Test zu The Last of Us Part 2 von unserem Leser "" - 4Players.de

 
Action-Adventure
Entwickler: Naughty Dog
Publisher: Sony
Release:
19.06.2020
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ab 149,99€
Spielinfo Bilder Videos

Durchschnittswertung

74%Gesamt
74%

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Lesertest von Unbekannt

Ich habe mir deutlich mehr erhofft und kann Jörgs herausragende Bewertung nicht nachvollziehen, obwohl mein eigener Eindruck selten von seinen Einschätzungen abweicht. Im Detail habe ich beim Durchspielen folgende Eindrücke gesammelt:


Grafik:
Positiv zu erwähnen ist die ausgezeichnete, teils fast fotorealistische Grafik. Das betrifft nicht nur die Landschaften, sondern vor allem auch die Figuren.


Gameplay:
Das Gameplay entspricht mit wenigen Abweichungen dem ersten Teil. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, weil der erste Teil ein Knaller war. Irgendwann wird es dann aber doch ziemlich repetitiv: Anschleichen, greifen, zustechen. Je nach Spielweise muss man durch eine ganz Menge langweiliger Quick-Time-Events: Übt schonmal die Quadrat-Taste zu hämmern, bis der Daumen blutet.
Hinzu kommen einige weitläufige Areale in denen sich nichts Interessantes finden lässt und man sich fragt, wann man da endlich durch ist.
Kurz: Das Gameplay hat sich gegenüber dem ersten Teil kaum verändert, ist teils aber etwas monotoner und langatmiger geworden.


KI:
Die KI geht nicht über die des ersten Teils hinaus, obwohl man da heute sicher einiges mehr erwarten könnte.
Die menschlichen Gegner sehen teils nicht, wenn man vor ihnen hockt und greifen oft unfassbar dumm an: Ich schickte ihr Welle um Welle meiner Mannen entgegen, bis sie ihr Kill-Limit erreicht hatte. Dafür können sie teils durch Wände usw. schießen.
Die Infizierten verhalten sich hingegen wie man es erwarten kann; hier gibt’s es nichts Negatives zu erwähnen.
Kurz: Die KI ist bei dem ersten Teil stehen geblieben; kann man heute sicher besser machen.


Gewalt:
Das Gewaltlevel des Spieles ist extrem, was insbesondere durch die fotorealistische Darstellung bedingt ist. Mir fehlt da erfreulicherweise die persönliche Erfahrung, aber so in etwa wird es wohl in der Realität aussehen, wenn Menschen anderen Menschen das antun, was im Spiel geschieht. Wer mit expliziten Gewaltdarstellungen ein Problem hat, sollte dieses Spiel nicht anfassen.


Story:
Die Lust am Spiel hat mir der Plot und seine Entwicklung verdorben. Ich mag da überempfindlich sein, aber das ist halt mein ganz persönlicher Geschmack.

Das ging zu Beginn damit los, dass ich nicht die Figur spielen konnte, die ich spielen wollte (Ich habe mir keinerlei Spoiler angeschaut und wusste nicht ansatzweise, was auf mich zukommt).

Inhaltlich hat mich unfassbar genervt, welches Schicksal das Spiel für die liebgewonnen Charaktere aus dem ersten Teil bereithielt. Insoweit ist das Spiel eine einzige Talfahrt, die soweit ging, dass mich die Story gegen Ende fast gar nicht mehr interessiert hat.
Hinzu kommt, dass ich die Entscheidungen und Handlungen der Protagonisten als nicht nachvollziehbar bis erratisch empfunden habe. Zu viele unvermittelte, unmotivierte 180-Grad-Drehungen: Nach unzähligen, brutalen Tötungen bekommt der Massenmörder aus dem Nichts heraus Gewissensbisse? Nach einer ewigen, verlustreichen Jagd erkennt der Jäger eine Sekunde vor dem Ziel die Sinnlosigkeit seines Tuns? Erinnert mich an die letzte Staffel von GoT….

Der größte Fehler des Spiels lag für mich aber in der Reihenfolge, in der die Geschichten der Protagonisten erzählt werden. Bis zur Hälfte des Spiels konnte ich mich mit der gespielten Figur identifizieren und habe mitgefiebert. Die andere Hälfte verbringt man nach dem dann erfolgenden Perspektivwechsel damit, einen Charakter zu spielen, zu verbessern und auszurüsten, den man eigentlich nur unbewaffnet in die nächste Gruppe Clicker steuern will. Mir war es jedenfalls nicht möglich auch nur die geringste Empathie für die zweite Figur aufzubauen; ab dem ersten Perspektivwechsel habe ich eigentlich nur noch darauf gewartet, dass man endlich wieder die Perspektive wechseln und sie erledigen kann. Die Hälfte des Spiels war daher aus meiner Sicht für die Katz.

Bedauerlich finde ich hier, dass man hinsichtlich der maßgeblichen Entscheidungen der Protagonisten keine Entscheidungsmöglichkeit hat, sondern diese durch das Spiel diktiert werden. Jedes drittklassige Rollenspiel greift die Entscheidungen des Spielers auf und verwurstet sie zu einem guten, einem neutralen und einem schlechten Ende. Das hätte man von einem Toptitel mit entsprechendem Budget auch erwarten können. Stattdessen hat man hier als Spieler wortwörtlich keine Wahl.


Fazit:
Von der technischen Seite ist das Spiel eine grafisch aufgemotzte Version des ersten Teils. Insoweit kann man bedenkenlos zugreifen, wenn man den ersten Teil mochte.

Von der Story her war das Spiel nichts für mich. Das betrifft den Inhalt (was man sicher auch sehr gut anders empfinden kann), vor allem aber die Dramaturgie.

Als ich das Spiel gekauft habe, meinte der Typ im Gamestore, dass ich es ihm nach dem Durchzocken zurückverkaufen könnte. Ich habe noch gelacht und gemeint, dass ich das bestimmt nicht tun werde. Er: „Na dann warte mal ab“. Morgen bekommt er es zurück….
Pro
  • Ausgezeichnete Grafik
  • Im Grundsatz bekanntes und bewährtes Gameplay
  • Pilzzombies!
Kontra
  • Das Spiel hebt die Konsequenz von Entscheidungen hervor, lässt dem Spieler allerdings keinerlei Entscheidungsmöglichkeiten
  • Erratische Entscheidungen der Protagonisten
  • Aus der Luft gegriffene Plot-Twists
  • Perspektivwechsel nach halber Spielzeit auf verhasste Spielfigur
 

The Last of Us Part 2

The Last of Us Part 2
22.06.2020 PS4 
70%
4 0

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