The Medium - Test, Action-Adventure, Xbox Series X, PC

 

Test: The Medium (Action-Adventure)

von Michael Krosta



The Medium (Action-Adventure) von Bloober Team
Leben in zwei Welten
Entwickler:
Publisher: Bloober Team
Release:
28.01.2021
28.01.2021
Erhältlich: Digital (Xbox Store, Epic Games Store, GOG, Microsoft Games Store)
Erhältlich: Digital (Xbox Store, Epic Games Store, GOG, Microsoft Games Store)
Spielinfo Bilder Videos
Das Bloober Team bezeichnet The Medium als sein bisher ambitioniertestes Projekt, für das man sich von den surrealen Werken des polnischen Künstlers Zdzislaw Beksinski inspirieren ließ. Wir sind durch zwei Realitätsebenen gestiefelt, haben gefangene Seelen erlöst und sind vor einem grausamen Monster geflohen. Ob der Psycho-Horror fesseln kann, klären wir im Test.

Eine besondere Gabe

Marianne hat eine besondere Gabe: Als Medium ist es ihr möglich, einen Blick in die spirituelle Parallelwelt zu werfen und dort sogar mit der Umgebung zu interagieren. Zudem hat sie die Fähigkeit, auch in der gewohnten Realität mehr zu sehen, zu hören und zu fühlen als normale Menschen. So kann sie z.B. durch die Berührung und Untersuchung von Gegenständen ein Echo aus der Vergangenheit empfangen oder Erinnerungspunkte rekonstruieren, um ganz im Stil der grauenhaften Lichtwesen-Inszenierung aus Everybody's Gone to the Rapture weitere Einblicke zu erhalten. Dank der erweiterten Wahrnehmung ist es Marianne außerdem möglich, bedeutende Objekte in ihrem Umfeld hervorzugeben oder sogar versteckte Gegenstände aufzuspüren. In der spirituellen Welt hat sie außerdem die Fähigkeit, eine Schutzbarriere gegen aggressive Mottenschwärme zu errichten oder einen spirituellen Energiestoß auszusenden. Dies funktioniert jedoch nur, wenn man über die nötigen Kraftreserven verfügt, die man ausschließlich an besonderen Energiepunkten aufladen darf.

Bye-bye, Egoansicht

Etwa ein Drittel der Spielzeit verbringt man parallel in beiden Realitäten.
Etwa ein Drittel der Spielzeit verbringt man parallel in beiden Realitäten.
Während das Bloober Team in der Vergangenheit bei seinen Psycho-Trips immer auf die Ego-Perspektive gesetzt hat, sieht man hier die Figur und dirigiert sie durch die meist künstlich beschränkten Areale. Nur bei der genauen Untersuchung markierter Stellen geht es erneut zur Ego-Ansicht zurück. Im Mittelpunkt steht dabei der riesige Gebäudekomplex NIWA, zu dem neben einem Hotel à la The Shining auch eine Tagesstätte, ein Schwimmbad sowie ein unterirdischer Bunker gehören. Durch die festgelegten Kameraeinstellungen, die mitunter von kleinen Schwenks und gelungenen Schnitten begleitet werden, fühlt sich The Medium angenehm klassisch an und erinnert an Spiele wie Silent Hill oder Resident Evil. Anlass zur Kritik geben allerdings die mitunter etwas hakelige Steuerung und die nicht sonderlich aufwändig gestalteten Animationen.

Zwei Realitäten

Im Gegensatz zu Spielen wie Soul Reaver kann man hier nicht nach Lust und Laune zwischen beiden Realitäten wechseln. Stattdessen werden die Momente zunächst im Zuge der Story geskriptet. Erst später erhält man die Möglichkeit, sich mit der Hilfe von Spiegeln an vorgegebenen Stellen zwischen den Welten zu bewegen. Das Besondere an The Medium sind aber ohne Zweifel die Passagen, in denen man sich am geteilten Bildschirm parallel in der realen und der spirituellen Welt bewegt. Nach Entwicklerangaben erlebt man etwa ein Drittel der knapp zehnstündigen Kampagne in dieser ungewöhnlichen Ansicht, bei der man sofort nachvollziehen kann, warum das Konzept ursprünglich für die Wii U mit ihren zwei Bildschirmen umgesetzt werden sollte.

