Keine Macht dem Alkohol!Doch die Schwerter, Pistolen oder Handgranaten halten nur wenige Schläge bzw. Schüsse, so dass ihr meist eure Fäuste sprechen lasst. Und das werdet ihr sehr oft tun, da es in Tokio vor befeindeten Familien sowie Straßenräubern nur so wimmelt. Ihr kommt kaum zweihundert Meter weit, ohne dass euch ein Fiesling ans Leder will. Habt ihr auf das Handgemenge keine Lust, könnt ihr zwar davonlaufen, weil die Streitsuchenden euch nach Umschalten der Perspektive nicht weiter folgen. Meist erwischen sie euch allerdings und der Kampf beginnt, nachdem sie einen protzigen Spruch zum Besten gegeben haben. Diese wiederholen sich zum Glück nur selten, was die Angreifer zu halbwegs glaubwürdigen Figuren macht. Trotzdem wird schnell deutlich, dass die zufälligen Prügeleien das Spiel strecken sollen.
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| Kazuma kehrt aus dem Gefängnis zurück und steckt sofort in einem Strudel aus Gewalt und Verrat. |
Sie zerstören fast die Illusion einer echten Welt und geben Yakuza den Anstrich eines geradlinigen Prüglers mit ausgeweideter Handlung, in der ihr von einem Filmschnipsel zum nächsten lauft. Witzig ist die Idee, dass Kazuma im angetrunkenen Zustand mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht als nüchtern. Das wurde mir klar, als ich so nett war, einen Penner mit Sake zu versorgen. Ich konnte sein Angebot zum Mittrinken doch nicht einfach ausschlagen! In den nächsten Minuten wurde ich allerdings häufiger belangt als vorher.Dass euch nur einzelne Widersacher gegenüber stehen, ist freilich selten; meist fällt gleich eine ganze Bande über Kazuma her. Wer sich mit euch anlegt, ist dabei fast egal, denn die Bösewichter unterscheiden sich kaum. Nur Zwischengegner existieren als eigenständige Figuren und treten härter zu als ihre Handlanger. Abgesehen davon tragen sie oft Waffen, beherrschen das Ausweichen und überraschen mit eigenen Angriffen. Der Rest des Feldes schlägt sich leider mäßig prächtig: rumstehen, hin und wieder zuhauen, sich verprügeln lassen - Ende der Ideenvielfalt. Wen Yakuza vor allem wegen der Action interessiert, der wird enttäuscht sein. The Warriors bot intelligentere Gegner, bessere Kontrolle und dank des Zusammenspiels mit euren Gangmitgliedern einen abwechslungsreicheren AblaufInteressant ist dafür, dass euch Yakuza den einfachen Schwierigkeitsgrad anbietet, wenn ihr eine Hand voll Kämpfe am Stück verliert. Das ist mir allerdings nur zu Beginn einmal passiert, danach hatte selbst ich den Dreh raus - obwohl ich nie gut im Prügelspielen war. Die Idee ist trotzdem klasse: Wer Probleme hat, darf auf "einfach" schalten, alle anderen werden nicht mit unnötiger Optionsvielfalt verwirrt. Eine Ecke schwieriger hätte die Action allerdings sein können.
"Fight Club" auf JapanischWas die Schlägereien auszeichnet und mich schon auf der E3 begeistert hat ist ihre brutale Bodenständigkeit: Ihr dürft zwar mit Fahrrädern, Stühlen oder Bierkisten auf eure Feinde einschlagen und gebt ihnen mit imposanten Kombos oder Finishern den Rest, doch Yakuza zeigt nie Szenen, die unglaubwürdig wirken - die Kämpfe machen "Fight Club" zum Spiel, obwohl sie verhältnismäßig unblutig verlaufen. Vielleicht ebenso realistisch, aber leider Spaß bremsend funktioniert die Steuerung, denn Kazuma dreht sich im Schneckentempo um. Dadurch schlagt
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| Was weiß die kleine Haruka über die verschwundenen zehn Millionen Yen und Yumis Verschwinden? |
ihr immer wieder in die falsche Richtung oder kehrt den Gegnern beim Blocken den Rücken zu. Nur deshalb und weil euch sehr viele Gangster umringen, sind die Prügeleien eine Herausforderung. Es nervt einfach, wenn ihr schon eine komplette Kombo in die Tasten gehackt habt und zuseht, wie sie euer Alter Ego am Feind vorbei drischt. Dass er anschließend einen Tritt in den Rücken bekommt, ist da nur das Tüpfelchen auf dem i. So richtig machen die Schlägereien erst Spaß, nachdem ihr Kazumas Fähigkeiten aufgewertet und ein paar coole Techniken dazugelernt habt. Der Kick nach hinten ist spitze!Mit dem Einlösen von Erfahrungspunkten erhöht ihr entweder euren Gesundheitszustand, lernt neue Schläge oder haltet die gefüllte Heat-Anzeige länger aufrecht. Ach richtig, der Heat-Modus: Nach Treffern füllt sich die Anzeige und so lange sie voll ist, haut ihr stärker zu. Außerdem könnt ihr dann Spezialtechniken ausführen, mit denen ihr eure Widersacher packt und gegen eine Wand knallt oder sie mit Schlägen übersäht, während sie am Boden liegen. Das wird in vorgefertigten Einstellungen gezeigt - was auch nötig ist, denn in Eigenregie erhaltet ihr kaum klare Bilder. Im Klartext heißt das, ihr könnt die Kamera nur per Knopfdruck einmal auf den Gegner fixieren. Ansonsten tut sie, was sie will und lässt sich nicht über den rechten Analogstick drehen. Das verdirbt mitunter die martialische Laune, denn wer schaut schon gern in die entgegengesetzte Richtung, wenn ihm drei Männer in den Rücken fallen?