Hard to be a God - Test, Rollenspiel, PC

 

Test: Hard to be a God (Rollenspiel)

von Mathias Oertel



Entwickler:
Publisher: THQ
Release:
08.02.2008
Spielinfo Bilder Videos
Licht und Schatten

Ich ärgere mich. Ich fluche. Ich werfe mit Peripherie um mich. Und dann werfe ich mich wider besseren Wissens doch wieder in die Schlacht, bis ich sie irgendwann Zähne knirschend und mit einigen neuen grauen Haaren bewältigt habe.
Wieso tue ich mir das an? Weil es selbst die teils Grauen erregende Kampfmechanik, die auch Gefechte hoch zu Ross erlaubt, nicht schafft, die Qualität der Geschichte zu vernichten. Ja: Die Kämpfe sind ein nicht zu unterschätzender Bestandteil von HG - sollten sie in einem action-orientierten Rollenspiel auch. Doch für "Kloppmist" bietet die Saga eine erstaunlich verzweigte, überraschende und spannende Geschichte, bei der deutlich wird, dass hier ähnlich wie bei Ataris The Witcher ein Buch als Vorlage für ein interessantes Universum hergehalten hat. Die mittelalterliche Fantasy-Welt, die ähnlich wie in Arcanum Schauplatz eines Kampfes zwischen Technologie und Feudalkultur ist, lässt mich als Spieler immer wieder im Ungewissen, was jetzt "Gut" oder was "Böse" ist. Und letztlich scheint alles sowieso nur eine Grauzone zu sein, was nicht nur durch den verwirrenden und verwirrten Helden versinnbildlicht zu sein scheint, der im Laufe der Zeit mit Technologie und gottgleicher Macht konfrontiert wird.

Einige Gebäude kann man betreten und die Truhen entleeren - ohne dass es den rechtmäßigen Besitzer stören würde...
Und auf den zweiten Blick hat HG sogar noch mehr zu bieten: Die Kulisse ist zwar kaum mehr als durchschnittlich, doch dafür sind die Abschnitte mit Leben gefüllt und man kann sogar Tag- und Nachtwechsel beobachten.
Beim dritten Blick jedoch zeigen sich auch hier Schwächen: Es gibt keine durchgängige Welt wie z.B. bei Sacred oder Titan Quest, sondern nur voneinander abgetrennte Bereiche, an deren Ausgang (meist passend durch Grenzpfosten markiert) nachgeladen wird. Die Figuren in den belebten Städten sind zwar passabel animiert und zumeist auch ansprechbar, doch an der Klonbevölkerung hat man sich schnell satt gesehen. Und auch das Bedürfnis, die Zivilisten anzusprechen, relativiert sich schnell, sobald man feststellt, dass die meisten nichts Sinnvolles zu sagen haben und alle für eure Missionen relevanten Figuren sowie Händler entsprechend markiert wurden, um die Sucharbeit zu minimieren.
Den Tag-/Nachtwechsel samt eingeblendeter Uhr hätte man sich allerdings auch schenken können. Es findet weder bei der Zivilbevölkerung noch bei euren Gegnern eine Veränderung im Verhalten statt. Sie spielen, laufen und bewachen, was das Zeug hält. Egal, ob es jetzt vier Uhr morgens, zwölf Uhr Mittag oder nachts um halb elf ist.

Solide mit Problemen

Dafür wiederum punktet die übersichtliche Charakterentwicklung und vor allem das Inventarsystem samt Missionstagebuch. Sortierbar und von vornherein in vier Kategorien unterteilt (Ausrüstung, Tränke, Bücher und Schriftrollen, Questgegenstände) gibt es weder Platz- noch Übersichtsprobleme. Allerdings findet man auch schnell heraus, dass es überall in der Stadt und bei getöteten Gegnern immer wieder die gleichen Gegenstände, Waffen etc. zu finden gibt. Hier sind Titel mit zufällig generierten Beutestücken im Vorteil.
Zumal man wie eigentlich im gesamten Spiel auch hier Verbesserungspotenzial gibt. Wieso kann ich einem getöteten Feind nicht wie z.B. in Gothic oder Two Worlds seine getragene Ausrüstung abnehmen? Stattdessen bekomme ich vorgefertigt scheinende Beute-Templates, die mir nur selten weiterhelfen und die irgendwann nur noch nerven...

Eine weitere Idee, die konzeptionell gut, aber deutlich ausbaufähig ist, ist das "Verkleiden". Für nahezu jede Fraktion im Spiel gibt es Kleidung, die ihr entweder finden oder kaufen und dann der Figur auf die Haut geben könnt. So lassen sich z.B. Diebe täuschen, wenn ihr einen Auftrag in ihrem Lager erledigen müsst, aber (nicht nur aufgrund der Kampfmechanik) in einer direkten Auseinandersetzung kaum eine Chance hättet.
Auch die damit verbundene Einschränkung, dass ihr die entsprechend im Inventar markierten Klamotten nur dann anziehen könnt, wenn euch keiner beobachtet, ist gut zu bewerten.
Entsprechendes Kleingeld vorausgesetzt, könnt ihr euch ein Ross zur Fortbewegung und zum Kampfeinsatz kaufen...
Doch das Ergebnis insgesamt ist fragwürdig. Damit meine ich nicht einmal die "Trial&Error"-Funktionalität, bis man herausgefunden hat, welche Fraktion nun tatsächlich welche Klamotten als ungefährlich anerkennt.
Viel schlimmer ist der blinde Gehorsam, der mit den richtigen Klamotten einher geht: Nehmen wir einmal an, ihr seid in einer Stadt unterwegs und tragt die Kleidung von Fraktion A. Werdet ihr von Räubern oder sonst wem angegriffen, helfen euch die Soldaten - das ist gut, logisch und konsequent!
Nehmen wir jetzt aber an, dass ihr in der gleichen Stadt unterwegs seid, immer noch die "Fraktion A"-Ausstattung tragt, ihr aber als Mission einen Dieb zu einem Punkt bringen müsst, von dem aus er die Stadt gefahrlos verlassen kann. Das Ergebnis ist: Fraktion A greift euren Schützling an oder er (ihr könnt ihm sowieso keine Befehle geben) macht sich bei Sichtkontakt gleich daran, die Wachen zu dezimieren, deren Farben ihr tragt. Doch egal: Diese Konfrontationen können passieren. Was aber gar nicht, niemals, also so überhaupt nicht passieren darf ist, dass ihr natürlich dem Dieb helft, da ansonsten mit seinem Ableben "Game Over" droht, natürlich auf die Wachen einschlagt und diese euch ignorieren, weil ihr ja ihre Farben trägt. Ab diesem Moment geht die gute Laune in den Keller.

