeit aufzulösen (red herring) oder Dinge, die eigentlich längst klar und offensichtlich sind, so oft zu wiederholen oder konkretisieren, bis sie auch jemand verstanden hat, der beim Spielen mehrfach eingeschlafen ist.
Schlechter als bei LiS 2 fand ich, dass die Entscheidungen quasi allesamt nicht wirklich "wichtig" wirkten - und LiS 2 war da schon merklich schlechter als sein Vorgänger - es gab quasi in allen drei Episoden keinen einzigen Moment, wo ich kurz innehalten musste und drüber nachdenken musste, was ich da jetzt wähle. Das Resultat war meist sehr gut vorhersehbar und die zu erwartende Änderung zu der jeweils anderen Antwort schlicht nicht wirklich groß (auch wenn ich das nur an wenigen Stellen getestet habe), die "emotionale Involvierung" fehlte oft einfach.
Besser war, dass man sich beim Cast wieder auf eine überschaubare und dauerhaft präsente Gruppe an Charakteren beschränkt hat - und wie gesagt, mit etwas mehr Zeit hätten die alle durchaus gut werden können.
Rätsel und Co waren "genretypisch" nicht der Rede wert (und die, die wenigstens etwas anspruchsvoller waren, waren optional), Grafik, Sound und Technik waren eben "typisch LIS" und die Sprecher waren super (naja, bis auf Michael... der klang für meine Wahrnehmung eigentlich durchgehend stoned...
Flux Capacitor schrieb am
Für mich kein Spiel, einfach ein interaktiver Film. Zum abschalten am Abend aber ganz ok, ich mochte aber auch die anderen Spiel-Filme von DontNod.
LeKwas schrieb am
dessoul hat geschrieben: ?
11.09.2020 18:42
Das stimmt. Das allererste, was in der Werbung stand, war "Transgender Charakter". Ich war dann deswegen ein wenig neugierig. Aber obwohl das ständig angesprochen wird, spielt es nicht wirklich eine Rolle in irgend einer Form. Ich fand die Umgebung auch ziemlich harmlos. Alle akzeptieren fast sofort, dass da nicht mehr ein Mädchen steht, sondern ein Typ. Ich bin in der Großstadt aufgewachsen und hab damit leben müssen, dass ich ständig für die kleinste Abweichung von der Norm von irgend welchen Wildfremden Arschlöchern angegangen wurde. Ich hab lange Haare? Irgend ein Fremder macht mich dafür im Bus an. Ich trage einen Pulli von Northdale, weil ich das Universitäts-Logo toll fand und wurde sofort von irgendwelchen Typen als rechte Sau bezeichnet. Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, wo ich ständig ein Messer bei mir tragen musste, weil die Gefahr dauernd da war, dass mich irgend ein Wildfremder versucht anzugehen. Ich sass deswegen bei dem Spiel deswegen da und hab mich dann immer gefragt: und jetzt was?
Die hätten sich das Transgender-Thema auch sparen können: Es hat keinerlei Auswirkungen im Spiel. Nichts von all den Folgen, die so eine Geschlechtsumwandlung nach sich zieht. Die ständigen Hormonkuren, die man mit all ihren Nebeneffekten zu sich nehmen muss, Auswirkungen aufs Sexualleben, feindliche Reaktionen aus dem Umfeld: nichts davon taucht auf.
Man kann das als Vor-oder Nachteil sehen. Es heisst ja auch in den Berichten, dass das Thema Transgender ein Teil des Spiels ist, man aber nicht zu einer Meinung genötigt wird. Ok, warum auch nicht?
Du hast es gut umschrieben, man kann es allerdings auch anders sehen.
Denn einige Transgender-SpielerInnen sind es mittlerweile auch leid bzw. darin übersättigt, dass wenn solche Thematiken in Unterhaltungsmedien auftauchten, sie fast immer als Steilvorlage für Misery Porn (bestehend aus Diskriminierung, psychischen Problemen, etc. pp.) herhalten durften:

In der Hinsicht könnte...
