Paper Mario: The Origami King - Test, Rollenspiel, Nintendo Switch

 

Test: Paper Mario: The Origami King (Rollenspiel)

von Matthias Schmid



Paper Mario: The Origami King: Dieses Spiel ist der Hammer
Dieses Spiel ist der Hammer
Entwickler:
Publisher: Nintendo
Release:
17.07.2020
Erhältlich: Digital (Nintendo eShop), Einzelhandel
Jetzt kaufen
ab 38,50€
Spielinfo Bilder Videos
Mitte Mai erst angekündigt, diesen Freitag schon im Switch-Regal: Das neue Paper Mario: The Origami King sieht hinreißend aus und überzeugt mit einer durchdachten Kampfmechanik. Plus es ist ausgesprochen lustig und abwechslungsreich. Klingt nach einem Hit? Der ist es geworden!

Das origamisierte Verbrechen

Prominente Nintendo-Marken werden seit vielen Jahren ausgesprochen kompetent ins Deutsche übersetzt, das zeigt sich z.B. (aber nicht nur) bei den fantasievollen Namen vieler Super-Mario-Feinde und -Levels. Auch Paper Mario: The Origami King glänzt mit klasse deutschen Texten voller Wortwitz und perfekt gesetzten Pointen. Auch ohne Vertonung - was trotzdem schade, in diesem Fall aber nicht schlimm ist - gehören die pfiffigen Gespräche von Marios Begleitern und die dümmlichen Sprüche der geretteten Toads zum Besten und Lustigsten, was ich seit Jahren in Videospielen lesen durfte. Sparwitze und Albernheiten sind dabei ein steter Begleiter, doch auch die Zwischentöne verblüffen: Marios Begleiterin, die Papier-Fee Olivia, ist eine Plaudertasche im positiven Sinne - sie überträgt ihre optimistische Stimmung, ihre kindliche Freude am Entdecken auf das gesamte Spiel und stellt so einen starken Gegenpart zum stummen Klempner dar. Und schließlich gibt es, zu meiner Überraschung, sogar Raum für Dramatik und Trauer - das hätte ich angesichts dieser kunterbunten Unschuldsfassade nicht erwartet.

Feiner Unterschied: Mario sieht wie ein typischer Papier-Charakter aus, im gegenüber steht die Armee der Faltschergen.
Feiner Unterschied: Mario sieht wie ein typischer Papier-Charakter aus, ihm gegenüber steht die Armee der Faltschergen.
Was mich natürlich gleich zum zweiten, ausgesprochen gelungenen Aspekt des Spiels bringt: die Kulisse. Die 2016er Wii-U-Episode Color Splash war schon richtig hübsch, das immer wieder frisch und kreativ interpretierte Falt-, Karton- und Papier-Erscheinungsbild von The Origami King setzt dem aber in allen Belangen die Krone auf. Das fängt bei den herrlich verknickten Origami-Schurken an, geht bei besonders großen Feinden, die wie Laternen aus Transparentpapier aussehen, weiter und hört bei den stoffig-plastischen Texturen der Bildschirm-Wunderwelten noch lange nicht auf. Obwohl das Spiel das reine Motiv "Papier als Videospiel-Material" nicht ganz so herausragend umsetzt wie Media Molecules Tearaway, ist diese Paper-Mario-Episode ein technisch lupenreines, in jeglicher Hinsicht supersauberes Gesamtkunstwerk - und damit einer der grafischen Vorzeigetitel auf Nintendos Hybrid-Konsole.

Entführung war gestern

Welch
Welch' Wonne: Das Städtchen rund um Peachens Schloss sah noch nie so zauberhaft aus.
Natürlich spielen die ewigen Nintendo-Stars Peach, Bowser oder Luigi eine Rolle in The Origami King - aber, wie so oft bei einem Paper-Mario-Teil, haben sich die Schreiber von Intelligent Systems zusätzliche Lichtgestalten und Bösewichte ausgedacht, die euch die 30 bis 40 Spielstunden versüßen: Der selbsternannte Origami-König Olly, ein Papp-Wicht mit blonder Tolle und lila Frack, hat das Schloss des Pilzkönigreichs aus den Angeln gerissen, Regentin Peach origamifiziert und die Welt mit seinen bunten Papierbändern gefesselt. Tausendsassa Mario muss das Schlamassel beheben und wird dabei von der erwähnten Olivia, der gutherzigen Schwester des Erzschurken, mit Rat und Tat unterstützt. Zusammen folgt das Duo den Papierbändern durch eine erstaunliche Cartoon-Welt: Von der immer wieder besuchten, herrlich modellierten Hauptstadt der Toads geht es in hügelige Wälder und felsige Schluchten, man besucht einen Ninja-Vergnügungspark und macht eine orientalische Wüstenstadt unsicher, lenkt ein wendiges Stiefel-Mobil durch die Gegend und schippert sogar über das Meer zu verschiedenen Inseln. Zweierlei Schnellreise-Systeme (Röhren und Faxgeräte) erleichtern die den Trip - obwohl Paper Mario: The Origami King eine ziemlich lineare Angelegenheit ist, ist es doch praktisch, zum Item- oder Upgrade-Kauf mal eben eine Röhrenabkürzung benutzen zu können.

