Der 4Players Kommentar: Ubisoft, Kopierschutz & Wertungen

 

Kommentar

hundertprozent subjektiv

KW 09
Donnerstag, 04.03.2010

Ubisoft, Kopierschutz & Wertungen


Ubisoft hat sich mit der Ankündigung seines Kopierschutzes den Unmut vieler Spieler zugezogen - das Beatback reichte vom bissigen Spott bis hin zu Boykottaufrufen und der Androhung bis dato kaufwilliger PC-Fans, sich zukünftig für die Raubkopie zu entscheiden. Kurzfristig betrachtet war das ein spielepolitisches Eigentor inklusive Imageschaden.

In Paris zieht man die neue Strategie mit stoischer Ruhe und ersten geschützten Spielen wie Assassin's Creed II oder Silent Hunter 5 durch, betont natürlich all die Vorzüge in FAQ und schweigt bei all zu kritischen Fragen, die den Unmut der Spieler bündeln. Welche Folgen hat diese Strategie langfristig und wie gehen wir als Magazin mit Titeln von Ubisoft um?

Zunächst ein Blick in die 4Players-Redaktion: Ein, zwei (eher konsolenfixierten) Kollegen war der Kopierschutz und die gesamte Debatte übrigens von Beginn an egal, so lange man das Spiel (also Plants vs. Zombies) auf beliebig vielen Systemen installieren und überall zocken kann. Aber die langjährigen DirectX-Kämpfer mit höheren Strategie- und Actionwerten haben sofort mit dem Kopf geschüttelt und das Ganze nonchalant mit "So ein Scheiß!" oder dem etwas Präziseren "Das ist ein verdammter Scheiß!" quittiert. Warum die Aufregung? Weil die Franzosen wesentlich weiter gehen als Steam, indem sie den Spieler zum Daueronlinesein zwingen.

Zu diesem psychologischen Problem der gefühlten elektromagnetischen Nötigung gesellen sich ganz praktische: Kollege Kautz war während seines Umzugs z.B. einen Monat ohne Internet - in dieser Zeit würde er in Zukunft kein Die Siedler 7 spielen können, selbst wenn er es gekauft hätte. Kollege Schmädig wird bei seinem Anbieter immer wieder mit sporadischen Netzausfällen genervt und möchte mit dieser Ungewissheit keinen Assassinen durch Florenz führen. Kollege Schmidt spielt ganz gerne im Flugzeug an seinem Notebook - da kann er R.U.S.E. und Zombies trotz Quittung in der Tasche vergessen. Und als ich dem Kollegen Oertel vorhin aus purer Boshaftigkeit den Netzstecker aus dem PC gezogen habe, lief Ezio zwar noch ein Minütchen weiter, aber dann erschien auf dem Bildschirm diese Meldung:

"Es wird versucht, die Netzwerkverbindung wiederherzustellen. Das Spiel wird fortgesetzt, sobald die Verbindung wieder hergestellt ist. Bitte warten Sie. Wird die Verbindung nicht wiederhergestellt, können Sie vom letzten Spielstand aus weiterspielen.

Zurück zu Windows"


Zugegeben: Das sind Sondersituationen. Und dass Ubisoft den Spielern dennoch das brave Daueronlinesein zutraut, liegt sicher nicht an der französischen Naivität, sondern an der Recherche der Internetstruktur sowie der aktuellen Surfmentalität. Man hat in Paris einfach analysiert, wie viele PC-Spieler ständig im Netz unterwegs sind. Das ist auch keine große statistische Kunst: Man braucht nur mal auf World of WarCraft zu schauen, um Millionen dauervernetzte Haushalte links und rechts des Rheins zu orten - ganz Mitteleuropa schlurft virtuell durch Azeroth. Und man munkelt, dass die meisten das einige Stunden am Stück durchhalten.

Diesen Kopierschutz kann man den Leuten theoretisch auch deshalb zumuten, weil es mittlerweile nur noch auf Mobiltelefonen so genannte Volumenflatrates gibt - wer einen Computer besitzt, surft schon lange grenzenlos, ohne vom finanziellen Gewissen geplagt auf die Uhr schauen zu müssen. Noch vor fünf Jahren wäre diese Form des Kopierschutzes alleine aufgrund der Zusatzkosten für Zocker nicht denkbar gewesen. Und auf Mobiltelefonen dürfte ein Die Siedler 7 mit Internetpflicht noch heute im Funkmast krepieren.

