Lies of P - Test, Action-Adventure, PlayStation 5

 

Test: Lies of P (Action-Adventure)

von Jonas Höger



Lies of P: Dieses Soulslike hat die Nase vorn!
Dieses Soulslike hat die Nase vorn!
Entwickler:
Publisher: Neowiz
Release:
19.09.2023
19.09.2023
19.09.2023
19.09.2023
19.09.2023
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ab 59,90€
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Soulslikes gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, doch Lies of P stach vor seinem Release dank der Pinocchio-Vorlage nicht nur mit seiner langen Nase, sondern auch mit atmosphärischen Bloodborne-Anleihen aus der Masse hervor. Weil gerade in diesem überschwemmten Genre die Qualität enorm schwankt und viele mögliche Fallstricke zwischen ambitionierten Ideen und einem gelungenen Ergebnis liegen, muss sich jeder Vertreter einigen Fragen stellen: Wie fühlt sich das Kampfsystem an? Was für Bosskämpfe erwarten den Spieler? Wie steht es um den Schwierigkeitsgrad? Und vor allem: Wie grenzt man sich von den viel gepriesenen Vorlagen ab? Der südkoreanische Entwickler und Publisher Neowiz hat sich mit Lies of P alle Mühe gegeben, Antworten zu liefern und unser Test klärt auf, ob man beim Marketing im Vorfeld die Wahrheit erzählt oder munter gelogen hat.



Lies of P: Aufschwung und Untergang

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Zu Beginn entscheidet ihr euch für eine von drei Waffen. Doch keine Panik: Wer seine Wahl bereut, findet noch vor dem ersten Boss potenzielle Alternativen.
Ein Zugabteil, das aussieht, als hätte eine Fußballmannschaft mal wieder über die Stränge geschlagen. Eine Stimme in meinem Kopf, die mich zum Weitergehen ermutigt. Und jede Menge Fragen, die ich vorerst hintenanstelle: Lies of P beginnt ohne große Erklärungen, spektakuläre Intro-Sequenzen oder anderweitigen Firlefanz, sondern wirft mich direkt ins Geschehen. Da passt es hervorragend, dass mir das Spiel am Zugende eine von drei möglichen Waffen in die Hand drückt, mich aus dem Wagen und auf den Bahnhofsasphalt wirft und sagt: Komm mal zum Hotel Krat bitte, aber Vorsicht, auf dem Weg dorthin wartet ein Haufen Mörderpuppen auf dich. Genre-typisch wird Gameplay hier also großgeschrieben. Wem der reine Spaß am Schnetzeln nicht reicht, und eine weitere Motivation braucht, darf sich später aber noch auf mehr Story-Substanz freuen.

Nachdem ich den ersten Boss zu Altmetall verarbeitet habe, liefert mir Lies of P nämlich ein bisschen mehr Kontext für die von blutrünstigen Robotern überlaufenen Straßen: Im Verlauf der Industrialisierung und der Einführung von Puppen als Hausmädchen, Polizisten oder Opernsängern entwickelte sich aus dem einst so friedlichen Fischerdörfchen Krat in Windeseile eine pulsierende Metropole. Doch aus der kapitalistischen Vision von Ruhm und Reichtum wird ein wahrer Albtraum, als die mechanischen Marionetten aus unerfindlichen Gründen durchdrehen und ihre menschlichen Macher attackieren. Obwohl man mit einer fiesen Versteinerungsseuche noch ein zweites Fass aufmacht und eine Reihe an illustren Charakteren einführt, hält sich die Geschichte angenehm im Hintergrund. Abseits der Bosskämpfe gibt es kaum Zwischensequenzen und auch die gelegentlichen Dialoge sind deutlich pointierter als beispielsweise das endlose Gebrabbel aus dem Genre-Konkurrenten Steelrising.

