Returnal - Test, Shooter, PlayStation 5

 

Test: Returnal (Shooter)

von Jörg Luibl



Returnal: Gnadenlose Zeitschleife
Gnadenlose Zeitschleife
Entwickler:
Publisher: Sony
Release:
30.04.2021
Jetzt kaufen
ab 79,98€
Spielinfo Bilder Videos

Die lange Wartezeit auf ein exklusives Abenteuer für PlayStation 5 ist vorbei. Und Housemarque serviert mit Returnal ein Spiel der mutigen Art. Denn mit Stormdivers wollte man sich von der angeblich "toten" Arcade-Action verabschieden. Doch dann legte man das Battle-Royale-Projekt auf Eis und überraschte mit einem wesentlich größeren sowie interessanteren Spiel, das Altes und Neues mit erzählerischen Ansprüchen verbinden will. Gleichzeitig richtet man sich mit dem prozeduralen Permatod an sehr geduldige Hardcore-Zocker. Ob die riskante Symbiose gelingt, verrät der Test.



Können die das, die Finnen?

Wenn ich eines nicht von Housemarque erwartet hätte, dann ein Spiel in dieser Größenordnung, das quasi die alte Schule samt "Bullet Hell" in neuer Perspektive auf Filmniveau inszenieren will. Obwohl die Finnen ihre Arcade-Action wie Super Stardust HD, Resogun oder Nex Machina spielmechanisch und technisch immer auf gutem bis sehr gutem Niveau ablieferten, gehörten Storytelling, Charaktere oder gar Regie nicht zur Expertise. Aber weil sich diese Titel zu schlecht verkauften, musste sich das mittlerweile auf 80 Mitarbeiter angewachsene Studio umorientieren. Ich habe alle wichtigen Spiele des Teams in diesem Special zusammengefasst und meinen Standpunkt vor dem Test in diesem Video-Prolog erläutert.

Jeder Run beginnt mit der Szene des Absturzes - alles ist direkt überspringbar.
Jeder Run beginnt mit der Szene des Absturzes - alles ist direkt überspringbar.
Ich liebe die Arcade-Action der Finnen schon seit Amiga-Zeiten. Nachdem ich über Stormdivers nur den Kopf schütteln konnte, weil das Battle Royale so austauschbar und mit seinem PvP so trendfixiert wirkte, war ich bei der Ankündigung des markanteren Returnal für Solisten zunächst sehr erleichtert. Aber ich war auch skeptisch: Denn Begriffe wie "Science-Fiction-Thriller" oder "Horror-Flair" verbindet man eher mit den anderen und wesentlich populäreren Finnen, denen von Remedy Entertainment, die u.a. Control und Alan Wake entwickelten. War das nicht eine Nummer zu groß? Wieviel Substanz steckt im PR-Gerassel? Kann Housemarque tatsächlich erzählen?

Rogue als Science-Fiction-Thriller

Ja, können sie. Und das mit einigen Überraschungen über 25 bis 30 Stunden plus X. Dafür sorgt u.a. Greg Louden (Narrative Director), der einige Jahre wertvolle Erfahrung bei Remedy sammeln und diese jetzt einbringen konnte. Die brauchte er auch, wenn man bedenkt, dass dieses gnadenlose Spielprinzip des ewig Gleichen eine Hürde aufstellt, die eine Story erstmal überspringen muss, um der Monotonie vorzubeugen - Hades ist das gelungen, doch Returnal geht in der Struktur noch einen Schritt weiter.

Überall gibt es Alien-Technologie, die man erstmal ausprobieren muss...
Überall gibt es Alien-Technologie, die man erstmal ausprobieren muss...falls man sie bezahlen kann. Die an Goldstaub erinnernde Währung nennt sich "Obolit" und wird von Feinden hinterlassen.
Aber zunächst zur Ausgangslage: Die Heldin ist auf dem Planeten Atropos in einem Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt gefangen - Ziel ist es, diesen zu durchbrechen und nach Hause zurückzukehren. Bevor ich näher auf die Erzählweise eingehe, sollte sich jeder Interessierte ohne Erfahrung mit so genannten "Roguelikes" bewusst sein, auf welchen Trip er sich einlässt - ohne Geduld und Leidenschaft im wahrsten Sinne des Wortes wird man frustriert. Man muss das ständige Scheitern quasi als Training akzeptieren, das sich später auszahlt; daher empfehlen wir unseren Einsteiger-Guide (auch als Video).

Auch das abgestürzte Raumschiff kann man erkunden - hier öffnen sich ebenfalls neue Optionen, z.B. für die täglichen Herausforderungen.
Auch das abgestürzte Raumschiff kann man erkunden - hier öffnen sich ebenfalls neue Optionen, z.B. für die täglichen Herausforderungen.
Man ist ähnlich wie in Demon's Souls oder Dark Souls 3 dazu verflucht, nach dem Ableben immer wieder von vorne, in diesem Fall immer wieder an der Absturzstelle des eigenen Raumschiffs Helios zu starten. Aber im Gegensatz zur Soulsreihe sind die Auswirkungen radikaler, denn man verliert bis auf wenige Ausnahmen (Pistole, Schwert etc. sowie permanente Fähigkeiten wie Teleport, Schub oder mehr Ausrüstungsplätze) all seine Waffen, Gegenstände, Ressourcen und Artefakte.