Tas Mania schrieb am
Keine Spoiler:
Eben durchgezockt und kann Alice Meinung fast teilen.
Mich hat teilweise sogar gestört, dass man immer wieder unlogische Dinge eingeführt hat, die eigentlich schon längst klar waren und man es immer wieder vorgekaut hat in der Story. Die Märschen Rätsel wirkten in meinen Augen befremdlich und stellenweise absolut unplatziert. Ich hatte in Tell me why viele Momente wo ich mir einfach nur gedacht habe, wieso was soll der Quatsch? Wo Sie aber wiederum mit realistischen rätseln punkten konnten, weil Sie einfach in die Spielwelt gepasst haben. Die Charaktere werden ganz gut beleuchtet und Aly nimmt sogar den spannendsten Part ein. Aber man verschenkt Potenzial von Aly und reitet auf der Story von Taylor rum, die eigentlich schon in Episode 1 in meinen Augen fertig war.
Tell me why vermittelt wirklich wichtige Dinge in Zusammenhang mit Toleranz,Respekt und Familienzusammenhalt in allen Bereichen.
Das wertet das Spiel enorm auf und man kann über viele schwächen hinwegsehen.
Grafisch gehe ich nicht so hart ins Gericht und finde die Grafik absolut in Ordnung.
Sound technisch hat das Spiel 0 Dramaturgie und schafft es nicht, emotionale Momente einzufangen.
Das Gameplay wirkt sehr aufgesetzt und schafft es mich kaum in die Spielwelt mit einzubeziehen. Ich fühle mich als Spieler immer ausgeschlossen und habe immer, dass Gefühl, meine Entscheidungen haben keinen Einfluss. Ich merke nichts von falschen Entscheidungen.
Telltale Games hat, dass in meinen Augen viel besser hinbekommen.
Tell me why hätte, dass Potenzial durchaus für eine 80er Wertung haben können, aber die Mängel rechtfertigen die Wertung im 60er Bereich.
dessoul schrieb am
Todesglubsch hat geschrieben: ?
11.09.2020 16:27

Vielleicht hatte man auch gehofft, dass man mit dem Trans-Hauptcharakter viele Bonuspunkte bekommt. Will ungern darauf rumreiten, aber das war tatsächlich das erste, was man von diesem Spiel zu hören bekam.
Das stimmt. Das allererste, was in der Werbung stand, war "Transgender Charakter". Ich war dann deswegen ein wenig neugierig. Aber obwohl das ständig angesprochen wird, spielt es nicht wirklich eine Rolle in irgend einer Form. Ich fand die Umgebung auch ziemlich harmlos. Alle akzeptieren fast sofort, dass da nicht mehr ein Mädchen steht, sondern ein Typ. Ich bin in der Großstadt aufgewachsen und hab damit leben müssen, dass ich ständig für die kleinste Abweichung von der Norm von irgend welchen Wildfremden Arschlöchern angegangen wurde. Ich hab lange Haare? Irgend ein Fremder macht mich dafür im Bus an. Ich trage einen Pulli von Northdale, weil ich das Universitäts-Logo toll fand und wurde sofort von irgendwelchen Typen als rechte Sau bezeichnet. Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, wo ich ständig ein Messer bei mir tragen musste, weil die Gefahr dauernd da war, dass mich irgend ein Wildfremder versucht anzugehen. Ich sass deswegen bei dem Spiel deswegen da und hab mich dann immer gefragt: und jetzt was?
Die hätten sich das Transgender-Thema auch sparen können: Es hat keinerlei Auswirkungen im Spiel. Nichts von all den Folgen, die so eine Geschlechtsumwandlung nach sich zieht. Die ständigen Hormonkuren, die man mit all ihren Nebeneffekten zu sich nehmen muss, Auswirkungen aufs Sexualleben, feindliche Reaktionen aus dem Umfeld: nichts davon taucht auf.
Man kann das als Vor-oder Nachteil sehen. Es heisst ja auch in den Berichten, dass das Thema Transgender ein Teil des Spiels ist, man aber nicht zu einer Meinung genötigt wird. Ok, warum auch nicht?
schrieb am