Wenn die Dauervernetzung so sicher ist und sie die Raubkopiergefahr angeblich (huch, es gibt schon illegale U-Boote und Meuchler? Das ging ja fix!) eindämmt: Warum zieht man sie dann nicht auch auf Xbox 360 und PlayStation 3 durch? Natürlich müssten Sony und Microsoft noch ein Wörtchen mitreden. Aber wahrscheinlich würde die Marktforschung dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machen: So wie es im Schwarzwald noch im 16. Jahrhundert Leute gegeben haben soll, die nichts vom Christentum wussten, soll es hartnäckige Konsoleros geben, die mit ihrer Kiste noch nie online waren - obwohl Xbox Live und das PSN boomen, herrscht auf der Couch noch eine ganz andere Mentalität.

Aber auf dem PC liegt Ubisoft mit seiner streitbaren Strategie quasi im digitalen Trend. Alles zwitschert, vernetzt und exhibitioniert sich mehr oder weniger freiwillig und dauerhaft im Internet - mittlerweile trifft man da sogar auf Angela Merkel sowie die privaten Daten, Vorlieben und Geheimnisse von Millionen Menschen. Wahrscheinlich lachen wir in fünf weiteren Jahren über die aktuelle Kopierschutzaufregung, wenn Breitband aus dem All kommt, das Internet für jeden so sicher wie der Strom aus der Steckdose fließt und Half-Life 3 à la OnLive in die Berghütte auf der Alm gestreamt wird.

Weg von der Zukunft, zurück in die Gegenwart, wo es zwischen Sauerland und Erzgebirge noch so einige teutonische Offline-Löcher geben soll: Nervt uns der Kopierschutz von Ubisoft? Ja. Und manche von uns werden die Spiele privat meiden wie Vampire den Knoblauch. Spielt der Kopierschutz eine Rolle für die Wertung? Nein. Wir testen keine DRM-Systeme. Wir bewerten auch in Zukunft nicht die Art und Weise, wie ein Publisher seine digitalen Rechte wahrnimmt, sondern das Erlebnis und damit ein Spiel ab dem Moment, wo wir "Press Start" drücken.

Natürlich erwähnen wir den Kopierschutz und benennen auch seine Auswirkungen, wie heute im Test von Assassin's Creed II. Aber auch in der Vergangenheit hat sich das unbequeme Datendrumherum nicht negativ auf unsere Tests ausgewirkt - sonst hätten wir einige gecrackte Versionen aus dem Umfeld von Steam, Rockstar Social Club, EAs Download Manager oder Games for Windows Live ja grundsätzlich aufwerten müssen. Und wer will einem Grand Theft Auto IV schon utopische 95% geben?


Jörg Luibl
Chefredakteur
Spielefresser, Biomonster & Fanboys
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Geschichten aus der Welt der Videospiele
Ausgewählte Kolumnen von Jörg Luibl, Chefredakteur bei 4Players.de, in einem Taschenbuch des CSW-Verlags.

