Final Fantasy 7 Remake - Test, Rollenspiel, PlayStation 4

 

Test: Final Fantasy 7 Remake (Rollenspiel)

von Benjamin Schmädig



Entwickler:
Publisher: Square Enix
Release:
10.04.2020
10.06.2021
Spielinfo Bilder Videos
Nun wäre das gar kein Problem – würde man auf interessante Charaktere treffen bzw. deren gut geschriebene Geschichten erleben oder gäbe es wenigstens spielerische Anreize die Gassen zu erkunden. Doch nichts davon ist der Fall. Alle Auftraggeber sind von Beginn an markiert, Kisten immer nur ein paar Meter in die „falsche“ Richtung entfernt und fast alle Nebenaufgaben, die man erledigen darf, bestehen aus profanem „Ich suche dringend“, „Diese Ratten stören mein Geschäft“ oder „Wo sind die Kinder nur geblieben?“. Die jeweilige Erklärung ist eher ermüdend statt unterhaltsam, das alberne Verhalten mancher Personen mehr anstrengend als sympathisch. Kleine Minispiele lockern den Ablauf zwar gelegentlich auf, sind im Grunde aber einmalige Aktionen ohne nennenswerten Wiederspielwert.

Liebenswerte Theatralik

Und das ist denn auch einer der zwei Gründe, die es mir lange schwer machten überhaupt in dieses Spiel zu finden: Für mein Empfinden sind sowohl die filmische als auch die interaktive Erzählweise über weite Strecken regelrecht anstrengend. Was hauptsächlich daran liegt, dass Nomura seine Spieler mit dem Zaunpfahl in die Welt um Shinra, Cloud & Co. einführt. So erklären Begleiter stets in aller Ausführlichkeit, was im Grunde längst ersichtlich ist, oder plappern in voller Länge aus, was man durch interaktives Erleben hätte selbst erkennen können. Wirkt Letzteres in anderen Spielen sehr vereinnahmend, da der Kopf ins Geschehen gezogen wird, lässt Nomura so viel Eigeninitiative gar nicht zu. Stattdessen wird die Kamera beim Betreten vieler Räume mehrere Sekunden lang dorthin gedreht, wo sich ohnehin das einzige, meist klar erkennbare Ziel befindet. Ständig übernehmen Filmsequenzen kurz die Steuerung, während Aerith zum X-ten Mal mit ihren Trademark-Blick frontal in die Kamera starrt oder Barret irgendjemanden anschreit, weil er ja so wütend auf Shinra ist. Das hätte man sonst nie herausbekommen!

Nichts gegen die liebenswerte Naivität japanischer Theatralik. Und mir ist durchaus bewusst, dass sich vieles hier an jene richtet, die das schon damals Kitschige noch mal in technisch hochkarätiger Form erleben wollen. Es ist nur einfach zu viel. Es ist auf Dauer vor allem unnötig und spätestens dort anstrengend, wo es keinen Sinn ergibt – wenn sich Barret etwa mitten in der wichtigsten Mission noch ein Funkgerät schnappt, um einen Gegner anzubrüllen, anstatt wie geplant heimlich weiter zu schleichen. Emotional hatte mich das Spiel in solchen Momenten komplett verloren.

Leider übertreibt es Regisseur Nomura mit einigen seiner ikonischen Einstellungen.
Leider übertreibt es Regisseur Nomura mit einigen seiner ikonischen Einstellungen.
Hinzu kommt übrigens, dass manche Dialoge plötzlich so leise sind, dass sie im Soundtrack untergehen, obwohl die restliche Abmischung absolut sauber ist. Im Gegenzug gefallen mir neben dem japanischen Original dafür die Synchronstimmen, und zwar sowohl die englischen als auch die deutschen. Erstere sind zwar wesentlich näher am Original, während Letztere den Charakter einiger Figuren recht stark verändern. Für sich genommen ist die Lokalisierung bis auf gelegentliche Aussetzer aber angenehm hochwertig.

ATB

Der zweite große Grund, aus dem sich das Remake zunächst schwer tat, ist das Kampfsystem – obwohl es sich grundsätzlich um eine gelungene Variante des Echtzeit-Runden-Cocktails handelt! Immerhin wechselt man nicht nur jederzeit zu einer beliebigen am Kampf teilnehmenden Figur, sondern wählt von überall aus auch alle gerade verfügbaren ATB-Aktionen aus. Dazu zählen Zauber ebenso wie das Benutzen von Gegenständen und Ausführen starker Spezialangriffe. Um ein Gefecht zu gewinnen, sind diese Aktionen absolut unverzichtbar.

