Packt das Gamepad aus!
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| Das ausgefahrene Smartphone erlaubt eine sehr gute Bedienung und die PSone-Kompatibilität ist auf dem Papier eine prima Sache - das Angebot des Marktplatzes ist allerdings eine Katastrophe. |
In Sachen Ottonormal-Touchbedienung ist das XP also ein Android-Handy wie viele andere auch - es macht in dieser Hinsicht nichts Spezielles. Interessant wird es erst, wenn man die obere Hälfte nach unten schiebt. Es enthüllen sich Bedienelemente, die nicht ohne Grund an Sonys glücklose PSPgo erinnern - das Xperia Play ist das erste Nicht-Sony-Handheld, das den offiziellen PlayStation-Segen schon auf der Verpackung trägt. Die Bedienung sollte also jedem bekannt vorkommen, der jemals ein PS-Pad in der Hand hatte: X-, Dreieck-, Kreis- und Vierecks-Taste liegen rechts, ein bemerkenswert präzises Digipad rechts auf der Oberfläche. Die Buttons sind sehr flach, aber dennoch sehr gut erreichbar - was man von hinten liegenden Schultertasten sowie der mittig platzierten Lautstärkewippe nicht behaupten kann. Extrem gewöhnungsbedürftig sind auch die zwischen Digibuttons und -pad platzierten »Analogsticks«: Das sind kreisrunde Touchpads, die man mit den Daumen bedient - ähnlich wie beim DualShock. Nur dass hier kaum spürbare Kreisränder einen haptischen Unterschied zu den auf dem iPhone allgegenwärtigen virtuellen Sticks bieten. All diese Bedienelemente werden nur bei speziellen Xperia Play- bzw. PSone-Spielen genutzt - normale Android-Apps werden ganz normal über den Touchscreen kontrolliert.
Ach ja, die PlayStation-Kompatibilität - das wichtigste Feature des XP, jedenfalls für den alten Spielehasen. Denn zwar kann die PSP das schon lange, aber wie cool ist es, zwischen zwei Telefonaten einfach mal eine Runde Tekken 3 zu zocken, dann einen kurzen Abstecher nach Facebook, gefolgt von durchkämpften Stunden in Final Fantasy 7? Wissen wir nicht, denn der »PlayStation pocket«-Markt ist derzeit noch eine bedauernswert leere Wüste. Neben »Crash Bandicoot«, das standardmäßig auf dem XP vorinstalliert ist, stehen gerade mal fünf PSone-Spiele zur Wahl: Cool Boarders 2, Destruction Derby, Jumping Flash, MediEvil und Syphon Filter - nicht gerade ein Killer-Angebot. Klar, das wird im Laufe der nächsten Wochen und Monate noch erweitert, aber die Krone des enttäuschendsten Start-Lineups der letzten Jahre darf der 3DS jetzt locker an das Xperia Play abgeben. Vor allem, wenn man bedenkt, wie reich an brillanten Spielen die PlayStation-Geschichte ist.
Luft nach oben
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| Ein dickes Ding: Im Vergleich zur immer flacher werdenden Konkurrenz ist das Xperia Play gerade durch das Schiebeteil ein wuchtiger Brocken. |
Die PlayStation-Spiele laufen im 4:3-Originalformat auf dem XP, was standardmäßig für dicke schwarze Ränder links und rechts sorgt. Das Bild lässt sich auch vergrößern oder auf Vollbild schalten, was aber entweder mit Detailverlust bzw. gestreckten Bildern erkauft wird - beides nicht schön. Der Emulator gibt die Spiele genau so wieder, wie man sie kennt: Es gibt also kein bilineares Filtering oder sonstige Verbesserungen der Moderne. Allerdings wirken die Spiele hier pixeliger als gewohnt - durch die höhere Auflösung des Handys muss das Bild hochskaliert werden. Der Spielfortschritt wird automatisch gespeichert, was dem mobilen Handy-Gedanken sehr entgegen kommt.
Von Crash Bandicoot abgesehen sind auf den Xperia Play serienmäßig fünf weitere Spiele installiert: Bruce Lee: Dragon Warrior, FIFA 10, Star Battalion, Die Sims 3 und Tetris. Zum Teil nutzen sie die Gamepad-Kontrolle (und spielen sich gerade im Falle von Bruce Lee damit deutlich besser als auf dem iPhone), teilweise die gewohnte Touchscreen-Eingabe. So oder so ist dieser Teil des Angebots nur die Spitze des Eisbergs: Zwar ist der Android-Marktplatz noch lange nicht so umfangreich wie die AppStore-Konkurrenz, bietet aber dennoch mehr als genug Auswahl für verwöhnte und simpel gestrickte Spieler.
Fazit:
Jeder verbindet mit der PlayStation unterschiedliche »OMG beste Konsole EVAH!«-Erlebnisse: Michael hüpft beim Stichwort »Metal Gear Solid« aus der Hose, Ben könnten nicht mal 100 Pferde von WipEout 2097 trennen - und ich wäre aus allen Wolken gefallen, wenn Tekken 3 zum Xperia Play-Startaufgebot gehört hätte. Aber nö, da sind Kracher wie Cool Boarders 2 oder Jumping Flash. Hm. Unter diesem Gesichtspunkt hat Sony Ericsson also gehörig ins Klo gegriffen, denn wenn man ein neues Handy zu einem gesalzenen Preis auf den Markt bringt, das sich mit »PlayStation-zertifiziert« schmückt, dann kann man durchaus erwarten, wenigstens ein paar Highlights aufs Handy zu bekommen. Immerhin demonstriert Crash Bandicoot, wie deutlich sich die Eingabequalität eines Digipads von virtuellen Sticks abhebt: Die Kontrolle ist zumindest damit punktgenau - die Touch-Scheibchen hingegen unterscheiden sich haptisch kaum von ihren virtuellen Kumpanen. Lässt man die PlayStation-Geschichte außer Acht, bleibt ein solides, zusammengeklappt ziemlich wuchtiges Android-Handy, das sich technisch nicht in jeder Hinsicht mit OS-Kollegen messen kann, aber dem iPhone 4 zumindest ein bisschen auf den Pelz rückt. Würde ich das dafür zur Seite legen? Nein, würde ich nicht: Allein das Display des Apple-Fons ist dem Xperia Play in jeder Hinsicht doppelt und dreifach überlegen, außerdem ist die Verarbeitung einfach hochwertiger - für das XP spricht dagegen das ordentliche Digipad sowie die Trennung von Bildschirm und Eingabe, die sich bei dafür optimierten Spielen auszahlt. Als Smartphone ist es in Ordnung, als Android-Plattform solide - nur für das PlayStation-Feature allein würde ich es mir nicht kaufen. Noch nicht. Mal sehen, wann Tekken 3 kommt.
Paul Kautz