Natürlich unendlich viele "World Premiere"-Trailer mit reichlich Werbung dazwischen - und ein gut gelaunter Geoff Keighley mittendrin, der seine teils sehr prominenten (Hollywood-) Gäste und Laudatoren (Keanu Reeves, Brie Larson, Gal Gadot, Christopher Nolan) brav aus der Ferne per Zoom-Videoschalte begrüßte.
Nach neuen Spielszenen zu Sumo Digitals For Honor-Konkurrent Hood: Outlaws & Legends und ersten, grafisch ziemlich starken Spielszenen zu Warhammer 40.000: Darktide betrat mit The Callisto Protocol ein frischer Name die Bühne. Der Third-Person-SciFi-Horror wird vom neuen Studio des Dead Space-Erfinders Glen Schofield entwickelt. Echte Spielszenen gab es abseits eines ekligen Teasers noch nicht - trotzdem scheint für Dead Space-Fans nun endlich Licht am Ende des Tunnels in Sicht. Electronic Arts, der einstige Dead Space-Macher, nutzte die Game Awards natürlich auch als Bühne - mit gemischter Wirkung: Hazelights Enfant terrible Josef Farez (A Way Out) zeigt reichlich cooles Ingame-Material seines nächsten Koop-Titels It Takes Two. Gleichzeitig gab zu Dragon Age 4 und der nächsten Mass Effect-Episode aber so ziemlich genau nichts zu sehen - was der Spielergemeinde nicht wirklich hilft, wieder Vertrauen in den gebeutelten Rollenspielentwickler BioWare zu stecken.
Dafür kommt das gefeierte Disco Elysium als Final Cut endlich auf die Konsolen, die Amplitude Studios arbeiten am Roguelite-Actiontitel Endless Dungeon und Vin Diesel spiel in ARK 2 mit. Richtig gelesen: Im (gefühlt endlos langen) Trailer kämpft der (mal wieder) digitalisierte Hollywood-Star gegen hungrige Dinosaurier und furchteinflößende Clankrieger. Reichlich gekämpft wurde auch in Crimson Desert - das gigantische Open-World-Abenteuer aus Korea (vom Black Desert-Studio Pearl Abyss) glänzte als einziger Titel mit einem noch längeren Trailer, die Spielszenen war grafisch vielversprechend, allerdings wirkte die Welt noch etwas leblos.
Die Game Awards 2020 waren auch ein Gradmesser für die durchaus vorhandene Vielfalt in der aktuellen Spielewelt: Neben weniger spannenden, aber doch unvermeidbaren Ankündigungen zu neuen Inhalten von Blockbustern (Master Chief in Fortnite, The Elder Scrolls Online-Erweiterung geht zurück nach Oblivion, die Fall Guys torkeln durch Season 3) gab es vielversprechende, teils malerische, teils dramatische Indie-Roadtrips (Open Roads, Season und Road 96), aber gleichzeitig Oldschool-Action und neue Ballerspiele. Mit Ghosts 'n Goblins Resurrection wird Capcoms knallharter Hüpfer auf Switch wiederbelebt, die Shadow Warrior-Macher Flying Wild Hog programmieren den Wildwest-Shooter Evil West und Housemarques Third-Person-Geballer Returnal sah einen Tick spannender aus als bei seiner letzten Vorstellung; und es kommt schon am 19. März 2021.
Ach ja: Microsofts gefeierter Flight Simulator fliegt im nächsten Sommer endlich die Xbox Series X an und der Kult-Horrorfilm Evil Dead wird, mal wieder, versoftet - diesmal als 4-gegen-1-Mehrspielershooter. Unterm Strich waren die Ankündigungen, Spielszenen und Trailer der diesjährigen Game Awards also durchaus kurzweilig und vielversprechend - nur hätte man das Ganze ruhig etwas knackiger über die Bühne bringen können. Und der von Vielen herbeigesehnte Knaller-Abschluss in Form von Elden Ring fehlte natürlich auch...
