Der Herr der Ringe Online: Die Schatten von Angmar - Vorschau, Rollenspiel, PC

 

Vorschau: Der Herr der Ringe Online: Die Schatten von Angmar (Rollenspiel)

von Benjamin Schmädig



Publisher: Codemasters
Release:
20.04.2007
Spielinfo Bilder Videos
Selbstverständlich bleiben Aragorn oder Gandalf dabei nicht außen vor: In bestimmten Situationen lauft ihr ihnen über den Weg. Ihr könnt die Gefährten allerdings nicht auf ihrer Reise beobachten, zumal ihr ausschließlich Eriador bereisen dürft. Erst mit den Erweiterungen will euch Codemasters Zugang ins Reich der Rohirrim oder nach Gondor gewähren. Ihr seht also nur ein Viertel von Mittelerde und euch graut vor Raumangst? Atmet auf, Eriador ist groß, auch im Spiel. Und es sieht fantastisch aus! Hügelige Wiesen des Auenlands, erhabene Gemäuer in Bruchtal, Tag- und Nachtwechsel sowie sich änderndes Wetter - Turbine nutzt die Erfahrungen mit Dungeons & Dragons Online, um einer wunderschönen Fantasywelt Leben einzuhauchen. Sogar der von England aus sichtbare Sternenhimmel soll originalgetreu über euch erstrahlen (die Welt in Tolkiens Büchern basiert auf Westeuropa). Dass die Schauplätze an Peter Jacksons Filme erinnern stört da kaum. Obwohl die Entwickler
Das Highlight in der Online-Welt: Ob märchenhaft schöne Hügel...
keine Rechte zur Umsetzung der Filme besitzen, sondern die Bücher zur Vorlage nehmen, wollten sie wohl eine vertraute Umgebung erschaffen. Allerdings erinnern mich die Polygon-Figuren sogar stärker an meine eigene Vorstellung von Gandalf oder Legolas als Ian McKellen oder Orlando Bloom. Enttäuscht war ich nur von der Musik: Die unscheinbare Begleitung kann Howard Shores romantischem bis pompösem Orchester nicht das Wasser reichen.

Wenig Salz

Ebenso liebevoll wie die Landschaften mit ihren typischen Eigenheiten haben die Entwickler auch die Einführung gestaltet: Obwohl sich die Spieler aller Rassen zum Start des Abenteuers in Bree treffen (jener Ort, in dem Aragorn erstmals auf die Frodo, Sam, Merry und Pippin trifft), absolvieren sie die anfänglichen Aufträge in ihrem Heimatland: Elfen ziehen z.B. durch Bruchtal, während Zwerge ihre ersten Stunden in den Bergen Ered Luin verbringen. Dort lernt ihr die Grundlagen kennen, bevor eure Reise durch Mittelerde beginnt.

Wer sich häufig in Online-Reichen aufhält, stellt dabei schnell fest, dass Codemasters tatsächlich nichts riskieren will. Such-, Hohl- und Bringdienste, das Plätten von finsteren Gesellen - erfahrene Rollenspieler kennen das. Auch im Kampf wagt Der Herr der Ringe Online nichts Neues: Nach einem Klick auf den Gegner kämpft euer Held selbstständig, wobei ihr ihn mit speziellen Fähigkeiten oder Zaubersprüchen unterstützt. Aber denkt mal zurück: Wie oft hat ein Zauberer in Tolkiens Büchern seine Macht eingesetzt? Das kommt auf den gut tausend Seiten nur selten vor. Daher biegt Turbine die Vorlage so zurecht, dass ihr als Charakter mit magischen Fähigkeiten jederzeit eure Sprüche einsetzen dürft.

Auch wenn die Auseinandersetzungen mit den Soldaten Mordors nach dem altbewährten Schema ablaufen, verpasst ihnen Turbine seinen eigenen Stempel und bringt so genannte Conjunctions (Verknüpfungen) ins Spiel. Diese besonders mächtigen Fähigkeiten kommen nur in einer Gruppe zum Tragen und müssen vor ihrem Einsatz aufgeladen werden: Sobald einer eurer Mitstreiter die gemeinsame Aktion einleitet, hat der Rest der Truppe einen kurzen Moment Zeit, um auf eine von vier farbigen Flächen zu klicken - Grün steht dabei für Heilung, Rot für einen Angriff, der umgehend Schaden verursacht, Gelb für einen Angriff mit andauerndem Schaden und Blau für das Auffüllen von Energie. Sobald die Wartezeit verstrichen ist oder alle Kameraden ihre Entscheidung getroffen haben, wird die Conjunction ausgeführt. Im besten Fall hat eure gesamte Gruppe die gleiche Farbe gewählt und der von allen gewünschte Effekt tritt besonders stark ein. Eine eindrucksvolle Animation begleitet dabei das Ergebnis. Bei einem schnellen Angriff schlägt z.B. ein riesiges Ross nach dem Gegner. Ist sich eure Gruppe uneinig, fällt die Wirkung der Conjunction natürlich schwächer aus -
... oder ein finsterer Mond über uralten Gemäuern - Mittelerde sieht fantastisch aus!
trotzdem hat jede Kombinationen hilfreiche Auswirkungen, so dass vor allem organisierten Gruppen viel Raum zum Probieren bleibt.