Wer Lies of P spielt, um seine Pinocchio-Bildungslücke zu schließen, dürfte aufgrund der losen Adaption enttäuscht werden. Dafür tummeln sich viele alte Bekannte aus der Vorlage in Krat.
Wer Lies of P spielt, um seine Pinocchio-Bildungslücke zu schließen, dürfte aufgrund der losen Adaption enttäuscht werden. Dafür tummeln sich viele alte Bekannte aus der Vorlage in Krat.


Das alles hat auf den ersten Blick natürlich erstmal wenig mit der Geschichte von Pinocchio zu tun und tatsächlich orientiert sich Lies of P nur sehr lose an der Fabel von Carlo Collodi. Trotzdem bedankt man sich bei dem italienischen Schriftsteller mit einer Widmung und erweckt seine vielen Charaktere wie Pinocchio, Geppetto, Gemini, die schwarze Katze und den roten Fuchs in der Neuinterpretation zum Leben. Ansonsten spielen vor allem die titelgebenden Lügen der Holzpuppe eine Rolle: Immer wieder stehe ich vor Entscheidungen, bei denen ich mich zwischen Lüge und Wahrheit entscheiden muss – auch wenn sich die wirklichen Konsequenzen davon nur schwer erahnen lassen. Während meine Nase sich trotz eventueller Märchengeschichten nicht verändert, wird die eines Porträts im erwähnten Hotel immer länger und auch der Ladebalken ist Pinocchios langem Zinken gewidmet. Die Hommage an die Vorlage besticht also eher durch Details als durch ein Wiederkauen der ursprünglichen Story.

Aus Holz geschnitzt, aus Stahl geschmiedet

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Wenn ihr euch nicht gerade der Vernichtung von durchgedrehten Puppen widmet, müsst ihr Pinocchios Gewissen spielen: Lügen oder die Wahrheit sagen?
Damit wir uns schnell den Höhen und Tiefen des Kampfsystems widmen können, hier der formelle Abriss der Basics: Standardmäßig besteht euer Arsenal aus leichten und schweren Angriffen, einer Ausweichrolle und einem Block, wobei der mit dem richtigen Timing zum perfekten Block (besser bekannt als Parieren) wird und alle erwähnten Manöver eure Ausdauerleiste beanspruchen – klassische Souls-Kost, wie man sie aus den Vorbildern von From Software und den vielen Nachahmungen mittlerweile bestens kennt. Für ein bisschen Würze sorgt die linke Armprothese namens Legion, die anfangs nur für den Fausteinsatz gerüstet ist, später aber auch als Flammenwerfer oder Elektroschocker verwendet werden kann. Abgerundet werden eure Möglichkeiten im Kampf dann durch die sogenannten Fabel-Angriffe, die sich vereinfacht als Spezialattacken bezeichnen lassen und von eurer getragenen Waffe abhängen.

Ebenfalls keine ungewöhnliche Eigenschaft für Soulslikes ist die Waffenhaltbarkeit, die in Lies of P eine zentrale Rolle spielt. Keine Sorge: Im Gegensatz zu The Legend of Zelda: Breath of the Wild geht euer aktuelles Lieblingsschwert nicht dauernd kaputt und muss durch ein neues ersetzt werden. Trotzdem nutzen sich eure Waffen deutlich schneller ab als ihr es gewohnt sein dürftet, weshalb ihr in den Gebieten und längeren Bosskämpfen gelegentlich zum Schleifstein greifen müsst. Eine nette Mechanik, die euch neben Angreifen, Ausweichen, Blocken und Heilen eine weitere Aufgabe gibt und das Spiel so besonders in hitzigen Momenten noch ein bisschen anspruchsvoller gestaltet. Und wo wir schon bei frischen Ideen sind: Die Heiltränke, hier Pulszellen genannt, sind zwar klassischerweise eine endliche Ressource, die sich an Checkpoints und nach dem Ableben wieder auffüllt. Habt ihr allerdings eure gesamten Pulszellen aufgebraucht, könnt ihr eine durch wiederholte Schläge wieder aufladen, was aggressives Spielen belohnt – ein smarter Einfall!

