Tell Me Why - Test, Adventure, Xbox One, PC

 

Test: Tell Me Why (Adventure)

von Alice Wilczynski



Tell Me Why: Tragische Geheimnisse in Alaska
Tragische Geheimnisse in Alaska
Publisher: Xbox Game Studios
Release:
27.08.2020
27.08.2020
Erhältlich: Digital (Xbox Store, Steam)
Erhältlich: Digital (Xbox Store, Steam)
Spielinfo Bilder Videos

In Tell me Why erzählen DONTNOD eine neue Geschichte, die nicht mehr im Universum von Life is Strange spielt. Im Fokus stehen die Zwillinge Tyler und Alyson, die sich nach zehn Jahren in Alaska wiedersehen, um sich an ihre Kindheit zu erinnern und gemeinsam ihre tragische Vergangenheit aufzuarbeiten. Mit dem Erscheinen der dritten und letzten Episode wollen wir euch den Test anbieten.



Schmerzhafte Erinnerungen


Auf dem Papier soll man sich nur das Haus anschauen, in dem man groß geworden ist: Welche Möbel könnte man verkaufen? Welche Bilder oder andere Erinnerungsstücke will man behalten? Für Tyler und Alyson geht es nach dem Tod ihrer Mutter allerdings vor allem darum, sich gemeinsam an die schrecklichen Geschehnisse ihrer Kindheit zu erinnern und diese wie ein Puzzle zusammenzusetzen.  

Welches Erinnerungsstück aus der Kindheit ist wertvoll und welches kann weg?
Welches Erinnerungsstück aus der Kindheit ist wertvoll und welches kann weg?
Ähnlich wie in E.A. Poes Kurzgeschichte „Der Untergang des Hauses Usher” symbolisiert das Elternhaus die zerrüttete Beziehung der Familie: Egal ob Keller, Kinderzimmer oder das mit einem Schloss versperrte Zimmer der Mutter - jeder Raum löst bei Tyler und Alyson schmerzliche Erinnerungen aus. Diese dienen in Tell me Why als Hauptspielmechanik: Anstatt die Zeit zu manipulieren, können die Zwillinge hin und wieder Situationen aus der Vergangenheit schemenhaft in der Spielwelt auftauchen lassen und sich über Knopfdruck daran erinnern. Darunter sind zwar auch schöne Aspekte, wie sie sich z.B. Märchengeschichten erzählten oder ein Brettspiel erfanden. Die meisten Erinnerungen sind jedoch traumatisch und führen alle zu der einen fatalen Nacht, die Alyson und Tyler bis heute daran hindert, ein ruhiges Leben zu führen. Da die beiden durch den Tod von Mutter Mary-Ann gezwungen sind, das Elternhaus zu verkaufen, beschließen sie sich ihrem Trauma endlich zu stellen und herauszufinden, welches Geheimnis ihre Mutter all die Jahre für sich behalten hat.

Interessante Charaktere

Schon als Kind stellt Tyler fest, dass er sich nicht wie ein Mädchen fühlt.
Schon als Kind stellt Tyler fest, dass er sich nicht wie ein Mädchen fühlt.
Tylers Erinnerungen fügen dabei eine weitere interessante Facette hinzu: Als Transgender-Mann erinnert er sich z.B. an Auseinandersetzungen mit seiner Mutter, die auf den ersten Blick nicht akzeptieren wollte, dass er sich bereits als Mädchen nicht im richtigen Körper fühlte. Auch die Gespräche mit Michael, bei denen man sich dafür entscheiden kann, ob sie eine romantische Beziehung eingehen, sind emotional und authentisch geschrieben. Die anderen Nebencharaktere wie Sam oder Tessa, wirken mit ihrer individuellen Beziehung zu den Zwillingen ebenfalls glaubwürdig und sorgen für überraschende Wendungen in der Geschichte. Schließlich hat DONTNOD mit Tyler einen der wenigen glaubhaften Trans-Protagonisten geschaffen, dessen persönliche Reise sich wunderbar in den Hauptplot eingliedert. Toll ist auch, dass die Entwickler darauf geachtet haben, stets seinen Geburtsnamen (Deadname) zu vermeiden, was bei vielen Transgender-Personen negative Erinnerungen auslösen kann.  

