Fallout: New Vegas - Test, Rollenspiel, PlayStation 3, Xbox 360, PC

 

Test: Fallout: New Vegas (Rollenspiel)

von Jörg Luibl



Fallout: New Vegas (Rollenspiel) von Namco Bandai
Fallout: New Vegas
Publisher: Namco Bandai
Release:
22.10.2010
22.10.2010
22.03.2013
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ab 6,99€

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Nach ein paar Schüssen in den Kopf ist das Leben für die meisten Getroffenen vorbei. Aber in Fallout: New Vegas fängt es für einen totgeweihten Kurier erst an: Er überlebt den mörderischen Überfall, weil ihn ein seltsam freundlicher Roboter aus dem blutigen Sand birgt und ein hilfsbereiter Arzt rechtzeitig die Kugeln entfernt. Bitte dreimal raten, wofür sich der frisch gerettete Held im darauf folgenden Abenteuer brennend interessiert? Richtig, und so beginnt er seine Suche in der sengenden Hitze des postnuklearen Amerika.

Rage against the Machine

Bis hierher ist es ein langer Weg: Wer in den bunten Sperrbezirk will, muss entweder 2000 Kronkorken zahlen oder die Wachroboter mit seinem wissenschaftlichen Know-how überzeugen.
Ich schleppe mich mit einem verkrüppelten Bein, akuten Entzugserscheinungen und halb verdurstet in den Kontrollraum. Meine Wahrnehmung sinkt, meine Kraft schwindet. Soll ich das letzte Stimpak jetzt einnehmen? Sicher ist sicher: Meine Lebensleiste wächst ein wenig, dann hört dieser bedrohliche Herzschlag endlich auf und es summt nur noch in der Stille. Vor mir liegt der Rechner einer gigantischen Stromanlage, hinter mir eine lebensgefährliche Tour, deren letzte Meter ich nur schleichend an schießwütigen Wachrobotern vorbei überstanden habe. Jetzt durchatmen, endlich bin ich da!

Aber was ist das? Wieso funktioniert der Computer nicht, warum kann ich die verdammte Maschine nicht aktivieren? Ich werde erst wütend. Dann schaue ich mich um. Ach so, ich muss erst das Notstromaggregat einschalten! Das ist ja kein Problem, also klick ich einfach darauf und Murphy lässt grüßen - es ist defekt! Man braucht ein Stück Altmetall und eine Reparaturfähigkeit von 35, um es in Gang zu bringen. Ich habe kein Altmetall und ich habe nur ein Know-how von 24. Ich fluche, fühle mich nach all den Strapazen fast deprimiert. Doch ich will an diesem Ende der Quest nicht aufgeben, zumal sich meine Entscheidungen über den Strom auf die gesamte Region auswirken können. Werde ich ihn als Waffe nutzen, nur New Vegas zukommen lassen oder gerecht unter allen Orten verteilen?

Kampf um Altmetall und Intelligenz

Vor dem Strip steht der Konflikt in der Mojave-Wüste: Dynamit kann gegen die Panzerung der Riesenskorpione und andere mutierte Insekten helfen.
Dieses Rollenspiel überlässt mir immer die freie Wahl. Als brachialer Kämpfer spielen oder als geschickter Scharfschütze? Folter oder Psychodruck im Verhör? Eine Militärregierung einsetzen oder einen korrupten Sherriff? Schnelles Geld verdienen oder Datenvernichtung zum Wohle der Menschheit? Es führt weder auf der politischen noch auf der spielmechanischen Ebene in lineare Sackgassen, sondern eröffnet immer mehrere Auswege. Wer eine harmlose Aufgabe wie die Untersuchung einer Raketenanlage oder eines Vaults startet, muss damit rechnen, dass er sich in einem Konflikt zwischen verfeindeten Parteien und optionalen Zielen wieder findet. Ganz selten geht es um klassisches Holen und Bringen, viel öfter um überraschende Recherche vor Ort in liebevoll ausgearbeiteten Nebenquests mit glaubwürdigen Charakteren.

Auch in dieser Situation im Kontrollraum steigt meine Motivation wie in zig anderen abwechslungsreichen Quests nach ein wenig Überlegung: Hatte ich da nicht ein Magazin "Selbst ist der Mann!" etwas weiter oben gefunden und in meinem Rucksack verstaut? Schnell wühlen: Hurra, da ist es - und das erhöht meine Kenntnisse temporär um zehn Punkte. Und wenn ich meine Intelligenz wenigstens kurzfristig über ein Aufputschmittel steigern kann, erreiche ich locker die 35! Abhängig bin ich sowieso schon, der Arztbesuch wird meine nächste Quest...

