Total War: Shogun 2 - Vorschau, Taktik & Strategie, PC

 

Vorschau: Total War: Shogun 2 (Taktik & Strategie)

von Jörg Luibl



Entwickler:
Publisher: Sega
Release:
15.03.2011
Jetzt kaufen
ab 29,99€
Spielinfo Bilder Videos
Reale Kendokämpfer als Vorbilder

Die vier Jahreszeiten sollen sich auch auf die Kämpfe auswirken.
Man habe Kämpfe über Motion Capturing bei der British Kendo Association aufgenommen, um möglichst realistische Bewegungsabläufe mit den asiatischen Waffen zu zeigen: Egal ob Wakizashi oder Naginata, Tanto oder Yari - alles ist dabei. Und auch der Yumi, der aus Bambus gefertigte japanische Bogen, kommt bereits zum Einsatz. Allerdings wird seine Durchschlagskraft laut Entwickler nicht so verheerend ausfallen wie jene des englischen Langbogens - das ist okay, aber hoffentlich hinterlässt er letztlich mehr Wirkung als in der gezeigten Schlacht, denn dort verpufften die Pfeile bei heran rückenden Kompanien für meinen Geschmack etwas zu schnell.

Dafür soll das Gemetzel aus nächster Distanz besser visualisiert werden als in Medieval: Total War . Es soll gerade beim Aufeinanderprallen von Truppen zu brachialen Szenen kommen, von denen wir einige bereits sehen konnten. Und vor allem die schweren Reiter haben es in sich: Als die Entwickler die Kavallerie der Samurai in die Flanke des Gegners donnern lassen, bleibt fast nichts mehr außer einem Häufchen Chaos und flüchtender Feinde übrig - das war schon eine gewaltige Attacke. Schere, Stein und Papier sollen genau so effizient wirken wie Angriffsrichtung und Moralverluste. Kennt man, mag man, will man gerne in Zukunft sehen.

Neue Spielmechaniken

Aber bis hierher wirkt dieses ebenso farbenprächtige wie blutige Total War auch wie alle anderen. Was gibt es Neues? Wie will man die Schlachten spannender und anspruchsvoller gestalten? Zum einen soll es mit dreizehn zwar deutlich weniger Truppentypen als noch in Empire: Total War geben, aber dafür sollen sich diese stärker unterscheiden - genau so wie die neun spielbaren Clans, die z.B. eine Vorliebe für Bogenschützen, für Speerformationen oder Seegefechte haben könnten. Auch Ninja- und Formationstaktiken? Noch wollte man trotz schelmischem Nicken nicht viel verraten. Es soll z.B. markante Spezialfähigkeiten wie brennende oder heulende Pfeile geben, die den Feind aufgrund ihrer Geräuschentwicklung demoralisieren. Die Benutzeroberfläche wurde entschlackt, es gibt jetzt eine klarere, fast ikonographische Übersicht über die Truppentypen:



Interessanter als diese Ankündigungen ist die stärkere Einbindung der zerfurchten japanischen Landschaft: Aufgrund der zahlreichen Schluchten, Wäldchen und Hänge sollen taktische Hinterhalte und besondere Kampfsituationen in engen Arealen stärker zur Geltung kommen als in bisherigen Teilen, wo es fast immer in offenem Gelände zur Sache ging. Man könnte also auch in Unterzahl bestehen, wenn die Flanken vom Fels geschützt werden. Es wird ein charakteristischeres Terrain geben, indem auch kleinere Hügel und Tümpel bedeutsam sein könnten und die vier Jahreszeiten sollen sich ebenfalls auf die Kämpfe auswirken - der rosa Schnee der Kirschbäume sieht zwar jetzt schon fantastisch aus, allerdings wurde man da noch nicht konkret. Immerhin werden Gebäude wie Hütten, Schreine oder Tempel physikalisch korrekt abbrennen und einstürzen, was wir im Gegensatz zum Versprechen besser visualisierter Gebäudekämpfe bereits in Funken sprühender Aktion sehen konnten.