Schade ist, dass Alysons Schicksal etwas zu wenig Raum bekommt: Zwar gibt es kurze Passagen, in denen sie Panikattacken hat und gezeigt wird, wie sehr sie im Alltag auf die Hilfe ihres Onkels oder besten Freunds angewiesen ist. Die meiste Zeit dreht sich die Handlung jedoch um Mutter Mary-Ann oder Tyler, wodurch ich Alysons Sicht nur wenig kennenlernen konnte.  

Kommentare

Wunderheiler schrieb am
Die Kulisse ist zwar sehr stimmungsvoll, aber leider stören (...) die teils träge Steuerung. Schließlich gab es auch spielerisch zu wenig Anreize (...). Trotzdem hat mich die (...) Reise der beiden noch solide unterhalten.
Klingt für mich sehr wie The Last Guardian :lol:
NewRaven schrieb am
Also ich bin nun durch und im Prinzip kann man an dem Titel die gleichen Dinge kritisieren, wie auch schon an LiS 2 - nur das sie hier vielleicht andere Gründe haben. Die teils weder logisch noch emotional nachvollziehbaren "Wendungen" - oft innerhalb eines einzelnen Gesprächs - um irgendwie eine Dramatik zu erzeugen, die dann aber einfach gekünstelt wirkt, die fehlende Zeit, die man der Entwicklung der Nicht-Spieler-Charaktere nicht wirklich einräumt (wenn das auch hier eher der geringen Episoden-Anzahl geschuldet sein dürfte, während es bei LiS 2 wohl eher Absicht war um das Flucht-/Roadtrip-Feeling zu stärken), die vielen Versuche, etwas als "eine große Sache" zu verkaufen, nur um sie dann in einer Nichtigkeit aufzulösen (red herring) oder Dinge, die eigentlich längst klar und offensichtlich sind, so oft zu wiederholen oder konkretisieren, bis sie auch jemand verstanden hat, der beim Spielen mehrfach eingeschlafen ist.
Schlechter als bei LiS 2 fand ich, dass die Entscheidungen quasi allesamt nicht wirklich "wichtig" wirkten - und LiS 2 war da schon merklich schlechter als sein Vorgänger - es gab quasi in allen drei Episoden keinen einzigen Moment, wo ich kurz innehalten musste und drüber nachdenken musste, was ich da jetzt wähle. Das Resultat war meist sehr gut vorhersehbar und die zu erwartende Änderung zu der jeweils anderen Antwort schlicht nicht wirklich groß (auch wenn ich das nur an wenigen Stellen getestet habe), die "emotionale Involvierung" fehlte oft einfach.
Besser war, dass man sich beim Cast wieder auf eine überschaubare und dauerhaft präsente Gruppe an Charakteren beschränkt hat - und wie gesagt, mit etwas mehr Zeit hätten die alle durchaus gut werden können.
Rätsel und Co waren "genretypisch" nicht der Rede wert (und die, die wenigstens etwas anspruchsvoller waren, waren optional), Grafik, Sound und Technik waren eben "typisch LIS" und die Sprecher waren super (naja, bis auf Michael... der klang für meine Wahrnehmung eigentlich durchgehend stoned...
Flux Capacitor schrieb am
Für mich kein Spiel, einfach ein interaktiver Film. Zum abschalten am Abend aber ganz ok, ich mochte aber auch die anderen Spiel-Filme von DontNod.
LeKwas schrieb am
dessoul hat geschrieben: ?
11.09.2020 18:42
Das stimmt. Das allererste, was in der Werbung stand, war "Transgender Charakter". Ich war dann deswegen ein wenig neugierig. Aber obwohl das ständig angesprochen wird, spielt es nicht wirklich eine Rolle in irgend einer Form. Ich fand die Umgebung auch ziemlich harmlos. Alle akzeptieren fast sofort, dass da nicht mehr ein Mädchen steht, sondern ein Typ. Ich bin in der Großstadt aufgewachsen und hab damit leben müssen, dass ich ständig für die kleinste Abweichung von der Norm von irgend welchen Wildfremden Arschlöchern angegangen wurde. Ich hab lange Haare? Irgend ein Fremder macht mich dafür im Bus an. Ich trage einen Pulli von Northdale, weil ich das Universitäts-Logo toll fand und wurde sofort von irgendwelchen Typen als rechte Sau bezeichnet. Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, wo ich ständig ein Messer bei mir tragen musste, weil die Gefahr dauernd da war, dass mich irgend ein Wildfremder versucht anzugehen. Ich sass deswegen bei dem Spiel deswegen da und hab mich dann immer gefragt: und jetzt was?
Die hätten sich das Transgender-Thema auch sparen können: Es hat keinerlei Auswirkungen im Spiel. Nichts von all den Folgen, die so eine Geschlechtsumwandlung nach sich zieht. Die ständigen Hormonkuren, die man mit all ihren Nebeneffekten zu sich nehmen muss, Auswirkungen aufs Sexualleben, feindliche Reaktionen aus dem Umfeld: nichts davon taucht auf.
Man kann das als Vor-oder Nachteil sehen. Es heisst ja auch in den Berichten, dass das Thema Transgender ein Teil des Spiels ist, man aber nicht zu einer Meinung genötigt wird. Ok, warum auch nicht?
Du hast es gut umschrieben, man kann es allerdings auch anders sehen.
Denn einige Transgender-SpielerInnen sind es mittlerweile auch leid bzw. darin übersättigt, dass wenn solche Thematiken in Unterhaltungsmedien auftauchten, sie fast immer als Steilvorlage für Misery Porn (bestehend aus Diskriminierung, psychischen Problemen, etc. pp.) herhalten durften:

