Test zu The Whispered World von unserem Leser "James Dean" - 4Players.de

 
Adventure
Release:
25.11.2015
kein Termin
28.08.2009
Jetzt kaufen
ab 6,95€
Spielinfo Bilder Videos

Durchschnittswertung

89%Gesamt
89%

Alle Lesertests

Lesertest von James Dean

Point & Click Adventures waren, wie bei vielen Menschen meiner Generation, die Spiele der Jugend. Wie viele andere bin ich mit Monkey Island, Zack McKracken, Loom und all den anderen groß geworden. Mit den 1st-Person-Adventures wie Myst oder den 3D-Adventures wie Syberia oder Journey konnte ich mich nie wirklich anfreunden, gezeichnete Grafiken gehörten für mich einfach mit dazu, auch die 3rd-Person-Ansicht.

Mit "The Whispered World" habe ich das erste Mal eines der jüngeren Adventures gespielt, es war auch mein erstes Daedalic-Adventure. Schon aus früheren Tests hatte mich der Grafikstil angesprochen, ich hatte es bis dahin aber immer versäumt, mir das Spiel einmal zu kaufen.

Schließlich war es dann so weit, nach gut 14 Jahren (Monkey Island 3 war das letzte jüngste Adventure, was mir gefallen hatte) endlich mal wieder ein nettes Rätsel-Spiel. Und ich hegte Hoffnung, dass meine Grauen Zellen noch so gut waren, dass ich möglichst auf Lösungshilfen verzichten konnte.

TWW beginnt mit einem animierten Intro, das mich vom Stil und der Qualität her arg an oben erwähntes Monkey Island 3 erinnert hat. Diese Filmchen - von denen es mehrere gibt - wirken nicht so schön gezeichnet wie die Hintergründe und Figuren im tatsächlichen Spiel. Im Spiel selbst sieht alles wunderbar aus, alles ist so gut und detailliert gezeichnet, wie ich es mir von einem 2D-P&C-Adventure gewünscht hätte. Stören tat mich in der Tat in diesem Falle nur eines: die Animationen. Ich finde es wirklich schade, dass im Jahr 2014 sowohl Fernsehen als offenbar auch Videospiele es nicht hinkriegen, bei Zeichentrick-Projekten flüssige Animationen zu kreieren. Ist das eine Modeerscheinung? Faulheit? Oder Unfähigkeit? Bereits 1950 hat Walt Disney es mit Schneewittchen gezeigt, wie perfekt Animationen aussehen können, man muss nur wollen. Merkwürdig wirken auch die Charaktere, die es nicht nötig haben zu blinzeln. Selbst früher (ja, daran hänge ich mich auf), als Augen nur aus schwarzen Pixeln bestanden, blinzelten die Charaktere. Heute sitzen sie mit starrem Blick auf einem Stein. Nun ja, First-World-Problems.

Die Rätsel in TWW schwanken von einfach bis ordentlich. Es gab durchaus Momente, bei denen ich wirklich nach langer Suche und ebenso langem Grübeln einen Blick in die Komplettlösung geworfen habe. Meist lag es daran, dass ich einen Gegenstand nicht finden konnte, denn die sind manchmal relativ versteckt platziert. So musste ich einmal eine Axt aufgeben und habe sie noch nicht einmal als Axt erkennen können, weil sie zur Hälfte durch die Umgebung verdeckt und auch so sehr gut in ihre Umgebung integriert war. Bei einem sehr frühen Rätsel musste ich - so viel kann ich spoilern - eine Angel mit Hilfe eines Stockes bauen. Den Stock fand ich nicht, obwohl er sprichwörtlich vor meinen Füßen lag - er war zu klein. Eine Hilfsoption, die mir alle Interaktionsmöglichkeiten grafisch anzeigen lässt, habe ich erst später "entdeckt". Muss ich wohl übersehen haben. Normalerweise bin ich gegen solche Hilfen, aber später hat sie mir doch sehr gut geholfen, Dinge zu finden, die ich sonst übersehen hätte.

An Rätsel lässt sich alles finden: Simple Kombinationsrätsel, aber auch richtige Puzzles, bei denen man wirklich erst einmal nachdenken muss. Mir persönlich haben diese Parts am besten gefallen, da sie vor allem eine nette Abwechslung darstellten.

Sadwick, der Clown, den wir spielen, soll für seinen fahrenden Zirkus neue Besucher finden und einem reisenden Boten helfen. Mit dabei ist sein Freund Spot, eine niedlich fiepsende Raupe, die auch allerlei Tricks auf Lager hat, so kann sie sich in eine rollende Kugel (statt eines Fiepsens gibt es dan ein Rülpsen) verwandeln und so bei Rätseln helfen. Auch diese Mechanik ist eine interessante und gut umgesetzte Idee.

Manche Rätsel sind jedoch relativ seltsam, zumindest wenn man Teile der Popkultur nicht kennt (ich konnte etwa eine gewisse Fliege nicht fangen, weil ich früher bestimmte Filme nicht gesehen habe). Man bekommt zwar immer subtile Hinweise, etwa durch Gespräche oder Itembeschreibungen, aber manchmal habe ich mich doch gefragt, wie man auf bestimmte Lösungen kommen soll.

Die deutschen Sprecher sind ebenfalls großartig. Viele kritisieren die zu hohe Stimme Sadwicks, ich finde, sie passt hervorragend. Auch all die anderen Charaktere klingen super, vorbildlich, wenn man es mit anderen Spielen vergleicht.

Die Story selbst ist ebenfalls großartig, und ich muss zugeben, dass am Ende sogar das eine oder andere Tränchen geflossen ist. Zwar gab es im dritten Viertel einen Hänger im Spiel, durch den ich mich etwas quälen musste, dafür war das letzte Viertel wirklich großartig und spannend inszeniert, die Geschichte nahm auf einmal eine Fahrt auf, wie man sie sonst nur bei einem ICE erleben kann, dessen Bremsen nicht funktionieren (und das meine ich positiv).

Alles in allem ist TWW ein wunderbares Spiel mit wenigen Schönheitsfehlern. Dennoch für Phantastik-Freunde absolut empfehlenswert.
Pro
  • wunderschön gezeichnete Umgebungen
  • interessante und witzige Charaktere
  • Spot ist gut umgesetzt und eingebunden
  • klasse Sprecher
  • Sadwick hat immer passende Sprüche, in jeder Situation
  • Abwechslungsreiche, vielfältige Rätsel
  • Hilfsfunktion für schlecht sichtbare Items
  • großartige Geschichte mit ebenso großartigem Ende.
Kontra
  • abgehackte Animationen
  • (wenige) seltsame Rätsel
  • Manche Gegenstände lassen sich nur schwer kennen
  • "Hey, wir machen ganz viele offene Türen und verstecken dahinter Dinge, das macht das Spiel knackiger, denn wer schließt schon Türen?"
  • Motivationshänger im dritten Viertel (subjektiv)
 

The Whispered World

The Whispered World
James Dean
James Dean 23.05.2014 PC 
88%
2 0

War dieser Bericht hilfreich?