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Worker Placement (Arbeitersetzspiel)
Entwickler: Inka und Markus Brand
Publisher: Pegasus Spiele
Release:
25.04.2012
Spielinfo Bilder  
Wertvoller Rohstoff: Lebenszeit

Unter der bunten Oberfläche von Kirche, Rathaus und grünen Weiden steckt ein anspruchsvolles, unheimlich gut verzahntes Spiel, das vor allem eines auszeichnet: Die Zeit ist der wertvollste Rohstoff. Man sammelt zwar auch kleine farbige Einflusssteine, Münzen und Getreide, mit denen man direkt Waren oder Aktionen bezahlen kann. Der wandernde Großvater musste z.B. für jede Etappe einen Planwagen sowie zwei oder drei farbige Steine zahlen. Um Ersteren zu bekommen, musste die Familie dort entweder einen ausgebildeten Handwerker haben oder die Steine, um ihn zu kaufen.

Wer eine Aktion ausführt, nimmt sich einen farbigen Stein. Damit kann man Aktionen und Waren bezahlen - die schwarzen Steine kosten Lebenszeit.
Wer eine Aktion ausführt, nimmt sich einen farbigen Stein. Damit kann man Aktionen und Waren bezahlen - die schwarzen Steine kosten Lebenszeit.
Noch wichtiger ist allerdings die Zeit, die der Großvater auf dem Weg verliert. Sanduhren auf dem Spielplan zeigen an, um wie viele Plätze man die Lebenszeit der Familie weiter setzen muss, wenn man z.B. etwas wie Planwagen, Pflug, Ochse oder Pferd herstellt bzw. züchtet. Egal wer Zeit verschwendet: Sie läuft universal für die Familie ab, dargestellt durch einen zehnstufigen Wolkenring auf dem Hofplan. Und sobald der Marker die Brücke überschreitet, muss man nach der Aktion auch jemanden begraben. Aber wen? Damit man immer die älteste Generation findet, sind die Figuren alle mit Zahlen gekennzeichnet, von eins bis vier.

Noch sind alle lukrativen Plätze in der Dorfchronik frei; die orangen Figuren sind nur Platzhalter beim Spiel zu zweit.
Noch sind alle lukrativen Plätze in der Dorfchronik frei; die orangen Figuren sind nur Platzhalter beim Spiel zu zweit.
In den ersten Spielen denkt man noch, dass man möglichst niemanden verlieren sollte – denn dann fehlt ja auch eine Figur, die Aktionen ausführen kann. Also vermeidet man den Tod instinktiv, indem man zeitraubende Tätigkeiten wie Ausbildungen oder Warenerstellung nur selten nutzt. Doch schon bald bemerkt man, dass ein gesunder Kreislauf von Leben und Tod wesentlich effizienter  ist, denn auch mit einem frühen Ableben kann man sich ja Plätze in der Dorfchronik sichern, bevor diese besetzt sind. Aber auch hier sollte man mit Bedacht wählen, denn Ungeduld wird bestraft: Wer direkt seine erste Generation in den Kampf um die Hierarchie in Kirche und Rathaus schickt, muss sie vielleicht zu früh opfern – noch bevor sie die Spitzenposition erreicht.

Ausblick

Das ist ein German Boardgame at it’s best! Stimmungsvolles Artdesign, angenehm offene Spielmechanik, flotter Zugrhythmus, gut verzahntes Regelwerk und vor allem der wichtige kreative Impuls: Dank des strategischen Generationswechsels wirkt dieses Spiel markant und frisch. Es geht nicht um Trauer, Schuld und Sühne: Nur wer sowohl Leben als auch Tod seiner Familie clever managt, wird am Ende den größten Nachruhm ernten. Da kann es schon mal helfen, wenn Großvater etwas zügiger den Platz in der Dorfchronik sichert. Die Möglichkeiten der Ausbildung, Reise und Ernte, des Verkaufs und der Karriere sind so vielfältig, dass immer mehrere Wege zum Ziel führen. Dabei ist die Zeit der wichtigste Rohstoff und der Ehrgeiz der anderen Familien der größte Feind. Wer anspruchsvolle Spiele der Marke Agricola mag, kann hier bedenkenlos zugreifen, zumal Village auch zu zweit sehr gut unterhält. Mittlerweile wurde es bei der Wahl zum „Kennerspiel des Jahres“ als Kandidat nominiert – meine Stimme hat es.

