The Bard's Tale 4: Barrows Deep - Test, Rollenspiel, PC

 

Test: The Bard's Tale 4: Barrows Deep (Rollenspiel)

von Jörg Luibl



Publisher: Deep Silver
Release:
27.08.2019
27.08.2019
18.09.2018
27.08.2019
27.08.2019
Erhältlich: Digital
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Widersprüche in Story und Artdesign

Sondern vor allem, weil Storytelling und Artdesign zunächst mit einigen Widersprüchen irritieren. Die Regie will gleich zu Beginn mit Gehängten an einem Baum das düstere Bild einer Stadt zeichnen, die von religiösen Fanatikern und ihrem Rassismus beherrscht wird - vor allem die alten Völker und Abenteurer werden als Mörder diffamiert. Aber kaum kämpft man in diesen Gassen, wackeln selbst die Paladine des Bischofs im Kampf plötzlich mit ihrem Arsch, als würde es ganz lustig sein, gleich zu sterben. Auch Humor kann in so einem apokalyptischen Szenario funktionieren, aber hier erinnern manche Szenen und Gespräche eher an Monthy Pythons Ritter der Kokosnuss. Zumal es keinerlei Bewegung in der Stadt gibt - nahezu alles steht still, selbst nach Aufforderung einer Wache.

Auch in Skara Brae ist der Kletterhaken sinnvoll. Der Name ist keine Erfindung, sondern gehört zu einer jungsteinzeitlichen Siedlung mit überraschend gut erhaltenen Häusern aus Stein auf den Orkney-Inseln im heutigen Schottland.
Auch in Skara Brae ist der Kletterhaken sinnvoll. Der Name ist keine Erfindung, sondern gehört zu einer jungsteinzeitlichen Siedlung mit überraschend gut erhaltenen Häusern aus Stein auf den Orkney-Inseln im heutigen Schottland.
Ähnlich brüchig empfinde ich das Artdesign: Das Intro kann mit seinem Malbuchstil nicht fesseln, die Eröffnung mit dem Barden am Kamin wirkt mit ihren warmen Farben wie ein Fremdkörper, die Abenteurer-Gilde strahlt keinerlei Charme aus, die Ausrüstung wirkt teilweise zu plump designt. Einerseits finde ich ja gut, dass man mit Konventionen bricht - so sehen die "Zwerge" nicht tolkientypisch, sondern eher aus wie Orks. Aber ich vermisse so etwas wie eine edle künstlerische Handschrift, eine klar erkennbare Linie in diesem skurrilen Flickenteppich. Manchmal können einen Spiele alleine aufgrund ihrer künstlerischen Handschrift fesseln - ich denke da auch an kleinere Titel wie Darkest Dungeon. Ich habe das in der Kolumne "Die Macht des Artdesigns" versucht zu erläutern; dazu gab es auch einen 4Players-Talk.

Atmosphäre fällt spät vom Himmel...

Das alles klingt nach einem Verriss. Aber das war nur der erste Blick, denn auf den zweiten kann The Bard's Tale 4 einige Stärken ausspielen. Zum einen habe ich mich nach etwa drei Stunden an den skurrilen Stilmix gewöhnt, fand einige Animationen im Kampf, wie etwa jene der Goblins, die sich hinter ihrem Schild verstecken, überaus
Man ist auch in der Landschaft unterwegs.
Man ist auch in der Landschaft unterwegs.
putzig und konnte tatsächlich herzhaft lachen, als plötzlich ein Magier vom Himmel fiel - sich kurz vorstellte und wieder verschwand. Außerdem gibt es einige angenehm schummrige Gassen in Skara Brae und so etwas wie Unter-Tage-Gefühl, wenn von oben die Erde bröckelt und die Sonne durchscheint. Hinzu kommen stimmungsvoll beleuchtete Dungeons und einige ansehnliche Landschaften, darunter schroffe Ebenen mit entfernten Ruinen, aber auch idyllische Wälder.

