Death Stranding - Test, Action-Adventure, PlayStation 4

 

Test: Death Stranding (Action-Adventure)

von Jörg Luibl



Entwickler:
Release:
14.07.2020
08.11.2019
Erhältlich: Digital (Epic Games Store), Einzelhandel
Erhältlich: Digital (PSN), Einzelhandel
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Online-Vernetzung

Sehr gelungen ist die bereits öfter erwähnte Online-Vernetzung mit anderen Spielern. Und gleich vorweg: Sie ist komplett optional, ihr könnt sie jederzeit deaktivieren. Aber wenn ihr euch verbindet, habt ihr mehr Möglichkeiten der Interaktion, ohne dass eure Welt von anderen Spielern geflutet wird – ihr seht nur ihre Konstruktionen. Auf der einfachsten Ebene kann man ähnlich wie in Dark Souls Hinweise zu Wegen, Gefahren oder Beute geben, indem man Schilder mit Symbolen aufstellt. Läuft man durch diese hindurch, regeneriert sich übrigens die Ausdauer. In vernetzten Regionen kann man aber auch die Konstruktionen der anderen Spieler nutzen, sie gemeinsam errichten oder sich so verbinden, dass beide davon profitieren – wie eine Kooperation verwandter Seelen, die sich nicht sehen.

Das System der Likes, die wie Erfahrungspunkte summiert werden, habe ich zunächst nicht gemocht: Man kann sowohl Dinge wie Schilder oder Gebäude von anderen Spielern beklatschen, indem man das Touchpad drückt – und man bekommt selbst Likes, sowohl von Online-Spielern als auch und wesentlich mehr von NSC-Charakteren. Aber Kojima spielt bewusst mit diesem digitalen Phänomen: Die Versessenheit auf und Abhängigkeit von diesem Feedback ist genauso ein Thema innerhalb der Story wie die Liefersucht der MULEs, die einfach jedes Paket haben müssen und so von friedlichen Boten zu aggressiven Banditen mutierten. Ein nettes Detail übrigens, das die Konsequenz im Spieldesign zeigt: Betritt man ihre Gebiete ohne Fracht, lassen sie einen komplett in Ruhe.

Gesellschaftskritik und Lösungen

Man freut sich, wenn man den Rucksack modifizieren darf.
Man freut sich, wenn man den Rucksack modifizieren darf.
Die Gesellschaftskritik ist nicht nur politisch in klaren Seitenhieben auf Trumps Amerikas erkennbar, sondern auch sozial in diesem überzeichneten Verhalten immer spürbar. Aber zum einen verteufelt Kojima diese menschlichen Psychosen nicht per se, sondern definiert den Like quasi als kleinste digitale Zuspruchseinheit, einen ersten Schritt aus der Isolation heraus, um Zusammenhalt zu stärken. Man muss im Spiel keinen einzigen Like absetzen! Mit der Zeit habe ich jedoch verstanden, dass dieses digitale Prinzip genau das Richtige für dieses Abenteuer war, in dem sich Menschen ja kaum noch körperlich begegnen.

Auch das eigene private Quartier bekommt Zuwachs.
Auch das eigene private Quartier bekommt Zuwachs.
Hideo Kojima spielt nicht den Moralapostel: der Trotz sowie das Misstrauen von Sam gegenüber all den Vereinigungsversuchen der UCA, die sich als das moralisch Gute definieren, um Amerika und damit die Welt zu retten, kommt ja hinzu – man fühlt sich total überwacht in der neuen Vernetzung. Die Story nährt selbst nach zig Stunden noch das Misstrauen gegenüber dieser Kampagne. Aber wenn man online spielt und in einer verflixt heiklen Situation, mitten im Zeitregen von GDs verfolgt, plötzlich eine Leiter eines anderen Spielers sieht, die einen retten kann, dann ist man wirklich dankbar. Zumal die Likes irgendwann ebenso normal wie unheimlich werden, weil sie selbst in kleine Aktionen verwoben sind: Man bekommt sie, wenn man E-Mails der NSC liest und selbst von BB, wenn man sich im Spiegel fotografiert. Dieses Spiel propagiert die Vernetzung, die es selbst in sich trägt. Hier gibt es eine wunderbare Symbiose zwischen Erzähltem und Erspieltem – also nicht den klassischen Bruch zwischen Storytelling und Spieldesign.