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Kommentare

Metal777 schrieb am
würde jemand wie Herr Luibl diese Gedankengänge haben,
wäre Ihm aufgefallen, das der riesige Teil der Leser genau das will.
Dein Zitat:
Oder ohne Bildsprache: Der Redakteur als Privatmann denkt sich 'Wenn
ich sehe, was mir da der Hersteller reinwürgt, vergeht mir sämtlicher Spaß
am Spiel.' Und das ist ein Problem, das 4Players dann im besonderen hat,
denn wer von sich behauptet, subjektiv zu werten, der muss dann auch in
seinen Test schreiben "Packe ich nicht mit der Kneifzange an" und notfalls
mit diesem einen Satz den Testbericht auskommen lassen.
Wohl ein Grund, warum es hier so still um Splinter Cell Conviction als PC-Test ist.
Aber auch wie hier gewertet wird, stellt sich nicht als flexibel heraus.
Denn eine Gesamtwertung plus Pro/Kontra Fakten ist nicht plausibel. Und
hier liegt das Problem. Würde man wie viele andere auch Unterkategorien
haben, würde man eine finden, wo dieser Kopierschutz reinfällt und könnte
abgewertet werden. Oder man macht eine neue mit neuer Gewichtung.
Aber nein, hier glaubt man auch, das man einfach seine Meinung sagt und
alles bleibt wie gehabt. Der Verweis auf Spiele wie Silent Hunter 5,
Assassin's Creed 2 und Siedler 7 mit den passenden Kommentaren ist
jetzt der Anfang für dieses passive Verhalten.
Noch ein Hinweis:
http://www.4players.de/4players.php/dis ... _City.html
Hier bekommt die PC-Verison 2 Punkte Abzug wegen der Steuerung.
Wenn man die Kommentare dann liest, stellt man fest, wie die Leserschaft
darauf reagiert. Mit Unterkategorien wäre man wohl besser bedient.
PS:
Wann kommt der SCC-Test ... ja wann, man. :?
Dragondeal schrieb am
4P|T@xtchef hat geschrieben:Aber dann muss man das von Anfang an konsequent im Rahmen seiner Testphilosophie durchziehen - wir hätten also Half-Life 2 abwerten müssen. Schon damals gab es eine riesige Aufregung über Steam und wir haben uns entschlossen, den G-Man trotz der lauten Forderungen damit nicht zu behelligen. Im Nachhinein war das genau die richtige Entscheidung.
In meinen Augen war das genau die falsche Entscheidung, denn für jeden Schritt, den die Wertungshörige Spielerschaft (zu der sich Gott sei dank noch nicht jeder zählen muss) mitgeht, machen die Hersteller zwei neue. Schon Steam zerflückt genüßlich Käuferrechte und deutsches Datenschutzrecht.
In vielen Foren kursiert der Vergleich mit dem Autokauf, und ich finde ihn recht stimmig, obwohl sich viel andere Produkte da wohl auch eignen. Denn wer würde ein Auto kaufen (hätte Spaß daran), wenn per Daueronline-GPS mitgelogt würde, wann und wo das Auto fährt? Und wer würde ein Auto kaufen (hätte Spaß daran), wenn er beim Kauf z.B. per Fingerabdruck sich als Käufer registrieren müßte und das Auto ohne diesen Fingerabdruck nicht mehr fährt, also ein Verkauf hinfällig ist?
Klar, rhetorische Frage eigentlich, aber der Spielekäufer läßt es mit sich machen. Wieso? Im Fall des Autos hätten wir kein entsprechendes Magazin, dass diesen Umständen nicht eine 8-seitige Titelstory widmen würde und jeder Redakteur würde schon in der Überschrift vom Kauf eines solchen Autos abraten oder seinen Job verlieren. Nur Spielemagazine agieren irgendwie anders, irgendwie seltsam. Käuferrechte - und in Deutschland kauft man Computerspiele, zumindest wenn sie im Regal stehen - tauchen selten und dann meistens auf S. 1xx auf, Datenschutz ist bestensfalls eine Randnotiz unter "Vermischtes" wert.
Stattdessen werden fröhlich 80er und 90er Wertungen verteilt, was - und mir mag bitte kein Redakteur was anderes erzählen oder behaupten, er wüßte das nicht oder sehe das anders - nichts weniger als eine Kaufempfehlung ist, die in manchen...
Shabba D schrieb am
LASTBULLWORK hat geschrieben:Mein lieber JimboDuck, lausche meinem Flötenspiel:
1. Es heißt "in den" AGB und nicht "in der" AGB.
2. Du bist schlecht informiert. Du sagst zwar nicht, auf welche AGB Du Bezug nimmst, die Datenschutz-Bestimmungen für die Online-Plattform von UBI findest Du aber hier:
