Dragon Age: Origins - Vorschau, Rollenspiel, PC, PlayStation 3, Xbox 360

 

Vorschau: Dragon Age: Origins (Rollenspiel)

von Jörg Luibl



Entwickler:
Publisher: Electronic Arts
Release:
05.11.2009
10.11.2009
19.11.2009
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ab 9,99€
Spielinfo Bilder Videos
Interaktion mit der Umgebung

Die Gruppe kann bis zu vier Gefährten aktiv und weitere im Lager passiv beinhalten. Den Kampfhund muss man sich allerdings über eine Quest verdienen...
Schön ist, dass Veteranen alle Hilfen abschalten können: Das penetrante Glitzern von Schätzen, die farbige Monsterstärke oder das Anzeigen der Questziele in der Minikarte. Schade ist, dass man bisher kaum mit der Umgebung interagieren oder Verstecktes entdecken konnte: Hier mal einen Hebel bedienen, da mal eine Ballista abfeuern oder ein Kraut pflücken; ansonsten schienen die Räume relativ interaktionslos. Es fehlten noch öfter Elemente wie das Fallen entschärfen oder das Aufspüren von Geheimgängen. Und wenn etwas möglich war, wie etwa das spektakuläre Zerstören einer Tür, dann nur an speziellen Stellen. Aber wie gesagt: Der Einstieg ist bewusst linear angelegt, ich war noch in keiner offenen Stadt unterwegs.

Es gibt auch schon in den ersten Abschnitten verschlossene Türen und Kisten, die nur ein Dieb knacken kann. Allerdings sind die Reaktionen darauf noch inkonsequent: Es gibt Bereiche, in denen kann man als Fremder einfach so alles mitgehen lassen. Und dann gibt es spezielle Storybereiche, in denen muss man z.B. warten, bis es Nacht wird und der Wächter weg ist. Viel besser wäre es, wenn die NPC lebendig auf alle Aktionen reagieren würden. Aber noch gab es für einen Schurken zu wenige Situationen, um das Verhalten wirklich einschätzen zu können. Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt - und optimistisch stimmt, dass Diebe so manche Situation mit flinken Fingern clever lösen können.

Vom Brief zur Mission

Erst wenn sich die Weltkarte öffnet, atmet man auf: Das freie Spiel kann beginnen.
Und es gibt schon im Einstieg verheißungsvolle Lichtblicke: Man findet z.B. Manuskripte und Briefe, in denen es um Geheimnisse geht, die sich nach der Lektüre als Quests entpuppen. Da wird von einem Mysterium der Erscheinung gesprochen, von einem Wesen, das einem einen Wunsch erfüllt, wenn man denn Asche an einem Ort verstreut, von dem aus eine halb versunkene Kuppel im Wald zu sehen ist - genau solche Quests braucht man abseits der Hauptstory. Die ersten Abschnitte spielten sich noch sehr linear, was natürlich auch daran liegt, dass man sechs Hintergrundgeschichten erstmal zu einem Faden verweben muss. Erst wenn alle an denselben Punkt gelangen, muss sich die Welt öffnen.

Und genau das tut sie auch: Man gelangt nach knapp sechs Stunden an einen Punkt, an dem sich zum ersten Mal die Weltkarte mit dem riesigen Land Ferelden zeigt, mit dem Wald von Brecilian, mit Städten wie Redcliff, Ostagar und Orzammar - dieser Moment ist ähnlich faszinierend wie damals in Mass Effect, als die Galaxiekarte mit all ihren Planeten auftauchte. Endlich hat man einen Ausblick auf ein offenes Abenteuer mit fremden Städten und Regionen. Endlich läuft man nicht nur einem grauen Wächter hinterher, sondern kann selbst entscheiden: Klickt man einen Ort auf der Karte an, wird die Route nachgezeichnet und es kann auf der Reise zu Zwischenfällen kommen.