D-Day in Japan

Ein weiteres Merkmal der japanischen Landschaft sind die idyllischen, aber tückischen Küsten, an denen ebenfalls gekämpft wird. Es wird nicht nur Gefechte zwischen bewaffneten Booten (zwölf Schiffstypen sind geplant) auf Gewässern geben, die sich im Gegensatz zur Kanonenbreitseite europäischer Linienschiffe eher wie schwimmende Festungen mit Feuerpfeilen und Rammen beharken, bis sie geentert werden oder an Riffen zerschellen - man muss weder Segel setzen noch den Wind beachten. Zum ersten Mal in der Reihe wird es auch Kämpfe geben, die See- und Land vereinen, indem man quasi den D-Day auf Küstenkarten inszeniert: Da landen Transportschiffe am Strand, entladen Samurai und die Schlacht beginnt dann an Land. Die bisher gezeigten Landungen an der Küste könnten das Spiel deutlich aufwerten:



Noch interessanter, aber leider noch nicht mit Spielszenen untermauert: Die komplett neuen Belagerungen. Es soll drei Festungstypen geben, die man in fünf Stufen ausbauen kann: Berg-, See- und Landburgen. Man will einen taktischen Schwachpunkt der Reihe ausmerzen, indem man ihre Eroberung stufenweise über mehrere Areale simuliert. Man schießt also nicht einfach ein Loch in die Mauer oder das Tor, sondern muss zunächst den Vorhof erobern, um sich dann weiter nach vorne zu kämpfen, wobei die Verteidiger genau das einkalkulieren und die Defensive darauf ausrichten - hier sollen auch Ninjas und Fallen eingesetzt werden. Wir sind gespannt, welche Möglichkeiten man hier bekommt und ob das tatsächlich eine Bereicherung ist.

Man fährt zwar die maximale Armeegröße runter, wobei letztlich immer noch 56.000 Krieger gleichzeitig sichtbar sein sollen, will aber die Details in allen Bereichen erhöhen - egal ob Texturen oder Animationen, die jetzt auf mehr als 50 Knochen für den polygonalen Körperbau beruhen; ein Drittel mehr als im letzten Total War. Hier muss man allerdings abwarten, ob sich dieser Zusdatz wirklich bemerkbar macht. Außerdem sollen nicht nur die Fürsten als mächtige Krieger und Befehlshaber in Personalunion auftreten, sondern auch mythologisch oder historisch inspirierte Helden wie Kampfmönche, die sich mit einer kleinen Leibwache in den Kampf stürzen - aber keine Bange: Das soll alles in Maßen integriert werden, so dass man sie auch mit gewöhnlichen Truppen töten und lediglich gewisse Tendenzen der Schlacht mit diesen besonderen Kriegern beeinflussen kann. Ob es auch direkte Duelle zwischen verfeindeten Helden geben wird und wie diese dargestellt werden, bleibt genau so abzuwarten wie ihre Rolle als Joker auf der Strategiekarte: Kann man sie gezielt abwerben oder anheuern? Bisher deutet alles darauf hin.        
 

AUSBLICK



Ich freue mich auf dieses Comeback. Nicht nur, weil ich Shogun schon vor zehn Jahren wie ein Besessener gespielt habe, sondern weil Creative Assembly all seine Erfahrung in diesen epischen Konflikt des 16. Jahrhunderts investieren kann. Als ich kurz vor der E3 nach London geflogen bin, konnte ich zwar nur ein Gefecht bei Nacht sowie eine Landungsszene bei blühenden Kirschbäumen sehen, aber das Wenige hat mein Feldherrenherz bereits erobert. Zum einen erinnerte die Schlacht mit ihren einsamen Laternen und windumtosten Gräsern an einen wogenden Ozean voller Stahl. Zum anderen werden die Briten weit mehr anbieten als ein ebenso schönes wie blutiges Gemälde: Die Seegefechte werden ganz anders ablaufen, es wird erstmals Landungen und Kämpfe an Küsten geben, die Helden sollen für Abwechslung sorgen, die Story persönlicher werden und last but not least werden die Belagerungen ganz andere Ansprüche stellen. Welche Fähigkeiten bieten mir die Clans? Was ist mit Ninjas und Spionage? Wie entwickeln sich Fürsten und Helden? Welche Möglichkeiten hat man auf der Strategiekarte? Wie setzt man Helden konkret ein? Was leistet die KI? Noch bleiben viele Fragen offen. Sobald die Entwicklung den nächsten Schritt erreicht, werden wir euch informieren.