Die Schleicheinlagen wirken aufgesetzt und sind nicht sonderlich spannend.
Die Schleicheinlagen wirken aufgesetzt und sind nicht sonderlich spannend.
Es ist auf jeden Fall beeindruckend und erfrischend anders, diese beiden Welten parallel zu erleben, zumal es auch ein paar clevere Verknüpfungen beider Realitäten gibt. So können sich Aktionen in der spirituellen Ebene durchaus auf die reale Welt auswirken und umgekehrt. Darüber hinaus eröffnen sich interessante Ansätze beim Design der Schauplätze, wenn z.B. in einer der beiden Ebenen ein Durchgang versperrt ist. Hier erweist sich eine weitere Fähigkeit von Marianne als äußerst nützlich: Auf Knopfdruck lässt sich ein außerkörperliches Erlebnis initiieren, mit dessen Hilfe man in der spirituellen Welt für eine kurze Zeit unabhängig vom Gegenüber in der Realität agieren darf, um etwa weitere Areale zu untersuchen. Allerdings muss man aufpassen, dass man es nicht übertreibt, denn eine zu lange Trennung führt unweigerlich zum Tod. Die Inszenierung erinnert an ein langsames Ertrinken, bei dem die Spielfigur zunehmend verblasst. Da man die Fähigkeit aber unendlich oft anwenden darf und nicht auf Energiereserven angewiesen ist, stellt der Zeitdruck in der Regel keine sonderlich große Hürde dar.

Simple Rätsel

Die Gabe verleiht auch die Fähigkeit, in der Realität mehr Dinge zu sehen als andere Menschen.
Die Gabe verleiht auch die Fähigkeit, in der Realität mehr Dinge zu sehen als andere Menschen.
Gleichzeitig werden angesichts der simplen Rätsel auch die Gehirnzellen nie sonderlich gefordert, wenn man Objekte in der Umgebung verschiebt oder in der spirituellen Welt den deutlichen Leuchtspuren folgt, um nach den dadurch entdeckten Objekten die gefangenen Seelen zu erlösen. Einen Höhepunkt stellt ein Moment dar, in dem man mit Hilfe einer Uhr die Zeit manipuliert, obwohl Bloober dieses Element bereits auf ganz ähnliche Weise in Layers of Fear 2 und mit der Kamera von Blair Witch zelebriert hat. Ohnehin hat man häufig das Gefühl, dass sich die Entwickler gerne selbst zitieren oder im schlimmsten Fall ein gewisser Hang zum Recycling von Ideen und Assets im Studio herrscht: Die Passagen im Wald könnten z.B. ebenso gut aus dem Hexen-Horror stammen. Fehlt eigentlich nur noch der Hund als treuer Gefährte, oder? Tatsächlich hat man selbst für den überflüssigen Auftritt des Vierbeiners einen Moment in The Medium reserviert. Im Einstieg ist man zudem als nette Referenz im gleichen Gebäude unterwegs wie in Observer, doch befindet man sich hier freilich nicht im Krakau des Jahres 2084, sondern irgendwo Ende der Neunziger Jahre. Positiv hervorzuheben ist der Verzicht auf eine übertriebene Effekt-Orgie, wie man sie in der Vergangenheit gerne zelebriert hat, obwohl es diese Ansätze z.B. in Form von plötzlich verlängerten Korridoren auch hier zu sehen gibt. Ohne an dieser Stelle ins Detail zu gehen, präsentiert sich die Geschichte leider mitunter verwirrend und lenkt mit zu vielen nebensächlichen Handlungsträngen, uninteressanten Figuren sowie einem Overkill an Dokumenten und Echos ab, anstatt sich einfach auf das Wesentliche zu konzentrieren und einen spannenden Rahmen zu bilden.