In der Hinsicht könnte...
Tas Mania schrieb am
Keine Spoiler:
Eben durchgezockt und kann Alice Meinung fast teilen.
Mich hat teilweise sogar gestört, dass man immer wieder unlogische Dinge eingeführt hat, die eigentlich schon längst klar waren und man es immer wieder vorgekaut hat in der Story. Die Märschen Rätsel wirkten in meinen Augen befremdlich und stellenweise absolut unplatziert. Ich hatte in Tell me why viele Momente wo ich mir einfach nur gedacht habe, wieso was soll der Quatsch? Wo Sie aber wiederum mit realistischen rätseln punkten konnten, weil Sie einfach in die Spielwelt gepasst haben. Die Charaktere werden ganz gut beleuchtet und Aly nimmt sogar den spannendsten Part ein. Aber man verschenkt Potenzial von Aly und reitet auf der Story von Taylor rum, die eigentlich schon in Episode 1 in meinen Augen fertig war.
Tell me why vermittelt wirklich wichtige Dinge in Zusammenhang mit Toleranz,Respekt und Familienzusammenhalt in allen Bereichen.
Das wertet das Spiel enorm auf und man kann über viele schwächen hinwegsehen.
Grafisch gehe ich nicht so hart ins Gericht und finde die Grafik absolut in Ordnung.
Sound technisch hat das Spiel 0 Dramaturgie und schafft es nicht, emotionale Momente einzufangen.
Das Gameplay wirkt sehr aufgesetzt und schafft es mich kaum in die Spielwelt mit einzubeziehen. Ich fühle mich als Spieler immer ausgeschlossen und habe immer, dass Gefühl, meine Entscheidungen haben keinen Einfluss. Ich merke nichts von falschen Entscheidungen.
Telltale Games hat, dass in meinen Augen viel besser hinbekommen.
Tell me why hätte, dass Potenzial durchaus für eine 80er Wertung haben können, aber die Mängel rechtfertigen die Wertung im 60er Bereich.
schrieb am