Kommentare

Ryan2k6 schrieb am
Ich habs gestern beendet. Nur das Nötigste gemacht und auf sehr einfach gespielt. Die Story, die Welt, die Atmosphäre war Kojima typisch sehr gut. Die Schauspieler auch echt gut, obwohl ich ein paar Mal ziemlich im uncanny valley war, gerade bei Mama. Aber auch da sehr hochwertig für einen PS4 Port.
Mit dem Gameplay konnte ich leider nicht viel anfangen und habs deswegen gerusht, vor allem Kapitel 3 und 7 haben mich genervt. Und natürlich Episode 10...uff.
Aber am Ende fand ich es trotzdem ein klasse Kojima Spiel.
Noch einige Fragen zum Ende:
Spoiler
Show
1. Wer sind diese 5? "Personen" die an Sams Strand in der Luft schweben? Das Team?
2. Ich dachte lange, dass BB Sam selbst ist, aber am Ende dachte ich dann, dass Sam zwar ein BB war aus dem man was anderes gemacht hat, aber Lou dann einfach nur ein anderes BB war und die Flashbacks beim verbinden mit Lou, waren die von Sam selbst. Passt das so?
3. WTF is denn ne EE? Ein von Gott gesandtes Wesen? Gab es damals auch ne Dino EE? Apropos Dino, woher hatten sie die Farbfotos eines Dinos mit dieser Nabelschnur?
Hab das alles mit Typisch Kojima abgetan. :D
gEoNeO schrieb am
Ich habe mir vor ca. 2 Monaten die PS4 Pro gekauft, zwecks wenig Interesse an der next-Gen und dazu, zu einen guten Preis. Ich spiele seit etwas 2 Wochen Death Stranding und kann nicht aufhören dieses Spiel zu spielen. Es hat mich absolut in seinen Bann verschlossen. Die Immersion ist der Hammer. Die Musik, die Charakter, die Welt mit ihren facettenreichen Landschaften, die geniale Musik, alles verschmilzt in Death Stranding so genial Miteinander. Ich bin bei Kapitel 2 und habe schon 25h auf den Tacho und spüre weder langweile, oder sonst etwas. Selbst Dinge die ich in andere spiele überhaupt nicht mag, funktionieren hier komischerweise wunderbar. Die Knotenpunkten musste ich auf 5 Sterne bringen, da ich hier bei Death Stranding unbedingt alles machen wollte. Ich weiß, dass dieses Spiel extrem polarisiert und einige es überhaupt nicht nachvollziehen können, aber für mich ist es Balsam für die Seele. Endlich traut sich jemand etwas, was sich nicht der Maße biegen möchte und nimmt sich Zeit. Ich muss aber auch gestehen, dass ich abgedrehte spiele/Filme sehr schätze und teils liebe. Eine Anekdote zu Blade Runner 2049: Als ich im Kino saß und mir den Film genüsslich reinzog, merkte ich im Saal, wie die Leute vor Langeweile auf das Handy starrten. Was mir signalisiert, dass er für einige einfach zu lange ist, oder er eben nicht viel Action bietet Deshalb kann ich viele verstehen, wenn sie mit diesen angeblichen ?DHL Simulator? nichts anfangen können. Für mich jetzt schon ein Klassiker und Lieblingsspiel der letzten Jahrzehnten. Danke Jörg für den Test, auch wenn ich einige Jahre später hier reinschreibe.
sourcOr schrieb am
Wegen toller Synchro soll Jörg ne hohe 70 zücken? :D
AkaSuzaku schrieb am
ZELDAfanboy18 hat geschrieben: ?14.07.2020 15:20 Also ich bin hin- und hergerissen, ob ich weiter machen soll. Langeweile mich bis jetzt echt mega bei dem Game (Mission 12) aber die Atmosphäre is mega. Gameplay ist aber bis jetzt echt mangelhaft. Wird es noch besser? Lohnt sich das Durchhalten? Oder alternativ eine Zusammenfassung bei Youtube schauen? Story scheint interessant zu sein.
Für mich bis jetzt total überbewertet wie Shadow of the Colossus (wäre bei mir eher 87/100) und Last Guardian (wäre bei mir eher 70/100).
Bei Letzteren beiden sehe ich das nicht anders, Death Stranding wird für mich aber schon seiner Wertung gerecht. Letztendlich ist aber ja immer die Frage entscheidend, inwiefern man sich auf gewisse Spielmechaniken einlassen kann.
Zu deiner Frage: Ahti scheint davon auszugehen, dass du Kapitel 12 meinst, wenn dem so ist, kann ich nur auf seinen Kommentar verweisen. Solltest du Auftrag Nr. 12 meinen, also noch ganz am Anfang sein: Das war tatsächlich der bislang für mich langweiligste Abschnitt im Spiel. Kurz darauf schoss die Motivation aber aufgrund neuer Mechaniken in ungeahnte Höhen. (Ca. ab Auftrag Nr. 14). Ich kann daher nur dringend dazu raten dem Spiel mal noch vier, fünf Stunden zu geben.
Wenn es dann immer noch nicht passt, würde ich tatsächlich empfehlen abzubrechen.
schrieb am

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