Super Mario 3D All-Stars - Test, Plattformer, Nintendo Switch

 

Test: Super Mario 3D All-Stars (Plattformer)

von Jan Wöbbeking



Super Mario 3D All-Stars (Plattformer) von Nintendo
Zeitlos oder lieblos?
Entwickler:
Publisher: Nintendo
Release:
18.09.2020
Erhältlich: Digital (Nintendo eShop)
Spielinfo Bilder Videos

Kaum etwas prägte das räumliche Spieldesign so sehr wie Marios 3D-Ausflüge: Volle Bewegungsfreiheit, eine vielseitige Wasserspritze - und sogar ganze Planeten wurden mit einer Leichtigkeit umrundet, dass Jump-n-Run-Fans beinahe schwindelig wurde! Zu Marios 35. Geburtstag ehrt Nintendo die einstige Innovations-Schmiede EAD mit einer Sammlung aus Super Mario 64, Sunshine und Galaxy!



Etwas karger Umfang

Warum das gelungene knifflige Super Mario Galaxy 2 nicht auch in der Kollektion steckt, weiß wohl nur nur Nintendo allein. Allgemein wirken die minimalistische Präsentation und die künstliche Verknappung von Super Mario 3D All-Stars etwas enttäuschend: Händler berichten von einer streng limitierten Retail-Fassung und selbst im eShop darf der Titel nur bis zum 31.03.2021 erworben werden. Verkaufsstart ist übrigens an diesem Freitag, 18. September 2020. Nach aufwändigen Remakes bzw. Spielesammlungen wie Crash Bandicoot N. Sane Trilogy oder Spyro Reignited Trilogy wirkt Nintendos Umsetzung recht lieblos: Die frei verfügbaren Soundtrack-Menüs sind löblich, doch davon abgesehen gibt es nur noch ein paar einfach gestaltete Menüs, kleine Einleitungs-Filmchen sowie rudimentäre Optionen. Eine freie Knopfbelegung fehlt ebenfalls.

Schade, dass Nintendos Star-Maskottchen nicht mehr Aufwand oder Bonusmaterial gegönnt wurde. Vor allem jüngere Spieler dürften großes Interesse an einem Blick hinter die Kulissen haben. In den vergangenen Monaten gab es auf Youtube schließlich Unmengen von Verschwörungstheorien und Horror-Memes rund um Marios ersten 3D-Auftritt: Sogar ein diabolischer Wario-Kopf von der E3 soll laut einer Theorie des „Super Mario 64 Iceberg“ im Spiel herumspuken.

Der schönste Nostalgie-Trip!

Wie komme ich da nur hinüber? In Super Mario 64 gab es als Neuerung mehrere Ziele pro Level, die sich oft sogar in einer persönlichen Reihenfolge entdecken ließen.
Wie komme ich da nur hinüber? In Super Mario 64 gab es als Neuerung mehrere Ziele pro Level, die sich oft sogar in einer persönlichen Reihenfolge entdecken ließen.
Inhaltlich gehören die enthaltenen 3D-Jump-n-Runs ohnehin zu den größten Meilensteinen der Spielegeschichte - mit viel, viel kreativem Miyamoto-Wahnsinn und cleveren Spieldesign-Tricks! Super Mario 64 (zum Rückblick für PUR-Leser) etwa revolutionierte mit seiner Bewegungsfreiheit und der flüssigen Steuerung in 3D nicht nur das Genre der Plattformer, sondern legte auch den Grundstein für beinahe sämtliche Action-Adventures danach! Im Jahr 1997 standen nicht nur Kaufhaus-Kinder mit offener Kinnlade vor den Demo-Stationen des Nintendo 64. Wie jetzt, da lässt sich die Kamera frei drehen? Warum ist alles so scharf gefiltert und nicht so pixelig und voller Treppenkanten wie auf der PlayStation? Und was ist das für ein seltsamer Analog-Knubbel auf diesem...Dreihorn-Controller? All das war für den durchschnittlichen Kaufhausbesucher damals ähnlich ungewöhnlich wie heutzutage z.B. VR-Headsets – und Super Mario 64 war die ideale Software, um ihnen die neue Technik näherzubringen!