Für alle, die eine Wertung vermissen: Wir werden hier nur unsere Highlights vorstellen. Natürlich gibt es auch in der Brettspielwelt einen bunten Mainstream und billigen Murks, aber wir wollen euch alle zwei Wochen kreative Geheimtipps und ungewöhnliche Spieleperlen empfehlen, die man vielleicht nicht in jedem Kaufhaus findet.

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Kommentare

jbo666 schrieb am
Moin
Wir haben es uns zu Weihnachten geschenkt :)
Nach dem wir es 4mal (oder so) gespielt haben muß ich sagen: Geil!!
Wir spielen überwiegend Dominion und Kartenspiel Siedler da ist Village mal wieder was anderes, das man nach ner gewissen Zeit (das kann ruckzuck gehen) Spielsteine entfernen muß gibt dem ganzen das gewisse Extra.
Es lässt sich zwar auch wunderbar zu zweit spielen aber ich hoffe das wir mal ein, zwei Mitspieler finden.
Ich könnte mir vorstellen das man dann nochmals etwas anders Taktieren muß und der Markt nicht mehr so Mächtig ist, wobei, wenn man alles verkauft und man Pech hat und sich kein Getreide mehr produzieren kann das auch fatale Auswirkungen haben...
Ihr merkt schon die Variationen sind vielfältig, das haben wir schon nach den ersten Partien gemerkt.
Ein tolles Spiel! Lasst euch von der Spielbeschreibung nicht abschrecken, nach einer Partie hat man verstanden worum es geht.
4P|T@xtchef schrieb am
Ja, hat auch verdient den Deutschen Spielepreis 2012 in Essen gewonnen - ich sehe es auch klar vor dem offiziellen Spiel des Jahres, Kingdom Builder. Village sieht zwar aus wie ein gewöhnliches Mittelalterfamilienspiel, besticht aber wie schon beschrieben mit den offenen Wegen zum Sieg.
Makake schrieb am
Zuletzt geschenkt bekommen und zweimal auf dem Tisch gehabt - ein tolles Spiel! Im Unterschied zu vielen anderen Spielen dieser Art scheint es hier auf den ersten Blick auch nicht die Killer-Strategie zu geben. Klar, auch Caylus, Puerto Rico oder Agricola lassen da verschiedene Wege zum Sieg, gewisse Dinge sind aber dennoch stärker als andere und man probiert selten mal einfach etwas anderes aus. Bei Village habe ich einmal mit dem kompletten Fokus auf dem Markt, einmal mit einer primären Reise-Strategie, "finanziert" über Privilegien im Rathaus gewonnen (diese Funktion scheint mir allerdings für fast alle Strategien relativ zentral zu sein). Demnächst werde ich mal versuchen, vier bis fünf Mönche weit oben in die Kirchenhirarchie zu bekommen, im Endeffekt müsste man damit weit kommen.. dazu kommen ja noch die Messe-Siegpunkte, die man wohl in den meisten Runden gewinnen würde.
Wie auch immer: Volle Kaufempfehlung von mir - und hier stehen knappe 150 Brettspiele herum, ich habe da also durchaus schon einiges gesehen und gespielt.. :)
bwort_baggins schrieb am
Hach es gibt soviel gute Brettspiele :) Verbringe letzte Zeit mehr mit Brettspielen als mit PC-Spielen.
Was mich von Village zurzeit noch abhält ist halt das worker-placement, aber nur deshalb weil wir solche Spiele in unserem Freundeskreis im letzten Jahr fast nur gespielt habe. Zurzeit haben wir eine Menge Spaß mit dem simplem aber extrem spaßigen Memoir 44 und halt K2. Ausserdem ist der Ringkrieg endlich in der 2. Edition da :)!
Zurzeit spiele ich auch teilweise solitär unter Woche anstatt vor dem PC zu sitzen (Die Frau freuts ;) )
Da gibts auch sehr gute Spiele: Herr der Ringe LCG oder U-boat Leader von DVG.
schrieb am