Kommentare

Kant ist tot! schrieb am
Ryan2k6 hat geschrieben: ?30.11.2020 09:40 ...
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Mir war beim Spielen halt gar nicht klar, dass es diese Metaebene gibt. Vom Original wusste ich ausschließlich, dass Aerith stirbt. Daher war ich die ganze Zeit auch davon ausgegangen, dass alles wie im Original sei. Erst nach dem Ende, dass bei mir viele Fragezeichen hinterlassen hatte, fing ich dann an, etwas zu recherchieren. Ich hatte auch erstmal keine Ahnung wer Zack ist und so. Von der Konzeption her finde ich das schon eine spannende Ausgangsposition jetzt. Zumal ich das bzgl. der Konsequenzen gar nicht so eng sehen würde, dass jetzt ein Charakter stirbt oder nicht - im Prinzip kann doch jetzt alles passieren, oder? Wobei sie sicherlich auch nicht komplett vom Sourcematerial weggehen werden...
Ryan2k6 schrieb am
Kant ist tot! hat geschrieben: ?29.11.2020 19:54
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Finde es auch mega spannend, was das Ende für den weiteren Storyverlauf bedeuten könnte. Generell sehr nice, wie da diese Metaebene implementiert wurde.
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Ich muss sagen der Teil im Labor hat sich ewig gezogen, fand ich sehr zäh, erst Recht mit dem ständigen Wechseln der Party und dem unangenehmen wechseln der Materia, das war im Original schon besser gelöst.
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Für mich ist das Ende so: Man hat gegen das Schicksal gekämpft und gesiegt, Zack hat den Kampf überlebt und jetzt wird die Story neu geschrieben, wer weiß was passiert. Vielleicht stirbt Aerith nicht, dafür jemand anderes?
Kant ist tot! schrieb am
Ryan2k6 hat geschrieben: ?19.11.2020 11:53 8 ist glaube ich etwas länger von der Story her, aber da man dort ja Kämpfen eher aus dem Weg geht wegen des Levelsystems der Gegner, kommt man da auch recht fix durch. 7 war auch mein erstes JRPG damals auf PSX.
Das mit dem System hatte ich damals auch nicht gecheckt und ziemlich viel gegrindet. Aber das ist ja auch kontraintuitiv, dass es dadurch schwerer wird...
Bin mit der 7 (Remake) jetzt durch und meine Meinung hat sich noch mal ganz schön ins Positive gewendet. Die letzten beiden Kapitel waren sowohl spielerisch als auch von der Story her ziemlich nice, ein Bossfight nach dem anderen. Mit dem Kampfsystem bin ich erst zum Ende richtig warm geworden, habe vorher einfach nicht genug rumprobiert, sondern mich immer nur durchgewurschtelt. Jetzt habe ich eigentlich sogar Bock, später noch einen Hard Mode Run zu machen.
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Finde es auch mega spannend, was das Ende für den weiteren Storyverlauf bedeuten könnte. Generell sehr nice, wie da diese Metaebene implementiert wurde.
Ryan2k6 schrieb am
8 ist glaube ich etwas länger von der Story her, aber da man dort ja Kämpfen eher aus dem Weg geht wegen des Levelsystems der Gegner, kommt man da auch recht fix durch. 7 war auch mein erstes JRPG damals auf PSX.
Kant ist tot! schrieb am
Ryan2k6 hat geschrieben: ?19.11.2020 09:10
Ist bei mir ganz anders, die Teile 7-9(10) spiele ich alle paar Jahre noch mal durch, Teil 7 fast jedes Jahr. Dadurch, dass sie mich damals so umgehauen haben, finde ich sie auch heute noch gut spielbar, außer das Drawsystem halt, aber da gibts ja Lösungen. Und bei 9 nerven diese Clowns ziemlich. Ist aber sonst was ganz besonderes für mich, weil ich das damals für ein Schweinegeld aus den USA importiert habe um es früher spielen zu können. Und Vivi ist einer meiner absoluten Lieblingscharaktere.
Super Mario mochte ich noch nie, das würd ich heute also auch nicht spielen :D
So zeitaufwändig sind die alten Spiele auch gar nicht, wenn man nicht alles 100% machen muss. FF7 dauert bei mir üblicherweise so 30 Stunden...da ist jeder Ubisoft Titel heute mehr. Ohne RPG zu sein. :D
30 Stunden klingt ja echt fix. Bei der 8 hatte ich den ersten Run nach 55h abgebrochen und den zweiten nach noch deutlich mehr. Aber das dürfte auch mein erstes richtiges JRPG gewesen sein, wenn man jetzt mal Pokemon außen vor lässt.
schrieb am