Im Lager könnt ihr euch um die Beziehung, Ausrüstung und Geschichten eurer Gefährten kümmern.
BioWare spielt an dieser Stelle noch einen weiteren Joker aus: Die Beziehungsleiste. Zum ersten Mal taucht sie hier unter jedem Gefährten auf und beschreibt das Verhältnis zu ihm. Es gibt ja kein Moralsystem, kein Gut und Böse, sondern nur Reaktionen auf euer Verhalten. Wer so handelt wie es die Mitglieder selber für richtig erachten, wird hier Pluspunkte sammeln und umgekehrt - das führt unweigerlich zu Konflikten, wenn man z.B. eine gemischte Gruppe aus gläubigem Priester, chaotischem Dieb und ehrgeizigem Magier hat; übrigens kann man auch Tiergefährten wie einen Kampfhund aufnehmen. Diese Leiste beschreibt quasi, wie gut man sich versteht, wie vertrauensvoll das Verhältnis ist und ob sich Treue bis zum Tod oder gar eine Romanze entwickelt.

Auch das ständige Lager ist ein guter Kniff: Man kann Rast machen und sich in einem Zeltlager mit Feuerstelle frei zwischen seinen Gefährten bewegen, um sich mit ihnen auszutauschen, die Rüstung anzupassen oder ihren Aufstieg zu managen, um ihre Werte zu erhöhen und Talente zu kaufen. Sobald sich Gefährten der Party angeschlossen haben, bekommen sie dieselben Erfahrungspunkte, die der Held gewinnt - egal, ob sie im Lager warten oder aktiv dabei sind. Hier im Lager liegt quasi der Ruhepol, um abseits der Kämpfe abzuschalten und zu kommunizieren. Da jeder Charakter eine ausgearbeitete Hintergrundgeschichte hat, lohnt sich der Lagerfeuertalk.    
 

AUSBLICK



Das ist nicht der Selbstläufer, den ich von BioWare erwartet hatte - hier ist noch alles drin! Die Texte sind klasse geschrieben, die Sprecher sind emotional dabei und man wird in so manchen Gewissenskonflikt gebracht, der einen lange über den Antworten brüten lässt. Aber können die Kanadier mehr als ein großes Dialogdrama inszenieren? Immerhin ist der Geist von Baldur's Gate schon in Ansätzen spürbar, wenn man aus der Vogelperspektive mit seiner Party kämpft, wenn man zurechtgewiesen wird und sich um seine Leute kümmern muss. Sehr gut gefallen mir die sozialen Konflikte und die knallharten Konsequenzen, die an gnadenlose Fantasy à la G.R.R. Martin erinnern - da ist niemand vor dem Tod sicher. Man fühlt also bereits eine sehr starke Regie mit einer Storyvision, aber man vermisst in den ersten fünf Stunden noch Erkundungsreize und Offenheit in einer Spielwelt, die ein kleineres und zwei größere Probleme hat: Es riecht verdammt stark nach Herr der Ringe. Nichts gegen Urschöpfer Tolkien, aber das Artdesign und manche Motive wirken fast wie abgekupfert - da habe ich mehr Kreativität von BioWare erwartet. Jetzt zu den größeren: Zum einen wird man noch an sehr enger Leine von Dialog- zu Dialog-Höhepunkt gescheucht, während man im Spiel selbst nach mehr Ruhe und Entdeckungen lechzt. Außerdem bin ich noch nicht sicher, ob das wankelmütige Kampfsystem auf lange Sicht überzeugen kann. Zum anderen gibt es eine ungewöhnliche Kluft zwischen dem lebendigen Schauspiel der Figuren, das fast Theaterniveau erreicht, und der ernüchternden Kulisse, die grafisch enttäuscht. Das Abenteuer wirkt in der vorliegenden Fassung nicht wie aus einem Guss designt, sondern seltsam spröde; wobei PC-Helden noch die besten Aussichten haben, denn auf der 360 sieht das Abenteuer noch karger aus. Aber wenn sich dann endlich die Weltkarte öffnet, wenn man zum ersten Mal die Beziehungsleiste über seinen Gefährten entdeckt, dann schlägt das Rollenspielherz schon schneller, dann will man sich ganz hinein stürzen. Ich gebe allerdings zu, dass mir vor diesem Sprung noch etwas mulmig zumute ist, denn nach den ersten fünf Stunden Fallout 3 war ich schon längst in einer Welt versunken, die mich begeistert hat. Vielleicht ist Dragon Age ja ein Spätzünder? Auch Tolkien hat bekanntlich ein paar Seiten Anlauf gebraucht, bevor der Lektürefunke übersprang. Aber dann brannte es lichterloh bis Mordor...