Als erster Titel seiner Art wirkt die Steuerung heute beim Einstieg etwas träge. Bei abrupten Drehungen und kniffligen Sprungfolgen muss man erst einmal wieder Marios Bewegungsabfolgen verinnerlichen. Das gilt vor allem, wenn man noch den physikalischen Schwung und das Selbstbewusstsein des modernen Super Mario Odyssey im Muskelgedächtnis hat. Für seine Zeit waren Marios Bewegungen und Animationen aber ungewohnt griffig – und die bunte Welt wie eine gigantische Wundertüte voller bunter Fantasiewelten! Statt wie früher ans Ziel zu hüpfen und lediglich abseits des Weges ein paar Abzweigungen und Geheimräume aufzudecken, gab es diesmal pro Level viele alternative Aufgaben plus zahlreiche Geheimnisse wie fliehende Karnickel: Man boxte watschelnde Gumbas aus dem Weg, tauchte zu versunkenen Schiffen, flog mit einer Flügelmütze über Pyramiden voller Fallen und Rätselmechaniken, schlidderte von verschneiten Bergwipfeln herunter, während man ein quäkendes Pinguinbaby zur Mama trug, und noch viel, viel mehr! Noch heute dürften viele ihre schönsten Videospiel-Erinnerungen mit diesem Jump-n-Run verbinden!

Technisch nur leicht verändert

Ein Blick aufs minimalistische Menü und einen rutschigen Bauchklatscher in Super Mario Sunshine.
Ein Blick aufs minimalistische Menü und einen rutschigen Bauchklatscher in Super Mario Sunshine.
Ein wenig schade ist allerdings die lieblose technische Umsetzung mit 720p in beiden Betriebsmodi der Switch. Neben den seitlichen schwarzen Balken des 4:3-Titels gibt es sogar oben und unten dünne Balken – das wäre sicher besser gegangen! Schade auch, dass europäische Spieler keine Wahlmöglichkeit zur langsameren damaligen PAL-Fassung bekommen. Stattdessen gibt es grundsätzlich die schnellere Spielgeschwindigkeit des japanischen bzw. US-Originals, was aber immerhin einen Vorteil gegenüber dem europäischen Original darstellt. Manche Texturen wie auf Gemälden oder Holzoberflächen wirken zudem spürbar schärfer. Da wir schon bei der Technik sind, hier einige weitere Daten der Sammlung: Sowohl Super Mario Sunshine als auch Super Mario Galaxy laufen beim Spielen am Fernseher mit einer Auflösung von 1080p, während das Bild im Handheld-Betrieb mit 720p ausgegeben wird. Bei Super Mario Sunshine haben sich die Entwickler sogar die Mühe einer nachträglichen 16:9-Anpassung gemacht, so dass die volle Bildfläche zum Einsatz kommt. Super Mario Galaxy unterstützte schon im Wii-Original das Breitbild. Beide Spiele profitieren übrigens durch eine Hochskalierung und schärfere Zwischensequenzen von der höheren Auflösung. Gründlich überarbeitete Kulissen wie bei manch anderer Sammlung gibt es aber nicht. Im Hintergrund arbeitet übrigens vermutlich eine leicht angepasste Emulation der Originale, mehr dazu in dieser News.

Den längsten Einstieg erfordert der Nachfolger Super Mario Sunshine vom Gamecube (zum Test). Die eigenwillige Steuerung mit der Wasserspritze auf Marios Rücken sorgte schon 2002 für hitzige Diskussionen unter Mario-Fans und wirkt heutzutage schon etwas direkter und schwungvoller als im Vorgänger. Nach ein, zwei Stündchen der Gewöhnung eröffnet der „Dreckweg 08/17“ sogar ganz neue Möglichkeiten: Irgendwann schwebt man virtuos zwischen elastischen Seilen, über Palmen, durchs Städtchen und an andere entlegene Orte der idyllischen Inselwelt. Zusätzlich lässt sich das Gadget als Wasserkanone benutzen. Mit ihm befreit Mario vollgeschmierte Plätze, Freunde und Tentakelmonster von der Farbe seines mysteriösen Doppelgängers. Zwischendurch hangelt man auch mal an Gittern ans Ziel, surft auf blitzschnellen Tintenfischen oder trägt Früchte zu Bewohnern.

