Resident Evil Village - Test, Action-Adventure, PC, PlayStation 5, Xbox Series X

 

Test: Resident Evil Village (Action-Adventure)

von Jörg Luibl



Resident Evil Village: Capcoms explosive Horror-Show
Capcoms Horror-Show
Entwickler:
Publisher: Capcom
Release:
07.05.2021
07.05.2021
07.05.2021
07.05.2021
07.05.2021
07.05.2021
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Drei Jahre nach den Ereignissen von Resident Evil 7 wird die Geschichte von Ethan Winters fortgeführt. Diesmal geht es nach Rumänien, wo er zusammen mit seiner Frau Mia und ihrem Baby Rosemarie lebt. Dort will er das Grauen rund um die durchgeknallten Hillbillies und die mysteriöse Pilzinfektion vergessen. Aber die europäische Idylle währt nicht lange: Das Kind wird entführt und Capcom öffnet den Vorhang für eine Horror-Show der bizarren Art. Wie uns der Trip gefallen hat, verrät der Test.

Achterbahnfahrt der Motivation

Wie viele unterschiedliche Spiele und Motive habe ich in diesem Resident Evil Village erlebt? Wie viele Höhen und Tiefen? Gerade zu Beginn war einiges gut, motivierend oder sogar hitverdächtig. Doch dann wird man Stück für Stück ernüchtert oder traut seinen Augen im letzten Drittel nicht. Wenn ich hoffe (!), dass ein Spiel nach dem letzten Boss bitte nicht noch weiter geht, wenn ich einen Test derart kritisch beginne, anstatt mit einer stimmungsvollen Szene anzufangen, dann sagt das viel über die Regie aus, über die ich einfach nur den Kopf schütteln kann.

Das Spiel beginnt im Zuhause der Winters: Ethan bringt Baby Rose zu Bett... (PC)
Das Spiel beginnt friedlich im Zuhause der Winters: Ethan bringt Baby Rose zu Bett... (PC)
Warum sollte ich mich ihr im Aufbau dieser Kritik anpassen? Warum schön chronologisch zwei Seiten mit Positivem beginnen, nur um dann alles stückweise einzureißen? Nix da. Ein Test ist nicht dazu da, schön einzustimmen - dafür gab es die Demo. Außerdem sitzt die Enttäuschung zu tief, zumindest bei uns Veteranen in der Redaktion, die alles ab Alone in the Dark und Resident Evil an begleitet haben. Ich hab mit Micha, der Resident Evil 7 immerhin mit hohem Gold (!) ausgezeichnet hat, diesen zehnten Teil zusammen gezockt. Wir waren uns nach dem Finale einig, dass vor allem das plumpe letzte Drittel ein schlechter Scherz ist. Und weil uns das so nachhängt, gibt es hier auch sofort Tacheles statt szenisches Kinoflair.

Potenziale blitzen auf, Resi 4 lässt grüßen

Als die Ereignisse eskalieren, rettet sich Ethan in ein Dorf. (PC)
Als die Ereignisse eskalieren, rettet sich Ethan in ein Dorf, das mit Friedhof, Kirche und Schloss im Hintergrund einiges an Dracula-Potenzial zu bieten hat. Aber um den Fürst der Vampire und seine Schar geht es in Resident Evil Village nicht...(PC)
Das ist ja deshalb alles so ärgerlich, weil dieses Spiel mit dem rumänischen Schauplatz und dem prächtig designten Dorf durchaus Potenzial zeigt! Die Regie konnte mich über zwölf bis vierzehn Stunden zunächst ködern, aber hat mich dann hoffnungslos verloren - das war wie eine qualitative Rutsche. Capcom sollte sich ernsthaft fragen, warum der Spaß mit dem Geballer und den Stilbrüchen gegen Ende immer so abflaut. Und warum sie damit erneut den Anschluss an faszinierenden Horror verlieren, der schon in Zeiten von F.E.A.R. und Dead Space selbst mit viel Action wesentlich besser war. Sie finden einfach keine Linie im Spieldesign, keine Konstanz oder gar Entwicklung. Hier die letzten Jahre, dieses Auf und Ab, im Schnelldurchgang: Resi 5: sehr gut, Resi 6: ausreichend, Resi 7: sehr gut, Resi 8: befriedigend. Dass man noch solides Niveau erreichen konnte, das sollen die folgenden Seiten erläutern.

