Far Cry 6 - Test, Shooter, PC, PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series X

 

Test: Far Cry 6 (Shooter)

von Marcel Kleffmann



Far Cry 6 (Shooter) von Ubisoft
Die Revolution bleibt aus
Entwickler:
Publisher: Ubisoft
Release:
07.10.2021
07.10.2021
07.10.2021
07.10.2021
07.10.2021
07.10.2021
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Ein ferner Schrei: Feuer Frei! Abermals darf man in Far Cry 6 einen größenwahnsinnigen Diktator stürzen, diesmal vor malerischer karibischer Ku(ba)lisse. Ubisoft setzt weiter konsequent auf die eigene Open-World-Formel, stopft die Welt mit Aktivitäten voll und verbessert immerhin einiges im Vergleich zum Vorgänger. Etliche Möglichkeiten, die Serie auf ein höheres Niveau zu heben, bleiben aber ungenutzt oder werden nur zaghaft verfolgt, weswegen Far Cry 6 die altbekannte Open-World-Ballerbude mit Fast-Food-Geschmack bleibt.

Typisch Far Cry, oder?

Auch der sechste Teil der Far-Cry-Hauptreihe bleibt sich weitgehend treu und gibt sich als Open-World-Schießbude mit Fast-Food-Charakter. Im Vergleich zu Far Cry 5 und dem Ableger New Dawn haben sich Inszenierung, Präsentation und Geschichte spürbar verbessert. So spricht die Hauptfigur, egal ob man die männliche oder weibliche Variante wählt, fleißig und viel - das gilt für Ingame-Passagen und die Zwischensequenzen, die aus irgendeinem weltfernen Grund mit nur 30 fps laufen. Hauptfigur Dani Rojas ist nicht allein, denn sämtliche Charaktere (Mitstreiter, Guerillas, Antagonisten usw.) reden gerne viel, sagen aber wenig, versuchen dabei jedoch möglichst cool, locker oder hip zu sein - außer der böse Diktator, der tut natürlich "böse Diktator-Dinge" und nutzt ausschweifende Metaphern, um darzulegen, dass er eigentlich nur "das Beste" will und ein höheres Ziel verfolgt. Unterdrückung, Manipulation, Entführung und Massenmord stehen für ihn an der Tagesordnung. Immer wieder gibt es interessante Punkte in der Story und der Spielwelt Yara, die zweifelsohne an Kuba, Castro oder aktuelle Themen erinnern, jedoch sind sie in dem ganzen Action-Bombast nur als Untertöne zu vernehmen - als Beiwerk, das weder genutzt noch ausgebaut wird.

Anschneiden und nicht vertiefen
Laut, leise oder irgendwie beides? Bei den meisten Missionen hat man die Wahl.
Laut, leise oder irgendwie beides? Bei den meisten Missionen hat man die Wahl.

Massenmord, Menschenhandel, Gewalt (auch gegenüber Tieren), Suizid, Drogenkonsum, Unterdrückung von Minderheiten, Sucht, Faschismus, Folgen von Revolutionen, Verlust, Verrat und weitere heikle Themen werden irgendwie angeschnitten, nur um sie wenig später mit "fröhlichen" Hahnenkämpfen im Street-Fighter-Stil, gezwungen kumpelhaften Schimpfworttiraden oder Partygelagen zu konterkarieren.

Far Cry 6 weiß nicht, ob es eine ernste und dramatische Geschichte erzählen will oder nur ein bunter bisweilen wilder Tummelplatz mit Freizeitpark-Attitüde sein möchte. Das zeigt ebenfalls die thematische Ausgestaltung der Hauptgebiete, die keiner klaren Linie folgt. Im Westen von Yara wird z.B. eine eher persönliche und tragische Familiengeschichte serviert. Auf der anderen Inselseite sieht das ganz anders aus und mittendrin fährt man Rennen, sucht Schätze oder angelt.

"Bella Ciao"

Dabei zeigt Ubisoft auf der Tutorialinsel, dass sie es eigentlich besser könnten. Nach dem bedrückenden Einstieg stürmt man mit einem Revolutionär eine Plantage des Diktators. Nach dem Ausspähen des Lagers stimmt er das antifaschistische Protestlied "Bella Ciao" (jüngstes Revival in der Serie "Haus des Geldes") an und während man die Plantage niederbrennt und haufenweise Lakaien bekämpft, verwandelt sich der Soundtrack wenig subtil in eine eigene "Bella-Ciao-Version", die sogar die Hauptfigur kurz kommentiert - das ist ungewöhnlich, packend und wird in den späteren Stunden kaum an Intensität wieder erreicht.