Ersteindruck: gut
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Kommentare

FuerstderSchatten schrieb am
gracjanski hat geschrieben: trotzdem ärgert es mich, dass man nirgends sehen kann, wie bestimmte Dinge berechnet werden, so ist es random, ob ich spell a oder spell b nehme, da ich nicht die genauen werte kenne.
Also so schlimm wie Kotor finde ich es nun nicht, aber BG2 ist imho immer noch die #1
Stimm Irenicus war ja auch so geistreich, ich klaue euch jetzt mal euer Blut, damit ich wieder Elf sein kann, "böses Lachen". BG 2 halte ich einfach nur für überbewertet was die Handlung angeht, Teil 1 ist der eigenltiche Star der Saga, eine wirklich durchdachte Handlung, die sich erst im späten Spiel erschliesst, ausser natürlich man ist Hellseher und hört den Weisssängern am Anfang gut zu, was ja angeblich die meisten beides sind.
Eiskommando schrieb am
Würde ich mich in einem Spiel dauernd ärgern, würde ich keine 70 hergeben.
gracjanski schrieb am
also das spiel gefällt mir nun so ziemlich. Ohne Mods aber würde ich mich dauernd ärgern und hätte gerade mal 85% oder so gegeben.
Inventarsystem scheisse -> mit mod ist das Inventar wenigstens auf 125 vergrössert
Texturen ein witz -> Per JB3 Textures Mod sieht es schon ansehnlicher aus, per Redesigned sehen auch die NPCs besser aus
Städte ohne Leben -> atmospheric mod
trotzdem ärgert es mich, dass man nirgends sehen kann, wie bestimmte Dinge berechnet werden, so ist es random, ob ich spell a oder spell b nehme, da ich nicht die genauen werte kenne.
Also so schlimm wie Kotor finde ich es nun nicht, aber BG2 ist imho immer noch die #1
FuerstderSchatten schrieb am
johndoe869725 hat geschrieben:
brabe hat geschrieben:Ich würde behaupten wollen, dass Grafik nicht das wichtigste ist. Das einzige was mich störte war die NPC Reaktionen (Diebstahl usw.), was meiner Meinung nach mit einem Patch behoben werden kann.
Nur schade, dass keiner der Beta-Tester dies bemerkte.
Die haben das unter Garantie bemerkt. Bioware hat sich nur entscheiden oder auch aufgrund von Zeitdruck entscheiden müssen, kein Diebstahlsystem einzuführen, weil sie den Aufwand, der dafür nötig ist, nicht leisten konnten oder wollten.
Es gibt sehr wohl Reaktionen auf Diebstahl Händlern nicht mehr einkaufen kann. Random Encounters und das man z.B. bei Händlern nit mehr einkaufen kann. Man bemerkt das aber kaum, weil man so gut wie nie beim Klauen versagt und die Reaktionen nit offensichtlich sind.
gracjanski schrieb am
bisher stimme ich dem test meist zu: am anfang ist das spiel noch eher lahm, aber nach der einführung macht es spass. trotzdem nerven mich die konsolenelemente (zu wenige details, weichgespült=ein witz wie wenige Fähigkeiten man hat, berechnung der kämpfe nicht sichtbar, kindische dialoge). Alles zusammen ist das Game alles anderes als BG2 Kopie, sondern eher Kotor im Mittelalterskin. Wobei Kotor mir spass gemacht hat, weil man da so viele böse Sachen machen konnte, in DA:O schneidet man sich damit ins eigene Fleisch.
im übrigen gibt es im Netz viele Mods, die u.a. die Grafik des Spiels deutlich verbessern. Auch paar Gameplaymacken wurden ausgeräumt. Natürlich gilt das nur für PCSpieler, aber wer sich eine Konsole kauft, ist selber schuld.
schrieb am