The Wonderful 101: Remastered - Test, Action-Adventure, PlayStation 4, Nintendo Switch

 

Test: The Wonderful 101: Remastered (Action-Adventure)

von Matthias Schmid



The Wonderful 101: Remastered (Action-Adventure) von Platinum Games
Zweite Chance für irre Superhelden
Entwickler: Platinum Games
Publisher: Platinum Games
Release:
22.05.2020
22.05.2020
22.05.2020
Spielinfo Bilder Videos

Devil-May-Cry-Erfinder Hideki Kamiya und Okami-Macher Atsushi Inaba ließen 2013 ein verrücktes Helden-Inferno auf die Wii U los - nur hat das kaum jemand gezockt. Jetzt erhält der quirlige Action-Cocktail eine zweite Chance. Wie schlägt sich die bunte Truppe in der Remastered-Version?

 



Talent-Fusion

Das japanische Entwicklerstudio Platinum Games genießt einen herausragenden Ruf unter eingefleischten Spiele-Fans - und eigentlich ist das keine Überraschung. Denn das 2007 gegründete Team ist vergleichbar mit einer Supergroup im Musikbereich: Neben Resident-Evil-Erfinder Shinji Mikami waren Hideki Kamiya und Atsushi Inaba die prominenten Gründungsmitglieder. Beide haben nicht nur eine gemeinsame Capcom-Geschichte, sondern auch einen für ihr junges Alter - Kamiya war bei der Platinum-Gründung 37, Inaba 36 - erstaunlichen Software-Katalog fabriziert: Kamiya arbeitete bereits an den ersten beiden Resident-Evil-Spielen mit, startete mit Devil May Cry so richtig durch, schob das gefeierte Viewtiful Joe nach, war mitverantwortlich für Okami und lieferte, schon als Teil von Platinum Games, mit Bayonetta sein Meisterstück ab. Inabas Karriere begann mit Pixeln: Bei Irem arbeitete er an der R-Type-Serie, nach einem unbefriedigenden Abstecher zum Metal-Slug-Studio Nazca zog es ihn zu Capcom - um Teil des Resident-Evil-Teams zu werden. Daraus wurde zwar nichts, doch wichtige Rollen bei Devil May Cry, Steel Battalion, Viewtiful Joe, Okami und God Hand sollten den sympathischen Japaner mit der Wuschelfrisur entschädigen; auch bei Platinums Fan-Lieblingen wie Mad World, Metal Gear Rising oder Vanquish taucht sein Name in den Credits auf.

Muss man mögen: Stil und Humor der Heldentruppe sind eigenwillig.
Muss man mögen: Stil und Humor der Heldentruppe sind eigenwillig.
2013 kam es zu einer besonderen Zusammenarbeit: In ihren Lieblingsrollen - Kamiya als Director, Inaba als Producer - ließen die beiden ein schwer einzuordnendes und kommerziell geflopptes Actionspiel auf Nintendos Wii U los. The Wonderful 101 inszeniert eine Superhelden-Klamotte mit knallbunter Polygongrafik - das Spiel sieht auf den ersten Blick aus wie eine Kamiya-Variante von Miyamotos Strategie-Hit Pikmin. Wusel-Faktor und Kamera-Perspektiven mögen zwar ähnlich sein, in der Praxis entpuppte sich The Wonderful 101 aber als lupenreines Hack’n’Slay-Feuerwerk, das durchaus eine inhaltliche Nähe zu Bayonetta & Co. aufweist - 4P-Tester Mathias war verzückt! Damit dieses einzigartige Videospiel nicht länger in der Software-Bibliothek der wie ein Stein versunkenen Wii U verschimmelt, lancierte Platinum Games im Februar eine Kickstarter-Kampagne für die Remastered-Version. Die brachte, obgleich nur als Testballon lanciert, um das Kundeninteresse abzuchecken, über zwei Millionen Euro ein. Kaum drei Monate später erscheint The Wonderful 101: Remastered für PS4, Switch und den PC - ich habe mir die beiden Konsolenfassungen genau angeschaut.