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Lässt sich der erste Boss noch schaffen, ohne das Kampfsystem vollständig auszuschöpfen, dürfte spätestens der zweite Endstation für Lernverweigerer bedeuten.
Ohnehin wird aggressives Verhalten in Lies of P gleich mehrfach gefördert: Wenn ihr Angriffe blockt, aber nicht pariert, wird eine Portion des Schadens in eurer Lebensleiste farblich markiert. Haut ihr jetzt zu, bekommt ihr einen Teil davon wieder gut geschrieben, ähnlich wie in Bloodborne also. Das gilt in gewisser Weise auch für eure Gegner, bei denen der verursachte Schaden allerdings nicht durch das Austeilen desselbigen wieder aufgefüllt wird, sondern nach einer gewissen Zeit beginnt, sich von selbst zu regenerieren, wenn ihr ihre Lebensleiste zu lange nicht beackert habt. Das zieht das Spieltempo nach oben und sorgt dafür, dass ihr euch permanent mit eurem Gegenüber beschäftigen müsst. Gleichzeitig bearbeitet ihr durch konstanten Druck auch die unsichtbare Stagger-Leiste des Gegners, die sich durch eure Angriffe und erfolgreich geblockte oder parierte Attacken auflädt.
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Kommentare

4P|Jonas schrieb am
GoldenBoy hat geschrieben: ?21.09.2023 09:38 Den Schwierigkeitsgrad empfinde ich bisher irgendwie sehr schwankend. Manche standard Gegner sind teilweise schwieriger als gewisse Bosse (Diese verdammten Schaufel/Feuer Roboter!!!! :D ).
Bei dem habe ich die ersten Male auch viel geflucht. Falls du sie im Talentbaum noch nicht freigeschaltet haben solltest: Die Ausweichrolle, die du ausführen kannst, wenn du am Boden liegst, hilft gegen den wahre Wunder. Sonst ist seine Schaufelkombo schnell tödlich. :ugly:
Kidoh hat geschrieben: ?21.09.2023 20:35 Ich glaub
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Master of puppets
kommt als naechstes. Bin schon gespannt drauf :)
@Jonas hab grad gesehn, dass du da einen guide zu gemacht hast. Cool! Aber den les ich mir erst durch, wenn ich den dude geschafft hab :)
Viel Erfolg! Haha sehr gut, so gehört sich das! War leider aus Zeitgründen vorerst der letzte Guide, aber wenn du bei einem späteren Boss Tipps brauchst, kannst du dich gerne jederzeit hier melden. :)
Kidoh schrieb am
Hatte gestern wieder viel Spass mit P. Es fuehlt sich fuer mich in der Qualitaet wirklich fast wie ein From Software Spiel an, da fehlt nicht viel. From Software ist aus meiner Sicht noch ein bisschen besser im Art Design und auch Level Design, aber da kommt P ziemlich nah ran. Auch im Kampfsystem und der Progression machen sie fuer meinen Geschmack viel richtig. Sekiro war schon nochmal etwas atemberaubender in den Kaempfen, aber P macht trotzdem genug Spass, dass ich immer weiterspielen will.
Find auch, dass der Schwierigkeitsgrad etwas schwankt. Manche Platformabschnitte haben mir nicht so gut gefallen, aber das ist generell nicht so mein Ding. Naja, schnell durch und weiter :)
Btw.
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Hasengang
gestern schon im 2. Anlauf geschafft. Da hatte ich bisschen Angst vor nach dem was man so im Steam Forum drueber liest. Aber ging super gut. Ich frag mich, ob es die Waffe ist, die ich benutze (immer noch Blitzkeule), die nach gewissen Schlaegen Schock ausloest, was dann wiederum zu mehr Schaden am Gegner fuehrt. Und die fable art haut auch richtig gut rein, fuehrt fast immer zu einem stagger und dann fatality. Mini Bosse sind damit echt easy. Und selbst die richtigen Bosse verlieren da mal schnell 20-30% life.