Ersteindruck: sehr gut
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Kommentare

SilentOpera schrieb am
"Empire" hat mir trotz einige Macken sehr viel Spass gemacht. Auch wenn ich zugeben muss das ich Mods alla "Terra Inkognita" installiert hatte und das Spiel erst deshalb eine Herausforderung dastellte. Denkt man nur mal daran das man als Brite praktisch unbesiegbar war weil keine Nation sich an eine Invasion von der Seeseite aus wagte.
Modernere Schusswaffen als Musketen möchte ich mir bei der TW Reihe auch nicht vorstellen. Wenn ich Panzer will packe ich "Company of Heroes" wieder aus oder spiele das alte "Sudden Strike" (wobei "Men of War" ja auch was hat ^^)
Das sich CA nicht gerade 100%ig an historische Gegebenheiten hält finde ich ganz okay. Vielleicht habe ICH als Kriegsherr ja Lust eine Seeinvasion zu führen. Ach wenn das damals wohl eher unkonventionell war. Wobei ich zugeben muss das ich mich nicht wirklich mit den Sengoku-Ära auskenne.
Nett finde ich die Idee mit den Helden. Aber Ninjas und Geishas hätte ich dann wirklich lieber als Agenten. Sowas passt nicht aufs Schlachtfeld (sind ja keine Eversor-Assasinen aus Warhammer 40K). Am meisten bin ich aber wirklich mal darauf gespannt ob CA es nicht vielleicht doch mal schafft eine Anständige KI auf die Beine zu stellen. Zumindest auf der Kampagnenkarte wäre das wirklich ein Traum.
"Napoleon" habe ich schon übersprungen (war in meinen Augen nicht mehr als ein Addon >.<). Ich hoffe das ich Shogun nicht auch fallen lassen muss. Wäre schade um die Reihe.
Snyder schrieb am
Nach Empire Total War wird es erst mal nicht gekauft...ich werde erst mal Warten was die Community in den ersten 2-3 Wochen schreibt, wenn man da nichts von Bugs liest und das Spiel gute Kritiken bekommt denke ich drüber nach.
Bin immer noch extrem Sauer, dass die Empire Total War so rausgebracht haben :evil: ...da muss schon alles Stimmen, dass ich da nochmal Geld investiere
Cäsar2 schrieb am
Sagt mal, wollt ihr spielen, odda ne Geschichte Arbeit korrigieren? (Ich muss zugeben, dass CA da nicht gerade ein Einser-Schüler wäre...)
Was die Leute hier alles wissen...
Solang es Spaß gemacht hat, war mir die Realistik ziehmlich egal^^
superflo schrieb am
Mal eine Frage, wird man die japanischen Invasionen Koreas (1592 und 1594) nachspielen können oder liegt das nicht im dargestellten Zeitrahmen?
Hayab schrieb am
Shogun war damals ein geiles und innovatives Spiel, aber seit dem hat sich wenig veraendert an der ganzen Totalwar reihe. Die Schlachten zu See und zu Lande machen zwar immer noch Spaß, aber an den Kampagnekarte muss sich sicher so manches noch ändern. Vielleicht sollte das ganze in verlangsamten Echzeit ablaufem, irgendwie ist die Kampagne das was sich seit Jahren bei TW nicht geaendert hat. Ich als Spieler will da was neues sehen.
schrieb am