...auch wenn Lady Dimitrescu alle Merkmale einer Blutsaugerin in sich vereint. (PC)
...auch wenn Lady Dimitrescu alle Merkmale einer mächtigen Blutsaugerin in sich vereint. Sie ist gerade zu Beginn der Star des Spiels. (PC)
Die Ironie dieser Geschichte ist ja, dass Capcom gerade an Resi 4 anknüpft - das ich damals mit Platin gefeiert habe und das für mich mit dem mutigen Spieldesignwechsel der letzte große Tusch innerhalb einer Reihe war, die seitdem auf der Suche nach der Faszination  des Schreckens ist. Nur darf man nicht vergessen: Diese Begeisterung entstand im Kontext einer anderen Zeit, anderer Spiele - auch der actionreiche Horror hat sich seitdem entwickelt, so dass ich die Wertung heute nicht mehr geben würde.

Trotzdem hatte Resi 4 damals einen Nerv getroffen und für packende Unterhaltung gesorgt, die man heutzutage mit angepassten Spieldesign, Technik und Tempowechseln verbessern könnte - das war zumindest meine naive Hoffnung. Zu Beginn riecht es sogar danach, wenn man das Dorf betritt. Und dann baut man mit Lady Dimitrescu zunächst einen herrlich markanten Charakter auf, der fast ein eigenes Spiel verdient hätte! Wenn einen diese beeindruckende Vampirdame gemessenen Schrittes durch das wunderbare Schloss verfolgt, während sie einem Flüche hinterher schickt und wie ein Riese unter niedrige Türen bücken muss, entsteht ein angenehm unheimliches Gefühl - zumindest bis man merkt, dass man im Raum mit der Schreibmaschine sicher ist, weil sie vor der Tür abdreht. Aber diese "sicheren Zonen" gehören trotz der Unlogik (von der es viel gibt) mit zu den nostalgischen Déjà-vus. Und dieser barocke Schauplatz ist mit seinen knarzenden Dielen, marmornen Hallen, mittelalterlichen Rüstungen, geheimen Gängen und finsteren Kellern prädestiniert für klasse Horror - zumal die im letzten Teil eingeführte "RE Engine" all das so ansehnlich illustriert, dass jeder Raum wie ein Gemälde wirkt.