Damit folgt man dutzenden, teils mit anderen Schwerpunkten besetzten Nachahmern von Rogue (1980) wie Spelunky, The Binding of Isaac, FTL: Faster Than Light, Brut@l, Below, Dead Cells, Synthetik: Ultimate, Mothergunship oder aktueller und gerade hinsichtlich des erzählerischen Rahmens ähnlich, Hades. Aber es gibt einen Unterschied: Housemarque hievt diese inflationär besetzte Spielart erstmals auf Triple-A-Niveau, inszeniert rund um den Zufall und das gnadenlose Prinzip ein "großes" Abenteuer mit Story in prächtiger Kulisse.

Kommentare

Gesichtselfmeter schrieb am
Gut, na dann bin ich wohl nicht der Einzige, der seine Problemchen mit den Kamikaze-Pennern und den anderen Robo-Gaunern hat. :lol:
Wenn ich die fliegende Pest nur rieche, mach ich ne 180 Grad Drehung und zieh mich mit dem Enterhaken zurück.
Ja, auch ich war fein eingedeckt, dann kam ich auf eine 100qm Plattform mit nem Schildgenerator, Robo-Daddy, und einem Dutzend von den kleinen Terminatoren, von denen einige sogar ein Schild hatten. Die Sache war nach 30 Sekunden durch... :biggrin: ...zum Abreagieren erst mal Spelunky 2 angeschmissen....
Durch meine unfreiwilligen Komplett-Neustart habe ich dann in den Story-Segmenten mal ein bisschen 5-Groschen-Columbo gespielt und....ja, interessant. Keine Ahnung wie die das auflösen, aber bis zum jetzigen Punkt ist der Ansatz der Geschichte richtig spannender Film-Stoff. Ich deute das aktuell ganz vage so:
Spoiler
Show
ist wohl so ein Inception-Ding - der Wahnsinn im Wahnsinn. Das Haus und sein Inventar deuten darauf hin, dass es eine Selene aus unserer Zeit gibt> ergo derartige Weltraumreisen sind nicht möglich, also ist das Spiel ein Kopfding. Mutter, Medikamente, Unfall deuten auf irgendeine Form von Trauma, Out of Body Experience, bliblablub hin und dann hast Du halt noch die Ebene der unzähligen Selenes auf Atropos, die ja anhand der Logs anscheinend auch immer wahnsinniger wird. Also für diese Art von Spiel
...klasse Prämisse. Zumindest besser als Scotts dilettantischer Versuch Chariots of the Gods mit dem Alien-Universum und Scooby-Doo/Scream zu vermählen.
Swar schrieb am
Noolan hat geschrieben: ?Heute 13:34 Am besten ist er hier:
Spoiler
Show

3 Stunden Vorbereitung und wird dann mal eben weg gesnacked. Ich lache jetzt noch. :lol: :lol:
Entscheidend ist nicht die Länge eines Runs, da spielen andere Faktoren wie Anzahl der Gegner, Waffentypen, Items eine weitaus wichtigere Rolle.
CidVicious schrieb am
PlayerDeluxe hat geschrieben: ?Heute 12:52 Ich war gestern im 3. Biom so gut vorbereitet (dachte ich). Hatte zwei Heil Phiolen , eine Astronautenfigur im Gepäck und sogar einen Parasiten, der einen auch noch mal zurückholt bei einem tödlichen Schlag. Määän. Dann kamen so viele Gegner in einem Bereich, es war so wuselig. Wusste gar nicht, wo ich hinrennen sollte und so schnell konnte ich mich gar nicht heilen, wie der Astronaut und der Parasit (inkl. zwei Fehlfunktionen) aufgebraucht waren. :lol:
Spiel ist geil. Aber man bekommt halt schon manchmal derbe auf die Fresse. Kann schon manchmal bisschen demotivierend sein. Aber man gibt einfach nicht auf, will es einfach besser machen beim nächsten Mal. Das ist schon sehr speziell. Bei anderen Spielen werfe ich viel schneller die Flinte ins Korn.
Nie vergessen: Man ist in den meisten Bereichen nicht mit den Gegnern eingesperrt, sondern kann in einen anderen Abschnitt flüchten, meistens sogar ohne dass sie einen verfolgen. Im Gegensatz zu vielen anderen Genrevertretern ist man hier selten genötigt Bereiche zu säubern. Wenn es dir also beim nächsten Mal zu bunt wird, lauf einfach in ein Areal in dem du bereits warst. Es bietet sich dann vielleicht sogar die Möglichkeit die Gegner zu cheesen. Gerade das dritte Biom ist dafür herrlich geeignet.
schrieb am