Final Fantasy 7 Remake - Test, Rollenspiel, PlayStation 4

 

Test: Final Fantasy 7 Remake (Rollenspiel)

von Benjamin Schmädig



Entwickler:
Publisher: Square Enix
Release:
10.04.2020
10.06.2021
Jetzt kaufen
ab 41,50€
Spielinfo Bilder Videos
Eine frei begehbare Kulisse bereist man vermutlich deshalb nicht, weil die Geschichte so unverändert erzählt wird, dass das Erreichen bestimmter Orte in einer vorgesehenen Reihenfolge unabdingbar ist. Das Remake erzählt ja nach wie vor davon, wie der Energiekonzern Shinra Raubbau am Planeten betreibt und eine Widerstandsgruppe namens Avalanche das verhindern will. Als Söldner und ehemaliger Shinra-SOLDAT (das wird als Eigenname tatsächlich so geschrieben) heuert ein gewisser Cloud bei Avalanche an, um im Handumdrehen zum Protagonisten und Helden der Rebellen zu avancieren – zumal sich ohnehin bald herausstellt, dass er schon lange knietief in dazugehörige Ereignisse verstrickt ist.

Um eine Krise reicher

Das ist übrigens ein Aspekt, den Square Enix bemerkenswert gut hinbekommt... Final Fantasy 7 ist ja längst mehr als ein 1997 erschienenes Spiel. Es umfasst inzwischen mehrere Ableger, Comics, das erwähnte Advent Children sowie ganz andere damit verbundene Projekte. Und Nomura bindet Teile davon auf äußerst geschickte Art in seine Neuauflage ein. Als großer Fan von Crisis Core hat mich eine fast unscheinbare, in dieser Form gänzlich unerwartete Szene etwa emotional voll erwischt. Andere Momente sind ähnlich gelungen. Der Spieleregisseur bereichert die Geschichte auf eine Art und Weise, dass sie selbst für Kenner des Originals ausgesprochen interessant ist.

Viele kleine Ergänzungen verleihen einzelnen Charakteren und auch der Geschichte mehr Farbe als das Original.
Viele Ergänzungen und Neuerungen verleihen einzelnen Charakteren und auch der Geschichte mehr Farbe als das Original.
Hinzu kommen viele Erweiterungen von Einzelheiten, die damals – wenn überhaupt – nur angerissen wurden. Dazu zählt gleich im ersten Abschnitt eine neue Erklärung für die unerwartet gewaltige Explosion, von der Teile der nahe des Reaktors wohnenden Menschen betroffen sind. Und das ist auch der Grund, aus dem es völlig richtig war, die Neuauflage in mehreren Teilen zu veröffentlichen. Was vor gut 23 Jahren in Dialogfenstern kurz beschrieben wurde, wird einer modernen Erzählweise ja in keiner Form gerecht. Nomura und seine Autoren geben dem Aufbau von Handlung und Charakteren deshalb mehr Raum, gehen tiefer ins Detail und lassen sich nicht zuletzt deshalb mehr Zeit, da sie heute viel mehr Filmszenen als damals verwenden können. Bemerkenswert finde ich dabei, dass Square Enix zwar nach wie vor auf vorberechnete Schnipsel zurückgreift, vieles aber in Echtzeit inszeniert. Unterschiede zu den Animationsfilmen fallen zwar nach wie vor auf, doch zahlreiche Einstellungen kommen auch dem sicherlich etwas älteren Advent Children erstaunlich nahe.

Viele Höhe, aber wenig Tiefe

Trotz kleiner Schwächen ist vor allem die vertikale Tiefe überzeugend. Midgar ist eine eindrucksvolle Kulisse!
Trotz kleiner Schwächen ist vor allem die vertikale Tiefe überzeugend. Midgar ist eine eindrucksvolle Kulisse!
Abgesehen davon schaut man nicht mehr von schräg oben auf schnell vorbeiziehende Render-Bilder, sondern sieht sich in Ruhe um. Man zieht durch die engen Gassen in den Slums der Rebellen, erkundet Schrottplätze, die Kanalisation oder das von grellen Leuchtstoffröhren erhellte Vergnügungsviertel und erblickt statt des Himmels nur die stählerne Konstruktion, auf der die ebenso luftige wie finstere Hauptstadt Midgar errichtet wurde. Manche Oberflächen sehen seltsam verwaschen aus, einige Details und Objekte tauchen erst spät auf und in der Ferne installiert Square Enix niedrig aufgelöste Bilder statt dreidimensionale Objekte – das raubt den Kulissen einen Teil ihrer Illusion. Die Höhenunterschiede werden aber überzeugend eingefangen und beschreiben anschaulich die gesellschaftlichen Verhältnisse. An einem beeindruckenden späteren Schauplatz habe ich mich sogar kaum satt sehen können.