Kommentare

Leon-x schrieb am
Wer noch mal etwas tiefer in die Technik einsteigen will und warum manches doch recht rechenintensiv ist gibt es neues Video:
History Eraser schrieb am
Word, das Voiceacting von diesem Monster war um längen besser, als das von Mary Ann.
Ich bin jetzt fertig und auch sehr postiv gestimmt, was den Titel angeht. Nach dem 16min Gameplaytrailer hatte ich eigentlich keine große Lust mehr auf den Titel. Wie bereits erwähnt, gefällt mir Mary Ann's Stimme nicht sehr, das Gameplay sah sehr öde aus und grafisch war ich ebenfalls ernüchtert.
Doch dann kam alles anders und ich konnte das Pad nicht mehr weglegen bzw die Kopfhörer nicht mehr absetzen.
Wer ist Thomas? Wie geil kann ein Wald aussehen? Ist es okay, Resident Evil / Silent Hill anzuteasen, Gameplaytechnisch dann aber eher Richtung Walking Sim zu gehen? Wann kommt der nächste Jumpscare? Hatten die hier wirklich die selben Stühle wie in meiner Grundschule? (#Zonenlife)
Die Mysteriöse Stimmung machte sich schnell breit und der Soundtrack hat mich total abgeholt. An einigen Stellen zwar etwas unoriginell (Hallo Dark, hallo Stranger Things) und das Maintheme auch etwas billo, aber ansonsten gehen da beide Pommesgabeln nach oben. xD
Die Rätsel und das Gameplay fordern nicht heraus, tragen dafür aber zu einem schönen Storyflow bei. Immer wenn man mitbekommt, dass sich Dinge wiederholen, kommt noch was kleines neues dazu. Die Schockdichte war zwar nicht so hoch, dafür aber unberechenbar. Die Jumpscares haben in den meißten Fällen richtig gesessen.
7,5 / 10
VaniKa schrieb am
Ryo Hazuki hat geschrieben: ?
06.02.2021 17:56
Der Mr. X Klon ist einfach nur unfassbar nervig, sein gebrabbel, ist so alles andere als gruselig.
Ich fand gerade das Voice-Acting von diesem Dämon richtig gelungen. Das wirkt so richtig psychopathisch. Dieser Wechsel von verführendem Locken und Wehklagen zu purer Bösartigkeit hatte schon etwas sehr Groteskes. Ich fand die schauspielerische Leistung so gut, dass mir das im Spiel ganz bewusst auffiel. Generell habe ich in dem Spiel einige Aspekte ganz besonders und bewusst genossen. Neben dieser Stimme auch das Knacken beim Benutzen des Bolzenschneiders. Das habe ich irgendwann jedes Mal zelebriert und mich über jede Kette gefreut, die ich aufknacken musste. Das Geräusch war da auch in perfekter Harmonie mit der Vibration des Controllers.
Swar schrieb am
Ich habe gerade den Abspann gesehen und muss sagen richtig gutes Spiel. Ich bin schon auf dem Nachfolger gespannt :)
8/10
DONFRANCIS93 schrieb am
Habe es am Wochenende mit meinem Mitbewohner (auf seiner SeriesX) durchgespielt.
Mein Fazit: Naja, war ganz nett, aber ziemlich banal.
Geschichte: Fängt interessant an, zieht sich dann aber etwas. In der Mitte wird es dann wieder interessant, aber zieht sich dann im letzten Teil extrem. Das Ende fand ich ziemlich schwach und unbefriedigend. Zumindest hat es bei mir kein Kopfkino ausgelöst und wurde auch nicht so gut inszeniert.
Grafik: Für einen Next-gen Titel eher enttäuschend, für ein AA-Studio aber ziemlich gut. Animationen sind sehr steif, Figuren könnten auch etwas detaillierter sein, aber Umgebungen sehr atmosphärisch mit coolem Artdesign.
Gameplay: Der wohl schwächste Teil des Spiels. Sehr simple und langweilige Rätsel, die "2 Welten-Mechanik" sieht cool aus, bringt aber kaum spielerischen Mehrwert. Die Mr. X- Kopie fand ich schwach umgesetzt, aber hatte eine coole Stimme. Allgemein war das Sounddesign die größte Stärke des Spiels.
Für mich ein Spiel, das man einmal durchspielt und dann vergisst. 6,5/10.
schrieb am