Und Altmetall? Das hinterlassen die Wachroboter! Allerdings wird das kniffliger, denn ich bin körperlich am Ende, habe keine Granaten mehr und nur noch wenig Munition - vor allem keine Panzer brechenden Geschosse für meinen schweren Colt. Aber ich habe noch eine letzte Splittermine: Also schleppe ich mich aus dem Raum heraus, folge dem Gang, sehe den Roboter, schieße ihn an und höre ihn mit seinem Warnruf anrollen. Ich platziere die Mine, ziehe mich sofort zurück und warte ... einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig - KRABUUUMMM! Der Blecheimer quietscht noch vorwärts, ich aktiviere das Zielsystem und hoffe, dass die drei Kugeln ausreichen, um ihm den Rest zu geben.                     
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Kommentare

oppenheimer schrieb am
derbeoida hat geschrieben: ?18.06.2020 17:45Für die kurze Zeit die Obsidian hier zur Verfügung stand, ist dass ein großes Kunststück.
Oh ja. Ich bin immer noch verblüfft, mit welcher Konsequenz man hier seinen eigenen Spielstil durchziehen kann und wieviele komplett unterschiedliche Charaktertypen man hier zocken kann.
Ob verstohlener Rasierklingenmörder, irrer alkoholabhängiger Sprengstoffmeister, computerhackender Laserwaffennerd, friedliebender Händler oder hinterhältiger Drecksack mit Silberzunge... es nimmt buildtechnisch einfach kein Ende und dennoch kann man das Spiel abschließen, selbst wenn man alles und jeden ermordet. Der Wiederspielfaktor ist astronomisch. Ich ziehe es persönlich selbst Fallout 2 vor.
Und für mich war es auch der letzte offizielle Fallout-Titel.
Das was Bethesda Fallout 4 nennt, hat eine toll gestaltete Welt, die den Erkundungsdrang weckt, ein schönes "environmental storytelling", recht solide shooter-Mechaniken, aber das wars auch schon.
Dass diese Marke bei Bethesda gelandet ist, dürfte einer der übelsten Treppenwitze dieser Industrie sein.
derbeoida schrieb am
Das einzig gute 3D Fallout, denn hier gibt es echte Fraktionen und echtes Rollenspiel. Für die kurze Zeit die Obsidian hier zur Verfügung stand, ist dass ein großes Kunststück. Klar, immer noch verbuggt und man merkt dem Spiel wohl an seinen Ecken und Kanten an, das schlichtweg Zeit gefehlt hat und dennoch ist es das beste 3D Fallout. Fallout 3 war was Geschichten erzählen, Quests und vor allem Rollenspielmechaniken angeht weit hinter FO:NV, von Fallout 4 brauchen wir gar nicht zu reden. Das FO:NV hier schlechter bewertet ist als Fallout 3 finde ich schon ziemlich seltsam, Bethesda hat nie richtig verstanden wie man ein ordentliches Rollenspiel macht, obwohl sie aus der Ecke kommen. Einzig das Weltdesign von Fallout 3 fand ich gelungener, aber die hatten ja auch deutlich mehr Zeit. Nur schade, dass The Outer Worlds, welches ja auf Umwegen in die Fußstapfen von FO:NV treten sollte, jedenfalls für mich, eine volle Enttäuschung war. So warte ich immer noch auf ein gutes neues Fallout oder wenigstens etwas Vergleichbares.
TheLaughingMan schrieb am
Aus gegebenem Anlass:
Bild
Wer hat auch schon mal rein geschnuppert?
Habe gestern noch den Prolog hinter mich gebracht, und bin schwer beeindruckt was die Jungs und Mädels von Radian-Helix Media hier erschaffen haben. Man merkt allerdings auch deutlich das sie die Gamebryo Engine komplett an die Grenzen treiben, da sind einige physische Fehler wohl nicht zu vermeiden.
JohnnyNice schrieb am
Wieder mal ein Beweis, dass die Redaktion von 4Players dilletantische Züge annimmt.
Was heißt "Karte nicht markierbar"? man konnte marker setzen wie im 3er Teil. Mehr ist auch nicht notwendig oder?
Und zu wenige Radiosender? Die Musikauswahl war deutlich größer als beim Vorgänger ..
Das ist kein GTA nur weil es auch open world ist.
Bin schon auf das Review vom 4er gespannt. Habs das ganze Wochenende gespielt und warte nur darauf mit was für lächerlichkeiten die "redaktion" diesmal daherkommt :lol:
Xris schrieb am
Wenn Bethesda ein Problem hat, dann sind es die lahmen Geschichten.
Das Problem von Bethesda ist das sie bis dahin Action RPG's gemacht haben und Fallout ein klassisches RPG war. Bethesda aber versucht haben ein post apokalyptisches TES daraus zu machen. Es hat sich iwie angefühlt wie TES mit Schusswaffen.
Und Obsidian ist eben Obsidian. Unter anderem ist der Gründer von Obsidian auch der ehemalige Chef der Black Isle Studios. Ich fand FNV deutlich besser als F3. Genaugenommen war für mich nach ca 15 Stunden die Luft raus (F3 ist gemeint). Eine schwache HQ die so ähnlich auch einem TES gut gestanden hätte. Aber wo ein TES dann seine Motivation aus einer größeren Spielwelt, zig Gilden und der Lore zieht. Bietet F3 nur eine Handvoll SQ's an die ebenfalls nicht besser unterhalten können als die langweilige HQ.
schrieb am

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