Benum Elfum - Erdolcher des Wespenschwarms

Falls ihr euch übrigens besonders geschickt im Krieg gegen Sauron anstellt und bestimmte Vorgaben erfüllt, sammelt ihr nicht nur Erfahrung, sondern erhaltet auch Belohnungen, die einige eurer Werte anheben. Obwohl sich somit zwei Spieler auf der gleichen Erfahrungs-Stufe befinden, zeichnen sie sich durch individuelle Spezialisierungen aus. Abgesehen davon erhaltet ihr auch verschiedene Titel - z.B. wenn ihr eine festgelegte Anzahl an Trollen tötet. Die Bezeichnungen dürft ihr anschließend stolz im Namen führen.

Und natürlich könnt ihr auch selbst Gerichte kochen sowie Waffen und Rüstungen basteln, indem ihr Rohstoffe besorgt und zusammenfügt. Je häufiger ihr im gewählten Berufsbild tätig seid, desto besser fallen die Ergebnisse aus - auch das kennen viele Online-Rollenspieler. Neu ist allerdings, dass ihr es in Der Herr der Ringe Online auch zum Meister schaffen könnt: Habt ihr diese Stufe erreicht, kommen die effektivsten Gegenstände in ganz Mittelerde aus eurem Haus (und denen der anderen Meister)! Das oftmals langwierige Suchen von Zutaten bzw. Rohstoffen bleibt euch dabei nicht erspart. Was tut ihr also, wenn die wichtige Wurzel nur im Auenland wächst, eure Kochstelle aber nahe der Wetterspitze brodelt? Dann bleibt allein der Ritt zu Pferde. Falls ihr einen solchen Ausflug plant, besucht deshalb den örtlichen "Taxi-Stand" und schon seid ihr auf dem Weg - jedenfalls dann, wenn ihr den Weg zum Ziel bereits gelaufen seid. Wie genau das Reiten schließlich aussehen wird, lässt sich momentan noch nicht sagen, denn ursprünglich waren echte Ausflüge auf einem Pferderücken nicht geplant. Stattdessen sollten Reiselustige einfach vom Start zum Ziel versetzt werden. Inzwischen will Turbine jedoch auch Reittiere in die Fantasy-Welt packen...   

    
 

AUSBLICK



Ganz ehrlich: Ich finde es bemerkenswert, dass Jeffrey Steefel keinen Hehl aus seinem glattgebügelten Lizenz-Abenteuer macht. Das ist erfrischend ehrlich und man muss nicht zwischen den Zeilen lesen, um letztlich doch kaum Alleinstellungsmerkmale zu finden. Aber es bleibt eben die Frage, was es dem geneigten Fan nützt, wenn sich Der Herr der Ringe Online anfühlt wie fast jedes andere MMOG? Vom passionierten Spieler ganz zu schweigen. Vielleicht liegt die Antwort in einem der drei folgenden Punkte. Punkt eins: Wer sich als Neuling oder Tolkien-Fan auf das Abenteuer einlässt, muss keinen Denksport betreiben, um sich schnell in der Welt zurecht zu finden. Punkt zwei: Mittelerde sieht fantastisch aus! Mir persönlich sagt der einzigartige und exotische Stil aus Guild Wars zwar mehr zu, aber Tolkien hat nun mal das Erscheinungsbild klassischer und bekannter Fantasy definiert und daran muss sich Turbine halten. Punkt drei: Es gibt durchaus Eigenheiten, die selbst gestandenen Online-Abenteurern einen Blick wert sein könnten. Das Meistern eines Berufs z.B., nachdem ihr erst die wirklich mächtigen Gegenstände und Tränke erstellen dürft. Oder die schön anzusehenden Conjunctions, die für Gruppenspieler ein Anreiz sein könnten. Darüber hinaus verlassen sich die Entwickler allerdings so sehr auf Altbewährtes und schielen so offensichtlich auf Blizzards Erfolgsrezept, dass Veteranen den Ausflug nach Mittelerde wohl lieber überspringen und weiter nach echten Alternativen suchen. Einen Tag lang durfte ich im Büro von Turbine durch Tolkiens Welt streifen. Ich habe den Beginn des Abenteuers gesehen, ich war mit einem voll ausgebildeten Charakter unterwegs - natürlich muss man etliche Stunden in einem MMOG verbringen, bevor man sich ein echtes Urteil erlauben darf, doch bislang wollte der Funke einfach nicht überspringen. Turbine hat Der Herr der Ringe Online so sorgfältig geschliffen, dass dem Fantasy-Erlebnis nicht nur scharfe Kanten fehlen, sondern auch die Höhepunkte von etwas Besonderem.Ersteindruck: befriedigend

