Gleichgewicht des Schreckens - Brettspiel-Test, Brettspiel, Spielkultur

 

Brettspiel-Test: Gleichgewicht des Schreckens (Wargame (Konfliktsimulation))

von Jörg Luibl



Spielinfo Bilder  
Was gibt es zu meckern?

Das Ländersystem zeigt die Stabilität an sowie die Relevanz der Nation. Besonders wichtig sind die lila Schlachtfeldländer.
Das Ländersystem zeigt die Stabilität an sowie die Relevanz der Nation. Besonders wichtig sind die lila Schlachtfeldländer.
Sehr wenig! Hat man die Spielmechanismen des Putschens sowie die parallele Wirkung von Ereignissen und Operationspunkten einmal verinnerlicht, kommt man in einen guten Fluss aus Karten auslegen, Marker setzen, evtl. werten und weiter zur nächsten Runde. Für Hardcore-Strategen könnten allerdings die Glücksmomente etwas zu weit gehen, denn wer eine schlechte Hand an Karten hat, ist durchaus im Nachteil - zumindest für eine Phase.  An diesem großartigen Spiel gibt es ansonsten bis auf die stellenweise fehlerhafte, aber nie entscheidend falsche deutsche Übersetzung wirklich wenig auszusetzen. Auch dass die Marker sowie die Weltkarte nicht übersetzt worden sind, ist verschmerzbar, zumal alle mit eindeutig bezifferten Karten samt deutschen Texten verknüpft sind.

Auch wenn es wie ein Komplexitätsmonster aussieht, ist Gleichgewicht des Schreckens übrigens wesentlich leichter zu erlernen und zu durchschauen als z.B. Im Wandel der Zeiten oder Dominant Species. Das Regelwerk ist anschaulich und beinhaltet eine ausführliche, strategisch kommentierte Partie zwischen Top-Spielern – sehr empfehlenswert. Wer sich für die historischen Hintergründe des Kalten Krieges sowie das Spieldesign im Allgemeinen interessiert, findet im Anhang der Anleitung zudem ein Glossar zu allen Ereignissen sowie ein interessantes Nachwort der Entwickler. Für Vielspieler dürften auch die optionalen Turnierregeln sowie die chinesische Bürgerkriegsvariante eine
Auch Asien gewinnt schnell an Bedeutung, zumal auch einmal für den Südosten gewertet wird.
Auch Asien gewinnt schnell an Bedeutung, zumal auch einmal für den Südosten gewertet wird.
Lektüre wert sein; außerdem gibt es ein optionales Szenario, das sich auf die Spätphase des Kalten Krieges konzentriert.

Fazit

Ich bin begeistert! Gleichgewicht des Schreckens ist ein großartiges Spiel. Hier treffen Pokerflair, Kartentaktik und Eroberungen à la Risiko auf einer toll designten Weltkarte zusammen. Angesichts des dröge anmutenden Themas des Kalten Krieges war ich zunächst skeptisch. Aber es ist unglaublich, wie gut dieses Brettspiel den machtpolitischen Konflikt zwischen West und Ost nicht nur geostrategisch über sein Kontroll- & Dominanzsystem, sondern auch psychologisch auf den Tisch überträgt: Man misstraut sich, man blufft und greift dann gnadenlos an. Es gibt ein ständiges Hin und Her an allen möglichen Brandherden, wobei authentische Ereignisse von der CIA-Gründung über die Kubakrise bis hin zu Flower Power sowohl für historisches Flair als auch regionale Umwälzungen sorgen können. Amerikaner und Russen dürfen bei diesem machtpolitischen Poker mit ihrem Einfluss auf nahezu jedes Land einwirken, aber nie überdrehen - sonst droht der Atomkrieg. Wer ein angenehm leicht zu erlernendes, stets aufs Neue überraschendes und langfristig fesselndes Strategiespiel für zwei Personen sucht, muss Twilight Struggle einfach haben. Ist direkt in unsere Top 10 der besten Brettspiele eingestiegen!

Für alle, die eine Wertung vermissen: Wir werden hier nur unsere Highlights vorstellen. Natürlich gibt es auch in der Brettspielwelt einen bunten Mainstream und billigen Murks, aber wir wollen euch alle zwei Wochen kreative Geheimtipps und ungewöhnliche Spieleperlen empfehlen, die man vielleicht nicht in jedem Kaufhaus findet.

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Kommentare

grasshopperTS schrieb am
Auch ich hab's mir damals nach'm Test hier geholt, im "ganzen Internet" :wink: war nur auf spiele-offensive.de war ein Exemplar nur zum Ausleihen verfügbar... - ok, besser als nichts dachten wir uns. Und da war dann ein Zettel dabei, dass man das Ding für 49? kaufen kann. SOFORT gemacht :D
Aber ich habe gehört, im Mai 2014 soll eine neue Auflage erscheinen?! Und dann gibts da noch Wargameroom: https://www.youtube.com/watch?v=rvGTYTCYdZE
Das Spiel selbst ist auf jeden Fall großartig, gerade in der aktuellen politischen Situation haben wir es wieder rausgekramt und schon so einige Abende damit verbracht. Das interessante am Spielprinzip ist echt die Schlüsselrolle bestimmter Länder, um sich den Zugang zu Regionen zu sichern und das gleichzeitige Karten- bzw. Krisenmanagement: Lasse ich das gegnerische Ereigniss jetzt stattfinden und bin es los, oder versuche ich es bis Runde 3 zu halten um bis Runde 7 meine Ruhe zu haben - oder habe ich noch viel schlimmere Ereignisse auf meiner Hand und muss mindestens eines in den Weltraum schießen, wodurch ich die OPs nicht zur Verfügung habe und auf der Karte in Rückstand gerate.
Recht realistische Spieltaktik, dazu kein bisschen Dichtung bei den Ereignissen ergeben ein so tolles strategisches Brettspiel, dass wir gerne den Konsolen/PC fernbleiben 8)
JohnMiller schrieb am
Nachdem ich mich mit dem Brettspiel nun auch befasst hab und die Bewertungen ja für sich sprechen, wollte ich es mir nun auch holen, aber bei meinem Glück ist dieses Spiel überall ausverkauft :(
Habe mir nun "Polis", dank Jörgs Tests bestellt ;)
Hoffe, dass das Gleichgewicht des Schreckens (deutsche Version) irgendwann wieder lieferbar sein wird ;)
gracjanski schrieb am
für mich ist der kalte krieg auch super interessant. Denn erstens ist er nicht so lange her und ausserdem gut erforscht. Da wird sehr klar, wie Politik in Wahrheit abgeht. Psychos unter sich...
bwort_baggins schrieb am
Hab mir das Spiel letztes Jahr gekauft und bin auch ziemlich begeistert :) Ich musste unbedingt das Spiel haben, dass bei boardgamegeek auf Platz 1 ist :D Neben Ringkrieg für mich das beste Spiel für 2. Kann dem Tester aber in einem Punkt nicht zustimmen ; : von der Geschichte finde ich den kalten Krieg absolut faszinierend. Erstmalig in der Geschichte der Menschheit gibt es keine "großen" Kriege auf der Welt und auf der anderen Seite kann es jederzeit zu einer atomaren Vernichtung kommen. Der Film Thirteen Days zeigt das ja ziemlich genial. Umso interessanter fand ich das Spiel, das durch die ganzen Ereignisse die Zeit sehr gut wiederspiegelt. Tolles Spiel!
schrieb am