Und ab hier ist es mir auch egal, dass die dynamische Musik sich ebenso unaufdringlich wie effektiv in die Gehörgänge säuselt wie der Rest der Akustik. Ebenso egal ist es mir ab hier auch, dass die deutsche Text-Lokalisierung gleichsam sorgfältig, aber dennoch mit kleinen Fehlern durchgeführt wurde.    

Kommentare

johndoe470828 schrieb am
phiLtheiLL hat geschrieben: Also was bist du nun, zufrieden mit ein paar Tests oder unzufrieden mit allen, dieses sollte sich demnach auch in der "Wahrheit wie 4Players testet" widerspiegeln und die jeweilige Konsequenz nach sich ziehen.
Puh, dass auf diesen Beitrag nochmal jemand antwortet hätt ich nicht gedacht....
Was soll ich dazu sagen: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. So ist das auch mit den Tests bei 4Players. Selbst ein Blinder trifft ab und zu mal ins Schwarze :D
Ansonsten hat der Bombenleger über mir das schon gut durchdacht ;)
langhaariger bombenleger schrieb am
Stell dir das so vor. Ich bin Bobby Sixkiller. Reno arbeitet für mich, unter einem anderen Namen.
Sein Gerechtigkeitssinn ist sehr ausgeprägt und er wurde einmal zu unrecht einer Tat beschuldigt, sodass er es auch nicht tolerieren kann, wenn unrecht gegen Spiele geschehen.
Wenn ich irgendsoetwas sehe, setzte ich ein Kopfgeld fest und Reno erledigt den Job.
Er ist dabei vollkommen konsequent, sein Gerechtigkeitssinn schreibt ihm das so vor.
Auch wenn er der einsame Reiter ist und er ein hartes Leben führt, so weiss er doch und im Grunde auch wir alle, das er das richtige tut.
phiLtheiLL schrieb am
Oh, ich bin völlig locker und auch nichtmal auf Konfrontationskurs!
Allerdings, um dein "nicht alles verallgemeinern" mal aufzugreifen..
Zitat in deiner SignatuR: "Die Wahrheit wie 4Players testet"
hört sich schon irgendwie recht generell an, meinst du nicht?
Allein deswegen muss ich doch davon ausgehen, dass du generell mit den Tests nicht zufrieden bist..
Damit möchte ich sagen, dass du mir vorwirfst aufgrund deiner bisherigen Aussagen zu pauschalisieren , dabei tust DU es ohne es wirklich zu merken.
Vor dem Hintergrund musste ich davon ausgehen, dass es dir an Konsequenz mangelt.. schließlich kennst du die
"Wahrheit wie 4Players testet", demnach willst du uns
[...]nahelegen nach Wertungen hier keine Kaufentscheidungen zu fällen da die wirklich ausgewürfelt scheinen oder aus einer Laune heraus entstehen..
spätestens hier hast du deine von dir gewürdigten Tests mit entkräftet..
DAS ist Pauschalisieren und Verallgemeinern aus dem Lehrbuch und MIR im Anschluß Selbiges vorzuwerfen finde ich leicht unverschämt, du nicht?
Also was bist du nun, zufrieden mit ein paar Tests oder unzufrieden mit allen, dieses sollte sich demnach auch in der "Wahrheit wie 4Players testet" widerspiegeln und die jeweilige Konsequenz nach sich ziehen.
phiLtheiLL schrieb am
Reno, darf ich dich mal offtopic fragen was der Grund dafür ist, dass du noch in diesem Forum verweilst? Mit den Tests bist du absolut nicht zufrieden, mit den Testern dementsprechend auch nicht,
warum ziehst du nicht auf eine Seite um, von der du das Gefühl hast dass sie eher in der Lage sind klarere Kaufempfehlungen auszusprechen?
Stattdessen bleibst du hier und versuchst alle möglichen Leute aufzuklären, dass die Tester hier inkompetent wären.
Wo bleibt deine Kompetenz, vor allem in Sachen Konsequenz?
johndoe300991 schrieb am
Reno_Raines hat geschrieben:Na wer hätte es gedacht, 3 Tage rum und keine Antwort von Herrn Oertel auf meinen Beitrag. War mir klar, er wird selber gemerkt haben das die Endwertung vollkommener Unsinn ist wenn man sein in den Himmel gelobtes Avencast dagegen hält.
Die Tests von 4Players sind doch bloß Satire, warum merkt das niemand? :wink:
schrieb am