Test zu Red Dead Redemption 2 von unserem Leser "SilentOpera" - 4Players.de

 
Action-Adventure
Entwickler: Rockstar Games
Release:
05.11.2019
26.10.2018
26.10.2018
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Spielinfo Bilder Videos

Durchschnittswertung

57%Gesamt
90%
55%
43%

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Lesertest von SilentOpera

Was ist denn hier passiert?
Eine Wertung von 94% (Konsole) bzw. 90% (PC) und dann ein Verriss auf 49% bei der Leserwertung. Könnte es sein das sich Herr Luibl in diesem Spiel so getäuscht hat und die hohe Wertung tatsächlich ungerechtfertigt ist…?

Tatsächlich hatte ich mir „Red Dead Redemption 2“ bereits für den PC zugelegt bevor ich auf die Negativschlagzeilen hier gestoßen bin. Ich betone bewusst für den PC, da ich auch im Besitz einer PS4 Pro bin, mich aber bei Spielen mit Shooter-Elementen mehr auf Maus und Tastatur verlasse und zudem, ähnlich wie bei GTA V auf ein grafisches Update hoffte.

Ich möchte dazu anmerken, dass ich das Spiel noch immer nicht durchgespielt habe aber dennoch das bisherige Spielgefühl wiedergeben möchte. Aber alles der Reihe nach…

Beginnen wir mit dem Oberflächlichen. Grafisch betrachtet ist RDR2 wirklich prachtvoll anzusehen. Die herrliche Landschaft mit Ihren weiten Ebenen, kleinen Flüssen und Bächen und Wäldern wirkt direkt wie aus einem Sergio Leone Film entnommen. In Verbindung mit der enormen Weitsicht ergibt sich ein sehr stimmungsvolles Panorama, welches besonders in der Abenddämmerung und im Morgengrauen mit seinen Licht- und Schattenspielen glänzen kann. Besonders aufgefallen ist mir dies bei einer Saloon-Schießerei, nach der die abendlichen Sonnenstrahlen durch die Rauchschwaden brachen. Die Objektoberflächen sind sauber aufgelöst und „matschige Texturen“ sind mir nur selten untergekommen. Allerdings muss ich anmerken das ich viele der hochgelobten Grafikergüsse auch in anderen Spielen schon gesehen habe. Und das mitunter besser. Die Verdrängung von Wasser sieht besonders bei Kutschen ein wenig merkwürdig aus und die Spuren im Schnee kenne ich schon aus God of War, welches besonders bei Gesichtern und Haaren wesentlich mehr zu bieten hat. Gestik und Mimik der Figuren sehen sehr gut aus und die Gespräche wirken recht Lippensynchron, was leider immer noch nicht selbstverständlich ist.

Die Tonabmischung kann sich wirklich hören lassen. Angefangen bei den Geräuschen der Wildnis bis hin zu der Vertonung der Konversationen hat Rockstar hier ganze Arbeit geleistet. Da stört es auch nur wenig, dass es keine deutsche Sprachausgabe gibt, zumal der raue Cowboy-Slang auf Englisch mehr zur Geltung kommt. Die musikalische Untermalung ist so dezent, dass man sie oft kaum wahrnimmt, fügt sich aber perfekt in die Stimmung des Spiels ein, ohne jemals aufdringlich zu wirken.

Zum Gameplay muss ich sagen, dass ich oft gelesen habe RDR2 sei eine Art GTA im wilden Westen. Dem kann ich mich nicht wirklich anschließen. Natürlich existieren Parallelen zwischen den Spielen, allerdings ist das Spielgefühl ein vollkommen anderes. GTA stellt Gewalt oder die Gesellschaft derart überspitzt dar, dass es mehr an eine Gesellschaftssatire erinnert. Dagegen ist RDR2 wesentlich ernster, zuweilen ein wenig melancholisch gehalten. Sicher gibt es Parallelen aber das Spielgefühl ist vollkommen anders. Das beginnt dabei, dass Verbrechen wesentlich härter geahndet werden und man nicht mal eben 10 Zivilisten ummäht oder sich einfach ein Pferd klaut. Die meisten Handlungen wollen gut überlegt sein wenn man sein Kopfgeld nicht unnötig in die Höhe treiben will. Allgemein spielt sich RDR2 auch viel gemächlicher. Egal ob es dabei um ein Feuergefecht mit den gehassten O’Dricoll’s geht, einen Ritt durch die Prärie oder das allgemeine Lagerleben. Nein, RDR2 ist keine Lebenssimulation oder gar eine Reitsimulation, aber Rockstar versucht die Aspekte des harten Alltags Anno 1899 mit allen Fassetten einzufangen und ich muss sagen, das dies gut gelungen ist.

Nun zu dem Knackpunkt im Spiel. Mir ist bewusst, dass es sich bei RDR2 um einen Konsolenport handelt. Schon bei GTA V war die Steuerung in der 1st-Person recht schwammig und mir fiel es leichter Fahrzeuge aus der 3rd-Person zu spielen. Warum das bei RDR2 wieder so lieblos übernommen wurde erschließt sich mir nicht. Dabei erzeugt es eine tolle Immersion, die Welt durch Arthur’s Augen wahrnehmen zu können. Leider ist auch die Steuerung über die Tastatur ein leichter Krampf. Dabei geht es nicht mal um das hakelige Reiten. Vielmehr ist die Tastatur überladen, so dass ich ohne die Einblendung der Befehle oft nicht wüsste welche Taste ich drücken muss. Ich habe nicht den direkten Vergleich, aber wenn ich mir das Steuerungsschema für das Game-Pad ansehe so kommt mir dieses durchdachter vor. Hier hat Rockstar definitiv Lernbedarf. Gleiches gilt für das Inventar, welches man für den PC hätte ändern können. Ansich ist das Waffenrat okay aber das Gesamte Inventar über dieses Verwalten zu müssen ist meiner Meinung nach zu unübersichtlich.

RDR2 will, wie bereits erwähnt, kein GTA V im wilden Westen sein. Es benötigt ein wenig Zeit und reißt einen nicht direkt mit einem Knall mit ins Abenteuer. Aber wenn man sich darauf einlässt (und an die etwas krumme Steuerung gewöhnt) wird man mit einem wunderbaren Abenteuer belohnt.
Pro
  • Abwechslungsreiche Landschaft.
  • Großartige Atmosphäre in einem beinahe gezähmten wilden Westen.
  • Einblicke in den Lageralltag und dadurch ein "mittendrin" Gefühl.
  • Viele Gestaltungsmöglichkeiten für Waffen, Pferde, Charakter und Ausrüstung.
  • Gemächliches Spieltempo auch bei actionreichen Passagen.
  • Viele Interaktionsmöglichkeiten mit Umgebung und NPCs.
Kontra
  • Steuerung mit Maus und Tastatur sehr gewöhnungsbedürftig, weil überladen.
  • 1st-Person ist immer noch zu schwammig.
  • NPCs reagieren manchmal übertrieben aggressiv (machmal etwas nervig auch wenn es realistisch ist).
 

Red Dead Redemption 2

Red Dead Redemption 2
SilentOpera
SilentOpera 19.03.2020 PC 
90%
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