Evercade - Test, Hardware, Spielkultur

 

Test: Evercade (Hardware)

von Matthias Schmid



Evercade (Hardware) von PQube
Neues Handheld mit alten Spielen
Hardware
Entwickler: Evercade
Publisher: PQube
Release:
22.05.2020
Spielinfo Bilder Videos
Es gibt eine neue Handheld-Konsole, mit Retro-Modulen: Die Evercade überzeugt im Test mit guter Verarbeitung und spannendem Konzept für Sammler. Was sind die Schwachstellen, worauf müssen Käufer achten, wie schlägt sich die Software-Bibliothek?

Klein, weiß, handlich

Was haben wir denn da: Eine Konkurrenz für die (mindestens angezählten) Handhelds Nintendo 3DS und PlayStation Vita? Oder nur eine weitere China-Konsole mit Software-Schrott in 300-facher Ausführung? Weder noch! Die Evercade ist ein neues Handheld-System, das im Gegensatz zu den aktuell beliebten Mini-Konsolen von z.B. Nintendo keine vorinstallierten Spiele mitbringt. In dieser Hinsicht ist sie also wie ein Game Boy oder DS. Die Spiele für die Evercade sind allerdings nicht neu - sondern stammen großteils aus der Zeit, als Pixel das Maß der Dinge waren. Und sie erscheinen auf kleinen Modulen, die ganz klassisch in die Evercade eingeschoben werden. Neugierig geworden? Dann geht es interessant weiter…

Glänzendes weißes Plastik, rote Kanten, heller Bildschirm, gute Verarbeitung - die Evercade.
Glänzendes weißes Plastik, rote Kanten, heller Bildschirm, gute Verarbeitung - die Evercade.
Zeitgleich mit dem weißen, gut in der Hand liegenden Gerät, das vom englischen Zubehör-Profi Blaze hergestellt wird, erscheinen die ersten zehn Spielmodule für die Evercade: alles Retro-Collections, jede davon zum Preis von 17,99 Euro. Die Module packt man hinten ins Gerät und freut sich nach dem Anschalten über ein simples, an typische Retro-Konsolen erinnerndes Menü, wo sich die Spiele flott durchschalten und starten lassen. Alle Spiele und die jeweilige Emulationssoftware befinden sich dabei auf dem jeweiligen Modul. Der Bildschirm (LCD) misst 4,3 Zoll (11cm), kann in vier Helligkeitsstufen eingestellt werden und ist ordentlich - das Teil hat natürlich nicht die Strahlkraft des Vita-Screens, fällt aber auch nicht unangenehm durch Nachzieheffekte oder Farbuntreue auf. Pro Akkuladung (Strom bekommt die Evercade via Micro-USB-Kabel) läuft die Evercade vier bis fünf Stunden. An einen Kopfhörerausgang wurde ebenso gedacht wie eine Mini-HDMI-Schnittstelle - mit einem passenden Mini-HDMI-Kabel bringt ihr die Spiele in scharfen 720p auf euer TV-Gerät. Das ist aus heutiger Sicht zwar keine bombige Auflösung - dafür ist die Qualität astrein, kein Vergleich z.B. zum Neo-Geo Mini. Grafikfilter gibt es nicht, nur die Wahl, ob die Titel im Modus Originalgröße (sauber) oder Vollbildschirm (will niemand) wiedergegen werden.

Gut gemacht

Premium Pack: Handheld-Konsole und drei Retro-Collections für 89,99 Euro.
Premium Pack: Handheld-Konsole und drei Retro-Collections für 89,99 Euro.
Auch die Verarbeitung der Evercade hat mich positiv überrascht: Die Module passen perfekt ins Gehäuse, das Steuerkreuz ist gelungen, die Druckpunkte der Frontbuttons sind ordentlich; lediglich die klickenden digitalen Schultertasten fühlen sich etwas billig an. Die Emulation der alten Spiele wiederum ist klasse - ohne Soundaussetzer oder Bildfehler werden die Titel sauber wiedergegeben, egal ob sie aus der Atari-Frühzeit oder der 16-Bit-Ära stammen. Eine Rückspulfunktion oder Cheats gibt es nicht, dafür vier Speicherstände pro Spiel. Das bringt uns schon zu einzelnen Modulen - denn nur dafür wurde die Evercade gemach: Anders als diverse Handheld-Systeme wie GP32X oder Pandora setzt die Evercade nicht auf Community-Input und Homebrew-Software, sondern auf offiziell lizensierte Retro-Sammlungen. Die ersten zehn sind: Atari Collection 1, Namco Museum Collection 1, Data East Collection 1, Interplay Collection 1, Atari Collection 2, Namco Museum Collection 2, Interplay Collection 2, Mega Cat Studios Collection 1, Piko Interactive Collection 1 und Technos Collection 1.