Technische Unterschiede

Wilde Action: Wenn 100 Figürchen wuseln und zuschlagen, ist immer etwas geboten.
Wilde Action: Wenn 100 Figürchen wuseln und zuschlagen, ist immer etwas geboten.
Inhaltlich erwartet euch dasselbe Spiel wie auf Wii U - weshalb ich euch unseren ausführlichen Test aus dem Jahr 2013 ans Herz legen kann. Ein Alleinstellungsmerkmal von The Wonderful 101 fällt in der Remastered-Variante natürlich flach: Das Zeichnen auf dem Touchscreen des Wii-U-Pads. Dies lösen beide Konsolen auf unterschiedliche Weise: Switch-Besitzer können im Handheld-Modus mit dem Finger die Eingaben zeichnen - allerdings wird dann natürlich stets ein Teil der Action von eurer Hand verdeckt. PS4-Zocker verwenden das Touchpad des Controllers - und ärgern sich, dass das nur sehr unzureichend funktioniert. Auf beiden Plattformen ist es zudem möglich, den zweiten Screen per Bild-im-Bild-Option einzublenden oder nebeneinander anzuordnen (mit schwarzen Balken oben und unten). Bei letzterer Variante ist gar das stufenlose Skalieren der Größenverhältnisse der beiden Screens möglich. Allerdings wird dieses Feature nicht nur schlecht erklärt und ist angesichts der turbulenten Action fast unbrauchbar, die Bild-im-Bild-Variante funktioniert zudem auch technisch nicht gut. Immer wieder verdrückt man sich oder bekommt gerade nicht die Screen-Überlappung, die man eigentlich wollte.

Zoomt man nicht zu nahe heran, kann sich der farbenfrohen Comic-Look der Welt auch 2020 noch sehen lassen.
Zoomt man nicht zu nahe heran, kann sich der farbenfrohe Comic-Look der Welt auch 2020 noch sehen lassen.
Dass dies nicht zu einer dramatischen Minderung der Spielqualität führt, hat einen Grund: Schon in der Wii-U-Fassung konnte man die Zeichen-Kommandos (zu ihrer Funktion im Spiel gleich mehr) per rechtem Analogstick vollführen - das funktioniert ordentlich und ist in der Hektik mitunter sogar schneller als die Stylus-Eingabe. In grafischer Hinsicht geben sich PS4- und Switch-Fassung nichts: Beide Versionen laufen richtig gut und die bunte Optik ist schärfer als damals. Gerade in den Nahaufnahmen der Figuren und Feinde wird zwar deutlich, dass Platinum Games schon 2013 nicht die Grafik-Könige waren - doch in der eigentlichen Spielperspektive hinterlässt der Titel auch heute einen sauberen, ansehnlichen Eindruck.