Zwar bleibt es unterm Strich bei vielen unfreiwillig komischen Szenen und schlimmer Statik, denn auch alle Dialoge laufen linear ohne jede Einflussmöglichkeit ab. Schade ist auch, dass die deutsche Übersetzung noch so lückenhaft ist, dass irgendwann nur noch englische Texte angezeigt werden. Aber die Erzählung wird zumindest interessanter, wenn sich nach dem fanatischen Bischof eine weitaus mächtigere Bedrohung offenbart. Ab hier wird man auch als Veteran wieder neugierig. Sehr schön ist übrigens, dass der Barde aus dem Einstieg die bisherigen Taten in den Ladephasen zusammenfasst. Und das Lied "Schnee im Sommer" wird nicht nur zum Ohrwurm, sondern zu einem der vielen Schlüssel, um die kommenden Stunden zu meistern. Dass ich darauf trotz der Defizite richtig Lust bekam, lag an zwei spielmechanischen Stärken: Der Vielfalt der Rätsel und dem taktischen Kampf.

Kommentare

Arkatrex schrieb am
4P|T@xtchef hat geschrieben: ?26.09.2018 14:11 Das erste The Bard's Tale ist das hier aus dem Jahr 1985: http://www.4players.de/4players.php/dis ... Oldie.html Es stand natürlich deutlich in der Tradition von Wizardry, das 1981 erschien und bereits in drei Varianten auf dem Markt war - aber als Zwöfjähriger kannte ich Letzteres gar nicht, weil es auf keiner Diskette im Stapel meines Dealers war.;)
Und ja, Dungeon Master hievte das Prinzip des Dungeon-Crawlers 1988 auf ein ganz neues Niveau. Was war das cool auf dem Amiga. Dazu hat Jens einen schönen Rückblick verfasst: http://www.4players.de/4players.php/dis ... aster.html
Ich weiss nicht warum, aber mich hat damals Lands of Lore 1 wahnsinnig gefesselt. Irgendwie hat mich da diese ganze Atmosphäre total mitgerissen.
Da fällt mir ein, ich muss es unbedingt nochmal installieren (CD Version mit Sprachausgabe!)
crazillo87 schrieb am
Hab nach der heutigen News zu dem Spiel nun auch mal das Test-Video angesehen. Ich denke, Fargo kann mit nun mehr finanzieller Sicherheit auch jeden Fall die nächsten Spiele deutlich besser entwickeln. Ich freue mich auf den Konsolen-Release, Schwächen hin oder her. Das Spiel macht genug anders, um mich anzusprechen, und ich habe auch mit Jade Empire dieses Jahr noch Spaß gehabt.
Rufus1247 schrieb am
Bin jetzt fast durch und ich muss sagen es gilbt nochmal richtig Gas. Zum Glück hatte ich keine größeren Bugs und die Questlinie war auch nicht verbugt. Ich habe es nicht bereut mich von dem anfänglichen Würgereiz nicht abhalten zu lassen weiter zu spielen ... :D
SALZHERZ schrieb am
Erstmal ein Kompliment an die wunderbaren reviews, die klare Sprache und vor allem die fantastische Fachkompetenz von Jörg und Kollegen. Ich liebe jedes Epilog Video.
Mein Problem ist ausnahmsweise die Grafik, spezifisch die Gesichter. Aus vielen lets play videos sind non-human Gegner oder Gegner mit Masken zu sehen. Das hat den Grund das die Gesichter wirklich "nicht funktionieren". Und das macht aber einen gewaltigen Teil des Artwork aus, geführt für mich jedensfalls.
@Jörg, ich habe Bards Tale 1 geliebt, was war ich stolz auf meine Monks (critical hit for 1 dmg, kills red dragon...).
Aber was ich hier sehe, höre und verstehe ist eine halbgare Entwicklung, die den Fokus falsch gesetzt hat.
Der Anspruch mag zu hoch gewesen sein, aber daran muß man sich jetzt messen lassen.
Ich hätte gerne auf Grafik Komplexität verzichtet wenn dafür ein einheitlich gutes Artwork und ein tiefes Skill/Perk System umgesetzt worden wäre.
Wirklich schade. (aber es gibt ja mit Pillars of Eternity 2 Futter zuhauf).
Nochmal Dankeschön für die wirklich besten Tests auf dem Markt, auch in amerikanischen Publikationen sucht man diese Kompetenz vergeblich.
schrieb am