Die zehn zum Start der Evercade verfügbaren Module, fein säuberlich sortiert nach der Nummerierung an der Packungsrückeite.
Die zehn zum Start der Evercade verfügbaren Module, fein säuberlich sortiert nach der Nummerierung an der Packungsrückeite.
Super für Sammler: Die Module sind (genau in der obigen Reihenfolge) durchnummeriert und befinden sich in einer wertigen schwarzen Hülle, die entfernt an alte Mega-Drive-Packungen erinnert.

Im Inneren befindet sich eine stabile Modul-Halterung sowie ein kleines und dünnes, aber farbiges Booklet - darin wird jedes enthaltene Spiel kurz vorgestellt, sogar mit Logos und ein paar hübsch freigestellten Pixeln.

Für den Herbst ist übrigens der erste Software-Nachschub angedacht: Die Module 11 und 12 beinhalten 25 Spiele des Atari-Handhelds Lynx, die Nummer 13 nur das Neo-Retro-Duo Xeno Crisis und Tanglewood.

Kommentare

PickleRick schrieb am
bigod66 hat geschrieben: ?
23.05.2020 12:11
Ich sagte nirgends dass das China Zeugs schlecht ist...
Es kommt eher darauf an wo mein sein Geld zukünftig investieren will, das muss aber jeder für sich entscheiden wie er die Zukunft sehen will.
Hahaha, viel Erfolg dabei, an China vorbei zu kommen!
Ich lach mich schlapp... wirklich!
Edit: Ernsthaft... hahahahahahahaha...
Edit2: Bild
Edit3: Bild
Edit4: Bild
Edit5: Verstehst Du, was ich damit sagen möchte?
HellToKitty schrieb am
Serenity7 hat geschrieben: ?
26.05.2020 11:31
Naja, ich kenne wenig gutes von China. China überschwemmt den Markt mit Masse und weniger mit Klasse. Es gibt auch das ein oder andere gute aus China, nur ist es schwierig, diese zu erkennen. Wie soll ich aus der Masse denn die Qualität herauslesen?
Genau so wie du es mit andern Produkten auch machst? Ich lese Reviews und gucke unabhängige Testberichte.
mcRebe schrieb am
Es ist doch wohl offensichtlich, das China massig qualitativ-minderwertige Hardware auf den Markt wirft.
Diese ganzen Clone, Retro- und teilweise Fake-Konsolen wie man sie z.B. von grenznahen Märkten kennt sind allesamt Schrott. Früher waren es diese Märkte, heute sind es Amazon & Alibaba. Gerade solche Retrohandhelds gibt es zu genüge, da schnell zusammengeklöppelt und für 3Mark50 auf (bzw. unter; wegen Lizenzproblemen) den Ladentisch geworfen.
Da muss man gute Ausnahmen aus dem Land schon besonders erwähnen. So wie die Evercade anscheinend. Noch dazu mit lizenzierten Spielen.
Akabei schrieb am
Aha, Chinaschrott ist also so schrottig, dass er auf europäische Produkte abfärbt und man den westlichen Qualitätsstandard nicht mehr halten kann. Habe ich das richtig verstanden?
btw: Glückwunsch zu deiner Pyra. Du bist ja offenbar weltweit die erste Person mit einem Serienmodell, ansonsten wäre deine Aussage bezüglich der Qualität irgendwie wenig glaubwürdig.
Serenity7 schrieb am
HellToKitty hat geschrieben: ?
23.05.2020 11:24
Vielleicht sollte man generell mal vom Klischee wegkommen, dass alles was in China hergestellt wurde auch Schrott sein muss. Die Zeiten sind nämlich vorbei. Ich habe zum Beispiel hervorragende chinesische Kopfhörer und Gamepads, beides designt und hergestellt in China. Dieses Diffamieren ist symptomatisch für die Arroganz der westlichen Welt, die gleichzeitig nicht erkennt, wie ihnen langsam aber sicher die Felle wegschwimmen. Trotzdem macht es natürlich Sinn zu erwähnen, dass das Ding eben kein Billigabzockelektroschrott ist, wie er natürlich immer noch zu Hauf in China hergestellt wird.
Naja, ich kenne wenig gutes von China. China überschwemmt den Markt mit Masse und weniger mit Klasse. Es gibt auch das ein oder andere gute aus China, nur ist es schwierig, diese zu erkennen. Wie soll ich aus der Masse denn die Qualität herauslesen?
Ich habe den RG350, der gerade im mobilen Gaming ganz gut ist. Habe darauf ohne Probleme im 10h Flieger Zelda für den GBA durchgespielt, ohne einen Absturz. Leider funktioniert aber hier der HDMI-Output und der USB-C Anschluss nicht, der ja aktiv beworben wurde, was fast schon ein Retourgrund wäre. Die "westliche Welt" hat halt hier einen höheren Qualitätsstandard.
Ich würde sogar die Pyra/Pandora als "Chinaschrott" bezeichnet, auch wenn die in Deutschland/UK entwickelt wird, weil diese ebenfalls massive Qualitätsmängel hat.
schrieb am