Auch die Beziehung zwischen dem Diktaktor und seinem Sohn hätte ausgebaut werden können.
Auch die Beziehung zwischen dem Diktaktor und seinem Sohn hätte ausgebaut werden können.
Immerhin wird bei der Überfahrt von der Tutorialinsel zur Hauptinsel zumindest erwähnt, dass nach einer Revolution nicht Friede-Freude-Eierkuchen herrscht und sich mit Interventionen der Gegenseite oft nur eine endlose Gewaltspirale entwickelt. So etwas wird nur kurz angerissen, jedoch nicht ausgeführt oder gar mit einer (politischen) Haltung versehen. Es ist vielmehr so, dass alles im Spiel oberflächlich bleibt und die Konsequenzen der eigenen Handlungen ebenso schnell vergessen sind wie die scharenweise niedergemähten Gegner. Selbst der so hervorragend aufspielende Giancarlo Esposito (Breaking Bad, The Mandalorian) als Diktator Antón Castillo zeigt überraschende Abgründe in seiner Vergangenheit, doch seine etwas zu spärlich eingesetzte Präsenz wird mit Action abgewürgt - und ganz allgemein hätten die Animationen der Figuren, vor allem in den Gesichtern, besser und ausdrucksstärker sein können.

Mehr Freizeitpark als Tour de Force

Ja, abseits dieser Untertöne ist und bleibt es in erster Linie ein "klassisches Far Cry" - ein bunter Open-World-Themenpark mit vielen Aktivitäten und Icons auf der Weltkarte, der nach der typischen Ubisoft-Formel gestrickt wurde. Es erinnert dabei nicht nur an die jüngsten Vorgänger, sondern überraschend stark an Ghost Recon Breakpoint.
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Kommentare