Kommentare

Vernon schrieb am
/me hofft immernoch, dass im Juni alles gut wird.
R3Play schrieb am
@Pascal Wiederkehr: Amen
Der Tot aller kommenden oder "regierenden" Onlinerollenspiele wird sowieso Guild Wars 2.
Nicht instanzierte riesige Spielewelt, verschiedene Klassen, gut ausbalanciertes und vom PVE getrenntes PVp oder GVG...ect.
und vorallem kostenlos!!!
Davon profitiert jeder Onlinerollenspieler, egal ob er Guild Wars gerne spielt oder es für Müll hält. Durch das kostenlose Spielvergnügen müssen andere darauf reagieren und ebenfalls die Preise schrauben, um konkurenzfähig zu bleiben.
A-Net geht in die richtige Richtung!!!
Cardinals schrieb am
Meine Meinung zu WAR:
Ich war ja einer der grössten Fans hatte sogar ne Fanseite ^^ doch je mehr ich darüber erfahren konnte, je weniger fand ich WAR gut. Warhammer Online nimmt den Grafikstyle von WoW, das RvR von DAoC und legt das Augenmerk von PVE auf PVP. Balancing funktioniert selbst im Table-Top-Spiel nicht, wwie soll es also in einem Onlinespiel funktionieren? Wenn dann im End-Game alle nur noch die "kleinen" verprügeln hat WAR schnell das gleiche Image wie WoW. Toll dann warten halt alle auf ein neues MMORPG.
M_Coaster schrieb am
Ich habe die beta über 4 Moante gespielt und mich hat das Spiel von Anfang an gepackt! Was der angebliche einer der ersten betaspieler schreibt, stimmt zwar teilweise, allerdings ist das schwarzmalerei auf hohem Niveau! Das Spiel ist von der sache selbst für RP fans ein garndioses Erlebnis, für PvP Freaks die eigentlich CS spielen wollen und von Skill und Epixx reden wollen, ist das Spiel allerdinsg wirklich nichst. Die warten eh auf WAR, das meist überschätzte MMORPG!
Apokh schrieb am
Also ich hab nen 2 Jahre alten PC und spiel mit 1280x1024 in HOCH (weil es mir die Auto erkennung so eingestellt hatte^^) schon da sieht das Spiel SEHR gut aus.
Da ich die Pre-Order auch hab - konnte ich eine Woche lang in der Beta mit HiRes Texturen spielen - was ehrlich gesagt eher nicht so toll war mit 1GB RAM. Mit den normalen Texturen aber spiele ich durchgehend mit 35fps...in WoW hatt ich auch kaum mehr. Also Hardwarefresser ist es nicht grade. Ich werd mir noch 512MB RAM dazuholen weil die HiRes Texturen die Quali der Optik fast verdoppeln.
Spielerisch ist es WoW ähnlich. Sicher hat man ab und an Sammel Questen. Aber wenn man sich die Mühe macht auch mal das Spiel nach dem Tutorial anzusehen-und nicht wie hier von irgendwem "Ich habs installiert und kann mir mit lv4 ne Meinung bilden"-sind die Questen durchaus abwechslungsreich. Im direkten vgl zu WoW jedenfalls. Ob auffinden einer Bärenhöhle, sucehn eines NSCs in der Einöde, Befreiung eines Elben, Durchsuchen irgendwelcher Fallen nach Häschen, Geleitschutz für nen Luchs, Beschaffen von Crafting Krams...um anderes Craftingkram zu bekommen, Oder das simple bashen von irgenwelchen Tieren um Ohren oder Felle zu sammeln (von denen OH WUNDEr sogar JEDES Vieh mind ein Ohr und ein Fell hat) - sind die Questen sehr gut durchdacht und stimmig umgesetzt. Gerade auch die EPICQuestreihe.
Das Crafting ist auch sehr schön gebaut-da man nun nichmehr alles alleine machen kann und interagieren muss.
Auch nett die Idee mit den Instrumenten (falls jmd hier RP was sagen sollte) - sich spontan in ner Stadt zu nem kleinen Konzert zusammenfinden ist schon witzig. Die Welt sieht toll aus und ist abwechslungsreich gestaltet - auf meinem Weg von Ered Luin nach dem Auenland kam ich durch ein verschneites Gebirge, einen Bergwald, vorbei an nem breiten Fluss der am Ufer mit bunt blühenden Bäumen und Blumen gesäumt war, dann durch einen zwielichtigen Sumpf bis ins grüne Auenland.
Alles mit fluffigen 35fps auf meinem ollen P4...
Ich denke...
schrieb am