Gears 5: Hivebusters - Test, Shooter, PC, Xbox One

 

Test: Gears 5: Hivebusters (Shooter)

von Matthias Schmid



Gears 5: Hivebusters: Durchgefallen bei der Dschungelprüfung
An der Dschungelprüfung gescheitert
Entwickler:
Publisher: Microsoft
Release:
15.12.2020
15.12.2020
15.12.2020
Erhältlich: Digital (Xbox Store, Steam)
Erhältlich: Digital (Xbox Store, Steam)
Spielinfo Bilder Videos
Der erste Story-DLC für das gelungene Gears 5 schickt euch auf die Insel: Vulkane und tödliche Flugmonster, Dschungel und Lavaflüsse, Alien-Echsen und indigene Kultstätten - mehr kann man kaum in drei Stunden Third-Person-Action packen. Warum sich Gears 5: Hivebusters trotz alledem hohl anfühlt, erklären wir im Test.

Die Drei vom Flucht-Modus

 

Keegan, Lahni und Mac, das wenig charismatische Trio aus dem wenig reizvollen Flucht-Modus des Hauptspiels bekommt seinen eigenen Story-DLC spendiert. In Hivebusters (aka Schwarmtöter, wie der Kampagnen-Nachschlag im Spielmenü heißt) stellt sich das anfangs wenig harmonische Team der Schwarm-Bedrohung und muss dazu eine vulkanische Insel bereisen. The Coalition fährt die volle Breitseite an Abenteuerfilm-Klischees auf: Es geht durch einen menschenfeindlichen Dschungel, vorbei an Wasserfällen und Ruinen eines indigenen Stammes (von dem natürlich Rahni, eine der drei Figuren, abstammt); dazu gibt es Höhlen voll köchelnder Lava und abgestürzte Flugzeugwracks. Der DLC kocht die bekannten Feindtypen neu auf und packt sie lauwarm in die Szenarien: Die nervigen, durch die Luft rasenden Schwärme sind ebenso zurück wie dicke Feindbrocken mit Keulen, Sniper-Wachen und wild auf euch einstürmende Mini-Monster; dazu Springer, eine Handvoll Roboter und drei, vier Boss-Ungetüme. Das immer noch stark funktionierende Deckungssystem wird mitunter zum Bumerang: Viel zu oft ahnt ihr schon, wann nur spaziert wird, um die großartige Grafik zu bewundern, und wann gleich Feinde aus den Löchern gekrochen kommen. „Oh, da sind überall hüfthohe Deckungen - was mag das nur bedeuten??“

Absturz im dichten Dschungel: Die Szenarien des Hivebusters-DLCs sehen super aus!
Absturz im dichten Dschungel: Die Szenarien des Hivebusters-DLCs sehen super aus!
Viele spannende Shootouts, bei denen man hauchzart überlebt, klug nachlädt, Monster zerstückelt, Feindtypen priorisiert und sich gegenseitig aufhilft (entweder mit zwei KI-Kollegen oder zu dritt kooperativ) wechseln sich ab mit wenig prickelnden Sequenzen, in denen eine Stellung eine Minute gehalten werden muss - bis Verstärkung eintrifft oder ein riesiges Floß auf dem Lavafluss wieder in Schwung kommt; letzteres ist in puncto Spieldesign ungefähr so aufregend wie der hundertste Aufzug in den Sidescroll-Kloppern der 1990er. In den ruhigen Momenten lauscht man den abgedroschenen Dialogen („Der Schwarm hat mir meinen Sohn genommen!“) und ärgert sich, dass Charaktere, denen man den Rücken kehrt, plötzlich kaum noch hörbar sind. Viel besser: Die Aussicht genießen. Denn abseits der dezenten Leblosigkeit, die man schon dem Hauptspiel vorwerfen konnte, sind die knackscharfen Szenarien eine Augenweide und laufen natürlich mit perfekt sauberer Bildrate - darüber hinaus wird in nur drei Stunden eine erstaunliche Anzahl unterschiedlicher Szenarios abgefeuert.


Kein Jack, dafür Fähigkeiten

In Deckung! Die Spielmechanik funktioniert im DLC so hervorragend wie im Hauptspiel.
In Deckung! Die Spielmechanik funktioniert im DLC so hervorragend wie im Hauptspiel.
Der Flugroboter Jack, im Hauptspiel spendabler Begleiter und Unterstützer, ist aktuell wohl in der Werkstatt - die drei Grazien ziehen allein ins Feld und freuen sich über rasch aufladende Fähigkeiten: Keegan kann ein Munitionsdepot „beschwören“, das allen Kombattanten im Umkreis von drei Metern Nachschub spendiert - eine praktische Angelegenheit, auch weil man dadurch länger bei seiner Lieblingswaffe bleiben kann. Rahni stürmt mit ihrem Elektromesser auf Feinde zu und Mac gibt sich und dem Team mit einem mobilen Schild Deckung. Spielt ihr solo, löst ihr diese Fähigkeiten auch für die Kollegen aus, was praktisch ist - die KI ist allerdings zu doof, Keegans Muni-Nachschub oder Macs Schild mitzubenutzen. Diese Fähigkeiten waren übrigens schon im Flucht-Modus von Gears 5 verfügbar, wurden also für den Hivebusters-DLC nicht neu ersonnen. Wer ein wenig aufmerksam durch die Areale spaziert, entdeckt einige Upgrades für diese Perks - allerdings dürft ihr nichts selbst verbessern, die lineare Aufrüst-Mechanik läuft automatisch ab. Gears 5: Hivebusters ist in sechs Kapitel unterteilt, dauert ziemlich genau drei Stunden und ist gratis für alle Game-Pass-Ultimate-Abonnenten; alternativ werden 19,99 Euro fällig.