Temeter  schrieb am
str.scrm hat geschrieben: ?14.10.2021 08:31natürlich gibt's keinen Oscar dafür, aber weder damals noch heute erwarte ich von Spielen das Rad neu zu erfinden und sowohl damals als auch heute schaffen es manch Spiele trotzdem
Far Cry wird wohl nie dazugehören, aber 2 und 3 waren für mich bis heute einfach einmalig in mancherlei Hinsicht
ich bin mit dem 6er noch nicht durch, aber jede Castillo Szene fande ich bis jetzt großartig
Vaas hatte deutlich zu wenig Screentime ja, aber das Spiel war auch erheblich kürzer und abseits von ihm fande ich auch den Doktor, Hoyt und Sam klasse - die Szene als man seinen Bruder verprügeln muss um nicht aufzufliegen - das hat bei mir damals einfach alles voll gezündet und bis heute hat es sich nicht geändert, auch ohne Nostalgiebrille, da ich es noch hin und wieder spiele :)
Also für mich hatten die Far Cry 3+ Bösewichte schon immer überzogenes B-Movie flair. Die wirst gefangengenommen, und dann gibts ne ordentlich theatralische Szene, die zeigt, wie bekloppt die Typen sind. Ist fast wie eine erzwungene Casting-Show, wo sie 5 Minuten so richtig zeigen dürfen, wo es an Tassen im Schrank mangelt.
Sicher, das mag Spaß machen, und überhaupt Flair zu haben ist bereits ein Gewinn für AAA-Titel, aber als großartig würde ich das nicht bezeichnen.
Da fand ich nen Heath Leadger-Joker viel überzeugender.
JuJuManiac schrieb am
Habe jetzt 30 Stunden im Spiel und gut die Hälfte davon im Coop. Hier ist meine total subjektive Pro- und Contra Liste für alle Interessierten:
Pro:
- Die Story ist WEITAUS besser als in Far Cry 5. Ich habe es gehasst, dass mir ständig absoluter Müll ins Gesicht gepredigt wurde und der Protagonist das wortlos über sich ergehen lässt. Dani ist jetzt zwar auch kein tiefer Charakter, aber wenigstens spricht sie und die Story macht weitestgehend Sinn.
- Die Grafik der Umgebung und der Welt ist einfach nur total geil. Für Grafikhuren wie mich einfach traumhaft.
- Der Coop funktioniert bis auf einige Seltsamkeiten und Glitche (Kram wie: ich sehe im Camp andere Klamotten an mir, als die die ich anhabe und mein Coop Partner sieht die richtigen an mir) tadellos und macht sehr viel Spaß.
- Das Waffenhandling ist fein und die Knarren sehen toll aus
- Das Fahrzeughandling ist völlig ok, die neuen Fahrzeuge wie der Buggy, der mit Gleitschirm fliegen kann, finde ich toll
- Gegnerische Camps sind nicht alle so klein wie in FC 5, sondern auch mal eine riesige Ölbohrplattform, wo man sich erstmal drüber kämpfen bzw schleichen muss.
- Die Gefechte sind gefühlt intensiver, als in FC5.
- Der Sammelkram und das "abarbeiten" von Stützpunkten, Straßensperren etc. fühlt sich irgendwie deutlich weniger generisch an, als in FC 3 oder 5 (4habe ich nicht gespielt).
- Der beste, stimmigste und charismatischste Bösewicht bisher, dessen Auftritte immer ein Höhepunkt sind. (dessen Gesichtsanimation allerdings besser sein könnte und der etwas wenig genutzt wird bisher. Von den Seeds hatte ich bereits nach dem Intro in FC5 die Schnauze voll und stöhnte immer vor Leid, wenn ich mir da wieder einen Sermon anhören musste.)
- Die Musik im Auto und die sammelbaren Lieder (18 Stück) sind größtenteils sehr cool und machen Südsee-Stimmung, vor allem wenn der eigene Char das Lied mitsingt.
Con:
- Die Grafik der Kleidung ist von 1999 und der widerliche Dreck auf der Haut des Protagonisten ist ekelhaft. Als Grafikhure...
Maschinenkopf schrieb am
Ich hab und werde wohl FC6 nicht zocken, aber ich hoffe nur, Ubi verbrennt den Charakter von Castillo nicht wieder in so einer dämlichen Szene wie mit Vaas. Es wäre Ubi zuzutrauen, nichts gelernt zu haben daraus.
str.scrm schrieb am
Maschinenkopf hat geschrieben: ?13.10.2021 23:15
str.scrm hat geschrieben: ?12.10.2021 19:25
Temeter  hat geschrieben: ?12.10.2021 18:18
Die Leute können spielen was sie wollen, aber wenn du seelenlose Fließbandproduktionen wie Meisterwerke beschreibst, und den totalen Mangel an Inspiration schönredest, dann gehst du das Risiko von Gegenkommentaren ein.
ich beschreibe Far Cry Titel nicht als Meisterwerk, ich erwähne lediglich die tolle Performance mancher Antagonisten
die Art wie Vaas den Wahnsinn personifiziert hat war einmalig, trotz des 0815 Gameplays drum herum
(englische Version)
und auch im 6er ist die schauspielerische Leistung des Kontrahenten tadellos
was da letztendlich für eine Story drauß gestrickt wird und wie sich das Spiel abseits dessen präsentiert, ist hier Nebensache - Giancarlo Esposito macht bisher einen wahnsinns Auftritt
Besser wirf FC3 nochmal an: Vaas kommt in Wahrheit nur in sehr wenigen Cutszenen vor und der Bosskampf gegen ihn, wenn man das überhaupt so nennen will, war nun wirklich abgrundtief schlecht. Er hatte Potenzial, aber daraus hat man nichts gemacht.
natürlich gibt's keinen Oscar dafür, aber weder damals noch heute erwarte ich von Spielen das Rad neu zu erfinden und sowohl damals als auch heute schaffen es manch Spiele trotzdem
Far Cry wird wohl nie dazugehören, aber 2 und 3 waren für mich bis heute einfach einmalig in mancherlei Hinsicht
ich bin mit dem 6er noch nicht durch, aber jede Castillo Szene fande ich bis jetzt großartig
Vaas hatte deutlich zu wenig Screentime ja, aber das Spiel war auch erheblich kürzer und abseits von ihm fande ich auch den Doktor, Hoyt und Sam klasse - die Szene als man seinen Bruder verprügeln muss um nicht aufzufliegen - das hat bei mir damals einfach alles voll gezündet und bis heute hat es sich nicht geändert, auch ohne Nostalgiebrille, da ich es noch hin und wieder spiele :)
Maschinenkopf schrieb am
str.scrm hat geschrieben: ?12.10.2021 19:25
Temeter  hat geschrieben: ?12.10.2021 18:18
str.scrm hat geschrieben: ?12.10.2021 12:24also zwischen dem ganzen Gehate lese ich jetzt heraus, dass du entscheidest was gut ist und was nicht und was die Leute spielen sollen :o
Die Leute können spielen was sie wollen, aber wenn du seelenlose Fließbandproduktionen wie Meisterwerke beschreibst, und den totalen Mangel an Inspiration schönredest, dann gehst du das Risiko von Gegenkommentaren ein.
ich beschreibe Far Cry Titel nicht als Meisterwerk, ich erwähne lediglich die tolle Performance mancher Antagonisten
die Art wie Vaas den Wahnsinn personifiziert hat war einmalig, trotz des 0815 Gameplays drum herum
(englische Version)
und auch im 6er ist die schauspielerische Leistung des Kontrahenten tadellos
was da letztendlich für eine Story drauß gestrickt wird und wie sich das Spiel abseits dessen präsentiert, ist hier Nebensache - Giancarlo Esposito macht bisher einen wahnsinns Auftritt
Besser wirf FC3 nochmal an: Vaas kommt in Wahrheit nur in sehr wenigen Cutszenen vor und der Bosskampf gegen ihn, wenn man das überhaupt so nennen will, war nun wirklich abgrundtief schlecht. Er hatte Potenzial, aber daraus hat man nichts gemacht.
schrieb am