Kommentare

Rooster schrieb am
Tatsächlich das einzige Platinum Spiel mit dem ich nicht warm geworden bin. Hat für mich auch nach mehreren Anläufen einfach nicht funktioniert. Aber trotzdem schön das der Platinum Backkatalog gepflegt wird. Ist einfach eine tolle Action-Schmiede :-)
Cytasis schrieb am
Bachstail hat geschrieben: ?
15.05.2020 12:34
just_Edu hat geschrieben: ?
15.05.2020 10:07
Kann mir das einer mal plausibel erklären, wo bitte passt persönliche Enttäuschung in das Ganze?
Weil ein großer Konzern wie PG es offenbar nötig hat, Kickstarter zum Finanzieren zu nutzen, obwohl er das Spiel locker auch selbst finanzieren könnte, zumal man sich ja kurz vorher einen Geldgeber mit Tencent geangelt hat.
Des Weiteren war, wenn ich mich recht erinnere, das Goal für den Switch-Port so niedrig, dass man davon ausgehen konnte, dass das Spiel nahezu fertig portiert war und man mit dem Kickstarter nur noch schnell ein wenig was einnehmen wollte, das finde ich persönlich also alles andere als einen feinen Zug und schließe mich der Enttäuschung an.
Persönlich angegriffen fühle ich mich übrigens nicht, ich finde es lediglich schade.
Kann man natürlich annehmen, aber ohne die Hintergründe zu wissen begiebt man sich auf etwas dünnes Eis denke ich. Trotzdem sah für mich der Trailer zumindest so aus, als hätten sie es ein wenig nötig gehabt :D (nix gegen P+).
Das Spiel hat mich damals schon nicht intressiert, freut mich aber für die Leute die es jetzt auf switch zocken können. Auf Pc kann man es dank Emulator aber auch schon lange zocken, weiss jetzt nicht ob die remaster da lohnen würde. Dank der hochskaliuerung sieht das ding sogar noch besser aus als auf der wii-u.
Spiritflare82 schrieb am
Also mehr ein Port als remastered...da hats sichs Platinum wohl einfach gemacht. Hatte das Spiel auf der WiiU, zu lang und das Kampfsystem ist mir zu technisch gewesen, aber witzig ist das Game schon.
Lucfake. schrieb am
Das ist auch eines dieser Spiele, die mir auf der Wii U durch die Lappen gegangen sind. Sehr schön, dass ich das nun auf der Switch nachholen kann. Wobei ich noch einen guten Stapel an Spielen abarbeiten muss. Man, ich wünschte, ich hätte mehr Zeit für die ganzen Spiele...
mariofreak schrieb am
Der Chris hat geschrieben: ?
16.05.2020 12:40
Ich behaupte nicht, dass diese Kickstarter-Kampagne jetzt irgendwie das Schlimmste ist was in der Menschheitsgeschichte geschehen ist. Meine Aussage war lediglich, dass die ganze Aktion in meinen Augen reichlich lächerlich ist. Punkt 1 ist, dass sie einfach (wie andere es vor ihnen auch schon versucht haben) Kickstarter für etwas hergenommen haben, wofür es eigentlich nicht gedacht ist und mein Punkt 2 geht damit einher, dass wir jetzt irgendwie 2 oder 3 Monate nach Auslauf der Kickstarter Kampagne schon den fertigen Port haben und ich mich ernsthaft frage warum man dafür den ganzen Aufriss macht. Sie hätten es einfach tun sollen ohne dieses ganze Gewese und dann wär das mMn auch gut gewesen. Jetzt im Nachhinein find ich es halt einfach hochgradig albern mit leichtem Beigeschmack.
Ich hab bei Platinum übrigens nie von einem Konzern gesprochen. So hoch will ich es nicht aufhängen. Aber Fakt ist auch, dass Platinum lange keine kleine Klitsche mehr ist, auch wenn es sicherlich größere Studios geben mag. Offensichtlich haben sie jetzt für den Zeitraum dieses Projekts 5 (!) interne Mitarbeiter (von wie vielen? 250, 260?) für die Zeit von wenigen Monaten gebunden. Also ich würde mal die steile These aufstellen, dass es meine Firma nicht in den Ruin treiben würde, wenn ich und 4 andere Kollegen ein (gewinnorientiertes) Projekt mit sicherem Ausgang über so einen schmalen Zeitraum starten würden. Das würde auch Platinum verkraften, selbst wenn der Port am Ende scheitern sollte und das Ding nie released wird.
Ich hab es anfangs nicht ganz so problematisch gesehen, weil ich fest davon ausgegangen war, dass der Port irgendwie aufwändiger ausfallen würde und weil es nachgewiesenermaßen auch jetzt kein Megaseller wird. Ich dachte es wäre ein Projekt, das tatsächlich finanziell abgesichert werden müsste. Für mich war klar, dass man da bei Platinum irgendwie ein Jahr dran werkeln muss. Aber davon kann ja nicht mehr wirklich die Rede...
schrieb am