Neverwinter Nights: Hordes of the Underdark - Test, Rollenspiel, PC

 

Test: Neverwinter Nights: Hordes of the Underdark (Rollenspiel)

von Jörg Luibl



Entwickler:
Publisher: Infogrames
Release:
25.03.2004
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ab 106,00€
Spielinfo Bilder  
Heldenhafter Einstieg

Doch vor dem Abenteuer geht`s für alle, die keinen ihrer Veteranen aus früheren Spielen importieren wollen, an die Charaktererstellung. Da der Einstieg für Level 15-Haudegen ausgelegt ist, könnt ihr entweder einen der zahlreichen vorgefertigten Helden dieser Stufe wählen, eine Klasse in null Komma nichts automatisch aufsteigen lassen oder euch an die delikate manuelle Neuerschaffung machen.

D.h., dass ihr von der ersten bis zur 15. Stufe die freie Wahl der Fähigkeiten-, Talent- und Zaubervergabe habt; so mancher D&D-Fan wird alleine hier viele vergnügliche Stunden verbringen.

Oh, du verflixte Charaktererschaffung! Alleine hier kann man Stunden mit theoretischem Geknobel und Kombinierwahn verbringen...

Die Qual der Wahl ist immens, denn die Erweiterung spendiert neue Prestigeklassen mit einzigartigen Besonderheiten: Der "Bleiche Meister" ist eine Art Nekromant, der einen seiner Arme in ein untotes Transplantat verwandeln kann, das Gegner lähmt. Wer sich als Magier zum "Jünger des Roten Drachen" entwickelt, kann nicht nur Feueratem speien, sondern als Halb-Drache stolz Echsenflügel tragen. Druiden, die den Weg des "Wahren Wandlers" einschlagen, nehmen die Gestalt von Minotauren, Medusen oder Schreckenstigern samt all ihren Fähigkeiten (!) an.

Außerdem warten die Kriegerklassen "Zwergische Verteidiger" und "Waffenmeister" sowie die Klerikerkarriere als "Vorkämpfer des Torm" auf euch. Ein Hinweis: Wenn ihr alte Prestigeklassen wie den "Arkanen Bogenschützen" und andere nutzen wollt, müsst ihr die erste Erweiterung Neverwinter Nights: Der Schatten von Undernzit installieren.

Und wer nach all diesen beruflichen Verlockungen nach Artefakten lechzt, wird ebenfalls bestens bedient, denn in den Tiefen schlummern die bis dato mächtigsten Waffen, Rüstungen, Gegenstände und Spruchrollen, die jemals in einem D&D-Spiel zum Einsatz kamen. Feuerbälle? Langschwert +3? Alles Kinderkram... Bockschwere Ernüchterung

Auch wenn ganz Tiefwasser auf eure Ankunft gewartet hat, und ihr mit Stufe 15 wahrhaft heroische Fähigkeiten besitzt, erwarten euch unter der Stadt mit dem normalen Schwierigkeitsgrad bockschwere Kämpfe. Zwar könnt ihr jetzt endlich zwei Gefährten in die Party aufnehmen und dank eines Tierbegleiters sowie einer beschworenen Kreatur sogar zu fünft durch die Dungeons streifen, aber die Duelle sind happig.

Nur, wer eine gut ausbalancierte Gruppe mit effektiven Nah- und Fernangriffen, Konter- und Flächenzaubern führt, hat eine Chance gegen die Horden von Bannpriestern, Kampfmagiern, Bestien und Betrachtern. Auch die immer noch unausgereifte KI der Gefährten strapaziert in den fulminanten Gefechten die Geduld, denn sie lassen sich immer wieder zu eigenwilligen Aktionen hinreißen.

Selbst eingfleischte D&D-Fans werden auf ihrer Reise in die Heimat des legendären Drizzt Do`Urden Blut und Wasser schwitzen, bevor sie die morbide Luft Menzoberranzans atmen.

Aufgelockert wird der kampflastige Härtetest lediglich durch einfache Schalterrätsel, kleine Quests und viele amüsante Dialoge. Kenner werden viele Charaktere und Elemente des Pen&Paper-Moduls oer aus R.A. Salvatores Romanen wiederfinden, wie z.B. das Gasthaus mit dem Brunnen, den tückischen Spiegelsaal oder so manche gemeine Falle. Insgesamt ist die verbesserte Party-Interaktion wesentlich unterhaltsamer als die Story, die bis auf ein paar Intrigen keine Überraschungen bietet und wenig epische Kraft entfaltet. Es ist eher der Reiz des Unterreichs als die Erzählung, der in die Tiefen lockt.

Bunt & übersichtlich: Sehr schnell füllt sich euer Inventar mit allerlei Nützlichkeiten. Vor allem Heiltränke sollten großzügig gebunkert werden...

Dafür sind die Sticheleien und Romanzen zwischen den Gefährten köstlich: Insbesondere Kobold Deekin läuft mit seinen Sprüchen, Einfällen und Launen zur Hochform auf. Schade nur, dass es mehr Texte zu lesen als Sprachausgabe zu hören gibt.

Kommentare

Danny1981 schrieb am
Ich hab NWN + beide Erweiterungen hier rumstehen und nur NWN bisher gespielt (und als stinklangweilig empfunden).
Wollte heute eigentlich meiner Frau mal Planescape : Torment zeigen, aber vielleicht nehm ich deine Empfehlung mal an :)
Sonarplexus schrieb am
*** Underdark besser als Hauptspiel und Undrentide ***
Da es gerade nichts besseres aktuelles für mein Rollenspielerherz gab, hab ich mich - auch wegen des guten Tests - an den Oldie Neverwinter Nights 1 gemacht. Und ehrlich gesagt, war das Hauptspiel eine ziemlich langweilige Sache, vor allem im Vergleich mit dem Nachfolger Neverwinter Nights 2. Uninspirierte Nebenquests einer nach dem anderen und eine Hauptstory, die nie richtig an Fahrt aufnahm.
Undrentide war da schon um einiges liebevoller gemacht! Aber die Krönung ist definitiv Underdark: Man merkt mit jeder Textzeile, mit jedem Gegenstand, mit jedem Areal und Kampf, dass die Entwickler hier ein Spiel nach ihrem besten Geschmack gemacht haben, ohne finanziellen und zeitlichen Druck.
Ich bezweifle fast, dass Jörg Underdark wirklich durchgespielt hat - denn gerade im letzten Kapitel erinnert es über weite Strecken an Planescape Torment, Baldur's Gate 2 oder Mask of the Betrayer (die geniale Erweiterung von NWN2).
Also die Empfehlung: Den Hauptteil links liegen lassen! Stattdessen mit Undrentide beginnen und in einem Zug Underdark anhängen. Es lohnt sich!
(Kleine Anmerkung noch: da der Barde Deekin einer denkwürdigsten Gefährten ever ist, empfiehlt sich als Spielercharakter irgendeine Nahkampf-Variante. Kämpfer / Ranger / Paladin / Priester, usw...)
schrieb am