Kommentare

shoges schrieb am
Ok nach Beendigung muss ich auch mal mein Senf dazugeben.
Die Story von Village macht wenig Sinn. Egal wie man es dreht. Alle Charaktere haben dürftige Motivationen (außer Ethan natürlich) und die Plottwists rund um Ethans Extremitäten sind ziemlich dämlich und ein billiger Versuch, den Gorefaktor in die Höhe zu schrauben.
Alles in allem könnte man 8 als Fortsetzung von 4 sehen.
In Jörgs Test wird deutlich, dass er das Spiel aufgrund der schlechten "Regie" abgestraft hat.
Das Spiel war nicht gruselig? War RE4 auch schon nicht. Das Spiel ist trashig? War RE4 auch schon.
Die schlechte Regie? Kann ich nicht nachvollziehen. RE8 bietet mit jedem Abschnitt ein neues Spielgefühl und die erwähnte "Ballerbude" sind in Wirklichkeit nur zwei kleine Abschnitte.
Verstehe auch die Abneigung gegen Heisenbergs Fabrik überhaupt nicht. Für mich war das eins der stärksten Abschnitte und im Grunde genommen nichts großartig anderes als der letzte Abschnitt auf der Insel in Teil 4.
Resident Evil hat schon immer im letzten Drittel Laborsettings benutzt. Die "Terminatoren" im Kontext des Spiels auch nicht so weit hergeholt, wie Jörg das in seinem Test hinstellt.
Klar, woher kamen all die Gestalten vom Fließband? Wie konnten die Dorfbewohner so unbehelligt sein, wenn gefühlt jeder der vier Lords permanent Dorfbewohner entführt haben?
Village ist wirklich nicht perfekt. 4 hatte sich mehr Mühe gemacht, seine (auch trashige) Story zu erzählen und vor allem in Briefen und Texten stinkt Village ab und scheint sich keine rechte Mühe zu geben. Kein Text ist länger als zwei Seiten und man erfährt für mich zu wenig über die Lords.
Aaaaber...
Die 4 Lords alleine sind schon das Spiel wert. So bescheuert profilierte Bösewichter hatte Resident Evil schon lange nicht mehr zu bieten und sie stellen die olle Baker Familie gnadenlos in den Schatten.
Die optische Präsentation ist wirklich der Hammer. Selbst auf der alten PS4.
Verständlich ist auch, dass RE 4 dahingehend eine bessere Bewertung kassiert hat, da...
Temeter  schrieb am
GamepadPro hat geschrieben: ?01.06.2021 23:25Was soll denn diese ganze Kritik? Es ist ein Spiel aus RE4 und RE7. Das kommt eben dabei raus, würde ich mal sagen.
Problem ist, RE7 war besser in Sachen Horror, RE4 war mehr auf Kämpfe konzentriert. Andersrum waren die Kämpfe in RE7 schwach, während die Atmosphäre in RE4 leidet.
Aber die Spiele wussten im Großen und Ganzen, was sie sein wollten, und besinnen sich auf ihre Stärken.
RE8 ist irgendwo dazwischen, mit all den Schwächen, aber weniger definierten Stärken. Nur ein kurzer Abschnitt ist wirklich gruselig, alles andere ist eher schwach, und nach der ersten Hälfte spielt Grusel keine Rolle.
Währenddessen sind die Kämpfe meist weniger taktisch als in RE4, und deren Verteilung ist extrem unausgeglichen. Es gibt lange Sequenzen komplett ohne Gegner, während anderswo eine Welle nach der anderen anstürmt.
Und dann gibts noch RE6-artige Sequenzen als Beilage...
Macht Laune beim ersten durchzocken, aber bei näherer Analysis fällt es echt außeinander.
GamepadPro schrieb am
Was soll denn diese ganze Kritik? Es ist ein Spiel aus RE4 und RE7. Das kommt eben dabei raus, würde ich mal sagen.
Flashback1964 schrieb am
PlayerDeluxe hat geschrieben: ?25.05.2021 18:21
Flashback1964 hat geschrieben: ?25.05.2021 12:06 den völlig deplazierten stimmungskillenden Händler verzichtet
Ach, ich fand den Null Komma Null störend - so im Nachhinein.
Bei Mercenaries gehört er auch dazu zwischen den Abschnitten. Dat passt schon.
Hmmm, ich persönlich finde viel lieber bessere Waffen oder Upgrades während des stimmungsvollen Storyverlaufs zb. bei besiegten Bossgegnern oder wenn`s thematisch passt in militärischen Einrichtungen usw.
Diese in meinen Augen unnötige Händlerei mit kaufen und verkaufen ist hier in meinen Augen ein echter Stimmungskiller und paßt in keinster Weise zur Story, das wurde wohl mehr so als Gimmick eingebaut, denn genau danach fühlt es sich für mich an. In einem RPG funktionieren Händler super, aber in solch einem Action Adventure stören sie meiner Meinung nach sehr.
MrLetiso schrieb am
Also mein Eindruck nach dem Abspann: keine Ahnung, was das gewesen ist. Vielleicht etwas gutes, vielleicht etwas durchschnittliches. Aber in meinen Augen definitiv kein RE.
schrieb am

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