Ich glaub
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Master of puppets
kommt als naechstes. Bin schon gespannt drauf :)
@Jonas hab grad gesehn, dass du da einen guide zu gemacht hast. Cool! Aber den les ich mir erst durch, wenn ich den dude geschafft hab :)
GoldenBoy schrieb am
Kidoh hat geschrieben: ?20.09.2023 16:58
4P|Jonas hat geschrieben: ?20.09.2023 15:14 Da würde mich doch direkt interessieren, wo du gerade bist und welchen Boss du als letztes besiegt hast. :mrgreen:
Bin jetzt in chapter 6 glaub ich, kurz nach dem Archbishop.
Wird noch schwerer? :)
Der Schwierigkeitsgrad steigert sich auf jeden Fall langsam. Find ich bisher echt richtig cool, wie sie einem langsam aber stetig neue Herausforderungen vor die Nase setzen.
Aber so richtig haengen geblieben bin ich bisher noch nicht, alles in unter 5 Versuchen geschafft.
Also sowas wie Genichiro in Sekiro, bei dem ich bestimmt 2 Tage gebraucht hab bis es endlich click gemacht hatte gabs in P noch nicht. Vielleicht hat einen Sekiro einfach darauf vorbereitet?
Na da bin ich mal gespannt. So weit bin ich tatsächlich noch nicht drin. Hab gerade ca. 10 Stunden auf der Uhr.
Den Schwierigkeitsgrad empfinde ich bisher irgendwie sehr schwankend. Manche standard Gegner sind teilweise schwieriger als gewisse Bosse (Diese verdammten Schaufel/Feuer Roboter!!!! :D ). Jedoch hing ich dafür richtig lange an
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Fuoco
Glaube alleine an dem habe ich mich 2-3 Stunden festgebissen bis ich endlich weiter konnte.
4P|Jonas schrieb am
Kidoh hat geschrieben: ?20.09.2023 18:15 Du hast aber glaub ich irgendwo geschrieben, dass du keine Beschwoerungen benutzt hast?
Da bin ich weniger hardcore als du und hab die immer genutzt, wenn sie verfuegbar waren :)
Glaub das macht sehr viel aus, auch wenn die recht schnell weggefruehstueckt werden von den Bossen.
Ah, ja das stimmt, den ersten Durchgang habe ich ohne Beschwörungen gemacht und die dann im zweiten ausprobiert, um sie für den Test einschätzen zu können. Trotzdem eine beachtliche Leistung, ich bin gespannt, wie viel besser du mit dem Rest der Bosse klarkommst, wo du Beschwörungen nutzt, oder ob die da irgendwann keinen Unterschied mehr machen. :mrgreen:
Der_Pazifist hat geschrieben: ?20.09.2023 22:09 Auch die Fights empfinde ich nicht als übermäßig schwer. Nach einigen gelesenen Meinungen hatte ich etwas Bange das sich mein Sekiro Trauma wiederholt.
Haha ne da hast du recht, also die 100 Versuche die ich für Isshin damals gebraucht habe, hat mich hier kein Boss auch nur annähernd gekostet. :ugly: Aber der ein oder andere knackige Kandidat kommt schon noch, von daher weiterhin viel Erfolg!
Der_Pazifist schrieb am
Das leveldesign empfinde ich eher als sehr simpel und vorhersehbar. Fast immer gibt es einen Hauptweg mit kleinen Seitenwegen /-Kammern mit Belohnungen.
Auch die Fights empfinde ich nicht als übermäßig schwer. Nach einigen gelesenen Meinungen hatte ich etwas Bange das sich mein Sekiro Trauma wiederholt. Aber bis auf
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Show
die Hasengyng und Romeo
war alles schnell down.
Der Tip mit den Waffen zu experimentieren war auf jedenfall sehr hilfreich.
Bisher wirklich tolles Spiel. Bin schon aufs Finale gespannt.
schrieb am