http://www.ubi.com/DE/Info/Inf...agname=PrivacyPolicy
Viel Spass beim Lesen, insbesondere des Abschnitts, in dem die Ubis umschreiben, das sie Daten der Spieler sammeln, aber nichts verlauten lassen was da genau passiert.
3. Solltest du das Spiel gekauft haben, lies doch nochmal die Lizenzbestimmungen. Du wirst fündig werden.
4. Ich weiß nicht welchem Elternhaus Du entstammst, aber Deine Wortwahl läßt wenig Grund zur Hoffnung. "verzapfen", "Kinderkappes" - dieser leicht aggresive Unterton ist schon auffällig. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Du emotional nicht ganz ausgeglichen bist.
5. So, nachdem das jetzt gesagt ist: Schön wäre es, wenn Du über die Sache schreiben würdest und nicht andere Poster angehen würdest. Der Sinn eines Forums ist es ja eher, Argumente auszutauschen und weniger aufeinander loszugehen.
6. Warum sollte ich die Spiele nicht kaufen? Ich will sie ja. Aber nicht verbunden mit Knebelverträgen, Rechteentzug und Datenklau.
Comprende?
7. Dass Behörden Datenbestände so wenig im Griff haben wie viele Firmen ist tatsächlich ein Problem. Die Gefahr für jeden Einzelnen liegt in der Vermengung der erhobenen Daten aus unterschiedlichen Quellen - und der heutzutage schon fast zur Gewohnheit gewordenen beabsichtigten und unbeabsichtigten Verbreitung. Das sind keine Verschwörungstheorien, das ist ein fettes Geschäft.
8. Dann mal noch Danke! fürs Feedback und weiterhin gute Besserung.
Von allen Leuten hier hast du den grössten Stock im Popo
lompu schrieb am
Aber auch in der Vergangenheit hat sich das unbequeme Datendrumherum nicht negativ auf unsere Tests ausgewirkt - sonst hätten wir einige gecrackte Versionen aus dem Umfeld von Steam, Rockstar Social Club, EAs Download Manager oder Games for Windows Live ja grundsätzlich aufwerten müssen.
Das denke ich nicht, denn wenn ich mich recht erinnere, testet ihr Spiele so, wie sie im Handel erhältlich sind. Gecrack werden sie wohl kaum verkauft werden ;)
Metal777 schrieb am
ist ja alles ganz nett geschrieben, aber:
1.
Zitat: Zugegeben: Das sind Sondersituationen.
So nennt man das? Soll ich mal was mit einbringen? Kinder mit Notebooks
fahren mit den Eltern in den Urlaub. Wollen Assassins Creed 2 spielen, geht
aber nicht, wegen DRM. Und wenn Sie schon aufzählen was passieren kann,
dann bitte daran denken das bei Servern immer ein Punkt erreicht wird, bis
der voll ist.
2.
Zitat: Man braucht nur mal auf World of WarCraft zu schauen, um Millionen ...
Soso, ist schon bekannt das WoW auch pro Monat bezahlt werden
muss? Ob die dann wohl auch soviel spielen, um es zu nutzen?
Und was sagt einer von über 4 Millionen Erwerbslosen, der die
derzeit mindestens 40 Euro nicht bezahlen kann, das er draussen
bleiben muss? Aber vielleicht wird Ubisoft auch hier noch Abgaben
einführen.
3.
Zitat: Diesen Kopierschutz kann man den Leuten ...
Auch Sie verwenden das Wort Kopierschutz, ist es aber nicht.
DRM bedeutet Digital Rights Management und man kann das
Spiel trotzdem kopieren. Hier wird ein Spiel dem Nutzer
zugeordnet und mit kundenfeindlichen Nutzungbedingungen
bevormundet.
4.
Zitat: ... wer einen Computer besitzt, surft schon lange grenzenlos,
ohne vom finanziellen Gewissen geplagt auf die Uhr schauen zu müssen.
Schon mal daran gedacht, als Telekom demnächst die Gebühren
zu erhöhen, weil soviele spielen wollen? Ausserdem gibs kein Recht auf
Telefon und Internet, soll auch Leute geben die das nicht kriegen.
5.
Zitat: Natürlich müssten Sony und Microsoft noch ein Wörtchen mitreden.
Es ist wohl nicht bekannt, das eine ans Internet angeschlossene Konsole
immer online ist und Daten sendet, selbst wenn die auf Standby ist?
Oder glaubt hier einer ernsthaft, das gerade diese Globalplayer darauf
verzichten? Es kommen immer mehr Online-Spiele für Konsole. Wer träumt,
ist wohl schon tot.
6.
Zitat: Wahrscheinlich lachen wir in fünf weiteren Jahren über die aktuelle
Kopierschutzaufregung, ...
Haben Sie auch ein Facebook, StudiVZ oder Wer kennt wen Account?
Ich nicht und Millionen auch nicht und wir...
schrieb am