An drei Orten darf man sich dabei  frei bewegen und den Bewohnern Gefallen erfüllen, bevor man weiterzieht. Weitläufig sind diese Umgebungen allerdings nicht, sondern lediglich ein paar Gassen breit. Hinzu kommen umliegende Areale, die aus ähnlich wenigen, wenn auch etwas längeren Gassen bestehen. Denn wie gesagt ist auch das Remake ein sehr geradliniges Abenteuer, in dem freies Erkunden keine nennenswerte Rolle spielt.

Kommentare

Kant ist tot! schrieb am
Ryan2k6 hat geschrieben: ?30.11.2020 09:40 ...
Spoiler
Show
Mir war beim Spielen halt gar nicht klar, dass es diese Metaebene gibt. Vom Original wusste ich ausschließlich, dass Aerith stirbt. Daher war ich die ganze Zeit auch davon ausgegangen, dass alles wie im Original sei. Erst nach dem Ende, dass bei mir viele Fragezeichen hinterlassen hatte, fing ich dann an, etwas zu recherchieren. Ich hatte auch erstmal keine Ahnung wer Zack ist und so. Von der Konzeption her finde ich das schon eine spannende Ausgangsposition jetzt. Zumal ich das bzgl. der Konsequenzen gar nicht so eng sehen würde, dass jetzt ein Charakter stirbt oder nicht - im Prinzip kann doch jetzt alles passieren, oder? Wobei sie sicherlich auch nicht komplett vom Sourcematerial weggehen werden...
Ryan2k6 schrieb am
Kant ist tot! hat geschrieben: ?29.11.2020 19:54
Spoiler
Show
Finde es auch mega spannend, was das Ende für den weiteren Storyverlauf bedeuten könnte. Generell sehr nice, wie da diese Metaebene implementiert wurde.
Spoiler
Show
Ich muss sagen der Teil im Labor hat sich ewig gezogen, fand ich sehr zäh, erst Recht mit dem ständigen Wechseln der Party und dem unangenehmen wechseln der Materia, das war im Original schon besser gelöst.
Spoiler
Show
Für mich ist das Ende so: Man hat gegen das Schicksal gekämpft und gesiegt, Zack hat den Kampf überlebt und jetzt wird die Story neu geschrieben, wer weiß was passiert. Vielleicht stirbt Aerith nicht, dafür jemand anderes?
Kant ist tot! schrieb am
Ryan2k6 hat geschrieben: ?19.11.2020 11:53 8 ist glaube ich etwas länger von der Story her, aber da man dort ja Kämpfen eher aus dem Weg geht wegen des Levelsystems der Gegner, kommt man da auch recht fix durch. 7 war auch mein erstes JRPG damals auf PSX.
Das mit dem System hatte ich damals auch nicht gecheckt und ziemlich viel gegrindet. Aber das ist ja auch kontraintuitiv, dass es dadurch schwerer wird...
Bin mit der 7 (Remake) jetzt durch und meine Meinung hat sich noch mal ganz schön ins Positive gewendet. Die letzten beiden Kapitel waren sowohl spielerisch als auch von der Story her ziemlich nice, ein Bossfight nach dem anderen. Mit dem Kampfsystem bin ich erst zum Ende richtig warm geworden, habe vorher einfach nicht genug rumprobiert, sondern mich immer nur durchgewurschtelt. Jetzt habe ich eigentlich sogar Bock, später noch einen Hard Mode Run zu machen.
Spoiler
Show
Finde es auch mega spannend, was das Ende für den weiteren Storyverlauf bedeuten könnte. Generell sehr nice, wie da diese Metaebene implementiert wurde.
Ryan2k6 schrieb am
8 ist glaube ich etwas länger von der Story her, aber da man dort ja Kämpfen eher aus dem Weg geht wegen des Levelsystems der Gegner, kommt man da auch recht fix durch. 7 war auch mein erstes JRPG damals auf PSX.
Kant ist tot! schrieb am
Ryan2k6 hat geschrieben: ?19.11.2020 09:10
Ist bei mir ganz anders, die Teile 7-9(10) spiele ich alle paar Jahre noch mal durch, Teil 7 fast jedes Jahr. Dadurch, dass sie mich damals so umgehauen haben, finde ich sie auch heute noch gut spielbar, außer das Drawsystem halt, aber da gibts ja Lösungen. Und bei 9 nerven diese Clowns ziemlich. Ist aber sonst was ganz besonderes für mich, weil ich das damals für ein Schweinegeld aus den USA importiert habe um es früher spielen zu können. Und Vivi ist einer meiner absoluten Lieblingscharaktere.
Super Mario mochte ich noch nie, das würd ich heute also auch nicht spielen :D
So zeitaufwändig sind die alten Spiele auch gar nicht, wenn man nicht alles 100% machen muss. FF7 dauert bei mir üblicherweise so 30 Stunden...da ist jeder Ubisoft Titel heute mehr. Ohne RPG zu sein. :D
30 Stunden klingt ja echt fix. Bei der 8 hatte ich den ersten Run nach 55h abgebrochen und den zweiten nach noch deutlich mehr. Aber das dürfte auch mein erstes richtiges JRPG gewesen sein, wenn man jetzt mal Pokemon außen vor lässt.
schrieb am