Oh, da liegt was Tolles! An etlichen Stellen in den Levels sind Upgrades für die Charakter-Fähigkeiten versteckt.
Oh, da liegt was Tolles! An etlichen Stellen in den Levels sind Upgrades für die Charakter-Fähigkeiten versteckt.
Zu guter Letzt muss ich mich über zwei Dinge beschweren, die mich beim Spielen buchstäblich den Kopf schütteln ließen: In einem der Kapitel geht es in den Bauch der Insel, also unterirdische Höhlen voller Monster und Lava. Und nachdem das Trio auf dem Abhang ins Rutschen geriet, musste ich staunen, dass mich die Entwickler ernsthaft (und mehrfach) ewig lang durch eine Felsröhre schlittern lassen. Wie auf der Superrutsche im Locust-Spaßbad. Und dabei ist es noch völlig egal, ob man auf vorbeirauschende Feinde schießt, weil die ohnehin nur eine Sekunde im Blickfeld sind. Schließlich fand ich die Endsequenz des Hivebusters-DLCs sogar offensiv unangenehm - Vorsicht, Spoiler: Nachdem das Trio im Dschungel das Toxin eines wilden Tieres extrahieren kann, wird anschließend im Labor - von heroischer Musik untermalt - ein biologischer Kampfstoff hergestellt, den die KoR-Truppen als Massenvernichtungswaffe einsetzen wollen. Ja, die Gears-Saga erzählt die Geschichte eines fiktiven SciFi-Kriegs, aber das geht meiner Meinung nach gar nicht!

Kommentare

chrische5 schrieb am
Hallo
Ganz so einfach ist es leider nicht. Es fehlt an guten Alternativen. Die Funktionen von Noten sind vielfältiger geworden. Als perfekte Lösung sieht es aber wirklich niemand.
Christoph
Macarone schrieb am
Zum Thema Note: das ist ein Relikt aus noch preußischer Zeit und absolut nicht mehr zeitgemäß. Ein derartiges Bewertungssystem kann zu einem Druckmittel verkommen und lässt dabei die verschiedensten Aspekte außen vor, die ein Produkt oder im Fall der Schule den Menschen ausmachen (Stichwort Schule). Was das mit Menschen anrichten kann, muss hier hoffentlich nicht näher erläutert werden. Die Leute sind viel zu fixiert auf eine Note und setzen sich kaum mehr mit der eigentlichen Kritik auseinander.
chrische5 schrieb am
Hallo
Ich bin nicht anspruchslos. Ich sehe es nur anders als du. Warum sollte das aus ohne Anspruch sein? Ich denke ja, dass es sehr schwer ist, so einen test zu machen. Mir kommt es eher so vor, als wärst du angefressen, weil da nicht deine zahl drunter steht. Von solchen Gefühlen versuche ich mich zu befreien.
Dass 4players von der Wertung profitiert, habe ich nie in Abrede gestellt und bitte deshalb darum, dass du mir das nicht unterstellst. Sie schießen sich nur dahingehend ins Bein, weil es eben nicht zur Philosophie passt. Also eher ein internes Problem. Für die Reichweite mögen sie zählen besser sein.
Sende doch mal einen link zum einem objektiven Test!
Christoph
Vandaa schrieb am
chrische5 hat geschrieben: ?28.12.2020 22:01 Hallo
Doch genauso. Weil es eben nur wichtig ist, wenn es den spielspaß beeinflusst. Der tester sollte es natürlich beschreibem. Ob er es bewertet, liegt in seinem ermessen.
Ich bin gegen Wertung und awards. Und dass 4players sich hier ins eigene Bein schießt, sehe ich deutlich.
Christoph
Bei deinem Beispiel mit dem Fußball Test hat mir gezeigt wie anspruchslos einige bei Tests sind. Und das meine ich nicht als Angriff.
Genau so falsch schätzt du die Bedeutung einer Wertung und Awards ein. 4Players würde sich ins eigene Bein schießen wenn sie dies weglassen würden.
Dann würde es hier zum Beispiel keine Seitenlange Diskussion geben. Dann würden die Tests weniger in anderen Foren gepostet werden. Dazu heizen sie damit den Plattform Krieg weiter an. Das 4Players oftmals (nicht immer jeder Redakteur) Pro Playstation ist, ist kein Geheimnis. So eine Wertung wie zu diesem DLC passt da natürlich gut rein und sorgt für Aufmerksamkeit :)
chrische5 schrieb am
Hallo
Ich fühle mich meist unterhalten und informiert. Ich gehe fest davon aus, dass die Tests für die Leserinnen hier sind. Für wen auch sonst? Die Entwicklerinnen sollten ihr Produkt mögen und eigentlich keine zusätzliche Motivation für magazine brauchen.
Christoph
schrieb am