Kommentare

Atlan- schrieb am
Ich fand das Spiel bis auf den Humor nicht besonders gut gelungen. Habe bis zu Schere gespielt also bis zum letzten viertel. Wenn man bei der Schere nicht im richtigen Augenblick springt, sieht man sofort den Game Over Screen....beim zweiten Fehlversuch, wurde das Spiel gelöscht. Das Quiz fand ich auch furchtbar nervig. Mehr als 70% würde ich dem Spiel nicht geben.
mafuba hat geschrieben: ?29.08.2020 02:36 Ich werde es bestimmt an irgendeinem verregnetem Sonntag beenden aber es ist kein Meisterwerk
Von einem Meisterwerk ist es in der Tat weit entfernt
Mein Fehlkauf 2020.
Die letzten 3 Stunden schau ich mir hier an:
PlayerDeluxe schrieb am
Bei mir hat das Spiel bis zum Schluss voll gezündet und ich habe nix vermisst, obwohl ich RPGs kenne (wenn auch sehr selten welche spiele). Der Humor war großartig, die Locations ganz wundervoll gemacht. Die Bosse war sehr kreativ. Die Texte waren super geschrieben.
mafuba schrieb am
Das Spiel hat zwar seine Momente aber hab da jetzt auch Seit 2/3 Wochen nicht mehr reingeschaut, wegen den fehlenden RPG Elementen und dem damit Verbundenen Characterprogress fehlt mir irgendwie die Motivation. .
Hinzu kommt, dass das gesammte Spiel wie du schreibst viel zu einfach ist und damit meine ich nicht nur die Kämpfe. Wenn man viel erkundet hat man einfach viel zu viele Münzen und kann sich alles kaufen was man braucht um das Spiel noch einfacher zu machen. Und das Spiel setzt nunmal auf Erkundung und Entdeckung.
Ich werde es bestimmt an irgendeinem verregnetem Sonntag beenden aber es ist kein Meisterwerk
Xris schrieb am
Nach einem eher zähen Einstieg.... Stärke des Spiels sind eher die ?Rätseleinlagen? und das Art Design. Wenn man keine RPGs kennt, vermisst man sicher nichts. Kennt man aber RPGs macht sich das Gefühl breit es würde ein Teil vom Gameplay fehlen... schade. Man hätte ja das aktuelle Gameplay als Hauptmodus und alternativ Level und Skillsystem anbieten können. Obendrein noch ein einstellbarer Schwierigkeitsgrad... so versuche ich lieber möglichst jedem Kampf aus dem Weg zu gehen. Schlicht und ergreifend keine Lust drauf. Da lauert nicht die Gefahr sondern Langeweile in Form von subjektiv empfundener Spielzeitstreckung durch zu leichte, abwechslungsarme Kämpfe bei denen nicht mal eine sinnvolle Belohnung rausspringt.
Aber leider, leider richtet sich Nintendo mit den bekanntesten Maskottchen nur an die jüngere Zielgruppe und vergisst darüber hinaus alle anderen.
Krulemuk schrieb am
Ich bin mittlerweile in der vierten oder fünften Welt und so kreativ das Spiel auch ist und so sehr ich es auch zwischenzeitlich gefeiert habe, so sehr nerven mich jetzt auch seine Defizite. Neben der bereits genannten aufgesetzen Bewegungssteuerung (die man abschalten kann, deren Substitution aber weiterhin aufgesetzt und belanglos wirkt) nerven/frustrieren mich vor allem die Standardkämpfe extrem. Im Gegensatz zum Anfang dauert alles gefühlt ewig und man verliert nur Zeit und Ressourcen. Gibt mMn echt viel Licht und Schatten in dem Spiel.
schrieb am