Kommentare

v3to schrieb am
Es ist wirklich kein Vergleich zum Gamecube. Man kann es zwar steuern, aber beim Gamecube konnte man bei etwas ungenauem Zielen durch den Analogtrigger behutsam den Wasserdruck regulieren. Es gibt bereits in der ersten Welt so Blumen-Anordnungen, die man unter Zeitdruck bewässern muss, um Bonusmünzen zu erhalten. Ich bekomme hier ab der vierten Blume schon eine Krise. Es macht es bei der dynamischen Perspektive auch nicht einfacher.
Ernsthaft: Super Mario Sunshine hatte auf den Gamecube einen schlechten Ruf, den es eigentlich nicht verdient hat. Und die Switch-Umsetzung bestätigt jetzt dieses Klischee...
fflicki schrieb am
slasher82 hat geschrieben: ?
Gestern 10:58
ist halt immer schwierig sowas zu bewerten... nimmt man den Aufwand der Umsetzung, so ist ein "sehr gut" sicherlich übertrieben, bewertet man einzig und allein die Qualität der Spiele, so würde die Mario 3d Allstars-Collection dieses Jahr mühelos mit allen anderen systemübergreifend erschienen Titeln locker den Boden aufwischen
Ich hab jetzt zwar erst einige wenige Sterne in Sunshine auf meiner Switch erspielt, da ich erst mal mein liebling Mario 64 ernsthaft Spiele, doch finde ich die Steuerung für die Spritze als gut umgesetzt.
Mit der R Taste (die vordere rechte Schultertaste) bleibt Mario beim Spritzen fest stehen und man kann die Spritze in alle Richtungen Bewegen um bestimmte Ziele zu Treffen, drückt man dagegen die LR Taste (die hintere rechte Schultertaste) spritzt Mario in einer Höhe kann sich dabei aber selber normal Bewegen. Braucht man um in der Bewegung Ziele zu Treffen, wie z.b. direkt am Anfang den Gegenspieler dem man da kurz hinterher Jagt.
Auf dem Cube hat man das ja so weit ich mich erinnere mit nur einer Taste gemacht, da der Analogstick ja auch einen Schluss Button drin hatte, den man beim komplett Durchdrücken aktivierte.
Dadurch konnte man mit wenig Druck auf die Taste Mario in der Bewegung Spritzen lassen, und hat man den Analogbutton durchgedrückt blieb Mario stehen und man hat damit genau gezielt.
Hier hat man dafür halt einfach zwei unterschiedliche Buttons für die beiden Fähigkeiten.
Bisher geht das echt gut, mal sehen ob es im späteren Verlauf da zu Nachteilen kommt.
Aber es ist einfach auch absolut genial Mario Sunshine und auch das erste Mario Galaxy auf einem Handheld zocken zu können.
v3to schrieb am
PfeiltastenZocker hat geschrieben: ?
16.09.2020 16:35
Wie isn dat jetzt mit dem Wasser Spritzen in Sunshine? Die Switch besitzt keine analogen Schultertasten, gibt es jetzt nur noch Wasser Marsch und kein Wasser? Statt dass es wie im Original möglich ist den Druck feinfühlig anzupassen und dabei noch gleichzeitig laufen zu können?
Super Mario Sunshine steuert sich auf der Switch tatsächlich schlechter als auf dem Gamecube. Man kann den Wasserstrahl zwar auch über den linken Stick überall hin navigieren, nur ohne den analogen Trigger bleibt da quasi eine klassische Tank-Steuerung übrig. Angesichts dessen, wie oft und wie zeitkritisch der Wasserstrahl teils eingesetzt wird, ist das jetzt nicht gerade toll...
slasher82 schrieb am
ist halt immer schwierig sowas zu bewerten... nimmt man den Aufwand der Umsetzung, so ist ein "sehr gut" sicherlich übertrieben, bewertet man einzig und allein die Qualität der Spiele, so würde die Mario 3d Allstars-Collection dieses Jahr mühelos mit allen anderen systemübergreifend erschienen Titeln locker den Boden aufwischen
PlayerDeluxe schrieb am
Ich kann jetzt nur für mich sprechen. Es ist schon irgendwie so, dass ich mit Nintendo eher Nachsicht habe. Hätte eine andere Firma eine solche Collection herausgebracht, wäre der Aufschrei wohl größer ausgefallen. Bei Nintendo bin ich einfach schon froh, wenn die sowas (drei legendäre Mario Jump 'n' Runs auf einer Cartridge) überhaupt veröffentlichen. Eigentlich ist es lächerlich, dass man Super Mario 64 im 4:3-Format belassen und Super Mario Sunshine hingegen einen 16:9-Modus spendiert bekommen hat. Ganz ehrlich, mit 'nem 16:9-Modus hätten sie sich ganz bestimmt kein Bein herausgerissen. Super Mario 64 als Remake draufzupacken wäre natürlich die Krönung gewesen, aber ich mag es auch in der (minimal) aufpolierten Original-Optik. Viele stört es wohl auch, dass es Emus sind. Mir egal. Wenn die Titel soweit gut laufen, ist es mir herzlich egal, mit welchem Kniff man sie auf der Switch zum Leben erweckt hat.
schrieb am